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7 Tipps, um Linux-Tools souverän einzusetzen

28.06.2013 | 11:17 Uhr |

Egal ob Firefox, LibreOffice oder Newsfeeds - auch auf Linux muss man nicht auf populäre PC-Tools verzichten. Wir geben Ihnen sieben Tipps, mit denen Sie sie optimal nutzen.

1. Ubuntu: Libre Office 4.0 in Ubuntu LTS einbauen

Es kann dauern, bis aktuelle Programmversionen in Linux-Distributionen aufgenommen werden. Bei Ubuntu gibt es neue Versionen von wichtigen Programmen wie etwa das aktuelle Libre Office 4.0 erst mit einer Neuauflage der Distribution.

Im Fall von Libre Office helfen inoffizielle Paketquellen weiter, denn die Büro-Software ist so populär und essenziell, dass sich hier genügend Entwickler und Tester finden, um unabhängig von der offiziellen Ubuntu-Entwicklung frischere Pakete bereitzustellen. Ein Weg für fortgeschrittene Anwender, die jeweils neueste Version in Ubuntu zu installieren, bietet die Projektwebseite http://de. libreoffice.org.

Hier liegen in einem Tar.gz-Archiv einzelne DEB-Dateien zur manuellen Installation. Dabei ersetzt das so installierte Libre Office aber keine bereits vorhandene Version, sondern installiert sich parallel dazu ins Verzeichnis „/opt“.

Einen einfacheren Weg bietet ein PPA, ein inoffizielles Repository für Ubuntu, das eine speziell angepasste Version des Büro-Software bereitstellt und ein gewöhnliches Update ermöglicht. Zum Einrichten geben Sie in einem Terminal-Fenster die beiden Befehle

sudo add-apt-repository ppa:libreoffice/libreoffice-4-0 sudo apt-get update

ein und aktualisieren die vorhandene Version dann mit dem Kommando

sudo apt-get dist-upgrade

oder über das Ubuntu Software Center. Bei letzterem müssen Sie anschließend noch das deutsche Sprachpaket „libreoffice-l10n-de“ manuell nachinstallieren, damit die Menüs auch in Deutsch erscheinen und Rechtschreibhilfen vorhanden sind.

Her mit den Werten: Bei Verwendung mehrerer Tabellenblätter können Sie Werte aus anderen Blättern nutzen, hier mit dem Bezug ‚Group Stage‘.D9, um von dort den Inhalt der Zelle D9 zu holen.
Vergrößern Her mit den Werten: Bei Verwendung mehrerer Tabellenblätter können Sie Werte aus anderen Blättern nutzen, hier mit dem Bezug ‚Group Stage‘.D9, um von dort den Inhalt der Zelle D9 zu holen.

2. Libre Office Calc: Werte aus anderen Arbeitsmappen

Bei umfangreichen Tabellen sorgen mehrere Tabellenblätter für mehr Übersicht. Berechnungen lassen sich in Libre Office Calc über Tabellenblätter hinweg ausführen.

Mit der richtigen Adressierung kommen Sie an Werte aus anderen Tabellenblättern der gerade geöffneten Datei heran und können diese in Formeln verwenden oder einfach in die auswählte Zelle schreiben. Libre Office Calc verlangt dazu einen Bezug nach diesem Muster:

'<Tabellenname>'.<Spalte><Zeile>

Um beispielsweise aus dem Tabellenblatt namens „Group Stage“ den Wert aus der Zelle D9 zu lesen, brauchen Sie den Bezug ‚Group Stage‘.D9. Derartige Bezüge können Sie auch direkt in Formeln benutzen.

Tipp: Linux-Desktop nach Maß

Haarspalterei: Wenn in Libre Office Writer Kopf- und Fußzeilen mit Spalten versehen werden sollen, muss im Dialog für die Spalten der „Aktuelle Bereich“ ausgewählt sein.
Vergrößern Haarspalterei: Wenn in Libre Office Writer Kopf- und Fußzeilen mit Spalten versehen werden sollen, muss im Dialog für die Spalten der „Aktuelle Bereich“ ausgewählt sein.

3. Libre Office Writer: Links- und rechtsbündig in einer Zeile

In Kopf- und Fußzeilen mit einzelnen Textelementen wie Seitenzahl und Titel reicht eine einheitliche Ausrichtung des gesamten Texts oft nicht. Stattdessen soll die Seitenzahl linksbündig sein und der Dokumenttitel rechtsbündig. In einer Zeile lassen sich unterschiedliche Ausrichtungen aber nicht so einfach anwenden.

Eine beliebte Methode ist, Probleme dieser Art mit eingefügten Tabellen zu lösen. Es gibt aber einen viel einfacheren, eleganteren Weg mit Hilfe von Spalten. Um damit eine Zeile in gleich große Spalten zu unterteilen, wählen Sie den Menüpunkt „Format -> Spalten“ und geben dort die gewünschte Anzahl ein. Etwas trickreicher sind Spalten in Fuß- und Kopfzeile: Markieren Sie stattdessen zuerst den Inhalt von Kopf- oder Fußzeile, und rufen Sie dann aus dem Menü den Punkt „Spalten“ auf. Hier ist es wichtig, dass im Feld „Anwenden auf“ ganz rechts der „Aktuelle Bereich“ ausgewählt ist, ansonsten würde die Einstellung für das gesamte Dokument gelten.

Inventur im Netzwerk: Der Angry IP Scanner überprüft einen angegebenen Adressbereich im eigenen Netzwerk, ob hinter einer IP-Nummer ein Gerät antwortet, und zeigt die Teilnehmer in einer Liste an, die Sie als Textdatei oder CSV-Tabelle speichern können.
Vergrößern Inventur im Netzwerk: Der Angry IP Scanner überprüft einen angegebenen Adressbereich im eigenen Netzwerk, ob hinter einer IP-Nummer ein Gerät antwortet, und zeigt die Teilnehmer in einer Liste an, die Sie als Textdatei oder CSV-Tabelle speichern können.

4. Angry IP Scanner: Netzwerkteilnehmer finden und auflisten

Wo ist der Netzwerkdrucker abgeblieben? Und unter welcher IP ist das gerade gebootete Notebook im Netzwerk bekannt? Ihre IP-Adressen erhalten Netzwerkgeräte in den meisten Netzen automatisch über einen DHCP-Server, den auch die einfachsten DSL-Router an Bord haben. Um die Vergabe von IP-Nummern muss sich so niemand mehr kümmern. Allerdings sind dann die Adressen benötigter Geräte auch nicht bekannt, beispielsweise bei der Einrichtung eines Netzwerkdruckers.

In der Shell hilft der Port-Scanner nmap bei der Auflistung aller Netzwerkteilnehmer in einem Adressbereich. Das Kommando

nmap -sP 192.168.0.*

überprüft den gesamten Adressbereich von 192.168.0.1 bis 192.168.0.254 und listet die gefunden Geräte auf. Da sich nicht jeder Netzwerkteilnehmer mit einem Host-Namen meldet, sondern oft nur mit IP-Adresse, bleibt es aber oft ein Rätsel, was sich hinter einer IP-Nummer tatsächlich verbirgt.

Besser zur Inventur geeignet ist daher der Angry IP Scanner . Das englischsprachige Open-Source-Tool kombiniert in seiner grafischen Oberfläche einen Netzwerk-Scanner mit einem Port-Scanner und zeigt, was wo im Netzwerk läuft. Es kann damit einen angegebenen Adressbereich wie nmap systematisch nach Netzwerkteilnehmern durchsuchen und zeigt die gefundenen Geräte in einer Liste an – falls verfügbar inklusive der sprechenden Host-Namen.

10 Ubuntu-Power-Tipps für noch mehr Leistung

Über die Standardpaketquellen der verbreiteten Linux-Distributionen lässt sich der Angry IP Scanner zwar nicht einfach installieren, dafür gibt es aber für Debian und Ubuntu fertige DEB-Pakete auf der Projektwebseite. Und für Open Suse und Fedora steht dort ein RPM zur Installation bereit. Davor ist aber noch eine Abhängigkeit zu prüfen, denn der Angry IP Scanner benötigt eine Java-Runtime . Ob die Runtime auf dem Linux-System installiert ist, verrät die Eingabe von Java-Version in einem Terminal-Fenster. Bei Ubuntu ist Java üblicherweise nicht vorinstalliert, was sich aber schnell ändern lässt. Wählen Sie dazu im Ubuntu Software Center die „OpenJDK-Java- 7-Laufzeitumgebung“ aus.

Nach der Installation von Angry IP Scanner finden Sie das Programm in der Kategorie „Internet“ im Anwendungsmenü der Desktop-Umgebung. Oder Sie starten es direkt mit ipscan über den Ausführen-Dialog. In den Feldern „IP Range“ geben Sie die den gewünschten Adressbereich ein und setzen den Scan mit „Start“ in Gang. Der Port-Scanner ist standardmäßig deaktiviert und lässt sich über die Option „Tools fi Preferences fi Ports“ konfigurieren. Tragen Sie dazu im Eingabefeld „Port Selection“ alle Ports ein, die der Angry IP Scanner testen soll. Für SSH, Webserver und Windows-Freigaben lautet die Eingabe hier beispielsweise 22,80,139,445. Um alle verfügbaren Port abzuklopfen, geben Sie stattdessen den Bereich „1-65535“ an.

Nach einem erneuten Scan sehen Sie in der Spalte „Ports“ die geöffneten Netzwerk-Ports auf einem Gerät, bei einem Webserver beispielsweise Port 80, bei einem SSH-Server 22. Windows- Freigaben machen sich durch die Portnummer 139 und 445 bemerkbar.

Startseite statt Übersicht: Um in einem leeren Tab die eingestellte Startseite anzuzeigen, muss der Wert des Parameters browser.newtab.url angepasst werden.
Vergrößern Startseite statt Übersicht: Um in einem leeren Tab die eingestellte Startseite anzuzeigen, muss der Wert des Parameters browser.newtab.url angepasst werden.

5. Firefox: Seitenübersicht leerer Tabs abschalten

Schon seit Firefox 13 zeigt der Browser bei einem Klick auf das Plus-Symbol neben den Tabs eine Übersichtsseite mit Links zu den neun zuletzt besuchten Seiten. Da diese Seiten selten die wirklich relevanten Webadressen enthalten, ist die Funktion nicht immer hilfreich.

Wenn die Übersichtsseite irrelevante oder gar peinliche Links zeigt, hilft gelegentliches Aufräumen: Mit dem Stecknadel-Symbol kann ein Link permanent an der aktuellen Stelle fixiert werden, ein Klick auf das „x“ entfernt ihn aus der Übersicht. Um die Seitenschnellwahl im neuen Tab abzuschalten, klicken Sie oben rechts im Vorschaufenster auf das Symbol mit den neun Quadraten. Die Vorschau verschwindet, und die Einstellung gilt für alle Firefox-Fenster, die gerade geöffnet sind. Beim Neustart von Firefox bleibt die Vorschau ebenfalls ausgeblendet.

Über eine versteckte Einstellung kann der Browser auch dazu gebracht werden, die normale Startseite in einem neuen Tab anzuzeigen. Die Option dazu findet sich in der Firefox-Konfigurationsseite, die Sie über die Eingabe von about:config in der Adresszeile erreichen. Geben Sie im Feld „Suchen“ Folgendes ein

browser.newtab.url

Klicken Sie den gleichnamigen Parameter dann doppelt an, um dort den Wert about:startpage einzutragen.

Newsfeeds für den Gnome-Desktop: Das beliebte Programm Liferea gibt es für alle populären Linux-Distributionen. Die Abos aus dem Google Reader kann es über OPML-Datei importieren und macht damit den Umstieg einfach.
Vergrößern Newsfeeds für den Gnome-Desktop: Das beliebte Programm Liferea gibt es für alle populären Linux-Distributionen. Die Abos aus dem Google Reader kann es über OPML-Datei importieren und macht damit den Umstieg einfach.

6. Newsfeeds: Liferea - Reader für den Linux-Desktop

Wozu selbst einen RSS-Reader installieren, wenn es in der Cloud ebenfalls passende Feed-Reader gibt, die einfach im Browser laufen? Wie schnell es mit Cloud-Diensten vorbei sein kann, zeigt Google exemplarisch mit der Schließung des Google Readers Mitte des Jahres. Seitdem erleben Feed-Reader für den Desktop eine Renaissance.

Wer einen Reader für den Gnome-Desktop sucht, bekommt mit Liferea ein ausgereiftes und komfortables Leseprogramm für Newsfeeds aller Art. Gepflegt und weiterentwickelt wird Liferea bereits seit zehn Jahren, und das Open-Source- Programm liegt aktuell in Versionsnummer 1.8.12 vor. Nachdem es einige Jahre still um die Software war, da viele Anwender die Cloud bevorzugten, gibt es nun neues Interesse an Liferea, weil ein lokal installiertes Programm nicht einfach wie ein kostenloser Cloud-Service den Dienst quittiert. Da Liferea ausgereift ist, finden sich passende Pakete zur einfachen Installation in den Standard-Repositories aller verbreiteten Linux-Distributionen. Bei Ubuntu finden Sie Liferea über das Ubuntu Software Center, und für Debian installieren Sie es mittels apt-get install liferea . Der Befehl zur Installation in Fedora lautet yum install liferea , und in Open Suse bietet Yast den Download und die Einrichtung über die grafische Paketauswahl.

Tipp: Abonnierte Feeds aus dem Google Reader müssen Sie nicht einzeln wieder in Liferea anlegen. Dies gelingt viel einfacher, indem Sie zuerst eine XML-Datei im standardisierten Format OPML von Google exportieren und dann in Liferea importieren. Bei Google können Sie die Feed-Abos über Google Takeout abholen. Sie bekommen hier ein ZIPArchiv, das mehrere Dateien mit der Endung JSON enthält. Interessant für den Reader ist aber nur die Datei „subscriptions.xml“, denn darin liegen die Abos, die Sie in Liferea über „Abonnements > Abonnements importieren“ wieder einlesen.

SSDs unter Linux verwenden - so geht's

Suche in PDF-Dateien: Das Tool pdfgrep ist auf PDF-Dateien spezialisiert und zeigt schnell und unkompliziert, welche Dateien einen Suchbegriff enthalten.
Vergrößern Suche in PDF-Dateien: Das Tool pdfgrep ist auf PDF-Dateien spezialisiert und zeigt schnell und unkompliziert, welche Dateien einen Suchbegriff enthalten.

7. Dateiverwaltung: Suchen und Finden in PDF-Dateien

Textdateien haben den Vorteil, dass sie sich schnell durchsuchen lassen. Linux bietet für die Volltextsuche in Dateien das universelle Suchwerkzeug grep, das mit regulären Ausdrücken in Suchmustern und rekursiver Erfassung von Verzeichnisinhalten das mächtigste Tool seiner Art ist. Allerdings liegen heute Dokumente selten im puren Textformat vor, sondern häufig als PDFs. Hier muss grep passen, da es sich hierbei um Binärdateien handelt.

Für die unkomplizierte Suche in PDF-Dateien bietet sich das Kommandozeilenprogramm pdfgrep an. Wie grep setzt eine Suche keinen vorher angelegten Suchindex voraus, den Desktop-Suchmaschinen wie Tracker und Recoll für ihre Arbeit brauchen. Das Programm pdfgrep kann einfach bei Bedarf eingesetzt werden, um eine beliebige Anzahl von PDF-Dateien nach einem gesuchten Text zu durchforsten.

In Ubuntu und Debian ist das Tool in den Standard-Paketquellen vorhanden und über den Paketmanager ohne großen Aufwand installiert, etwa mit

sudo apt-get install pdfgrep

oder über das Ubuntu Software Center. Auch Debian und Fedora kennen das Tool, und es lässt sich auch dort über den jeweiligen Paketmanager einrichten. Anwender von Open Suse 12.3 finden pdfgrep als inoffizielles, vorkompiliertes Paket im Open Suse Build Service . Von dort aus lässt es sich über die bequeme 1-Klick-Installation einrichten, nachdem der obligatorische Hinweis bestätigt wurde, dass es sich um ein inoffizielles Paket handelt. Yast richtet dann das gesamte Repository für pdfgrep ein, das in Zukunft auch gleich Updates für dieses Programm liefert. Bedienung und Arbeitsweise von pdfgrep gleichen dem Vorbild grep. Das Suchwerkzeug nimmt Befehle in einem Terminal-Fenster nach dem Schema

pdfgrep <Optionen> <Suchbegriff> <Dateien>

entgegen. Um etwa alle PDF-Dateien in einem Verzeichnis nach dem Wort „pcwelt“ zu durchsuchen, egal ob groß oder klein geschrieben, geben Sie

pdfgrep -i pcwelt *

ein. Mit dem zusätzlichen Parameter -R arbeitet pdfgrep rekursiv und steigt in Unterverzeichnisse ab. Die Resultate gibt das Programm in gewohnter Form mit Dateinamen und kurzer Textstelle aus. Die Voraussetzung für pdfgrep ist dabei, dass es sich um PDF-Dateien mit Textinhalten handelt. Wenn ein PDF nur aus eingescannten Bilddateien ohne Texte besteht, dann müssen Suchwerkzeuge passen.

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