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VW Golf Update: 9,2 Zoll Display, Active Info Display, Gesten, Stau-Assistent

11.11.2016 | 15:45 Uhr |

VW hat das Golf VII Update vorgestellt: 9,2 Zoll Display, Active Info Display, Gestensteuerung und Stau-Assistent. Plus: Die Geschichte von Golf I bis Golf VII.

Volkswagen hat das Facelift des Golf VII vorgestellt. Wobei VW das Facelift als „Update“ bezeichnet. Das hat seinen guten Grund: Denn es sind Software und Elektronik, die den wesentlich Unterschied zum Vor-Facelift ausmachen. Das Blech bleibt bis auf einige Design-Retuschen nahezu unverändert und auch bei den Motoren gibt es keine wirklich spektakulären Neuerungen (außer der üblichen Senkung des Norm-Verbrauchs nach dem wirklichkeitsfernen NEFZ und der ebenso obligatorischen Leistungssteigerung).

Die wichtigsten Verbesserungen des Golf VII Updates gegenüber dem Golf VII kurz zusammengefasst:

* Größerer Bildschirm: Touchscreen des Discover Media wächst auf 9,2 Zoll. Bisher mussten sich Golf-Fahrer mit einem 8 Zoll großen Touchscreen zufrieden geben. Zudem entfallen die mechanischen Knöpfe. Die für den Golf alternativ angebotenen kleineren Bildschirme wachsen ebenfalls etwas in der Diagonale.

Der neue 9,2-Zoll-Bildschirm
Vergrößern Der neue 9,2-Zoll-Bildschirm
© VW

* Active Info Display: Erstmals gibt es das Active Info Display auch im Golf. Passat-Fahrer kennen dieses von Audi stammende veränderliche und digitale Cockpit-Display - bei den Ingolstädtern trägt es den Namen Audi Virtual Cockpit - direkt vor dem Fahrer schon länger, Golf-Fahrer bekommen es erst mit dem Update. Allerdings nur gegen Aufpreis, dessen Höhe noch nicht feststeht. Teuer wird es aber in jedem Fall, im Passat muss man dafür 500 Euro zusätzlich bezahlen.

* Gestensteuerung : Von der Gestensteuerung spricht VW schon seit der CES 2015 und zeigte auf der IAA 2015 einen Golf R Touch mit dieser Bedientechnologie. Auf der CES 2016 konnten wir die Gestensteuerung bereits in einem e-Golf ausprobieren. Doch erst mit dem Golf VII Update können Kunden dieses neue Bedienkonzept auch tatsächlich kaufen. BMW ist da schon etwas weiter und bietet die Gestensteuerung - unter der merkwürdigen Bezeichnung Gestiksteuerung - immerhin schon im BMW 7er an . Zugegeben ein etwas anderes Preisniveau als der Golf.

* Stau-Assistent: Der neue Golf fährt teilautomatisiert bis 60 Stundenkilometer: „Durch die Fusion des Spurhalteassistent Lane Assist mit der automatischen Distanzregelung ACC übernimmt der Stauassistent auf Wunsch bis 60 km/h das Kommando im anstrengenden Stop- and-Go-Verkehr. Er lenkt, bremst und beschleunigt den neuen Golf", wie VW erläutert.

Stau-Assistent
Vergrößern Stau-Assistent
© VW

Diese Technologie borgt sich Volkswagen offensichtlich von seiner Premium-Tochter aus Ingolstadt, deren Stau-Piloten wir 2015 in Shanghai ausprobieren konnten. Audi verkauft seinen Stau-Pilot ab 2017 im A8. Zwischen dem Stau- Pilot von Audi und dem Stau- Assistent von Volkswagen gibt es aber einen großen Unterschied: Beim Audi darf der Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen, beim VW müssen sie dagegen am Lenkrad bleiben. Ein Assistent ist eben kein Pilot...

Außerdem entwickelt VW das bereits vorhandenen Notbremssystem weiter. Und es gibt Voll-LED- statt Xenon-Scheinwerfer.
Der Grundpreis von 17.850 Euro für den Golf soll unverändert bleiben, wie viel aber die oben erwähnten technologischen Neuerungen Aufpreis kosten werden, verrät VW noch nicht.

Rückblick: Die Geschichte des VW Golf

Der VW Golf wurde bis Ende 2015 exakt 32.590.025 Mal gebaut. Vor allem in Mitteleuropa prägte und prägt er wesentlich das Straßenbild. Der Kompaktwagen aus Wolfsburg ist mit seinen 30 Millionen Exemplaren zwar noch nicht das meistgebaute Auto der Welt. Diesen Titel führt immer noch der Toyota Corolla (wobei man hier einschränkend sagen muss, dass Toyota den Corolla während dessen gesamter Bauzeit derart stark verändert hat, dass man kaum noch von ein einem einzigen Auto sprechen kann).

Und der Golf wurde auch nie so spektakulär „Weltmeister“ als meistgebautes Auto der Welt, wie es der VW Käfer im Jahr 1972 schaffte, als der unverwüstliche Krabbler aus Wolfsburg den bis dahin führenden legendären Ford T ("Tin Lizzy") ablöste (der Weltmeisterkäfer war übrigens ein VW 1302 – mit MacPherson-Federbein-Vorderachse und damit relativ großem Kofferraum, Schräglenker-Hinterachse, Bügeleisen-Rückleuchten, beachtlichem und recht durstigen 50 PS-Motor und Scheibenbremse vorne). Aber der Golf prägte doch das Leben einiger Generationen seit seinem Verkaufsstart 1974, war quasi namensgebend für eine eigene Autoklasse – nämlich die Kompaktklasse alias Golf-Klasse - und brachte es sogar zum Buchtitel („Generation Golf“). Und er rettete das damals kriselnde Volkswagenwerk vor dem Untergang.

Im November 2016 stellt der durch den Dieselabgas-Skandal schwer angeschlagene Volkswagen-Konzern das Facelift des Golf VII vor (siehe oben). Grund genug für einen kompakten Rückblick auf über 30 Millionen VW Golf – vom rostanfälligen Golf I bis zum mit Sicherheitsassistenten vollgestopften Golf VII.

Golf I
© VW

Golf I (1974 bis 1983)

„Alles begann 1974 mit einer Revolution“, skizziert Klaus Bischoff, Chefdesigner der Marke Volkswagen: „Der Schritt vom Käfer zum Golf war revolutionär. Mit der Umstellung vom luftgekühlten Heckmotor auf den wassergekühlten Frontmotor und vom Heck- auf den Frontantrieb entstand ein neues Fahrzeuglayout. Gestalterisch wechselten die Volkswagen-Designer – dank des legendären Entwurfs von Giorgio Giugiaro – von einer runden in eine eckige Formensprache.“

Soweit der Marketing-Text von VW. Tatsächlich stand das VW-Werk Anfang der 1970er Jahre am Abgrund. Der Käfer (Typ 1) war einfach in die Jahre gekommen und verkaufte sich mit seinem leistungsschwachen luftgekühltem Boxermotor (der in den 44- und 50-PS-Varianten auch noch recht durstig war) und seinen schlechten Kofferraumverhältnissen sowie seiner labilen Heizung zusehends schlechter. Auch die Typ 3- und Typ 4-Modelle benötigten dringend einen Nachfolger (den sie in Form des VW Passats ja dann auch bekamen).

Mit dem gründlich verbesserten VW Käfer 1302 (dem Weltmeisterkäfer) und dem 1303 (mit der gewölbten Panorama-Windschutzscheibe, für die Rudi Carrell damals Werbung machte, dem Plastikarmaturenbrett und den „Elefantenfüßen“ als Rücklichtern) gewann VW noch einmal ein paar Jahre, die es dringend für die Entwicklung des Nachfolgers benötigte. VW setzte dabei alles auf eine Karte und stellte dann 1974 mit dem Golf ein frontangetriebenes Fahrzeug mit Wasserkühlung und leicht zugänglichem Kofferraum samt Heckklappe vor. Der Entwurf wurde ein Volltreffer. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass sich der Golf I als sehr rostanfällig erwies. Mit dem GTI erfand VW zudem einen zeitlosen Klassiker , der bis heute viele Fahrer fasziniert.

Golf II
© VW

Golf II (1983 bis 1991)

Er war der Golf, mit dem Volkswagen Technologien wie den geregelten Katalysator (1984), das ABS (1986) und den Allradantrieb (1986) auf den Weg brachte. Darüber avancierte die Baureihe mit dieser Generation endgültig zur Ikone: „Einer der wichtigsten Momente in der Geschichte des Golf war damals die Entscheidung der Vorstände“, so Marc Lichte, leitender Volkswagen Exterieur Designer, „das Design des Golf I weiterzuentwickeln und auf der Basis seiner optischen DNA den Golf II zu konzipieren. Damit fing alles an, damit schuf Volkswagen die Basis für eine kontinuierliche Entwicklung der Baureihe.“ Das sagt Volkswagen zur zweiten Generation.

Viel wichtiger für die VW-Fahrer war aber die deutlich verbesserte Rostprophylaxe in Form von Tauchbädern, in denen Hohlraumwachs auf die Golfkarosse wartetet – alles sorgsam erhitzt, damit das Wachs auch wirklich in jeden Hohlraum kriechen konnten. Das Thema Rost war damit erledigt. Und gerade die lahmen Turbolader-freien Diesel dieser Golfgeneration erwiesen sich als fast unverwüstlich. Gute Crasheigenschaften waren dagegen damals noch kein Thema, wie Jahrzehnte später ein vergleichender Crashtest zwischen dem Golf II und einem Mexiko-Käfer bewies – der Käfer war minimal besser als der Golf (oder besser gesagt: der Käfer war etwas weniger schlecht als der Golf II…)

Einige Zahlen zum Golf II:

10.000.000 Exemplare : 1988 durchbrach der Golf die Schallmauer von zehn Millionen produzierten Exemplaren

10.156 Euro : der erste Golf (Generation II) der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde 2012 versteigert.

Golf III
© VW

Golf III (1991 bis 1997)

Der Golf III war der erste Golf mit Frontairbags (ab 1992). Außerdem führten Fortschritte im Bereich der Karosseriekonstruktion dazu, dass sich die Crasheigenschaften weiter verbesserten (was auch dringend nötig war). In diesem Golf kam zudem der erste TDI-Motor der Baureihe zum Einsatz (1993). Bis zu seiner Ablösung wird sich die Nummer III 4,83 Millionen Mal verkaufen.

Golf IV (1997 bis 2003)

Unter der Regie des damaligen Designchefs (Konzern) Hartmut Warkuß entstand das Design, das für VW damals wegweisend wurde (zumindest sieht das VW so...). Der Schleuderschutz Electronic Stability Control (ESC - auch als ESP bezeichnet) wurde 1998 im Golf eingeführt. Das Doppelkupplungsgetriebe (2002 eingeführt) war ein weiterer technischer Leckerbissen für den Golf.

21.517.415 Exemplare : 2002 überholte der Golf da bis dato erfolgreichste Auto der Welt, den Käfer.

Bis 2003 wurden inklusive aller Derivate 4,99 Millionen Exemplare des Golf IV produziert.

Golf IV
© VW

Golf V (2003 bis 2008)

Bei ihm wurde die Karosserie per Laser geschweißt, wie VW betont. Das brachte laut VW 35 Prozent mehr bei der Torsionssteifigkeit. Der erste Golf Blue Motion (das besonders sparsame Dieselmodell; 4,5 l/100 km) entstand 2007 ebenfalls auf der Basis des Golf V

188.938 Euro : der teuerste Golf (Generation V) wurde 2005 versteigert; Erstbesitzer war Papst Benedikt XVI.

Golf VI (2008 bis 2012)

Die erneut per Laser geschweißte Karosserie erzielte fünf Sterne im EuroNCAP-Crashtest. Fünf NCAP-Sterne gelten mittlerweile als Standard. VW verbaut seitdem TSI-Motoren, die zumindest bei vorsichtiger Fahrweise vergleichsweise wenig Kraftstoff verbrauchen. Die TDI-Dieselmotoren wurden vom zwar bewährten und sparsamen, aber auch etwas ruppigen und in Zusammenhang mit DPFs nicht unproblematischen (Motorölverdünnung wegen Diesel-Nacheinspritzung) Klassiker Pumpe-Düse auf das heute übliche Common-Rail-System umgestellt.

Golf VII - hier als GTD
Vergrößern Golf VII - hier als GTD
© VW

Golf VII (seit 2012)

Das Gewicht des siebten Golf wurde um bis zu 100 kg gesenkt. Je nach Motor konnte der Verbrauch gegenüber dem Vorgänger um mehr als 23 Prozent reduziert werden, wie VW betont. Mit Sicherheit wird der Golf VII zudem als jenes Kompaktmodell in die Geschichte eingehen, in dem eine ganze Armada neuer Assistenzsysteme debütierte: Proaktiver Insassenschutz, Multikollisionsbremse, ACC. Das ist tatsächlich eine Demokratisierung des Fortschritts. Diese Golf-Generation ist aber auch vom Abgasdiesel-Skandal betroffen , der VW in die schwerste Krise seiner Geschichte stürzte. Wegen einer Mogel-Software.

Der Golf Country war eine Allrad-Version des Golf.
Vergrößern Der Golf Country war eine Allrad-Version des Golf.
© VW

Wichtige Golf Versionen und ihr Debütjahr im Überblick: 

* Golf GTI – 1976
* Golf Cabriolet – 1979
* Golf GTD – 1982
* Golf syncro (Vorläufer des Allradantriebs 4MOTION) – 1986
* Golf City Stromer (Vorläufer des e-Golf) – 1989
* Golf Country (SUV-Vorläufer) – 1990
* Golf Variant – 1993
* Golf R32 (Vorläufer des Golf R) – 2002
* Golf Plus (Vorgänger des Golf Sportsvan) – 2006
* Golf TGI (Erdgasantrieb) – 2013
* Golf GTE (Plug-In-Hybridantrieb) – 2014

Der aktuelle VW Golf ist ein rollender Computer mit Internetanschluss - den wir natürlich auch getestet haben: Discover Pro und Car-net im Golf VII

Das 30-millionste Exemplar ist übrigens ein Golf TDI BlueMotion mit einem theoretischen Normverbrauch von 3,2 l/100 km.

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