30 Jahre Brotkasten

C64 wieder aufgebaut und ausprobiert

Donnerstag, 16.08.2012 | 09:17 von Benj Edwards
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© Commodore
Der Commodore 64 feiert 30. Geburtstag. Wir machen die Probe: Was taugt der Brotkasten heute im Business-Einsatz, als Spielkonsole und bei der Internetnutzung?
Vor 30 Jahren brachte Commodore Business Machines den Commodore 64 auf den Markt: Einen 8-bit-Heimcomputer, der sich bald zu einer Kultikone mauserte. Dank seines günstigen Preises und der erstaunlichen Grafik-Power diente der C64 Millionen von Nutzern in erster Linie als Spiele-PC. Andere hingegen machten vom vollen Potenzial des wegen seiner Form liebevoll "Brotkasten" genannten Geräts Gebrauch und nutzten ihn als programmierbaren Allzweck-Computer.

In diesem Jahr wird der Commodore 64 30 Jahre alt. Um den Geburtstag des legendären PCs gebührend zu feiern, wagten sich die Kollegen unserer Schwesterpublikation PC World an ein Experiment: Tschüss, Windows-PC! Eine Woche lang arbeiteten sie mit einem Original Commodore 64 aus dem Jahr 1982 um herauszufinden, ob man mit einer Maschine mit unbedeutender Menge RAM und CPU-Leistung tatsächlich heute noch anfallende Arbeiten verrichten kann. Hinweis: Alle Abbildungen dieses Artikels stammen von der PC World.

Tag 1: Der Aufbau

Von den insgesamt zehn Commodore 64 in unserem "Vorrat" funktionierten nur noch drei. Ein Blick ins Gehäuse des C64 offenbart, dass die häufigste Ursache für den frühen Computer-Tod Überhitzung durch mangelnde Durchlüftung ist. Der Commodore besitzt keinen Lüfter und seine heißlaufenden Chips sitzen lediglich unter einem Stück Pappkarton. Die restlichen internen Komponenten sind wie Sardinen in einer Büchse unter einem kaum durchlüfteten Plastikgehäuse verstaut. Ja, Sie haben richtig gehört: Pappkarton. Um die Herstellungskosten zu senken, verzichtete Commodore damals auf die üblichen, beschichteten Metall-RF-Schilde, die normalerweise die Schaltkreise eines Computers vor Interferenzen durch TV-Empfang schützen. Stattdessen kam ein Stück Press-Karton zum Einsatz, der mit einer dünnen Schicht Metall-Folie überzogen wurde. Das funktionierte zwar erstaunlich gut, allerdings ist Pappkarton nicht gerade für seine Wärmeleit-Fähigkeiten bekannt...

Darüber hinaus ist das generelle Schaltkreis-System des C64 weitaus weniger robust, als es sein sollte. Verbindet man also die einzelnen Pins mit den falschen Konnektoren, frittiert man das Innenleben schneller, als einem lieb ist. Auch das bekannte unförmig-schwere Netzteil des Commodore 64 wird extrem heiß und tendiert nicht selten dazu, sein eigenes Plastik-Gehäuse einzuschmelzen und dann den Geist aufzugeben.

Unser endlich funktionstüchtiger Commodore kommt natürlich nicht ohne entsprechende Peripherie aus. Als Monitor wählen wir daher einen gut erhaltenen Commodore 1702, der nicht nur über einen Composite-Video-Eingang verfügt, sondern auch einen speziellen S-Video-artigen Chroma/Luma Eingang auf der Rückseite besitzt. Der garantiert ein hochqualitatives Videodisplay.

Als Speicherlösung greifen wir auf das Standard Commodore 1541 Floppy-Disk-Laufwerk zurück. Es arbeitet mit ein- oder beidseitig nutzbaren 5,25-Zoll-Disketten, die jeweils 170 Kilobytes pro Seite speichern können. Das Laufwerk wird über einen seriellen Anschluss mit dem Commodore 64 verbunden - diese Verbindung ist zwar oft sehr langsam, aber immerhin benutzerfreundlich.

In den 1980ern konnten Diskettenlaufwerke eine wirklich teure Angelegenheit sein. Viele C64-Nutzer griffen daher lieber auf günstigere Kassetten-Laufwerke (beim C64 als Datasette bezeichnet) zurück - also solche Laufwerke, die Computerdaten auf einer normalen Audio-Kassette speichern und von dort auch wieder abrufen konnten. Zwar hatten wir auch von diesen Laufwerken ein passendes parat, das beliebte Modell Commodore 1530 C2N Datasette, doch kaum nützliche Programme auf entsprechenden Kassetten-Tapes. Bei den Game-Controllern entscheiden wir uns für zwei Commodore VIC-1311 Joysticks. Dazu später mehr.

Ein Computer ist nur so gut, wie seine Software - da macht auch der Commodore 64 keine Ausnahme. Immerhin: Mehr als 10.000 Programme wurden einst für den C64 veröffentlicht. Das Problem besteht also nicht in der Software-Auswahl, sondern in deren Nutzung. Die meisten Programm-Disks sind mittlerweile furchtbar alt und viele von Ihnen werden wissen: Floppys halten leider nicht ewig. Die magnetischen Daten verblassen mit der Zeit und werden unlesbar. Manchmal funktioniert auch die Diskette selbst, doch die Grafikdaten geraten durcheinander, wie es bei uns beim Spiel "Gauntlet" der Fall war.

Donnerstag, 16.08.2012 | 09:17 von Benj Edwards
Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (9)
  • mike_kilo 23:53 | 19.08.2012

    bevor hier Missverständnisse aufkommen: ich schrieb > Internet via BTX (in good old Germany)

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  • kikaha 20:52 | 19.08.2012

    BTX wurde in Österreich im Juni 1982 eingeführt, in der Bundesrepublik Deutschland ab dem 1. September 1983 bundesweit. Ok.......ich wusste das die Österreicher immer die schnellsten sind. Und die Texteingabe war wohl das Betriebssystem DOS.

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  • Robert Carven 20:33 | 19.08.2012

    1982 hatt ich das und fakt ist damals konnten PC nur per reiner texteingabe zum arbeiten gebracht werden

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  • mike_kilo 13:16 | 19.08.2012

    und ging mir der guten alten DPD03 über BTX ins internet, war das ganze dein (prä-windowszeit) pc´s von damals
    Internet via BTX war erst ab Mitte der 90er Jahre möglich und zu diesem Zeitpunkt sind schon 386er-PCs auf dem Markt gewesen.

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  • Robert Carven 04:36 | 19.08.2012

    zum arbeiten benutze man "GEOS" das konnte schon alles was ein "richtiger" konnte, tabellenkalkulation, texverarbeitung, grafische benutzeroberfläche, mausunterstützung usw. lud man das paket beim starten über eine 1571 (512kb immerhin das doppelte zur 1541) in ein ebenso grosses rammodul (ja was es schon alles gab) und ging mir der guten alten DPD03 über BTX ins internet, war das ganze dein (prä-windowszeit) pc´s von damals mehr als gleichwertig. natürlich alles seehr langsam aber es ging ;-) grattu brotkasten (hat bis vor kurzem noch nen 128D Blech im keller..der hammer damals)

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