1990410

08/15-Fernseher zum Smart-TV aufrüsten - so geht's

11.09.2014 | 12:12 Uhr |

Der Flachbildfernseher besitzt keine oder nur ungenügende „smarte“ Funktionen? Preisgünstige Android-Geräte schaffen Abhilfe und bringen Video-Streaming und Internet auch auf ältere Fernseher.

Ein Fernsehgerät wird erst durch Internetfunktionen und Apps zum Smart-TV. Wie smart, also wie schlau sich die Geräte dabei anstellen, hängt von Hersteller und Alter ab. Vor allem bei älteren TV-Geräten haben die Hersteller oft bei der Rechenleistung gespart. Die Oberfläche reagiert dann zögerlich. Dazu kommen kleine Ärgernisse, etwa dass der integrierte Mediaplayer nicht alle Dateiformate abspielen will. Wer ansonsten mit der Bildqualität und den Basisfunktionen seines TV-Geräts zufrieden ist, muss sich aber deswegen nicht gleich ein neues kaufen.

Für wenig Geld gibt es Zusatzgeräte, die smarte Eigenschaften nachrüsten. Die einzige Voraussetzung: Der Fernsehermuss über einen HDMI-Anschluss verfügen.

Dieser Artikel stammt aus dem Sonderheft PC-WELT WLAN & Heimnetz

Volle WLAN-Power und Hacker-Schutz - das und mehr lesen Sie im neuen PC-WELT-Sonderheft WLAN & Heimnetz .

Intelligente oder „dumme“ Geräte

Es gibt zur Zeit zwei Klassen von HDMI-Zusatzgeräten. Die einen bringen ein komplettes Betriebssystem mit – meist Android. Der Preis liegt um die 100 Euro. Die anderen sind nur HDMI-Zuspieler. Die Daten kommen dann von einem Smartphone, Tablet oder PC, und die Steuerung erfolgt per App oder über den Browser. Der Preis ist entsprechend niedriger und liegt bei etwa 40 Euro.

Beim Kaufentscheid sollten Sie gründlich überlegen, was sie von einer HDMI-Box eigentlich erwarten. Wenn Sie größtmögliche Flexibilität wünschen, sollten Sie zu einem Gerät mit Android-Betriebssystem greifen. Hier lassen sich fast alle Apps installieren, die bei Google Play zu finden sind: Facebook , Twitter oder der Google-Kalender lassen sich über den TV-Bildschirm dann genau so nutzen wie auf dem Smartphone. Das gleiche gilt für die Audio- und Videowiedergabe.

Da es keinen Touchscreen gibt, ist die Benutzung über die meist mitgelieferte Fernbedienung nicht besonders komfortabel.

Besser ist es daher, eine drahtlose Tastatur und Maus anzuschließen oder das Smartphone über passende Apps als Fernbedienung zu verwenden. Bei den einfachen HDMI-Zuspielern erfolgt die Bedienung ausschließlich per Smartphone oder PC. Sie wählen beispielsweise ein Youtube-Video auf dem Smartphone aus und leiten die Wiedergabe auf den HDMI-Stick um. Die Geräte sind auf das bequeme Audio- und Video-Streaming spezialisiert, viel mehr geht aber nicht.

Smart-TV im Netzwerk einsetzen

Minix Neo X5: Wie viele Android-Boxen für das TV-Gerät zeigt das Minix Neo X5 eine vereinfachte Oberfläche mit großen Icons. Dies unterstützt die einfache Steuerung über eine Fernbedienung.
Vergrößern Minix Neo X5: Wie viele Android-Boxen für das TV-Gerät zeigt das Minix Neo X5 eine vereinfachte Oberfläche mit großen Icons. Dies unterstützt die einfache Steuerung über eine Fernbedienung.

HDMI-Boxen und -Sticks mit Android

Android-Geräte für den Anschluss an den Fernseher enthalten ähnliche Hardware wie Android- Smartphones. Im Inneren arbeitet ein Dualoder Quad-Core-Prozessor mit 1,4 bis 1,6 GHz, dem ein bis zwei GB RAM zur Seite stehen. Die ARM-CPUs stammen meist vom chinesischen Hersteller Rockchip und sind auch in preisgünstigen Android-Tablets zu finden. Die Leistung reicht auch für HD-Videos. Bei 1080p-Material mit AC3-Tonspur kommt der Prozessor jedoch an seine Grenzen. Wenn weitere Apps im Hintergrund aktiv sind, kann es zu Rucklern oder Aussetzern kommen.

Eine Android Set-Top-Box stellen Sie unter oder neben dem TV-Gerät auf und verbinden sie über ein HDMI-Kabel. Meist sind mehrere USB-Ports für Festplatte oder USB-Stick sowie Maus und Tastatur vorhanden. Einen Stick können Sie direkt in die HDMI-Buchse einstöpseln, soweit das vom Platz her möglich ist. Andernfalls verwenden Sie ein kurzes HDMI-Kabel.

Da Android eigentlich nicht für Maus oder Infrarot-Fernbedienung ausgelegt ist, gibt es eine spezielle angepasste Oberfläche. Der Launcher zeigt große Symbole, die zu den Einstellungen oder dem Audio- und Video-Player führen. Wem es vor allem auf das Audio- und Video-Streaming ankommt, sollte sich die XMBC Mediacenter App installieren. Laden Sie sich im Downloadbereich die APK-Datei herunter, und installieren Sie das Programm über einen USB-Stick. XBMC kann Multimedia-Dateien unter anderem von Windows-Freigaben streamen und ermöglicht über Plug-ins auch den Zugriff etwa auf Youtube oder die Mediatheken der öffentlichrechtlichen Sender. XBMC lässt sich auch über die Fernbedienung des TV-Gerätes steuern. Dazu muss der Fernseher HDMI-CEC unterstützen, was bei den meisten aktuellen Modellen der Fall sein sollte.

Breite Geräteauswahl: Im Angebot von Online-Händlern wie Amazon finden unter dem Stichwort „Streaming Media Player“ zahlreiche HDMI-Sticks oder Multimedia-Boxen für TV-Geräte. Wer auf viele USB-Ports Wert legt, greift beispielsweise zum Minix Neo X7 (circa 90 Euro) oder zum älteren Minix Neo X5 für gut 60 Euro. Hier gibt es vier USB-Anschlüsse für Sticks und Festplatten und einen SD/MMC-Kartenleser. Der Nachfolger Minix-Hub Neo X8-H belastet die Geldbörse mit gut 160 Euro, soll dafür aber auch 4k-Material auf den Bildschirm bringen. Der Xoro HST 550S (etwa 80 Euro) besitzt ebenfalls vier USB-Ports und einen Kartenleser, bringt aber zusätzlich einen DVB-S2-Tuner mit, über den sich Sendungen auch aufzeichnen lassen. Wer HDMI-Sticks bevorzugt, kann beispielsweise zum TVPecee MMS-884.quad von Pearl für knapp 100 Euro greifen. Das Gerät bietet zwei USB-Ports und einen Micro-SD-Kartenleser. Der Cozyswan S400-Stick bietet eine ähnliche technische Ausstattung für etwa 80 Euro.

Innovative Hardware-Hacks für Ihr Zuhause

Passives Streaming mit DLNA und Chromecast

Wer ohnehin das Smartphone oder Tablet für den Audio- und Videokonsum einsetzt, benötigt eigentlich kein zweites Betriebssystem. Es geht sogar ganz ohne Zusatz-Hardware, wenn das TV-Gerät DLNA (Digital Living Network Alliance) unterstützt. In den Einstellungen müssen Sie dann nur nach „Media-Renderer“ oder ähnlich suchen und die Funktion aktivieren. Auf dem Smartphone benötigen Sie eine App wie das werbefinanzierte Bubble UPnP . Starten Sie die App, gehen Sie in die Einstellungen, und wählen Sie unter „Renderer“ Ihr TV-Gerät aus. Über „Library“ können Sie dann ein Video von Ihrem Smartphone auf das Fernsehgerät streamen. Wenn Sie oben im Bildschirm auf „Select Library“ tippen, können Sie einen Medienserver im Netzwerk wählen, etwa die in der Regel standardmäßig konfigurierte Medienfreigabe eines Windows-PCs. Bei TV-Geräten ohne DLNA-Renderer können Sie beispielsweise Chromecast nutzen. Dabei handelt es sich um einen HDMI/WLAN-Stick mit eingebautem Mediaplayer für 35 Euro.

Einen Test und Infos zu Bezugsquellen finden Sie hier . Die Steuerung erfolgt über das Smartphone. Apps gibt es für alle verbreiteten Systeme. Besonders bequem ist die Verwendung zusammen mit dem kostenlosen Plex Media Server und der Plex App (3,64 Euro).

Mini-PCs als Mediacenter

Eine Android-Box am TV-Gerät ist praktisch, bringt aber nicht für alle Einsatzgebiete genügend Leistung. Wer mehr will, greift daher eher zu einen PC. Für etwa 240 Euro bietet sich hier der kleine und leise Intel NUC-Kit D34010WYK mit Intel-Core-i3-Prozessor an. Auf diesem installieren Sie dann Windows und das kostenlose Media Portal als Multimedia-Oberfläche. Alternativ verwenden Sie ein Linux mit XBMC . Wer weniger Geld ausgeben will und vor etwas Bastelarbeit nicht zurückschreckt, kann auch einen Ein-Platinen-Computer wie den Raspberry Pi einsetzen. Das Gerät kann dank Hardware-Beschleunigung auch HD-Videos mit 1080p ruckelfrei abspielen. Eine Installationsanleitung für Raspberry mit Linux und XBMC finden Sie hier .

0 Kommentare zu diesem Artikel

PC-WELT Hacks - Technik zum Selbermachen?

Raspberry Pi erfreut sich gerade unter Bastlern einer großen Beliebtheit. Kein Wunder, denn mit der 35-Euro-Platine lassen sich viele spannende Projekte realisieren. Vom Mediacenter, Netzwerkspeicher, Fotomaschine bis hin zum Überwachungssystem ist alles möglich. Dieser Bereich ist aber nicht nur dem Raspberry Pi gewidmet, sondern bietet auch viele Tipps, Tricks und Anleitungen für andere spannende Bastelprojekte.

1990410