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Yuneec Typhoon H Pro Real Sense im Praxis-Test

24.10.2016 | 12:31 Uhr |

Kollisionsschutz von Intel, Controller mit eingebautem Android-Tablet und Team-Steuerung - überzeugt der Hexacopter Typhoon H Pro Real Sense in der Praxis? Wir haben es getestet.

Zunächst: Wow! Der Typhoon H Pro Real Sense sieht mit seinen sechs Rotorarmen und dem Landegestell, beides aus Carbon, richtig krass aus! Noch beeindruckender wird es, wenn das Gestell eingefahren ist.

Yuneec Typhoon H Pro Real Sense: Sensoren, Kamera, Technik

Real Sense: Gegenüber dem Grundmodell Typhoon H bietet die Top-Variante H Pro Real Sense die von Intel entwickelte Technik "Real Sense". Sie dient dem Kollisionsschutz und ist auf der Vorderseite über der Kamera verbaut. Die Kameras scannen die Umgebung in Echtzeit, um Hindernisse zu erkennen und ihnen auszuweichen. Die Software erstellt aus den gesammelten Daten in Bruchteilen von Sekunden ein 3D-Modell - so erkennt die Technik auch kleinste Hindernisse wie dünne Äste von Bäumen. Der Nachteil: Der Copter fliegt mit aktivierter Hindernis-Erkennung deutlich langsamer.

Auf der Vorderseite des Hexacopters sind die Real Sense Technologie von Intel zur Hinderniserkennung.
Vergrößern Auf der Vorderseite des Hexacopters sind die Real Sense Technologie von Intel zur Hinderniserkennung.
© Yuneec

Fliegt die Drohne in einem Smart-Modus autonom, richtet sie automatisch die Frontseite stets zur Flugrichtung aus, um Hindernisse zu erkennen. Sensoren erkennen auch den Abstand zum Boden unterhalb der Drohne, um nicht zu crashen.

Das ist vor allem bei den autonomen Flügen der Smart-Modi wichtig, während der Typhoon H Pro Real Sense Ihnen zum Beispiel selbstständig folgt. In unserem Test klappt das tatsächlich ohne Probleme! Das Geniale: Der Hexacopter merkt sich die Position von Hindernissen, was die Kollisionsgefahr verringert. So flog der Typhoon völlig selbstständig um Bäume, um mir, dem Piloten, zu folgen - das stärkt das Vertrauen!

Akku: Der Akku bietet eine Kapazität von 5400 mAh und soll damit eine Flugzeit von bis zu 25 Minuten ermöglichen. Realistisch sind in der Praxis etwa 20 Minuten mit Filmen, schnellen Manövern und autonomen Flügen. Dem H Pro Real Sense liegen insgesamt zwei Akkus bei, was die Flugzeit entsprechend mit kurzem Pit Stop verlängert. Bis die Akkus wieder aufgeladen sind, vergehen allerdings 2 Stunden - das ist lange!

Kamera: Unter dem Copter hängt das Gimbal, das im Test beeindruckend gut Bewegungen des Copters ausgleicht. Die Kamera CGO3+ nimmt Videos mit bis zu 4K bei 30 Bildern pro Sekunde auf. Die Videos sind von hoher Qualität, können aber nicht mit professionellen Videocams mithalten. Fotos sind mit bis zu 12,4 Megapixel möglich - auch im RAW-Format. Auf den ersten Blick sind die Fotos gut, nur sollte man die Bilder nicht zoomen - die Qualität reicht hier nicht aus. Für Personenfotos oder Selfies müssen Sie schon nah heran. Hierbei ist aber Vorsicht geboten! Übrigens: Die Kamera ist wechselbar.

Die Rotorarme des Yuneec Typhoon H Pro Real Sense sind ein- und ausklappbar für einen besseren Transport.
Vergrößern Die Rotorarme des Yuneec Typhoon H Pro Real Sense sind ein- und ausklappbar für einen besseren Transport.
© Yuneec

Rotorarme ein- und ausklappbar : Flugbereit ist der H Pro Real Sense eine Wucht! Transportfähig ist er so nur bedingt. Deshalb sind die sechs Rotorarme einklappbar, so verstauen Sie den Copter in dem mitgelieferten Rucksack - einem großen Rucksack. Ein- und aufgebaut ist der H Pro sehr schnell.

Fernsteuerung ST16 mit eingebautem Display

Den Typhoon H Pro Real Sense steuern Sie über die mitgelieferte Bodenstation ST16. Die wirkt im ersten Moment wahnsinnig kompliziert mit ihren Dreh-Potis, einigen Kippschaltern und Knöpfen. Ein Blick in die Anleitung hilft hier schnell auf die Sprünge und das ist es tatsächlich recht simpel. Die Details zur Fernsteuerung finden Sie in unserem kommenden Testvideo.

Anders als etwa beim DJI Phantom 4 benötigen Sie für eine Live-Ansicht der Kamera kein extra Tablet oder Smartphone, da Yuneec bereits ein vollwertiges 7 Zoll großes Android-Tablet in die Bodenstation integriert. Einziges Problem: Der LCD spiegelt extrem. Der mitgelieferte Sonnenschutz hilft nur bedingt bis gar nicht. Um an frischer Luft überhaupt etwas zu sehen, müssen Sie die Display-Helligkeit voll aufdrehen. Und zu wessen Lasten geht das? Natürlich zu Lasten des Akkus. Der hält zwar länger als die 20-minütige Flugzeit, doch dauert der Ladevorgang auch deutlich länger als die 2 Stunden des Drohnen-Akkus.

Die Bodenstation verfügt übrigens über einen HDMI-Ausgang, was den Anschluss eines externen Monitors ermöglicht.

Die Bodenstation ST16 besitzt bereits ein eingebautes Android-Tablet mit einem 7-Zoll-Display.
Vergrößern Die Bodenstation ST16 besitzt bereits ein eingebautes Android-Tablet mit einem 7-Zoll-Display.
© Yuneec

Yuneec-App : Bis das Livebild auf dem Display der Fernsteuerung erscheint, dauert es ein paar Augenblicke - gerne zwischen einer und drei Minuten. Auf dem Bildschirm sehen Sie Telemetrie-Daten, können Kamera-Einstellungen vornehmen und Smart-Modi auswählen. Es fehlt allerdings eine anständige Akkuanzeige der Drohne. Diese wird nur in Volt angezeigt, wodurch aber nicht direkt ersichtlich wird, für wie viele Flugminuten sie noch Saft hat.

Der Wizard ist die Einhand-Fernsteuerung für den Typhoon H Pro RS
Vergrößern Der Wizard ist die Einhand-Fernsteuerung für den Typhoon H Pro RS
© Yuneec

Typhoon Wizard: Der Wizard ist eine Einhand-Fernsteuerung des Copters. Um ihn zu nutzen, aktivieren Sie den Team-Modus in den Kamera-Einstellungen auf dem Bildschirm der Bodenstation ST16. Der Wizard verfügt über GPS, damit die Drohne seiner Position in den Smart-Modi folgen kann. Auch können Sie den H Pro Real Sense manuell über das Steuerkreuz lenken. Halten Sie den Wizard vertikal, fliegt er hoch, runter und dreht sich um die eigene Achse. Halten Sie die Fernbedienung horizontal, bewegt sich die Drohne vor, zurück sowie links und rechts. Außerdem können Sie ihn wie eine Art Laserpointer verwenden und einen Punkt im Himmel markieren, zu dieser der Copter dann fliegt.

Der Wizard ist im Paket des H Pro Real Sense bereits enthalten - bei der Basis-Version Typhoon H dagegen nicht. Optional ist der Typhoon Wizard für etwa 180 Euro verfügbar.

Im Team-Modus können Sie mit zwei Piloten jeweils den Copter und die Kamera separat ansteuern.
Vergrößern Im Team-Modus können Sie mit zwei Piloten jeweils den Copter und die Kamera separat ansteuern.
© Yuneec

Yuneec Typhoon H Pro Real Sense in Aktion

"Zusammengebaut" ist der Hexacopter recht schnell: Sie müssen die nur die Rotorarme ausklappen, die Propeller anbringen und den Gimbalschutz entfernen. Drohne und Typhoon H Pro anschalten und warten, bis das Live-Bild erscheint - das kann etwas dauern! Aber dann geht der Spaß los.

Den Startknopf gedrückt halten und die sechs Motoren starten. Stellen Sie dann den linken oder rechten Analogstick nach oben - je nachdem, welche Steuerung Sie in den Einstellungen gewählt haben, um die Drohne steigen zu lassen. Der Hexacopter liegt sehr stabil in der Luft und ist insgesamt leicht zu steuern. Fahren Sie im Flug außerdem das Landegestell ein, um eine 360-Grad-Sicht der Kamera zu ermöglichen. Im Test haben wir Spitzengeschwindigkeiten von fast 50 km/h erreicht - bedenken Sie bei solchen Geschwindigkeiten auch den Bremsweg, wenn Sie auf ein Objekt zu fliegen.

Reichweite: Die maximale Reichweite liegt bei 1,6 km. Auf diese Entfernung wird auch das Videosignal bei optimalen Bedingungen in 720p übertragen. Der neue Mavic Pro von DJI schafft hier 7 km bei Full-HD-Videoübertragung. Aber da Sie als Pilot immer auf Sicht fliegen müssen, erreichen Sie solche Entfernungen in der Regel nicht. Im Test sind wir maximal 600 Meter weit geflogen, die Übertragung funktionierte einwandfrei.

Flugmodi: Der Angle-Modus ist der klassiche und einfache Flugmodus, in dem Sie die Drohne lenken. Auch im Smart-Modus haben Sie als Pilot die Kontrolle, nur die Steuerung ist anders. Im Angle-Modus funktioniert die Steuerung spiegelverkehrt, wenn die Drohne in Ihre Richtung fliegt. Im Smart-Modus hingegen fliegt die Drohne auch nach links oder rechts, wenn Sie die Steuerknüppel in die entsprechende Richtung drücken, während die Drohne in Ihre Richtung blickt.

Im Smart-Modus nutzen Sie außerdem zwei smarte Funktionen. Bei "Follow Me" folgt der H Pro Real Sense der Position der Bodenstation in einem von Ihnen definiertem Abstand. Sie können sich währenddessen auf die Kamera konzentrieren. Bei Watch Me folgt Ihnen die Drohne ebenfalls und richtet zusätzlich die Kamera auf Sie bzw. die Fernsteuerung. Beides klappt im Test sehr gut, auch die aktivierte Hinderniserkennung funktioniert dabei tadellos.Bei den aktuellen DJI-Drohnen markieren Sie hingegen ein Objekt, wie sich selbst, auf dem Display und die Drohne folgt diesem automatisch. Die Yuneec-Drohne folgt lediglich dem Signal der Fernsteuerung, was beispielsweise beim Fahrradfahren nicht praktikabel ist. In diesem Fall müssen Sie auf die Einhand-Fernbedienung Typhoon Wizard zurückgreifen. Positiv: Sie können diese einfach an den Hosenbund klemmen und Sie können sie weiterhin steuern oder neu ausrichten.

Weitere Flugmodi wie Orbit Me demonstrieren wir im Testvideo, das demnächst erscheint.

Lieferumfang: Vollausstattung

Der Lieferumfang des H Pro Real Sense beinhaltet die Drohne selbst, die Bodenstation ST16, Typhoon Wizard, zwei Akkus und einen Rucksack.
Vergrößern Der Lieferumfang des H Pro Real Sense beinhaltet die Drohne selbst, die Bodenstation ST16, Typhoon Wizard, zwei Akkus und einen Rucksack.
© Yuneec

Es gibt drei Varianten des Hexacopters. Der Typhoon H ist dabei die Basis. Er kommt inklusive Drohne, Bodenstation und Akku. Im Lieferumfang des Typhoon H Pro finden Sie zusätzlich einen zweiten Akku, den Typhoon Wizard sowie einen Transport-Rucksack. Der Typhoon H Pro Real Sense kommt mit dem gleichen Paket, bietet zusätzlich noch die Intel-Technologie Real Sense.

Fazit zum Yuneec Typhoon H Pro Real Sense

Optisch ist der Typhoon mit seinen sechs Rotorarmen und dem einklappbaren Landegestell ein echter Hingucker. Er liegt stabil in der Luft und lässt sich auch von Anfängern leicht steuern. Die Signalreichweite ist zwar deutlich geringer als beim DJI Phantom 4, reicht mit 1,6 km aber aus - zumal Piloten sowieso nur auf Sicht fliegen dürfen. Besonders stark ist die Hinderniserkennung dank Real Sense, durch die der Copter nicht nur Hindernisse erkennt, sondern sich auch deren Standort merkt und dadurch noch sicherer fliegt - was in der Praxis erstaunlich gut funktioniert! Positiv ist auch, dass die Bodenstation ST16 bereits über ein eingebautes Display verfügt, auch wenn dieses stark spiegelt. Die Flugzeit ist mit etwa 20 Minuten auch in Ordnung.

Der Hexacopter macht insgesamt eine ausgesprochen gute Figur und das Paket "Yuneec Typhoon H Pro Real Sense" mit Rucksack, zweitem Akku und Wizard ist umfangreich.

Wir empfehlen Ihnen, mindestens zur Pro-Variante zu greifen, da diese mit einem Aufpreis von weniger als 200 Euro gegenüber der Basis-Version einen deutlichen Mehrwert bietet! Der Typhoon H Pro kostet rund 1500 Euro . Der H Pro Real Sense liegt derzeit durchschnittlich zwischen 1600 und 1800 Euro - je nach Anbieter. 

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