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XYZprinting Da Vinci 1.0 im Test

29.08.2014 | 11:18 Uhr |

Mit einem Kampfpreis tritt der 3D-Drucker XYZprinting Da Vinci 1.0 an. Der Test untersucht, wie gut damit der Einstieg in die Makerwelt gelingt.

Als Einstieg in den 3D-Druck sieht die taiwanische Firma XYZprinting den Da Vinci 1.0. Der 3D-Drucker ist ein Fertiggerät, das ausschließlich ABS-Kunststoff verarbeitet und über Omtec ((www.omtec-3d.de)) erhältlich ist. Das Hauptargument für das Gerät ist sein Preis: Er kostet rund 600 Euro, was für einen 3D-Drucker in Fertigbauweise wirklich günstig ist. Nach dem Auspacken müssen wir diverse Transportsicherungen entfernen. Dabei ist Sorgfalt Pflicht, damit das Gerät beim Einschalten nicht meckert oder gar Schaden nimmt. Besonders die Bauplattform wird mit einer angeschraubten Halterung exakt in Position gehalten.

3D-Drucker: XYZprinting Da Vinci 1.0 im Test-Video

Installation - schon kalibriert

Der Vorteil der vielen Sicherungen für den Transportweg: Der Da Vinci 1.0 ist ab Werk bereits kalibriert - sprich: Der Abstand zwischen Druckplattform und Extruder ist genau eingestellt. Das gab es bisher noch bei keinem 3D-Drucker im Test und spart eine Menge Zeit und Gefummel. Bei unserem Testgerät stimmt die Kalibrierung. Wir müssen nie nachjustieren. Für den Fall der Fälle gibt es eine Routine: Wie üblich justieren Sie dann den Abstand per Schrauben unterhalb der Plattform. Über das Displaymenü starten Sie den Vorgang. Die Anleitung zum Geräteaufbau liegt dem Gerät auf Deutsch als lose Blattsammlung bei. Digital gibt es sie auf der beiliegenden CD auch auf Englisch. Bevor es losgeht mit dem Drucken, schließen wir den Da Vinci 1.0 per USB an den Rechner an. Dann schalten wir den Drucker ein und versorgen ihn mit Filament. Hier setzt der Hersteller auf eine eigene Lösung: Statt einer herkömmlichen Rolle nutzt der Da Vinci 1.0 Druckkassetten, die im Lieferumfang 300 Gramm ABS-Kunststoff enthalten. Die Kassettenform erleichtert das Bestücken. Denn die Kartusche wird einfach in die vorgesehene Gehäuseaussparung im Gerät eingesetzt, der Faden herausgezogen und durch die Führungen zum Druckkopf geleitet. Am Display aktivieren wir Load Filament. Nun heizt der Extruder auf und wir schieben den Faden in Richtung Druckdüse. Danach warten wir, bis das geschmolzene Material austritt. Nun ist der Drucker betriebsbereit. Für einen 3D-Drucker ist der Prozess einfach - fast wie wir es von der Installation eines herkömmlichen Druckers gewohnt sind.

Der 3D-Drucker arbeitet mit einem Kartuschensystem, bei dem Sie an Herstellerpatronen gebunden sind.
Vergrößern Der 3D-Drucker arbeitet mit einem Kartuschensystem, bei dem Sie an Herstellerpatronen gebunden sind.

Die Software - XYZware

Auf CD liegt das Druckerprogramm XYZware bei. Wir raten jedoch, die aktuellste Fassung aus dem Internet zu laden. Dazu müssen wir uns auf der Webseite des Herstellers registrieren. Danach laden wir die Version 1.1.31.7 auf den Rechner. Achten Sie darauf, das Programm im Adiministrator-Modus zu installieren. Außerdem empfiehlt es sich, den Virenscanner während des Vorgangs zu deaktivieren. Er meldet sonst Malware und blockt den Zugriff auf die Exe-Datei. Ist das Programm erst einmal aufgespielt, sehen wir eine gut aufbereitete grafische Oberfläche. Sie bietet Ansichten des Objekts von allen Seiten, eine Zoomfunktion und die Einstellungen für die Druckauflösung. Menüsprache ist Englisch. Im einfachen Modus haben wir die Auswahl zwischen drei Druckqualitätsstufen: Normal, High und Excellent. Im Minimum ist hier eine Schichtstärke von 0,2 Millimetern vordefiniert. Wer es noch feiner haben will, stellt im Expertenmodus 0,1 Millimeter ein. Das ist die feinste Qualität, die der 3D-Drucker schafft.

Die Drucksoftware XYZware ist grafisch schön gestaltet.
Vergrößern Die Drucksoftware XYZware ist grafisch schön gestaltet.

Der Druckvorgang beim Da Vinci 1.0

Vor dem Druck laden wir eine Vorlagendatei ins Programm. Es kann mit STL-Dateien oder dem herstellereigenen Format 3W umgehen. Das zu druckende Objekt wird auf der Druckplattform platziert - ähnlich wie es später wirklich im 3D-Drucker entsteht. Mit einem Klick auf Print kommen wir in die Druckeinstellungen. Nach der Auswahl der Druckeigenschaften beginnt der Slicing-Prozess - das Aufbereiten in Schichten mit Angabe der Druckerbewegungen. Entgegen des sonst üblichen G-Codes legt das Programm das herstellereigene Format 3W an, wenn wir die aufbereitete Datei speichern wollen. XYZware gibt eine Prognose, wie lange der 3D-Drucker fürs Bauen des Objekts benötigen und wieviel Material voraussichtlich nötig sein wird. Die Vorhersagen sind nur mäßig exakt. Klicken wir jetzt auf Print, beginnt der Druckprozess.

Das Display des 3D-Druckers XYZprinting Da Vinci 1.0 zeigt den Druckfortschritt und die verbleibende Zeit an.
Vergrößern Das Display des 3D-Druckers XYZprinting Da Vinci 1.0 zeigt den Druckfortschritt und die verbleibende Zeit an.

Drucktempo des Da Vinci 1.0

Für unsere Testobjekte benötigt die Software im Schnitt nur gut 2 Minuten für das Slicing - das ist verlgeichsweise flott. Im Normal-Modus erzeugt der Drucker Schichtstärken von 0,4 Millimetern. Der Druckprozess startet mit dem Aufheizen der Druckplattform und des Extruders. Bestimmend ist die Plattform: Sie muss auf 90 Grad kommen, bevor der Druckprozess startet. Der Extruder hat dann eine Temperatur von etwa 212 Grad Celsius. Bevor der Da Vinci 1.0 mit dem Objektaufbau anfängt, streift der Extruder über eine Vorrichtung, um Kunststoffreste abzustreifen. Danach fährt er die Druckplattform an drei Ecken an, um den Abstand zwischen Plattform und Extruder zu checken. Dieser Kontrolllauf passiert jedoch nicht bei jedem Druck. Im Test beobachten wir das Vorgehen bei den ersten drei Modellen. Diese Auto-Kalibrierung haben wir beim Da Vinci 1.0 zum ersten Mal bei einem 3D-Drucker gesehen. Sie ist praktisch, verlängert aber die Zeit bis zum Druckbeginn auf etwa 8 Minuten. Lässt das Gerät den Check weg, beginnt der Druck rund drei Minuten früher. Ein beiliegender Kleber erhöht die Haftung des Objekts auf der Glasplatte. Für unser Testobjekt - das Sahnetöppfchen - benötigt der Da Vinci 1.0 im Normalmodus rund 37 Minuten. Dabei sind die Vorhersagen am Display sehr schwankend. Ein echter Richtwert entsteht erst, wenn das Objekt schon fast fertig gestellt ist. Im höheren Qualiätäts-Modus mit 0,2 Millimeter Schichtstärke benötigt der Da Vinci 1.0 48 Minuten. Die maximale Auflösung drückt mit 2:06 Stunden die Geschwindigkeit sichtlich.

Die Druckqualität des XYZprinting Da Vinci 1.0 ist mittelprächtig. Die einzelnen Kunststoffschichten bleiben klar erkennbar.
Vergrößern Die Druckqualität des XYZprinting Da Vinci 1.0 ist mittelprächtig. Die einzelnen Kunststoffschichten bleiben klar erkennbar.

Qualität der Objekte

An den Druckergebnissen erkennen wir einige Unsauberkeiten. So sehen wir leicht unsauber gesetzte Fäden im Inneren unserer Testobjekte. Auch Löcher und Punkte mit verbranntem Kunststoff stören uns ein wenig. In den Auflösungen Normal und Hoch liegen die Schichten gut zu erkennen übereinander. Nur bei höchster Auflösung (Excellent) entsteht eine glattere Fläche. Insgesamt ähneln die Ergebnisse denen des Pearl Freesculpt EX-1 Basic. Immerhin kann der Da Vinci 1.0 ohne Probleme unbeobachtet arbeiten. Seine Materialführung ist sehr solide. Im Test druckt er ohne Murren und Zwischenfälle durch.

Verbrauchswerte des Da Vinci 1.0 von XYZprinting

Im Stromverbrauch erweist sich der 3D-Drucker als unauffällig. Wir messen im Betrieb einen Durchschnittsverbrauch von 120 Watt. Heizt er gerade auf, geht der Energiebedarf auf gut 170 Watt. Im Standby sinkt er auf 10,3 Watt. Bei aktiviertem Ausschalter trennt sich der 3D-Drucker nicht sauber vom Netz, sondern zieht 0,4 Watt - das ist unnötig. Wie schon erwähnt, setzt der Da Vinci 1.0 auf ein Kartuschensystem. Die ABS-Kunststoffrollen sind in einem Behälter untergebracht. Im Lieferumfang finden sich 300 Gramm Material. Im Nachkauf bietet XYZprinting Kartuschen mit 600 Gramm Material für derzeit rund 35 Euro an. Unser Testobjekt mit 8 Gramm Gewicht kommt damit auf 47 Cent - das ist vergleichsweise hochpreisig. Außerdem lassen sich ausschließlich die Materialvarianten des Herstellers einsetzen. Damit sind Sie darauf festgelegt.

3D-Drucker XYZprinting Da Vinci 1.0 im Test.
Vergrößern 3D-Drucker XYZprinting Da Vinci 1.0 im Test.
© XYZprinting

Fazit - Einstieg in den 3D-Druck

XYZprinting gelingt mit dem Da Vinci 1.0 ein echtes Einstiegsgerät in den 3D-Druck. Wir hatten bisher keinen vergleichbaren Testkandidaten, der so nahe an ein Plug-and-Play-Gerät heranreichte. Der 3D-Drucker lässt sich einfach installieren, bietet eine Auto-Kalibrierung von Plattform und Extruder, eine übersichtliche Software und ein selbsterklärendes Displaymenü. Dass Englisch die Software- und Menüsprache darstellt, trübt das Bild nur ein wenig. Die herstellereigene Materiallösung ist da schon eher ein Dorn im Auge. Einerseits vereinfacht sie den Umgang mit dem Drucker. Andererseits erhöht sie die Folgekosten. Denn den ABS-Kunststoff gibt es in vielen Fällen günstiger. Profinutzern wird der Da Vinci 1.0 nicht fein genug arbeiten. Wenn es dagegen nicht auf äußerste Präzision ankommt, macht er eine ganz gute Figur.

Bauart

Fertiggerät

Druckverfahren

Schichtschmelzung

Minimale Schichtstärke (in mm)

0,1

Filamentstärke (in mm)

1,75

Düsendurchmesser (in mm)

0,4

Abmessungen betriebsbereit (B x T x H in mm)

469 / 550 / 511

Händler

Omtec, www.omtec-3d.de

Druckqualität

Testobjekt, Standard-Qualität

befriedigend

Testobjekt, höchste Qualität

gut, glatte Oberfläche

Drucktischjustierung 

sehr exakt

Druckqualität mit Support

befriedigend

Geschwindigkeit

Testobjekt, geringste Qualität (in Std.)

0:37

Testobjekt, höchste Qualität (in Std.)

2:06

Aufheizen auf Betriebstemperatur (in Min.)

8

Ausstattung

max. Objektgröße (B x T x H in mm)

200 x 200 x 200

unterstützte Druckmaterialien

ABS

Bauplattform beheizbar

ja

Display / Speicherkartenslot

ja / nein

Anschlüsse

USB 2.0

LED-Beleuchtung

ja

unterstützte Betriebssysteme

Windows ab XP, Mac-OS

Communitiy / Adresse

ja  / eu.gallery.xyzprinting.com

Gewicht Drucker betriebsbereit (in kg)

21,1

Handhabung

Software

XYZware

Bewertung SW

sehr übersichtlich, viele Einstelloptionen

Dateiformate

STL, 3W

Display: Sprache / Menüaufbau

Englisch / sehr übersichtlich

Aufbau Drucker: Installation / Materialbstückung

sehr einfach / sehr einfach

Druckbetrieb: Stabilität Drucker / unbeaufsichtiges Drucken

stabil / ja

Verbrauch

Stromverbrauch (Betrieb, Ruhe, Aus)

120 / 10,8 / 0,4

Druckmaterial (Preis pro kg)

  58 Euro

Preis Testobjekt (7 bis 11 g)

41 Cent

Preis Gerät

600 Euro

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