1945772

Wolfenstein: The New Order im Vorab-Test

16.05.2014 | 11:15 Uhr

Mit Oldschool-Gameplay und HD-Grafik lädt Wolfenstein: The New Order in ein alternatives Universum nach dem Zweiten Weltkrieg ein - und macht dabei richtig viel Spaß.

Ein muskulöser Körper, blonder Kurzhaarschnitt und ein Waffenarsenal, das unmöglich in einen Rucksack passen würde: Bei der Gestaltung von BJ Blazkowicz, dem Protagonisten von Wolfenstein: The New Order , haben die Entwickler kein Klischee ausgelassen. Allerdings passt dieses Bild ganz gut zum Rest des Ego-Shooters. Die Story ist größtenteils Science-Fiction, ein Hauch historischer Anspruch ist aber immerhin vorhanden. Gerettet werden muss natürlich gleich die ganze Welt, unser Gegenspieler hört auf den Namen General Totenkopf und besitzt selbstverständlich unzählige geheime Superwaffen.
Zu Beginn gehen die schwedischen Entwickler von Machine Games aber zu harmlos vor: An Bord eines abstürzenden Transportflugzeugs im Jahr 1946 muss BJ ein für das Genre typisches Tutorial durchlaufen, welches dem Spieler beibringt, wie die grundlegenden Spielmechaniken funktionieren. Leider haben wir das aber in gefühlt 100 anderen Shootern ebenfalls bereits durchlaufen, so dass diese Sequenz ein wenig langweilig ausfällt. Anschließend schlägt BJ an der deutschen Küste auf, wo es dann ans Eingemachte geht.

Nicht ganz Open World - aber nah dran

Die erste Überraschung naht am Strand: Es gibt keine Wegweiser und die Beschreibung der ersten Mission fällt eher schwammig aus. BJ steckt nicht in einem Schlauch fest, wenngleich die Gestaltung der Level auch nicht mit Far Cry 3 oder ähnlichen Schwergewichten mithalten kann. In der ersten Mission von Wolfenstein: The New Order soll BJ beispielsweise zwei Geschütze zerstören - aber wo diese stehen oder wie wir als Spieler dort hingelangen, wissen wir nicht. Da hilft nur eine ausgiebige Erkundungstour durch das feindliche Territorium.
Damit will Machine Games auch nicht nur einfach die Spieldauer strecken: Wer sich abseits der markierten Wege bewegt, entdeckt häufig geheime Vorräte, Munition oder auch interessante Räumlichkeiten. Ein Open-World-Shooter ist Wolfenstein damit nicht - aber es erweckt zumindest den Eindruck, einer zu sein.

Concept Art von Wolfenstein: The New Order
Vergrößern Concept Art von Wolfenstein: The New Order

Bodenständiges aus Deutschland

Gegen General Totenkopf hilft selbstverständlich nur Waffengewalt, welche in Wolfenstein: The New Order sehr ansprechend ausfällt. Sobald Gegner zu sehen sind, wird einfach draufgehalten - mit zwei Maschinengewehren (in jeder Hand eines), während BJ gleichzeitig Granaten wirft und ein riesiges Geschütz aus dem Boden reißt, es mitnimmt und anschließend mit Freuden einsetzt. Das Spiel macht keinen Hehl daraus, es mit dem Realismus nicht allzu ernst zu nehmen, und genau deswegen macht es auch Spaß. Das Waffenarsenal selbst fällt dabei recht zurückhaltend aus: Gewehre, Pistolen und Schrotflinten gibt es häufig zu finden, erst im späteren Spielablauf gesellen sich Strahlenkanonen und dergleichen hinzu.
Übrigens wird in Wolfenstein: The New Order auch geschlichen: Wer möchte, darf etwa die gefährlichen Kommandanten lautlos ausschalten, damit sie keine Hilfe anfordern und BJ von Gegnern umzingelt wird. Allerdings ist das Schleichen rein optional und niemals notwendig - aber immerhin erhöht diese Mechanik den Wiederspielwert deutlich.

40 coole Gratis-Spiele im Netz

Ballern wie 1999

In den meisten aktuellen Ego-Shootern regeneriert sich die Gesundheit automatisch - aber davon will Machine Games glücklicherweise nichts wissen. Nur bis zu einem Niveau von 20 Punkten frischt sich die Vitalität von BJ selbstständig auf, danach helfen nur noch Verbandskästen oder Nahrung. Auch Rüstungspunkte gibt es wieder, so dass sich Wolfenstein: The New Order streckenweise wie ein modernes Quake oder Unreal spielt. Ebenfalls aus diesen Spielen wurde die (wahrscheinlich gewollt) schwache Gegnerintelligenz übernommen: Keiner der Gegnertypen ist wirklich schlau, stattdessen soll es einfach die Masse an feindlichen Horden richten. Dieses Retro-Gameplay passt hervorragend zum Spiel und lässt nostalgische Gefühle an die erwähnten Hochkaräter aus dem Genre aufkommen.

Zurück in die Zukunft

Am Ende des ersten Einführungslevels wartet eine Festung des fiktiven Nazi-Regimes, welche BJ jedoch schnell infiltrieren kann. Apropos Nazis: In der deutschen Variante fehlen wie üblich sämtliche verfassungsfeindlichen Symbole. Während diese in Filmen oder Büchern auch in Großaufnahme präsentiert werden dürfen, gilt diese Regelung für Spiele nicht.
Zurück in der Festung treffen wir noch einmal General Totenkopf, welcher jedoch entkommen kann und BJ vorher in ein 16-jähriges Koma versetzt. Dann - im Jahr 1960 - wacht BJ wieder auf und stellt fest, dass Herr Totenkopf inzwischen die Weltherrschaft erlangen konnte. Das Waffenarsenal ist längst in einer fiktiven Zukunft angekommen: Pistolen vermischen sich mit Flugdrohnen, Elektrogranaten helfen dabei, Roboter außer Betrieb zu setzen. Weiterhin bleibt Wolfenstein: The New Order jedoch recht simpel, was aber nicht negativ gemeint ist.

Ein wenig Charakterentwicklung

Gänzlich verzichten die Entwickler aber nicht auf Anleihen aus modernen Spielen: Wenn BJ beispielsweise eine ausreichende Menge an Volltreffern mit einer bestimmten Waffe erzielt, bekommt er dafür eine Belohnung, welche diese Waffe zukünftig mit mehr Schadenspotenzial ausstattet. Es findet also durchaus eine kleine Charakterentwicklung statt. Technisch gibt es an Wolfenstein: The New Order übrigens nichts auszusetzen. Gerade während der Gefechte knallt und explodiert es laut und farbenfroh an allen Ecken und Enden, das Spiel sieht dann wirklich hervorragend aus. Einen Meilenstein können die Entwickler aber nicht setzen, was nicht zuletzt an den gewöhnungsbedürftigen Charakteren liegt.

Die besten Free-to-Play Spiele

Fazit

Wolfenstein: The New Order wird wahrscheinlich eine Menge Spaß machen, wenn Machine Games die hohe Ereignisdichte über den ganzen Spielverlauf halten kann. Alle, die Call of Duty und Battlefield nichts abgewinnen können, dürfen wahrscheinlich blind zugreifen - aber am besten zu einer der nicht zensierten Versionen aus dem Ausland.

Wolfenstein: The New Order erscheint am 20. Mai 2014 für Windows, Playstation 3, Playstation 4, Xbox 360 und Xbox One.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1945772