Windows Phone 7 mit XXL-Display

Samsung Omnia 7 im Test

Freitag, 10.12.2010 | 11:04 von Yvonne Göpfert
Großes Display und schickes Finish sind nur zwei Gründe, warum man sich das Samsung Omnia 7 ansehen sollte. Was sonst für das Windows Phone 7 spricht - und was dagegen - verrät der Test.
Samsung Omnia 7
Vergrößern Samsung Omnia 7
© 2014

Mit dem Design trifft Samsung voll ins Schwarze: Das riesige Display auf der Vorderseite des Gerätes zieht sich fast bis an den Rand. Es wird also kein Millimeter Platz verschwendet, der das Smartphone unnötig dick macht. Die Rückseite ziert stabiles Aluminium. Die Ecken sind sanft abgerundet, so dass das Smartphone gut in der Hand liegt. Man darf hier ruhig von Design allererster Güte sprechen. Allerdings bringt insbesondere die Alu-Bauweise auch einen Nachteil mit sich: Im Winter, wenn es draußen kalt ist, fühlt sich das kühle Metall in der Hand schnell unangenehm an und sorgt für klamme Finger.

Nur drei Schalter und Knöpfe Praktisch: An der Seite befinden sich der Ausschalter, der Kameraknopf und der Lautstärkeregler. Der USB-Anschluss auf der Oberseite des Windows Phones lässt sich mit einem Schieberiegel verschließen - eine patente Lösung, die die teils fummeligen Gummilaschen ersetzt, die den Anschluss bei anderen Geräten schützen sollen. Links daneben liegt die 3,5mm-Klinkenbuchse zum Anschluss von Standard-Kopfhörern.

Display-Grazie Samsung kokettiert mit einem 4-Zoll-Bildschirm und Super-AMOLED-Technologie. Surfen im Web sowie die Darstellung von Fotos und Videos sind wirklich genial. Die Display-Technik sorgt zudem für hohe Kontraste, schöne Farben und knackige Schärfe. Bei direktem Sonnenlicht spiegelt der Bildschirm jedoch immer noch recht stark, so dass Schrift darauf schwer zu lesen ist. Filme schauen wird dann unmöglich.

Sensibel und schnell Die Reaktionsgeschwindigkeit des Samsung Omnia 7 ist verblüffend. Das Smartphone reagiert mit seinem kapazitiven Bildschirm auf jede noch so leichte Berührung hochsensibel. Das macht sich vor allem beim Tippen von Mails und Nachrichten positiv bemerkbar. Wer allerdings durch längere Listen scrollt, ruft schon mal ungewollt einen Kontakt oder eine Webseite auf. Etwas störrisch gestaltet sich die Platzierung des Cursors auf dem Display. Wer in einem Text an eine bestimmte Stelle zurückspringen will, beispielsweise um einen Fehler zu korrigieren, braucht etwas Training. Bei der fürs Frühjahr 2011 versprochenen Software-Aktualisierung sollte Microsoft die Maus-Steuerung verbessern.

Betriebssystem: Kacheloptik Die Bedienung des Samsung Omnia 7 erfolgt weitestgehend über den großen Touchscreen. Darüber hinaus stehen unter dem Display Sensortasten für "Zurück", "Hauptmenü" und "Suche" zur Verfügung. Auf der Startseite mit seinen Programmkacheln und im Menü findet sich der Nutzer prima zurecht. Die Kacheloptik, die Microsoft vorgibt, lässt den Herstellern allerdings wenig Spielraum für eine eigene Benutzerführung. Etwas irritierend sind die 3D-Animationen, mit denen das Smartphone arbeitet, wenn es zum Beispiel das Mailkonto öffnet. Obwohl das Telefon eigentlich rasend schnell agiert, sorgen sie dafür, dass der Nutzer warten muss, bis das Postfach geöffnet ist. Auch bei anderen Programmen lähmt die Animation die flüssige Bedienung. 

Mails mit kleinen Mängeln Die E-Mail-Lösung muss sich noch einen weiteren Kritikpunkt gefallen lassen: Es gibt keinen kombinierten Posteingang für mehrere E-Mail-Konten. Wer beispielsweise drei E-Mail-Accounts hat, braucht dafür auch drei Kacheln auf dem Startbildschirm. Kleinere Mängel sind insbesondere dem Betriebssystem Windows Phone 7 anzulasten: Kopieren und Einfügen unterstützt das Smartphone derzeit noch nicht. Wer die Musik leiser stellt, reduziert automatisch auch die Klingeltonlautstärke. Der Datenabgleich erfolgt größtenteils per WLAN oder UMTS. Ist das Handy per USB am PC angeschlossen, lassen sich lediglich Bilder, Videos und Musik synchronisieren - und auch das nur über die kostenlose Zune-Software. Die Folge: Weder Fotos noch Musik kann man einfach über die Ansicht im Datei-Explorer auf das Smartphone ziehen. Word-Dokumente lassen sich gar nicht überspielen: Man muss sie sich selbst mailen oder auf einen Server spielen, um Zugriff vom Handy aus zu erhalten. Und der Internet Explorer schwächelt bei zu viel Java Script und streikt ganz bei Flash-Seiten.

Office-Software und Tethering Doch es gibt auch Positives zu berichten: Die Office-Software auf dem Omnia 7 überzeugt. Der Nutzer kann ohne jede Einschränkung Dateien anlegen, bearbeiten, speichern oder ändern. Außerdem können Firmen-Handys einen Zugriff auf Sharepoint-Server konfigurieren. Dafür fehlt allerdings ein PDF-Reader. Den kann man sich jedoch im Market Place, dem Software-Portal von Microsoft, kostenlos holen. Im Kalender lassen sich Termine einfach erstellen und direkt aus dem Eintrag heraus Einladungen an die Teilnehmer verschicken. Windows Phone 7 unterstützt zudem offiziell kein Tethering, also die Nutzung des Handys als Modem, um ins Internet zu gelangen. Im Netz kursiert jedoch eine Anleitung, wie es trotzdem geht.

Ein Paradies für soziale Netzarbeiter Die Integration sozialer Netzwerke ist vorbildlich - zumindest fast. Bilder lassen sich automatisch beim Fotografieren online stellen. Man kann seinen Status veröffentlichen und verfolgen, was die Freunde so treiben. Kontaktdaten aus Twitter und Facebook werden ins Adressbuch integriert. Die Zusammenführung bei doppelten Kontakten klappt allerdings noch gar nicht. Wir mussten im Test daher Adressen manuell zusammenführen, wenn der Kontakt im eigenen Adressbuch nur mit Telefonnummer stand, bei Facebook nur mit E-Mail. Und auch Fotos werden mal falsch zugeordnet, wenn ein Kontakt auf Facebook Sabine Müller heißt, im Adressbuch Sabine Michaela Müller und eigentlich jemand anderes ist.

Software: Samsung Omnia 7 ganz speziell Um sich von anderen Windows Phones abzugrenzen, haben Samsung und die Telekom, derzeitiger Exklusivanbieter des Samsung Omnia 7, jeweils eigene Software entwickelt. T-Mobile hat mit Navigon Select eine Navigationslösung mit Sprachanweisungen aufgespielt, die die reine Kartenansicht von Bing Maps ergänzt. Navigon Select lässt sich für 24 Monate kostenlos nutzen. Außerdem gibt es von der Telekom das Programm TopApps für Apps, Spiele und das kostenpflichtige Fernsehangebot der Telekom Mobile TV. Samsung hat eine Sammel-App programmiert, die den Start in den Tag erleichtern soll. Das Daily Briefing zeigt das Wetter, die aktuellen Aktienkurse und die neuesten Nachrichten. Die Meldungen kommen allerdings nur aus Kanada, Indien, den USA und Großbritannien. Deutschland bleibt außen vor. Und auch die Wetterdaten, die von weather.com stammen, sind nicht immer glaubwürdig.

Für Apps, Musik und Fotos stehen 14 GB interner Speicher zur Verfügung, 2 GB braucht das System. Mehr Platz gibt es nicht, Microsoft lässt eine Speichererweiterung nicht zu.

Multimedia
Die Kamera gehorcht den Minimalanforderungen von Microsoft: 5-Megapixel-Kamera mit LED-Licht. Eine Schutzklappe hat sich Samsung gespart - also besser mal öfter über die Linse wischen, bevor die Foto-Sitzung beginnt. Bis zum Schnappschuss braucht das Handy rund drei Sekunden. Das ist kein Spitzenwert. Die Bildqualität ist noch nicht das, was möglich wäre: Die Schärfe lässt etwas zu wünschen übrig, und es kommt selbst bei optimalen Lichtverhältnissen zu deutlich sichtbarem Farbrauschen auf größeren Farbflächen im Bild. Filigrane Details (z.B. Blätter eines Baumes) verschmelzen auf den Fotos zu einer breiigen Masse, an der auch der Bildstabilisator nichts ändert. Die mit der Kamera aufgenommenen Videos in HD-Auflösung (1280 x 720 Pixel) boten im Test eine ansehnliche Qualität und konnten vor allem bei der Tonaufnahme punkten. Der Musik-Player mit Equalizer-Funktionen zeigt zwar Schwächen bei der Handhabung. Insbesondere kann man keine Abspiellisten anlegen. Doch das ist wieder der Software von Microsoft geschuldet. Die Hardware, besonders die Lautsprecher, beeindrucken. Selbst bei voller Dröhnung knarzen sie nicht. Dafür bietet das Windows Phone kein Dolby Mobile für Surround Sound

Fazit: Flach und schick, großes Display, Gigahertz-Prozessor: das Samsung Omnia 7 gehört zur derzeitigen Smartphone-Oberklasse. Auch der MP3-Player leistet gute Dienste. Die Kamera schwächelt jedoch bei Schärfe und Farbbrillanz, liefert dafür sehr gute Videos mit 720p. Mit Windows Phone 7 ist Microsoft ein übersichtliches Betriebssystem geglückt, das jedoch noch seine Kinderkrankheiten ausheilen muss. Man sollte also durchaus noch das für Frühjahr 2011 angekündigte Update von Microsoft abwarten, bevor man ein Windows Phone 7 anschafft.

TESTERGEBNIS (NOTEN)
Handy-Basics (30%) 1,85
Handhabung (25%) 2,70
Ausstattung (20%) 1,50
Multimedia (15%) 1,65
Connectivity (10%) 1,30
Testnote gut (1,95)
ALLGEMEINE DATEN
Testkategorie Handys
Handy-Hersteller Samsung
Samsungs Internetadresse telecom.samsung.de
Preis (unverbindliche Preisempfehlung) 600 Euro
DIE TECHNISCHEN DATEN
Handy-Basics
Größe 122 x 64 x 11 Millimeter
Gewicht 138 Gramm
Formfaktor Barren
Betriebssystem Windows Phone 7
Prozessor 1 GHz
Besonderheiten
Akku-Laufzeit
Stand-by-Zeit im GSM-Netz in Stunden 390 Stunden
Gesprächszeit im GSM-Netz in Minuten 516 Minuten
Stand-by-Zeit im UMTS-Netz in Stunden 330 Stunden
Gesprächszeit im UMTS-Netz in Minuten 240 Minuten
Netze
GSM 900 ja
GSM 1800 ja
GSM 1900 ja
GSM 850 ja
EDGE ja
UMTS ja
HSDPA ja
HSUPA ja
Display
Größe 52 x 86 Millimeter
Auflösung 480 x 800 Pixel
Touchscreen ja
Handhabung
Mechanische QWERTZ-Tastatur nein
Ruftonzuordnung pro Kontakt oder Kontaktgruppe ja
Profile nein
Flugzeug-Modus ja
Ausstattung
Schnittstellen
Bluetooth ja
Bluetooth 3.0 nein
USB ja
WLAN 802.11b/g ja
WLAN 802.11n ja
3,5-Millimeter-Klinkenstecker ja
Speicher
RAM 512 MB
Flash 14 GB
Speichererweiterung nein
Speicherkarte im Lieferumfang nein
GPS
GPS-Chip ja
Navigationssoftware Off-Board-Navi
Multimedia
Fotos
Auflösung 2560 x 1920 Pixel
Autofokus ja
Makro ja
Motivprogramme nein
Bildstabilisator ja
Optischer Zoom nein
Videos
Auflösung 1280 x 720 Pixel
Bildstabilisator nein
Musik
Anzahl Formate 7
Headset im Lieferumfang ja
UKW-Radio ja
Connectivity
Browser ja
Push-E-Mail ja
E-Mail-Anhänge ja
Instant Messaging ja
Facebook vorinstalliert ja
Übernahme Kontakte aus Facebook ins Adressbuch ja
Twitter-Client vorinstalliert ja
Freitag, 10.12.2010 | 11:04 von Yvonne Göpfert
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