25.06.2008, 10:01

Johann Baumeister

Virtualisierung

XenServer nimmt es mit den Großen auf

Das erste Release der Virtualisierungslösung unter der Regie des neuen Eigentümers zeigt deutlich, dass Citrix in diesem Markt noch einiges vor hat. Das Produkt wird zu einem ernsthaften Konkurrenten für VMware und Co.
Die Akquisition von Xensource durch den Thin-Client-Marktführer Citrix im letzten Herbst sorgte für Aufsehen: sie wurde einerseits begrüßt als sinnvolle technische Erweiterung, andererseits zeigten sich Marktexperten verwundert über den kolportierten Kaufpreis von 500 Millionen Dollar. Immerhin machte der britische Virtualisierungsspezialist zu diesem Zeitpunkt gerade mal 5 Millionen Dollar Umsatz.
Das Produkt von Xensource, die Virtualisierungs-Engine Xen, stammt aus der Universität Cambridge und wurde von der Open-Source-Gemeinde entwickelt. Zur Vermarktung des Server-Produktes XenServer wurde vor einigen Jahren Xensource gegründet. Wie wichtig es Citrix um dieses Produkt inzwischen ist, zeigt nicht nicht nur der hohe Kaufpreis: Das Flaggschiff-Produkt von Citrix, den Presentation Server, wurde dieses Jahr in XenApp umgetauft.
Nun also kommt Release 4, die erste Version von XenServer unter der Regie des neuen Eigentümers. Die COMPUTERWOCHE hat das Produkt auf Herz und Nieren getestet und dabei sein Verhalten in Hinsicht auf Setup, Betrieb und Überwachung einer virtuellen Infrastruktur unter die Lupe genommen. Bevor auf die Details eingegangen wird, sei vorneweg soviel verraten: Xen hat sich gemausert und schickt sich an, es mit den Platzhirschen im Virtualisierungsmarkt aufzunehmen.
Produktprofil
Das Herzstück der Xen-Architektur ist der Hypervisor, ein Virtual Machine Manager, der für die Ausführung der Gastsysteme zuständig ist. Verwaltet wird er von XenCenter, einer separaten Konsole. Als CPUs unterstützt XenServer gängige Intel-Plattformen wie 32-Bit-Prozessoren mit und ohne Physical Address Extention (PAE), 64-Bit-Prozessoren, und kommt auch mit symmetrischer Parallelverarbeitung klar (SMP – Symmetric Multi-Processing). Der maximale Arbeitsspeicher kann 128 GByte groß sein, was ein gerüttelt Maß an Zukunftssicherheit gewährleistet.
Zugeschnitten hat Citrix das Produkt in verschiedene Ausbaustufen. Die kleinste nennt sich XenExpress, unterstützt nur 4 GByte Arbeitsspeicher und kann maximal vier virtuelle Maschinen verwalten. Sie ist hauptsächlich für Test- und Evaluierungsszenarien gedacht. Die nächsthöhere Variante, XenServer, kann bereits mit mehreren Hosts und 128 GByte RAM umgehen. Das Flaggschiff ist die Enterprise Edition und bietet zudem Clustering, Ressourcen-Pools, den Support von NFS, iSCSI, und Shared Storage sowie um die Unterstützung von VLAN Trunk Ports. Eine aufgebohrte Version der Enterprise Edition, die Platinum Edition, kann zudem dynamisches Provisioning von virtuellen und physikalischen Servern.

Als Verwaltungs-Tool für alle drei Editionen kommt das XenCenter zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um eine Windows-Konsole, die auf einem separaten Rechner installiert wird und über die Netzverbindung den oder die XenServer verwaltet.
Xen bildet Server virtuell nach. Das kann prinzipiell in zwei Varianten erfolgen. Bei der vollständigen Virtualisierung emuliert das Tool einen nahezu kompletten x86-Rechner. In diesem Kontext lässt sich folglich jedes Gast-Betriebssystem einbetten, das für x86-Rechner verfügbar ist. Die vollständige Server-Virtualisierung verlangt keine Anpassung des Gastes. Bei der zweiten Variante, der Paravirtualisierung, erfolgt keine komplette Emulation. Stattdessen verwenden die Gäste Teile des Host-Systems und beziehen sich im Betrieb darauf. Dies ist schneller, verlangt aber eine Anpassung der Gastsysteme an den Host. In der Vergangenheit erforderte Xen von den Gästen gerade diese Anpassung. Durch die Unterstützung von Virtualisierungsfunktionen in den CPUs von Intel und AMD ist dies aber nicht mehr notwendig, Xen kann nun auch unveränderte Windows-Gäste integrieren.
Laut Dokumentation unterstützt Xen als Gäste alle 32-Bit Windows-Betriebssysteme in allen vier Editionen ab Windows 2000. Bei den 64-Bit-Betriebssystemen gibt es Support für Windows Server 2003 und den Windows Small Business Server 2003 mit SP2. Ferner steht eine Vielzahl an Linux-Derivaten auf der Kompatibilitätsliste von Xen, so etwa RHEL 4.1, 4.4, 4.5 und 5.0, SLES 10 mit SP1, CentOS 4.5 und 5.0 und schließlich Debian Sarge und Etch Linux.
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