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Vergleichstest: Video-on-Demand

20.04.2005 | 15:17 Uhr |

Dank DSL-Leitung bringen Online-Videotheken rund um die Uhr Filmfutter ins Haus. Digital.World stellt die FILMVERLEIHER DER NÄCHSTEN GENERATION vor und testet die ersten drei Video-on-Demand-Anbieter.

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Die Videothek an der Ecke hat drei Nachteile: Entfernung, Ladenschluss und gerade ausgeliehene oder nicht vorhandene Filme - nach Murphys Gesetz ist das genau der Streifen, den man selbst gerne hätte. Bei allen drei Problemen wollen die Video-on-Demand-Anbieter Arcor, One4movie und T-Online Vision Abhilfe schaffen: Kinofilme kommen via Internet-Verbindung über einen umfangreichen Film-Server direkt ins Haus, zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Abspielmöglichkeiten

Für den Empfang von Video-on-Demand eignen sich verschiedene Geräte. Am komfortabelsten gestaltet sich der Empfang bisher mit dem Windows-PC. Mac-Nutzer kommen nur bei One4movie zum Film. Linux-Anwender bleiben völlig außen vor. Der Grund liegt unter anderem im verwendeten Kompressionsformat und dem Digital-Rights-Management. Alle Anbieter setzen auf die Technik von Windows Media 9, die zur Wiedergabe den Windows Media Player voraussetzt. Als Internetbrowser kommt der Internet Explorer von Microsoft zum Einsatz - nur Arcor funktioniert mit Alternativen.

Damit der Filmabend mit Video-on-Demand nicht vor dem Schreibtisch im Arbeitszimmer stattfindet, gibt es mehrere Möglichkeiten: Der PC ist in der Lage, sein Bild über die analogen Ausgänge der Grafikkarte an einen Fernseher ausgeben. Der Ton wird via Soundkarte an den Dolby-Receiver übertragen. Eine Alternative ist sicher der Rechner mit wohnzimmertauglicher Oberfläche, etwa die Windows Media Center Edition. Hier gibt es Unterstützung für die Dienste von Arcor und T-Online Vision ab Werk. Andere Anbieter wie Sceneo mit TV-Central wollen die Dienste künftig ebenfalls integrieren.

Spezielle Empfangsgeräte für das Wohnzimmer sind bislang spärlich gestreut. Allein T-Online Vision verweist auf zwei Geräte - das Allround-Multimedia-Talent Fujitsu-Siemens Activy (ab 800 Euro) und die brandneue Samsung Set-Top-Box SMT-7020S (rund 500 Euro; siehe Kurztest Seite 56). One4movie will ab Januar eine spezielle Empfangsbox anbieten, der Preis soll bei etwa 150 Euro liegen. Weitere Boxen, etwa für DVB-T, sollen den Dienst in Zukunft unterstützen. Die Knappheit an geeigneten Empfangsgeräten resultiert aus dem Format von Windows Media 9. Bisher gibt es nur wenige Chips, die das Material decodieren können. Aufgrund dieses Problems scheitern Netzwerk Media Receiver wie das Pinnacle Show Center an der Übertragung des Videoformats von PC ins Heimkino via Netzwerkverbindung.

Internet-Zugang und Einschränkungen

Voraussetzung für den direkten Draht zur Videothek ist ein schneller Internet-Zugang, etwa mittels DSL-Technik. Wer eine Flatrate nutzt, muss sich zumindest keine Gedanken über das Transfervolumen machen. Bei Volumentarifen kann der Filmspaß allerdings sehr schnell teuer werden. Zu den Gebühren pro Film kommen auf jeden Fall die Grundkosten für die Datenleitung. Bei der Telekom - dem größten Anbieter in Deutschland - entstehen Fixkosten für den ISDN-/DSL-Anschluss in Verbindung mit einer Flatrate in Höhe von rund 60 Euro. Arcor bietet diese Kombination bereits ab 40 Euro.

Wichtig bei der Internet-Anbindung ist allein die Download-Geschwindigkeit. Ab rund 750 KBit/s macht der Online-Filmleih Sinn. Teilen sich mehrere Nutzer einen Anschluss, kann es während des Abrufens allerdings zu Unstimmigkeiten kommen: Die Download-Raten der anderen Surfer gehen in den Keller, der Videofilm ruckelt, und Anhänger von Online-Action-Spielen monieren zu hohe Ping-Raten.

Streaming oder Download

Die Anbieter nutzen unterschiedliche Methoden der Videoübertragung. One4movie und T-Online Vision praktizieren echtes Streaming: Die Daten werden angezeigt, sobald sie eintreffen. Das macht die Integration in PC-fremde Geräte, etwa Set-Top-Boxen, einfacher. Im Gegenzug setzt es eine konstant hohe Datenrate über die gesamte Dauer des Films voraus. Im Test zeigten sich Aussetzer bei beiden Anbietern: Für einen kurzen Moment friert das Bild ein, der Ton läuft weiter. Reproduzierbar ist dieser Effekt nicht, da er durch Schwankungen in der Datenrate auftritt. Er muss demnach nicht bei jedem Abspielen auftreten. Besser kommen da Nutzer mit einer DSL-Leitung mit hoher Datenrate weg. Geschützt sind Sie vor Schwankungen allerdings nicht.

Bei Arcor tritt dieses Problem nicht auf. Hier kommt Progressive-Download zum Einsatz. Dabei wird der gesamte Film vom Anbieter auf die Festplatte geladen (Download). Er lässt sich abspielen, sobald die voraussichtlich verbleibende Übertragungszeit kürzer als die Filmlaufzeit ist (Progressive). Damit können selbst Kunden mit langsamen DSL-Zugängen Filmvarianten mit hoher Qualität genießen - vorausgesetzt, sie sind bereit, für die bessere Qualität rund zwei Stunden nach Abruf auf den Filmstart zu warten. So lange benötigt der Download von rund 1,5 GB für einen Film in bester Qualität. Auf Wunsch informiert Arcor per SMS bei abgeschlossenem Download.

Von Einfalt und Vielfalt

Das Filmangebot der Online-Anbieter ist mit einer lokalen Verleihstation nicht vergleichbar. Im Augenblick rangieren die Anbieter in der Verwertungskette nur bei wenigen Inhalten gleichauf mit der Kauf-DVD. Wer die aktuellen Kassenknüller sucht, muss weiterhin das Haus verlassen. Die Online-Anbieter kämpfen neben Vorbehalten der großen Studios gegenüber Raubkopien mit hohen Kosten: Die Filmlizenzen kosten viel Geld, ausreichend Nutzer zur Refinanzierung greifen im Augenblick nicht auf das Angebot zu. Arcor zählt 7000 Abrufe pro Monat, One4movie 9000.

Dabei stellen die Anbieter regelmäßig neue Filme ins Netz. One4movie brachte es zum Testzeitpunkt auf 325 Filme online und verfügte zu diesem Zeitpunkt schon über Lizenzrechte für rund 630 Filme. Es erfordert nun einmal Zeit, das Material zu codieren und auf die Webseite zu stellen. Arcor fügt ebenfalls regelmäßig neue Inhalte hinzu, bei T-Online Vision ist der Wechsel gar Programm: Dem Anbieter schwebt keine Videothek mit riesiger Auswahl vor, vielmehr ein eher überschaubares, ständig aktualisiertes Portfolio mit einigen hundert Filmen. Einen interessanten Plan will One4movie in Zukunft angehen: Kommen aktuelle Filmknüller in absehbarer Zeit nicht ins Programm, dann sollen eben gute Independent-Produktionen ihre Chance bekommen. Ein ansprechender Gedanke, da die örtlichen Videotheken oftmals gerade an der Filmklasse und weniger an der Filmmasse scheitern.

Aktuelle und künftige Konkurrenz

Das Filmangebot wird im nächsten Jahr wachsen, dafür sorgt die zunehmende Konkurrenz. Mit Premiere und Tiscali stehen bereits zwei interessante Mitbewerber in den Startlöchern. Tiscali ist seit September 2004 der europäische Partner von Cinema Now, dem größten Anbieter für Video-on-Demand in Amerika. Der Abosender Premiere möchte seine neu eingeführten Festplattenrecorder noch im ersten Halbjahr 2005 um die Fähigkeit Near-Video-on-Demand erweitern. Die Planung: Nachts füllen ausgewählte Filme einen Teil der Festplatte, in regelmäßigen Abständen werden sie gegen neue Inhalte ausgetauscht. Damit ist eine höhere Bildund Tonqualität gegenüber den Streaming-Angeboten gesichert. Bezahlt wird erst bei der Wiedergabe eines Films.

Bereits jetzt gibt es Konkurrenz für die drei deutschlandweiten Anbieter: Im Großraum Hamburg nutzen bereits 700 Kunden Video-on-Demand vom lokalen Telefonanbieter Hansenet . Der Empfang ist ausschließlich mit einer Set-Top-Box für den Betrieb am Fernseher möglich, der Anbieter stellt das Gerät während der Vertragslaufzeit zur Verfügung. Die Filme verteilt Hansenet mit Datenraten bis zu 3000 KBit/s. Das Angebot umfasst rund 700 Titel und kostet 5 Euro pro Monat und zwischen 3 und 6 Euro pro Film. Der Kabelnetzbetreiber Primacom bietet in einigen Städten ein digitales Angebot inklusive Near-Video-on-Demand: Jeden Monat stehen Spielfilme zum Abruf bereit. Die Zukunft des Fernsehens inklusive einer virtuellen Videothek erprobt Anbieter Bluewin in der Schweiz: 600 Haushalte bekommen rund 25 Fernsehsender sowie Mehrwertdienste via Datenleitung.

Die Empfangsmöglichkeiten

1. PC mit Internet Explorer und Windows Media Player
2. PC mit Windows Media Center Edition (nur Arcor und T-Online Vision)
3. Set-Top-Box, Fujitsu-Siemens Activy oder Samsung SMT-7020S (nur T-Online Vision)

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