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Vergleichstest: Tragbare Multimedia-Player

21.04.2005 | 13:27 Uhr |

Nach dem Siegeszug von MP3 für mobiles Musikvergnügen sind nun Filme und Fotos an der Reihe. Multimedia-Player speichern bis zu 20 Filme oder Tausende Fotos, zeigen sie auf Farbdisplays an und dienen zudem als MP3-Player.

KOMPAKT MULTIMEDIA-PLAYER

FIT FÜR DIE ZUKUNFT Die Ausstattung von Multimedia-Playern mit Kamera ist eher als Blick in die Zukunft zu verstehen. Mit gesteigerter Rechenleistung haben die Entwickler jede Menge Möglichkeiten, die Qualität zu verbessern. Bereits heute zeigen sich die Vorteile der Aufnahme hochkomprimierter Formate auf Festplatte in der extrem einfachen Handhabung und Verwaltung der Videos. Im Vergleich zum Camcorder mit DV-Kassette entfällt das lästige Umspulen und Konvertieren. Den Player einfach per USB an den PC anstecken, Daten übertragen, fertig.

RELEVANZ: BRAUCHE ICH EINEN MULTIMEDIA-PLAYER?

+ AUDIO/VIDEO/FOTO ÜBERALL Durch akzeptable Abmessungen bietet der Media-Player auch unterwegs jede Menge Unterhaltung.

+ AUDIO-/VIDEORECORDER Gut die Hälfte der Testkandidaten lässt sich für eigene Audio- und Video-Aufnahmen einsetzen. Der Testsieger bietet dabei einen exzellenten Komfort.

+ MEHRFACHNUTZEN Die eingebaute Festplatte kann als universeller Speicher für den Transport und zur Sicherung von Daten dienen.

- BEGRENZTE AKKULAUFZEIT Bei den meisten Modellen reicht eine Akkufüllung im Videobetrieb nur für zwei Kinofilme. Nur der Creative Zen PMC bietet siebeneinhalb Stunden. Hinzu kommt - wie bei vier weiteren Modellen - ein Akku, den der Benutzer eigenständig austauschen kann.

= BEDINGTER KAUF Empfehlenswert, wenn Sie oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren oder längere Reisen unternehmen und währenddessen neben Musik auch Videos genießen möchten.

Bisher waren einem iPod-Besitzer neidische Blicke sicher. Das könnte sich nun ändern. Der Apple-Zögling bekommt Konkurrenz von neuen Multimedia-Playern, die neben MP3 auch die Wiedergabe von Filmen und Fotos beherrschen. Zentrales Element zur Wiedergabe ist ein farbkräftiges Display, meist ausgeführt mit 3,5 Zoll Bilddiagonale (8,89 Zentimeter). Zunächst erscheint das nicht sonderlich groß. Die Bildinhalte sind beim üblichen Betrachtungsabstand von 35 Zentimetern jedoch nicht kleiner als bei einem Fernseher mit 70er-Bildröhre aus drei Meter Entfernung. Der Stereo-Ton wird via Kopfhörer übermittelt, wobei mit hochwertigen zugekauften Hörern eine exzellente Klangqualität möglich ist. Somit sind die Voraussetzungen, die die neuen Multimedia-Player mitbringen, theoretisch perfekt. Wie gut den Herstellern die Übertragung von Bild- und Toninhalten in der Praxis gelingt, soll unser Test anhand von zehn aktuellen Modellen zeigen. Mit von der Partie sind Player von Archos und Thomson - Pioniere auf diesem Gebiet. Auch dabei: bekannte Namen wie Creative, iRiver und Samsung. Aus Fernost beteiligen sich unbekannte Firmen wie Avix, DMTECH, Perstel und Xelo.

Display, Größe und Gewicht

Ein entscheidendes Kaufkriterium ist die Displaygröße in Verbindung mit der Auflösung. Die Pixelzahl der Player ist nicht bestechend und allenfalls Standard. Sieben Player bieten Bilddiagonalen von 3,5 beziehungsweise 3,8 Zoll, während sich Perstel mit 2,8 und Xelo mit 2,5 Zoll begnügt. Avix spendiert dem PM-320 4 Zoll. Da die Geräte mit Ausnahme des DM-AV 10 von DMTECH über TVAusgänge verfügen, lassen sich Videos und Fotos über den Fernseher oder - mit tollem Ton - über eine AV-Anlage wiedergeben. Die Abmessungen und das Gewicht sind wesentlich für den mobilen Einsatz. Der größte und schwerste unter den Testkandidaten ist der Avix mit 518 Gramm. Das kleinste und mit 170 Gramm leichteste unter den Geräten mit Festplatte ist der Xelo Movie-Player.

Beeinflusst wird die Mobilität auch von der eingebauten Festplatte. So verfügen der Archos AV-420 sowie die Player von Creative, iRiver, Perstel und Samsung über 1,8-Zoll-Platten. Sie sind nicht nur kleiner und leichter als die 2,5-Zoll-Typen, sie kommen auf Dauer besser mit Erschütterungen zurecht. Die Standardkapazität der Festplatten beträgt 20 GB, was etwa für 30 Stunden Video beziehungsweise 330 Stunden Musik reicht. Manche Player sind mit größeren Platten erhältlich - die beiden Archos-Modelle beispielsweise mit 80 GB, der iRiver mit 40 GB.

Die Platte des Xelo fasst lediglich 2,2 GB. Eine Sonderrolle nimmt der DM-AV 10 von DMTECH ein: Er ist nicht mit einer Festplatte, sondern mit einem Flash-Speicher von 128 MB ausgerüstet. Über einen Steckplatz für SD-/ MMC-Karten lässt sich der Speicher um bis zu 1 GB aufrüsten. Der DM-AV 10 gewährt ohne Zweifel einen Blick in die Zukunft: Sie gehört dem Flash-Speicher, der in wenigen Jahren mit 20 GB zur Verfügung stehen wird. Der Vorteil dieser Technik zeigt sich in kleineren Abmessungen sowie im geringen Gewicht. Prinzipiell ermöglicht ein Flash-Speicher eine längere Akkulaufzeit als eine Festplatte. Selbstverständlich spielt dabei auch die Ladekapazität des Akkus eine Rolle. Deshalb fällt die Spielzeit des DM-AV 10 im Videobetrieb mit gut zwei Stunden alles andere als üppig aus.

Das Durchhaltevermögen

Die Akkulaufzeit ist der Schwachpunkt aller derzeit angebotenen Multimedia-Player. Aufgrund des hohen Stromverbrauchs der Festplatte und des hintergrundbeleuchteten LC-Displays liegt die Akkulaufzeit der Videowiedergabe meist zwischen zwei und vier Stunden. Mit siebeneinhalb Stunden stellt der Zen PMC von Creative eine Ausnahme dar. Allerdings ist sein Akku für die verhältnismäßig großen Abmessungen und das stattliche Gewicht von 350 Gramm verantwortlich. Durchweg im Vorteil sind Geräte mit 1,8-Zoll-Festplatte, die weniger Strom verbrauchen als 2,5-Zoll-Typen. Den besten Kompromiss aus Spielzeit und Größe/Gewicht schafft der Archos AV-420 mit fünf Stunden. Hinzu kommt die Möglichkeit, den Akku eigenständig auszutauschen. So lässt sich die lange Spielzeit der Festplatte mit Reserveakkus nutzen. Dieses praktische Feature bieten außerdem die Media-Player von Avix, Creative, DMTECH und iRiver.

In der Zukunft sind Verbesserungen durch OLED-Displays zu erwarten, die deutlich weniger Strom als LCDs verbrauchen. Darüber hinaus wird es - als Zwischenstufe zum Flash-Speicher - ausreichend große Festplatten in 1-Zoll-Baugröße geben. Für die Anzeige von Fotos beherrschen alle Geräte zumindest das gängige JPEG-Format. Zur Audiowiedergabe stehen wenigstens MP3 und WMA zur Verfügung. Der DM-AV 10 beherrscht nur MP3. Im Videobereich lassen sich die Player in zwei Gruppen unterteilen: Die eine wird von acht Kandidaten gebildet, die MPEG 4 und/oder die darauf basierenden Abkömmlinge Divx und Xvid unterstützen. Die andere Gruppe - bestehend aus Creative und Samsung - verwendet das Microsoft-Format WMV. Die beiden Multimedia-Player ermöglichen die Wiedergabe der MPEG-4-Zöglinge erst nach zeitraubender und qualitätsmindernder Konvertierung in WMV. Sie findet während der Übertragung vom PC auf den Player via Windows Media Player statt.

Der Unterschied steckt im Detail

Die Geräte von Creative und Samsung gehören zur Produktgruppe der Personal Media Center (PMC). Der Windows Media Player 10 erkennt die PMCs automatisch und erlaubt insbesondere den Transfer von Audio- und Videodaten, die nach der Digital-Rights-Management-Rechteverwaltung (DRM) verschlüsselt sind. Selbst das Betriebssystem der PMCs inklusive der Benutzeroberfläche ist eine Windows-Variante. PMCs bieten sehr gute Voraussetzungen für die Wiedergabe von Kaufmusik und -videos, während die restlichen Konkurrenten im Testfeld in dieser Hinsicht außen vor bleiben. Eine Ausnahme macht der Archos AV-420, der neben MPEG 4 nicht nur WMV, sondern auch DRM für Video und Audio beherrscht. Im Gegenzug unterstützen PMCs keine Divx-Filme ohne vorherige Umwandlung.

Darüber hinaus bieten die Kandidaten von Archos, DMTECH, Perstel und Thomson die Möglichkeit der Direktaufnahme für Audio und Video. Der iRiver beschränkt sich diesbezüglich auf Audio, der Xelo auf Video. Während die erzielte Klangqualität durchweg gut bis sehr gut ausfällt, ist die Bildqualität nicht so gut wie bei der Codierung via PC. Der Grund: Die Codierung in hochkomprimierte Formate wie MPEG 4 erfordert eine hohe Rechenleistung, die selbst einen sehr schnellen Pentium-4-Prozessor stark beschäftigt. Verständlich, dass der Prozessor eines Multimedia-Players in dem Zusammenhang nicht mithalten kann.

Kamera inklusive

Neben der Aufnahme über den Video-Eingang erlauben der Archos AV-320 und der Perstel PMP-1004 die Aufnahme von Fotos und Videos per Kamera. Bei Archos gibt es einen optionalen Kamerazusatz mit 3,3 Megapixel Auflösung und Zoomfunktion. Die damit erzielte Bildqualität ist bei den Fotografien vergleichsweise gut, bei den Videos jedoch nur mittelmäßig. Perstel hat die Kamera mit 1,3 Megapixeln ohne Zoom gleich ins Gerät eingebaut. Das ist zwar sehr praktisch, kommt jedoch für Video kaum in Frage. Durch die unzureichende Prozessorleistung bei der MPEG-4-Codierung entstehen massive Bewegungsartefakte in den Filmen.

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