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Vergleichstest: Plasma- und TFT-Fernseher

15.10.2003 | 16:11 Uhr |

Edles hat seinen Preis: Das gilt insbesondere für Plasmafernseher, die mit der aktuellen Standardgröße von 42 Zoll (106 Zentimeter) ein wahrer Hingucker in jedem Wohnzimmer sind und atemberaubende Bilder im Breitwandformat liefern können. Das teuerste Modell in unserem Test, der Loewe Spheros 42 HD, ist für immerhin 12.300 Euro gelistet. Etwas preisgünstiger sind die anderen Modelle unseres Plasma-Testquartetts zu haben: der PD-42 D 30 ES von JVC für 8300 Euro, der Philips 42 PF 9965 und der Sony KE-42 TS 2 E für je 7.000 Euro.

LCDs, die wir den Plasmas gegenübergestellt haben, bringen es zwar nur auf eine kleinere Bilddiagonale, sind dafür aber deutlich günstiger. Standard ist hier derzeit der 30-Zoll-Bildschirm, also 76 Zentimeter. Im Duo der getesteten LC-Fernseher liegt der Sony KLV 30 MR 1 mit 5.500 Euro am oberen Ende der Preisskala, gefolgt vom Orion TV 30002 SI mit 5000 Euro.

TV-Bildschirm an der Wand

Die seit Jahrzehnten beschworene Vision vom TV-Schirm, der sich wie ein Bild an die Wand hängen lässt, ist zwar Realität, und überall in Fernost stampfen die Hersteller Fabriken für immer größere Flachbildelemente in Plasma- und Flüssigkristalltechnik (LCD) aus dem Boden. Den neuen Bildschirmen sind viele Probleme klassischer Bildröhren fremd: Durch die Glasform verzogene Linien im Bild kennen sie nicht, ebenso wenig Farbstreifen ("Konvergenzfehler"), die in herkömmlichen Geräten entstehen, weil Elektronenkanonen nicht immer exakt denselben Bildpunkt treffen.

Fehlerfrei sind aber auch die modernen Flachmänner nicht. Wie unser Test zeigt, sind üppige Preise nicht unbedingt eine Garantie für Spitzenqualität. Immer noch laborieren die schicken Bildschirme an Kinderkrankheiten. LCDs arbeiten mit Hintergrundbeleuchtung und Flüssigkristallen als Lichtventil. Schwarze Bildpunkte müssen das Licht in Richtung Zuschauer komplett abschotten - was aber nicht einwandfrei gelingt. Aus diesem Grund weisen die Flüssigkristall-Bildschirme im Allgemeinen ein milchiges Schwarz auf.

Technische Tricks

Plasmaschirme dagegen sind selbstleuchtend; in ihren edelgasgefüllten Bildpunkten erhellt sich Phosphor, wenn eine elektrische Ladung das Gas kurz zündet. Sie kennen also nur zwei Zustände: hell oder dunkel. Helligkeitsstufen ergibt der Trick, die Bildpunkte mehr oder weniger oft pro Sekunde ein- und auszuschalten. Aktuelle Plasmaschirme lösen feinste Nuancen allerdings noch nicht präzise genug auf. Man behilft sich mit künstlich eingestreutem Rauschen ("Dithering"), das dem Zuschauer die fehlenden Schattierungen vorgaukelt. Was die Helligkeit betrifft, lässt sich das Auge dadurch täuschen. Aber auf den zweiten Blick fällt dafür in manchen Szenen buntes Schneegestöber im Bild auf - was je nach Hersteller und Qualität mehr oder weniger stark ausgeprägt ist.

Die Leuchtschicht der Plasmaschirme brennt außerdem recht schnell ein - steht ein Bild für einige Zeit auf der Mattscheibe still, sind seine Konturen auch dann noch zu sehen, wenn man den TV ausschaltet. Besonders sensibel reagieren diese Flachbildschirme in den ersten 100 Betriebsstunden - danach ist die Gefahr permanent eingravierter Bildmuster geringer.

Ruckelnde Sportaufnahmen

Ein anderes Problem trifft sowohl Plasma- als auch LC-Schirme: Sie stellen den Bewegungsablauf von TV-Bildern anders dar, als er aufgenommen wurde. Ohne intelligente Wandlerchips, die eine "progressive" (siehe Lexikon) Darstellung unterstützen, ruckeln insbesondere Sportaufnahmen auf den TV-Flundern oder zeigen ausreißende Kanten.

Plasmabildschirme haben aufgeholt

Über kurz oder lang werden flache Bildschirme die althergebrachte Röhre ablösen. Aber noch sind auch die Newcomer nicht frei von Schwächen. Unterm Strich liefert ein TV-Gerät mit Bildröhre meist immer noch das harmonische Bild zum deutlich niedrigeren Preis. Insbesondere die Plasmabildschirme haben erstaunlich aufgeholt und ihre gröbsten Kinderkrankheiten hinter sich gelassen.

Wer bereit ist, den hohen Preis zu zahlen, findet mittlerweile auch qualitativ interessante Angebote - der Philips 42 PF 9965 und der Sony KE-42 TS 2 E gehören dazu. Die für TV-Bilder nagelneue LCD-Technologie erscheint dagegen noch nicht ausgereift: Trotz bestechender Schärfe wirken die Bilder wegen der bis auf Weiteres unentbehrlichen Hintergrundbeleuchtung immer vergleichsweise matt.

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