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Vergleichstest: Online-Videotheken

01.09.2004 | 13:44 Uhr |

Wer seine DVDs nicht umständlich in der Videothek ausleihen möchte, dem bringen Online-Videotheken die Scheiben direkt an die Haustür. Wir haben zwölf Anbieter getestet. Unser Fazit: Empfehlenswert - wenn auch nicht uneingeschränkt.

Wer es bequem mag, aber seine Filme nicht aus dem Internet herunterladen und auf DVD brennen will, dem bleiben als Alternative die Online-Videotheken: Websites, auf denen man aus einem riesigen Verleihangebot wählen kann. Die DVDs bringt der Postbote. Nur für die Rückgabe muss man sich zum Briefkasten oder zur Postagentur bemühen. Herkömmliche Videotheken bieten in ihren Ladenlokalen immer häufiger statt der Kassetten die runde Scheibe zum Verleih an. Doch selten ist das Angebot so umfangreich, dass aktuelle Titel in ausreichender Anzahl vorhanden sind. Spezielle Filme oder ältere Titel sind in den meisten Ladenlokalen gar nicht vorrätig. Preislich liegen herkömmliche Videotheken deutlich über den Online-Varianten.

Umfangreiches Angebot

Die Internet-Videotheken offerieren viele Tausend Titel. Beim "Verleihshop", der zu den ältesten Anbietern gehört, kann der Kunde beispielsweise aus über 11.000 DVDs auswählen. Allerdings variiert die Produktpalette der einzelnen Videotheken recht stark. Nicht jeder kann auf ein derart riesiges Filmportfolio zurückgreifen.

Sperrige VHS-Kassetten mit empfindlicher Mechanik dürften dem Posttransport nicht lange standhalten. DVDs hingegen sind für den Versand gut geeignet. Sie sind relativ unempfindlich gegen äußere Einflüsse. Es passen problemlos auch mehrere zusammen in einen Briefumschlag.

Zwei Preismodelle

Wer seine Videos online ordern will, kann zwischen zwei Möglichkeiten wählen: Pauschaloder Wochenmiete. Die Pauschal-Video-Anbieter verleihen die DVDs für einen monatlichen Obolus von etwa 10 bis 40 Euro. Der Preis richtet sich nach der Anzahl der Scheiben, die man gleichzeitig bekommen kann, und der maximal möglichen Anzahl der DVDs pro Monat. Eine Leihfrist gibt es bei den Pauschalisten nicht, die Scheiben kann der Anwender beliebig lange behalten. Wochenanbieter sind am ehesten mit der klassischen Videothek zu vergleichen.

Sie vermieten die DVDs einzeln für einen bestimmten Betrag. Man verpflichtet sich nicht zu einer regelmäßigen Zahlung. Nach dem Empfang der Silberscheiben tickt jedoch die Uhr. Man muss die Filme spätestens nach einer Woche zurücksenden oder Nachgebühr bezahlen. Wer früher schon Schwierigkeiten hatte, Bücher rechtzeitig zur Leihbibliothek zurückzutragen, sollte dieses Leihmodell eher meiden. Denn nur wenige Anbieter erinnern den Kunden per E-Mail an die Rückgabe. Die "DVDbox" und die "Online-Videothek" bieten beide Preismodelle und lassen den Kunden wählen: Hier stehen dem Kunden sowohl Wochenmiete als auch Monatspauschalen zur Auswahl.

Die Auswahl

Trotz des teilweise riesigen Filmvorrats sind bei den virtuellen Videotheken längst nicht alle Titel vorrätig. Bei den Pauschalangeboten stellen Sie eine "Wunschliste" mit DVDs zusammen, die Sie interessieren. Für jeden Titel legen Sie fest, wie wichtig er Ihnen ist. Die Videoverleiher senden Ihnen - abhängig von dem vorhandenen Kontingent und Ihren vorher festgelegten Prioritäten - die Anzahl der Titel, die Ihr Verleihmodell beinhaltet.

Um weitere Titel zu bekommen, müssen Sie bereits angesehene Filme zurücksenden. Damit der Durchsatz stimmt und Sie auf jeden Fall in den Genuss der gewünschten DVDs kommen, sollten Sie bei den Pauschalanbietern die Wunschliste gut gefüllt haben. Je mehr Titel darin enthalten sind, desto größer ist die Chance, dass Sie schnell mit neuem Film-Futter versorgt werden. Darin sehen viele den Nachteil der Pauschalisten. Cineasten werden nur auf einen günstigen Preis kommen, wenn sie die Titel aus der Liste auch tatsächlich erhalten. Und das garantieren die Versender keineswegs. Wer seine Leihliste mit vielen gefragten DVDs füllt, kann durchaus längere Zeit leer ausgehen.

Bei Verleihern, die nach dem klassischen Videotheken-Modell mit der Wochenmiete arbeiten, erhalten Sie so viele Titel, wie Sie wünschen und verfügbar sind. Das zeigen die Anbieter bereits in der Liste an. Cineasten werden umso stärker zur Kasse gebeten, je mehr Titel sie ordern. Andererseits bekommen Sie nur das, was Sie bestellen. Sie müssen nicht mit Titeln vorlieb nehmen, die Sie vielleicht nur zweit- oder drittrangig interessieren und deshalb entsprechend weit unten in Ihren Prioritätenlisten angesiedelt sind.

Wer besondere Filme wünscht, wird nur bei einigen Versendern fündig. Das Gleiche gilt für Filme mit einer Altersfreigabe über 18 Jahren. Damit Sie diese Titel per Versand erhalten dürfen, verlangen die Anbieter, dass Sie sich per Postident-Verfahren bei Ihrem Postamt legitimieren (siehe Kasten). Wenn Sie auf der Suche nach speziellen Filmen sind, stöbern Sie zunächst gründlich durch das Angebot der virtuellen Videotheken. Legen Sie sich erst fest, wenn diese die Filme Ihrer Wahl auch anbieten. Das gilt vor allem für die Pauschal-Videotheken. Günstige Preise nützen wenig, wenn nicht genügend Filme für die Leihliste vorhanden sind.

Vorsicht, Nebenkosten!

Bei der Wahl der Videothek sollten Sie Ihre Sehgewohnheiten gründlich unter die Lupe nehmen und sich nicht allein auf den Mietpreis konzentrieren. Kalkulieren Sie, ob das Porto im Preis enthalten ist oder nicht. Pauschalverleiher bieten rein rechnerisch den günstigeren Kurs pro DVD (siehe Tabelle). Das hängt jedoch von zwei wichtigen Faktoren ab: Der Preis ist nur dann günstig, wenn ständig neue Titel in die Liste aufgenommen werden und die Videothek somit laufend liefert. Die Monatspauschale läuft in der Urlaubszeit weiter. Das Gleiche gilt, wenn Sie wegen Arbeitsüberlastung nicht dazu kommen, die DVDs auch tatsächlich anzusehen bzw. zurückzusenden. Bei einigen Anbietern wie dem "Filmtaxi" können Sie immerhin einstellen, dass Sie nicht zu Hause sind, der Versender hält die Filme der Auswahlliste dann zurück.

ON- UND OFFLINE-ALTERNATIVEN

Als Alternative zur Lieferung per Post steht die herkömmliche Videothek zur Verfügung. Preislich hat der Kunde hier einen gewaltigen Nachteil, denn umgerechnet bezahlt er etwa 10,50 Euro pro Woche. Für diesen Betrag können Sie viele Filme bei Amazon.de oder Elektrogroßmärkten bereits beinahe kaufen. Der einzige Vorteil ist die sofortige Verfügbarkeit - wobei aktuelle Titel in den Videotheken meist auch vergriffen sind. Ganz neu ist die Automaten-Videothek Cinebox , bei der Sie rund um die Uhr von einem Roboter bedient werden. Die Vorteile der Vorbestellung über das Internet nutzen allerdings erst sehr wenige der Franchise-Nehmer von Cinebox.

Letztendlich besteht die Möglichkeit, Filme per DSL-Verbindung herunterzuladen - Arcor und T-Online bieten diesen Service für Gebühren ab 3 Euro je Film. Dabei gibt es allerdings zwei entscheidende Nachteile: Die Filme müssen innerhalb von 24 Stunden konsumiert werden. Außerdem muss eine Verbindung zwischen Download-PC und TV oder Projektor im Wohnzimmer bestehen. Qualitativ liegen diese Filme meist eher auf dem Niveau einer VHS-Kassette - Fehlanzeige für digitalen Raumklang oder ein hochauflösendes Bild.

POSTIDENT-VERFAHREN

Das Postident-Verfahren der Deutschen Post AG ist ein komfortables und sicheres Personenidentifikationsverfahren. Es bestätigt die bei der Anmeldung angegebenen Personendaten und ist die Voraussetzung für den Zugang zum Bereich der Filme mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren. Legen Sie das ausgefüllte Postident-Formular zusammen mit Ihrem Personalausweis oder Reisepass in einer Filiale der Deutschen Post vor. Die Deutsche Post bestätigt im Anschluss dem Anbieter der Online-Videothek Ihre Volljährigkeit. Teilweise werden für Post- und Verwaltungskosten Gebühren berechnet.

Film-Informationen

Die virtuellen Videotheken handhaben die Information zu den einzelnen Titeln recht unterschiedlich. Bei manchen stehen seitenlange Texte zu jedem Film, andere begnügen sich mit stichwortartigen Kurzinfos. In jedem Fall ist man gut beraten, vor dem Besuch zu wissen, was gewünscht wird - auch und gerade bei Pauschalanbietern. Ein günstiger Preis wiegt die verlorene Zeit mit einem schlechten Film selten wieder auf.

Die Einteilung der Filme in einzelne Rubriken erscheint rein willkürlich. So findet sich das Drama "28 Days" mit Hollywood-Star Sandra Bullock im Angebot von "Die DVDler" unverständlicherweise in der Rubrik "Komödie" wieder. Tipp: Vor allem bei unbekannten Titeln sollten Sie sich die Filmbeschreibungen ausdrucken. So sind Sie immer im Bilde über die ausgewählten Titel. Außer der DVD selbst bekommen Sie von den meisten Versendern keine zusätzlichen Infos zugeschickt. Nur "InVDeo" macht sich die Mühe, in der Versandbestätigung per E-Mail auch noch einmal ein Kurzportrait der georderten Filme aufzunehmen.

Von Tüten und Boxen

Zum Versand werden in der Regel nicht die Originalverpackungen der DVDs verwendet. Die Online-Verleiher stecken die Scheiben in einfache quadratische Hüllen - teilweise mit, teilweise ohne Schutzvlies. Auf die Stabilität der DVD wird sowieso stark vertraut: Bei vielen Verleihern wurden die Scheiben in herkömmlichen Papier-Briefumschlägen ohne Schutzvorkehrungen verschickt.

Nur "DVD-mieten" und "DVDbox" verwenden einen Umschlag aus Wellpappe. "Verleihshop" und "Die DVDler" packen die DVDs in einen gepolsterten Umschlag. Als Einziger verwendet "Cinemore" DVD-Amaray-Hüllen (allerdings mit Videotheken-Cover) und liefert dem Anwender auch gleich den Original-Einleger der DVD mit.

Die Versandarten der einzelnen Online-Verleiher variieren ebenfalls. Aus Kostengründen verschickt knapp die Hälfte der Anbieter die Briefe als Warensendung und nimmt sie auf dem gleichen Weg zurück. Dies ist vor allem gebräuchlich, wenn die Versandkosten im Preis enthalten sind. Es handelt sich dabei um eine preisgünstige Möglichkeit des Versands.

Das Problem ist, dass eine Warensendung unverschlossen zurückgeschickt werden muss: entweder mit einer Doppelklammer gesichert oder per Adhäsionsverschluss (selbstklebender Umschlag). Auf eine zusätzliche Transportsicherung per Klebeband sollte man verzichten, da sich dadurch (theoretisch) das Porto verteuern kann. Leider sind nicht alle Rücksendeumschläge so stabil, dass man ihnen einen unversehrten Rücktransport zum Anbieter zutraut.

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