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Vergleichstest: Navigations-Software für den Organizer

21.04.2005 | 15:53 Uhr |

Tolle Idee: Den eigenen Organizer mit entsprechender Software einfach zum Navigationssystem für das Auto umfunktionieren. Aber kann so ein Programm überhaupt verlässlich funktionieren? Digital.World hat sieben Systeme auf Herz und Nieren getestet.

RELEVANZ: BRAUCHE ICH EIN PDA-NAVIGATIONSSYSTEM?

+ FLEXIBILITÄT Perfekt, wenn Sie oft in unterschiedlichen Autos unterwegs sind. Der Umbau ist problemlos in kürzester Zeit geschafft.

+ PREIS Immer noch deutlich preisgünstiger als Geräte zum Festeinbau, oft schon zusammen mit PDA.

+ DOPPELNUTZEN Der PDA lässt sich nicht nur zum Navigieren nutzen, sondern auch als Terminkalender, zum Spielen und für vieles mehr.

- FUNKTION Fest eingebaute Geräte navigieren wegen ihrer besseren Sensorausstattung immer noch sicherer.

- KABELSALAT Wenn kein Bluetooth-GPS-Empfänger eingesetzt wird, hängen die Anschlusskabel unschön im Auto herum.

- BEDIENUNG Wegen der kleinen Bedienfelder ist die Adresseingabe im Auto ziemlich umständlich.

= ALTERNATIVE Mit Navigationsprogrammen für PDAs kommt man im Auto an das gewünschte Ziel. Systeme für den Festeinbau können das zwar noch besser, dennoch handelt es sich um eine Alternative, die funktioniert.

Der praktische Nutzen eines Navigationssystems für das Auto ist wohl unbestritten. Kein mühsames - und gefährliches - Blättern in der Karte während der Fahrt und keine Missverständnisse mit dem navigierenden Beifahrer. Möchte man ein speziell für den Einsatz im Fahrzeug hergestelltes Gerät, ist der Spaß nicht ganz billig. Radio-Navigationssysteme zum Nachrüsten kosten ab 700 Euro, solche mit Kartendisplay leicht das Doppelte - den Aufwand für den Einbau nicht eingerechnet. Ab Werk installierte Systeme sind meist noch deutlich teurer.

Preiswerte Alternative

Besitzer moderner Taschencomputer sind da fein raus. Für PDAs gibt es schon ab 150 Euro Navigationsprogramme, die Ähnliches leisten wie ein fest im Auto installiertes Gerät. Dazu benötigt man einen GPS-Empfänger, am besten als drahtlose Bluetooth-Version (ab 140 Euro, kabelgebunden ab 70 Euro). Dann kann es losgehen mit der Navigation.

Digital.World hat sieben solcher Navigationsprogramme getestet, um herauszufinden, was sie leisten und ob sie wirklich als Ersatz für speziell fürs Auto entwickelte Geräte dienen können. Alle sieben sind für Pocket-PCs mit dem Betriebssystem Windows Mobile 2003 gedacht. Für Benutzer von Geräten der anderen großen PDA-Fraktion mit Palm-Betriebssystem sind ebenfalls einige Programme verfügbar. Diese Systeme ebenfalls zu testen, hätte jedoch den Rahmen dieses Artikels gesprengt. Einige der hier getesteten Programme werden auch als Pakete inklusive GPS-Maus, Autohalterung und Stromkabel für den PDA angeboten. Damit lässt sich oftmals Geld sparen. Es sind durchaus noch preisgünstigere Komplettpakete inklusive PDA im Handel, bei denen aber die mitgelieferte Software häufig nicht auf dem neuesten technischen Stand ist.

In Minuten eingebaut

Neben dem Preis ist die Flexibilität ein großer Vorteil von Navigationsprogrammen für PDAs gegenüber fest im Auto installierten Geräten. Der PDA ist blitzschnell im Kfz angebracht, die Verkabelung umgehend erledigt. Bei Bluetooth-GPS-Empfängern fällt sie gleich ganz weg, wenn man mit deren Akku-ladung (meist einige Stunden) zurechtkommt. Kabelgebundene GPS-Mäuse müssen immer extern mit Strom versorgt werden. Das geht am einfachsten mit einem Kabel, das an die Zigarettenanzünder-Dose des Autos angeschlossen wird. Am geschicktesten ist es, wenn das Kabel gleich den Taschencomputer mitversorgt. Darauf sollte man beim Kauf achten.

Eine Autohalterung für den kleinen Rechner sollte man sich auf keinen Fall sparen. So kann dieser bei abrupten Fahrmanövern oder gar Unfällen nicht unkontrolliert durch das Auto fliegen. Zwei Ausführungen solcher Halterungen sind gebräuchlich: Zum einen gibt es speziell auf den Computertyp zugeschnittene Halterungen, die aber relativ teuer sind. Preiswerter sind universell verwendbare Typen, bei denen der PDA zwischen zwei Kunststoffbacken festgeklemmt wird. Diese schlagen im Handel mit etwa 20 Euro zu Buche und sind für die meisten PDAs völlig ausreichend. Beide Typen werden in der Regel per Vakuum-Saugnapf an der Windschutzscheibe befestigt. Vereinzelt findet man auch Halterungen, die in ein Lüftungsgitter des Autos eingehängt werden.

Vergleich mit Festeinbau-Geräten

So erstaunlich das klingt, die Führungsqualitäten von Navigationsprogrammen für PDAs sind in vieler Hinsicht durchaus mit denen von Festeinbau-Geräten gleichzusetzen. Teilweise überflügeln sie diese sogar, so zum Beispiel bei den Rechenzeiten für die Routenberechnung. Der Alltagsbetrieb zeigt, dass es bei den PDA-Programmen erkennbar häufiger zu Totalaussetzern kommt, bei denen die Software völlig die Orientierung verliert. Ursache dafür ist ihre Abhängigkeit vom GPS-Signal. Dank Tachosignal und Drehratensensor wissen die Festeinbau-Systeme auch bei vollständigem Verlust des GPS-Signals immer noch sehr lange, wo sie sich befinden. Die PDA-Programme verlieren hingegen in dieser Situation, die nicht nur in Tunneln, sondern zum Beispiel auch in engen Häuserschluchten oder im Gebirge auftreten kann, sofort komplett die Orientierung.

Ein weiterer Vorteil von Festeinbau-Geräten ist, dass ihre Anzeigedisplays auf den Fahrzeugeinsatz abgestimmt sind. Die Anzeigen der PDAs dagegen sind kaum entspiegelt und bei hellem Tageslicht schlecht zu lesen, da sie dann einen großen Teil ihres Kontrasts verlieren. Ein weiteres PDA-Problem: Die eingebauten Lautsprecher sind nicht die besten. Dadurch erreichen die Sprachansagen oft nicht genügend Lautstärke, um sich im Auto hörbar gegen den Umgebungslärm abzusetzen. Bei Geräten für den Festeinbau ist das kein Problem, da deren Anweisungen über die im Auto eingebauten Lautsprecher erfolgen. Nicht vernachlässigen darf man die Bedienung im Auto. Hier sind die fest installierten Systeme weit im Vorteil, denn PDAs sind auf den Touchscreen und die wenigen zusätzlichen Tasten angewiesen. Gerade bei der Eingabe von Zielen über die Windows-Bildschirmtastatur wird das Hantieren mit dem Stift zu einer recht umständlichen Angelegenheit. Erst recht, wenn der PDA in der Autohalterung sitzt und man mit ausgestrecktem Arm arbeiten muss.

Karten öfter updaten

Beim Kauf eines Navigationsprogramms sollte man der mitgelieferten Karten-Software besondere Aufmerksamkeit schenken: Manche Hersteller legen nur eine Deutschlandkarte bei, andere gleich eine komplette Europakarte. Das sollte man bei Preisvergleichen berücksichtigen, da das Kartenmaterial sehr teuer ist. Erweiterungen des Kartenmaterials durch Nachkauf einzelner Länder oder Ländergruppen ist meist möglich. Außerdem sollte man etwa alle zwei bis drei Jahre ein Karten-Update durchführen, da sich in diesem Zeitraum ein großer Teil der Daten verändert - Einbahnstraßen verlaufen anders, Straßen wurden gesperrt, andere völlig neu gebaut. Erkundigen Sie sich am besten schon vor dem Kauf, welche Kosten bei einem Update auf Sie zukommen können, um später keine böse Überraschung zu erleben.

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