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Vergleichstest: Musik-Download-Plattformen - Teil I

01.03.2004 | 16:55 Uhr |

Immer mehr Surfer sind bereit, für Songs aus dem Netz zu zahlen. Was bieten legale Musik-Downloads wirklich? Zehn Sites im Test. Fazit: verbesserungswürdig.

LEGALE UND KOSTENLOSE DOWNLOADS

Ob Promotion-Songs, Titel von Künstlern ohne Plattenvertrag oder Teaser-Songs ("Lockvögel" fürs komplette Album) - die folgenden Internet-Adressen bieten kostenfreie Musik-Downloads von teilweise erstaunlicher Qualität, in rauen Mengen und ganz legal.

> www.tonspion.de
> www.epitonic.com
> www.besonic.com
> www.mp3.de
> www.peoplesound.com
> www.virtual-volume.com

Die Folgen kann Shawn Fanning kaum absehen, als er Anfang 1999 sein Studium aufgibt, um die Online-Tauschbörse Napster.com zu starten. Musikfans aus der ganzen Welt beginnen, Dateien mit den Songs ihrer Lieblingsinterpreten im Internet zu tauschen. Seither lamentiert die Musikindustrie über hemmungslose Musikpiraten und rückläufige Umsatzzahlen und versucht, die privaten Tauschgeschäfte mit Drohungen und Klagen vor Gericht zu stoppen. Eine Strategie, um selbst vom Download-Fieber zu profitieren, haben die Plattenbosse jedoch nicht.

Apple als Vorbild

Ausgerechnet ein Computerhersteller zündet die Gegenoffensive: Der Apple Music Store öffnet im April 2003 online und hat seitdem schon über 30 Millionen Songs verkauft. Das sind etwa 70 Prozent aller seither online verkauften Titel, schätzt das Marktforschungsunternehmen Forrester Research. Wie so oft, sind die US-Amerikaner einen Schritt voraus. In den USA betreiben das Geschäft mit kostenpflichtigen Downloads außer Apple.com zum Beispiel Listen.com, MusicNet.com, FullAudio.com und - Napster.com. Jawohl, das Aushängeschild der illegalen Downloads macht heute unter neuer Leitung ganz legal Geschäfte mit Musik aus dem Internet.

Immer Musik aus dem Internet

Und plötzlich wollen sie alle dabei sein: Egal, ob Dell, AOL, RealNetworks, Coca-Cola oder Wal-Mart - jeder will plötzlich ein Stück vom Kuchen im Online-Musikgeschäft. Gut 200 Millionen Dollar werden Musikliebhaber in diesem Jahr in den USA für Downloads ausgeben, schätzt Forrester Research, das ist fast sechsmal so viel wie im Vorjahr (36 Millionen Dollar) und schon rund zwei Prozent des Umsatzes mit Musik-CDs. Doch um Missverständnisse auszuräumen: Die Portale jenseits des Atlantiks sind prinzipiell nur für US-Bürger oder Besitzer einer Kreditkarte mit amerikanischer Rechnungsadresse zugänglich. Das hängt mit der kom- plexen Lizenzpolitik der Musik-Labels zusammen - die Urheber- und Nutzungsrechte werden immer für einzelne Länder vergeben. Lediglich Liquid.com und Emusic.com bieten auch europäischen Musikliebhabern ein eingeschränktes, aber legal zugängliches Musikrepertoire.

Downloads für Deutschland

Aber keine Sorge, auch in Deutschland lässt sich seit gut einem Jahr recht angenehm Musik aus dem Internet laden. Tiscali, Karstadt und Hotvision (Media Markt) haben es bereits erfolgreich vorgemacht, Musicload (T-Online) drängt mit großen Werbekampagnen in den Markt, und andere stehen bereits in den Startlöchern. AOL würde gerne noch dieses Jahr loslegen, und der Bundesverband der Phonoindustrie bemüht sich seit Monaten redlich, aber erfolglos, das bisher vielseitigste europäische Angebot unter dem Namen "Phonoline" zu starten, an das sich unter anderem die Handelskette Saturn gerne hängen würde. Und auch Apple kämpft um eine gute Ausgangsposition im Ringen um die hiesigen Marktanteile: Laut Pressesprecher sei der Shop für Europa technisch bereits startbereit - doch die komplexe urheberrechtliche Situation ließe keine Aussage über einen konkreten Startschuss zu.

Musik mit begrenzter Nutzung

Um sich gegen die illegale Nutzung von urheberrechtlich geschützten Musikstücken, Videos und ähnlichen Werken zu wehren, sucht die Industrie seit Jahren nach Mitteln, das Kopieren oder Umwandeln in andere Formate (zum Beispiel Musik in MP3-Dateien) per Kopierschutz zu verhindern oder wenigstens - etwas eleganter und flexibler - mit Hilfe von Digital Rights Management (DRM) einzuschränken.

Das bisher erfolgreichste System steckt im Windows Media Player (derzeit Version 9.0). In der Praxis erhält man beim Kauf eines Musikstücks im Online-Shop die dazugehörige Lizenz automatisch. Sie regelt, ob und wie oft sich ein Werk auf CD brennen oder auf einem PC spielen lässt und ob es auf andere Geräte übertragen werden darf.

Ein Blick auf die Datei gibt Auskunft über die erworbenen Rechte: ein Klick mit der rechten Maustaste, dann "Eigenschaften" wählen. Nun erscheinen auf der Registerkarte "Lizenz" Informationen darüber, wie die Datei sich nutzen lässt. Allerdings sind die Angaben nicht immer widerspruchsfrei zu denen, die man erhält, wenn man direkt im Media Player auf "Eigenschaften" klickt.

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