Vergleichstest: Heimkino-Komplettanlagen - Teil II

Mittwoch den 01.12.2004 um 15:23 Uhr

von Stefan Willeke

Heimkino-Komplettanlagen verheißen ein umwerfendes Bild, exzellenten Klang und schickes Design. Ob die Hersteller zu vollmundige Versprechen abgeben, hat Digital.World bei fünf Systemen zwischen 600 und 900 Euro getestet.

KOMPAKT HEIMKINOANLAGEN UM 700 EURO

HEUTE GETESTET: DIE AUSWAHL

Manche Heimkino-Komplettanlagen klingen richtig gut. Das ist ihnen jedoch von außen nicht anzusehen. Aus diesem Grund haben wir fünf Anlagen in der Preisklasse zwischen 600 und 900 Euro genauestens unter die Lupe genommen. Hierbei handelt es sich um eine am Markt sehr beliebte Preisspanne, in der die Qualität erfahrungsgemäß schon ganz ordentlich ist.

BILDQUALITÄT Um die Qualität der DVD-Bilder, die die Anlagen produzieren, muss man sich keine Sorgen machen: Bei keinem der Testgeräte gab es hier nennenswerte Kritikpunkte.

RELEVANZ: BRAUCHE ICH EINE HEIMKINO-KOMPLETTANLAGE?

RUNDUM-SORGLOS-PAKET

Vom DVD-Receiver über die Boxen bis zu den Anschlusskabeln ist alles mit im Karton. Nichts muss extra angeschafft werden.

+ AUFBAU Sämtliche Kabel sind eindeutig gekennzeichnet, bei den Lautsprecheranschlüssen meist farblich codiert. Anschlussfehler kommen aus diesem Grund kaum vor.

+ EINSTELLUNG Receiver und Lautsprecher passen ohne Einstellungsaufwand zusammen. Nur Pegel und Verzögerungszeiten müssen angepasst werden.

+ DESIGN Lautsprecher und Receiver sind klein, schick und optisch perfekt aufeinander abgestimmt.

- KLANGQUALITÄT Die Hersteller sparen oft an den Lautsprechern. Das wird schnell durch verfärbten, unnatürlichen Klang bestraft.

= BEDINGTER KAUF Wer auf schicke, einheitliche Optik fürs Wohnzimmer setzt und gleichzeitig keinen Top-Klang benötigt, sollte sich den Testsieger Samsung HT-910HD in jedem Fall näher ansehen.

Heimkinos rücken auf der Beliebtheitsskala immer weiter nach oben. Die meisten Zeitgenossen erwarten allerdings, dass sich die dazu nötige Technik ins Wohnzimmer- Ambiente integrieren lässt. Riesige Lautsprecherboxen und Regale voller Geräte möchte niemand. Angesagt sind heute platzsparende, komplette Anlagen mit Design aus einem Guss. Der Gedankengang dahinter ist nachvollziehbar: Was klein ist, lässt sich gut verstecken. Ist das nicht möglich oder erwünscht, bietet ein einheitliches modernes Design dem Auge dennoch erheblich mehr als große schwarze Boxenkisten und dicke Verstärker in Quaderform.

Noch interessanter werden Heimkino-Komplettanlagen aufgrund ihres günstigen Preises. Markenhersteller bieten bereits Geräte ab etwa 300 Euro - komplett mit in einen Verstärker integriertem DVD-Laufwerk und Radioteil sowie einem Boxensatz inklusive Subwoofer. Wer eine ähnliche Konfiguration aus Einzelkomponenten zusammenstellt, muss mit beinahe dreifachen Kosten rechnen. Design, guter Klang, knackiges Bild und dann noch richtig Geld gespart - verständlich, dass viele Käufer so oder ähnlich denken.

Wider der Physik?

Ganz so einfach und eindeutig ist die Sachlage jedoch nicht. Bei aller Perfektionierung und Miniaturisierung der Technik können sich die Hersteller über einige grundsätzliche Gegebenheiten nicht hinwegsetzen: die Physik, die beispielsweise gerade bei kleinen Lautsprecherboxen erbarmungslos zuschlägt. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Größe einer Box und ihrer Fähigkeit zur Basswiedergabe. Dieses lässt sich oftmals per Subwoofer eindämmen. Bei winzigen Boxen, wie sie oft bei Komplettsystemen mitgeliefert werden, ist das jedoch nicht mehr in vollem Umfang möglich. In diesem Fall leidet der Klang deutlich.

Kostenfaktor Boxen

Ein weiteres Problem in Zusammenhang mit den Boxen: Sie schlagen im Gesamtbudget einer Komplettanlage ziemlich deftig zu Buche. Sie sind mechanische Komponenten, deren Herstellungskosten sich nicht wie bei Elektronik beinahe beliebig verkleinern lassen. Deshalb ist die Versuchung der Hersteller, hier zu sparen, entsprechend groß. Und dieser Versuchung geben sie nach, indem sie in einigen Fällen minderwertige Chassis verwenden, die im Mitteltonbereich Verfärbungen produzieren. Einen Hochtöner, wie man ihn in so gut wie jeder Hi-Fi-Box findet, sparen sich die Hersteller meist komplett. Dessen Job muss das Mittelton-Chassis zusätzlich erledigen. Das kann durchaus funktionieren, in der Praxis klingen die Anlagen jedoch eher höhenarm. Klangregler, die diesem Problem abhelfen könnten, sind meist nicht vorhanden.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Bei weitem nicht alle Heimkino-Komplettanlagen sind schlecht, manche klingen sogar richtig gut. Digital.World hat fünf Anlagen in der Preisklasse zwischen 600 und 900 Euro genau unter die Lupe genommen. Toll: Bei keinem der fünf Testgeräte gab es nennenswerte Kritikpunkte bei der Bildqualität.

Mittwoch den 01.12.2004 um 15:23 Uhr

von Stefan Willeke

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