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Vergleichstest: Handy-Navigationssysteme

23.03.2005 | 10:44 Uhr |

Moderne Handys sind wahre Multifunktionsmaschinen. Jetzt führen die kleinen Alleskönner sogar mit der richtigen Software ans gewünschte Ziel. Digital.World hat sieben Programme für die MOBILE NAVIGATION getestet.

KOMPAKT: DIE AUSWAHL

Digital.World hat alle im Moment auf dem Markt verfügbaren Navigationsprogramme für Mobiltelefone unter die Lupe genommen. Mit dabei waren neben herkömmlichen Systemen mit Karten-Software auch Offboard-Systeme, die keine Kartendaten im Lieferumfang haben, sondern die die gewünschten Routen von einem externen Server berechnen und sich per GPRS überspielen lassen.

RELEVANZ: BRAUCHE ICH EIN HANDY-NAVIGATIONSSYSTEM?

+ IMMER DABEI Wer viel in verschiedenen Autos oder zu Fuß unterwegs ist, kann immer sicher navigieren.
+ PREIS Die Kosten sind vergleichbar mit Navigationsprogrammen für PDAs, aber deutlich geringer als bei Geräten zum Festeinbau ins Auto. Oft ist die Software als Paket zusammen mit einem Smartphone erhältlich.
+ INBETRIEBNAHME Die Programmpakete werden meist mit Bluetooth-GPS-Empfängern geliefert, deshalb keinerlei Verkabelungsaufwand.

- INSTALLATION Bei einigen Programmen unnötig aufwendig und kompliziert.
- FUNKTION Fest eingebaute Gerätenavigieren aufgrund ihrer besseren Sensorausstattung immer noch sicherer.
- DISPLAY Für eine aussagekräftige Kartenanzeige sind die Bildschirme vieler Mobiltelefone einfach zu klein.
- BEDIENUNG Aufgrund der wenigen und sehr kleinen Tasten ist die Bedienung der meisten Handy-Navigationsprogramme eine Nervenprobe.

= ALTERNATIVE Navigationsprogramme für Mobiltelefone können gerade in Sachen Bedienung den Festeinbau- und PDA-Navigationssystemen nicht das Wasser reichen. Allerdings sind die mobilen Pfadfinder unerreicht flexibel und führen in aller Regel sicher an das gewünschte Ziel. Die Offboard-Systeme können dabei über einen externen Server aktuelleres und umfangreicheres Kartenmaterial nutzen - streikt allerdings der Empfang, ist der Weg aus dem Funkloch erst wieder zu finden.

Handys sind längst nicht mehr nur zum Telefonieren da: Bereits der SMS-Boom zeigte, dass sie sich anderweitig spaß- und gewinnbringend einsetzen lassen. Spiele und eingebaute Digitalkameras sind heutzutage beinahe in jedem Mobiltelefon zu finden. Die Hersteller haben die Vielseitigkeit ihrer Produkte als Verkaufsargument längst erkannt und bringen Handys mit stetig wachsender Rechenkapazität auf den Markt. Die neueste Generation dieser Smartphones hat genug Prozessor-Power, um Programme zur Navigation für das Auto zu betreiben. Hochwertige Displays und Lautsprecher sorgen für die Anzeige von aussagekräftigen Hinweisen, wo der Nutzer abbiegen muss, und für die Wiedergabe verständlicher Sprachansagen.

Betriebssystem-Chaos

Das Ganze hat allerdings einen großen Haken: die unterschiedlichen Betriebssysteme, die die Hersteller in die Mobiltelefone integrieren. Richtig kompatibel sind noch nicht einmal die Handys eines einzelnen Herstellers, geschweige denn die verschiedener Anbieter. Initiativen zur Vereinheitlichung der Betriebssysteme gab es in der Vergangenheit zuhauf. Aus einer ging das Betriebssystem Symbian hervor, auf dem wiederum die Series-60-Benutzeroberfläche basiert. Allerdings sind selbst Symbian-Handys meist nicht vollständig zueinander kompatibel, da jeder Hersteller immer ein Stück weit sein eigenes Süppchen kocht. Hersteller wie Siemens verfolgen komplett eigene Konzepte und lassen Symbian mehr oder weniger unbeachtet.

Standard à la Microsoft?

In jüngster Zeit mischte sich mit Microsoft allerdings ein Mitspieler ins Geschäft ein, der für einige Bewegung sorgen dürfte. Er hat die nötige Power, die Hardware-Hersteller dazu zu bringen, ihre Produkte kompatibel zum Microsoft-eigenen Betriebssystem Windows Mobile Smartphone zu machen. Erste Produkte, unter anderem von T-Mobile, sind bereits auf dem Markt, weitere Geräte schon angekündigt. Sollte sich Windows Mobile Smartphone durchsetzen, dürfte sich die Arbeit der Entwickler für Handy-Navigationsprogramme deutlich vereinfachen. Bislang müssen sie ihre Software für beinahe jedes einzelne geeignete Handy mühsam anpassen oder neu schreiben. Möglicherweise bewirkt der Druck von Microsoft, dass die Hardware-Hersteller sich endlich für die Entwicklung eines Standards an einen Tisch setzen.

Karte ausgelagert

Bei einer Navigations-Software im Handy bietet sich folgende Idee geradezu an: Die äußerst umfangreiche Karten-Software, die ein Navigationssystem zum Arbeiten benötigt, wird auf einen zentralen Server ausgelagert. Offboard muss sie nur einmal vorhanden sein und kann immer perfekt auf dem neuesten Stand gehalten werden. Dank schneller Datenübertragungsmöglichkeiten wie GPRS oder UMTS ist es zumindest theoretisch kein Problem, in das Handy ein Ziel einzugeben und vom Server mit Hilfe der Karten-Software eine Route dorthin errechnen zu lassen. Das kann Vorteile für die Routenqualität bringen, denn der Server hat erheblich mehr Rechenleistung als das beste Festeinbau-Navigationssystem fürs Auto und kann deshalb viel mehr Routenmöglichkeiten einbeziehen. Der so ermittelte optimale Weg zum Ziel wird wiederum an das Mobiltelefon übertragen.

Allein auf weiter Flur

Die Idee ist sicher hervorragend, hat aber bereits in der Theorie nicht nur Vorteile: In ländlichen Gebieten kann es immer noch vorkommen, dass der Handy-Empfang streikt. Hat man sich verirrt, besteht mit einem Offboard-System keine Chance, aus dieser Misere zu entkommen. Der Kostenfaktor spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Zum einen erheben zwei der drei Anbieter von Offboard-Systemen pro berechneter Route eine Gebühr, zum anderen ist die Datenübertragung per GPRS nicht kostenlos. Man sollte sich demnach genau ausrechnen, ob für die eigenen Zwecke ein Offboard- oder Onboard-System geeignet ist. Egal, für welches System Sie sich entscheiden: Neben der Software benötigen Sie einen GPS-Empfänger, am besten als drahtlose Bluetooth-Version. Allen von uns getesteten Software-Paketen lag der zur Navigation erforderliche GPS-Empfänger bereits bei.

Bedienerfreundlichkeit

Ein äußerst wichtiger Aspekt bei Navigationsprogrammen für Mobiltelefone ist die Bedienung. Die üblichen Telefontastaturen sind meist nicht für Tippkomfort bekannt und haben sehr kleine Tasten. Hier müssen die Software-Entwickler viel Arbeit investieren, um dem Anwender die Eingabe so einfach wie möglich zu machen. Die Menüs, etwa das zur Zieleingabe, sollten geradlinig sein und möglichst wenig Bedienschritte erfordern. Gerade in diesem Punkt gibt es bei den meisten getesteten Programmen einiges Verbesserungspotenzial. Besonders fatal ist, dass die Hersteller oftmals kein vernünftiges Handbuch anbieten, so dass die Nutzer häufig nur im Selbstversuch die volle Leistungsfähigkeit der Programme ausloten können.

Ein weiterer heikler Punkt bei einigen Programmen: die Installation. Hier müssen Mobiltelefone auf GPRS konfiguriert und Software aus dem Internet oder vom Heim-PC auf das Handy geladen werden. Die Digital.World-Redaktion bezweifelt, dass ein normaler Anwender alles problemlos schafft, wenn er noch nie mit dem Thema Internet auf dem Handy in Berührung gekommen ist. Selbst unsere versierten Tester hatten diverse Probleme.

Welche Karten-Software ist dabei?

Bei der Kaufentscheidung sollten Sie die mitgelieferte Karten-Software berücksichtigen. Das Kartenmaterial für Deutschland wird prinzipiell mitgeliefert. Reisen Sie häufiger ins Ausland, wird es schon schwieriger. Bei den Offboard-Programmen wartet im Übrigen eine böse Falle: GPRS im Ausland ist meist erheblich teurer als in Deutschland. Besonders schlimm wird es, wenn man nicht auf die Tarife achtet und den falschen Provider wählt. Bei den Onboard-Systemen gilt grundsätzlich: je mehr Kartenmaterial, desto höher der Preis. Verständlicherweise wollen die Hersteller der digitalisierten Karten, Teleatlas und Navteq, Geld mit ihren Produkten verdienen. Erwirbt man allerdings im Navigationspaket gleich die Europakarte mit, sind die Kosten deutlich niedriger.

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