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Vergleichstest: DVD-Player mit DVD-Audio- oder SACD-Funktion

01.03.2004 | 15:24 Uhr |

Nur wenige Geräte spielen high-endig Musik mit Surround-Sound ab - und natürlich Filme. Sieben dieser DVD-Player zwischen 180 und 550 Euro haben wir für Sie getestet. Und die können alle Formate lesen.

FINDER: WELCHE AUDIOFORMATE BRAUCHEN SIE?

AHNUNGSLOS Was ist eigentlich Surround-Sound?
> CD-Audio
FILM-VERLIEBT Der DVD-Player muss vor allem Filme spielen, und die mit Super-Sound.
> DVD-Video
AUDIOPHIL Die beste Musik ist gerade gut genug.
> SA-CD/DVD-Audio

Erst kam die Musik-CD, dann die DVD, die endlich eine Rundumbeschallung wie im Kino ins Haus brachte. Heute achten echte Musikliebhaber auf Aufnahmen in den Formaten DVD-Audio und SA-CD (Super-Audio- CD), die derzeit die beste Tonqualität fürs Wohnzimmer liefern.

Das Problem an der Sache: Herkömmliche DVD- oder schlichte CD-Player verarbeiten die DVD-Audio- oder SA-CD-Signale nicht. Also muss für den feinsten Musikgenuss zu Hause ein Kombi-Player her, der es außer mit üblichen DVDs und CDs mit zumindest einem der neuen Musikformate aufnimmt.

Vor das Hörerlebnis der neuen Art hat die Industrie allerdings einen Stolperstein gesetzt: SA-CD und DVD-Audio konkurrieren um die Gunst der Käufer. Sony und Philips haben eine Gruppe von Firmen um sich geschart, die auf das SA-CD-Format setzt, während Panasonic das gegnerische DVDAudio- Lager anführt. Und weil Konkurrenten einander gern in die Suppe spucken, verweigern viele SA-CD-Player Scheiben im DVDAudio- Format und umgekehrt.

Aus Käufersicht ist der Streit der Hersteller ärgerlich, und leider ist derzeit nicht absehbar, welches Format sich durchsetzen wird. Zum Glück sind die Konsumenten aber nicht zum Warten verurteilt. Eine Strategie ist, sich das Musikangebot der Systeme näher anzuschauen und sich je nach Gusto für eines der Formate zu entscheiden.

Oder - und das ist die elegantere Variante - man greift zum Universal-Player, der CD, DVD und beide High-End-Musikformate abspielt. Zwar kosten diese Universalgenies etwas mehr, doch dafür kann der Besitzer dem Ringen der Systeme um Marktanteile gelassen zusehen und seine Musikscheiben ohne Blick ins Kleingedruckte auswählen.

Mehr Frequenzen, bessere Dynamik

Schon die DVD hat mit den Surround-Effekten wunderbare neue Klangwelten jenseits von Stereo eröffnet, und es gibt jede Menge Konzerte und Musik in diesem Format. Wozu also überhaupt DVD-Audio oder SA-CD? Die modernen High-End-Formate sind den älteren jedoch tatsächlich überlegen. Beide stellen dem Ton fast die volle Datenrate einer DVD zur Verfügung, während eine Film-DVD den Löwenanteil der Datenmenge den bewegten Bildern reserviert. Daher schaffen SA-CD und DVD-Audio höhere Dynamikumfänge und größere Frequenzbereiche, was die Tonqualität eindeutig steigert (siehe VIDEO-DVD UND SUPER-AUDIO-CD)

Die Geräte aus beiden Lagern verursachen allerdings ein paar Ärgernisse, an denen nicht die Entwicklungsingenieure, sondern die Chefs der Musikindustrie Schuld tragen. Die fürchten sich bekanntlich vor Raubkopien und machen den Herstellern von Playern daher strenge Auflagen: Der Ton von SA-CD und DVD-Audio darf den Player nicht über den (optischen oder koaxialen) Digitalausgang verlassen, wie bei normalen Audio-CDs und DVDs üblich.

Vielmehr müssen die Hersteller einen speziellen kopiergeschützten Digitalausgang einbauen. Das haben bislang allerdings noch nicht viele getan - sehr teure Player wie Pioneers DV-868AVi mit I-Link- Ausgang (nicht in diesem Test) für 1500 Euro sind da eine Ausnahme. Der Verstärker oder Receiver, der das Signal empfängt, braucht zudem einen Kopierschutz-fähigen Digitaleingang, so dass die Kunden sich ein weiteres Gerät anschaffen müssten - eine Zumutung, meinen viele.

Ersatz für sechs Audiokabel

Übliche Receiver und Verstärker nehmen die hochaufgelösten Tonsignale also nur über einen analogen Mehrkanaleingang am Verstärker in Empfang. Das bedeutet aber, dass sechs Cinch-Strippen zwischen den Geräten zu verlegen sind. Kleiner Tipp: Weniger Kabelgestrüpp entsteht, wenn Sie Mehrkanalkabel (ca. 70 Euro, zum Beispiel von www.oehlbach.de ) einsetzen.

Die aus der Not geborene analoge Verkabelung hat allerdings noch eine zweite Folge. Der Receiver oder Verstärker digitalisiert in der Regel das von SA-CD oder DVD-Audio stammende Signal aus klanglichen Gründen nicht, so dass seine Lautsprechereinstellungen sich nicht darauf auswirken. Die Abstimmung des Signals auf die Entfernung der Boxen vom Hörplatz, Boxengröße und Pegel beeinflusst den Klang aber ganz entscheidend. Daher sollte ein DVD-Audio- oder SACD- Player eigene Einstellmöglichkeiten für die Boxen besitzen. Der Test enthüllt gravierende Unterschiede in dieser Hinsicht.

High-End-Musikgenuss

Klingt kompliziert? Ist es auch. Aber verglichen mit den Anfangszeiten von SA-CD und DVD-Audio hat sich inzwischen einiges getan; viele Player bringen wirksame "Setups" für die Lautsprecher mit, so dass hochwertiger Musik nichts mehr im Wege steht.

Einziges Manko bleibt in der von uns getesteten Preisklasse bei SA-CD in der Regel die Entfernung der Boxen vom Hörplatz. Weil dieses Aufzeichnungsverfahren anders als DVDAudio oder CD-Formate funktioniert, harmonieren übliche Klangbearbeitungsfunktionen wie das Einstellen von Verzögerungszeiten nicht mit ihm. Das Problem lässt sich lösen - hochklassige Player wie der (nicht getestete) Denon DVD-A11 (rund 2500 Euro) verwenden zu diesem Zweck einen eigenen Klangprozessor samt Pufferspeicher. Dennoch schade um die Technik. Denn an sich sollten alle Player das Signal digital weitergeben.

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