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Vergleichstest: Bildschirm-Navigationssysteme

01.09.2004 | 12:12 Uhr |

Mit einem Bildschirm-Navigationssystem für das Auto sind Sie immer im Bild über den richtigen Kurs. Digital.World hat sich mit neun aktuellen Systemen testweise für Sie auf den Weg gemacht.

RELEVANZ: BRAUCHE ICH EIN BILDSCHIRMNAVIGATIONSSYSTEM?

+ NACHRÜSTUNG Kann je nach verwendeter Monitoreinheit das Autoradio entweder ergänzen oder ersetzen.
+ FUNKTION Navigieren wegen der Sensorausstattung sehr sicher.
+ DOPPELNUTZEN Einige bieten ab Werk Multimedia-Funktionen, alle anderen lassen sich dahingehend erweitern.
+ ÜBERSICHT Viel übersichtlicher und informativer als andere Navi-Typen.
- PREIS Radio- und PDA-Navis führen auch ans Ziel und sind preiswerter.
- EINBAU Verkabelungs- und Montageaufwand ist teilweise erheblich.
= DIE BESSERE WAHL Die Kartendarstellung bietet deutlich mehr Übersicht und Information - im Auto ein Beitrag zur Sicherheit.

Vor gar nicht langer Zeit waren sie echter Luxus und nur in teuren Limousinen zu finden: Navigationssysteme fürs Auto. Mittlerweile sind sie in nahezu jeder Preisklasse erhältlich: Ob als Programme für PDAs, oft günstig als Bundle beim Lebensmittel-Discounter, als Zusatz-Software fürs Smartphone oder als Festeinbau-Geräte. Da ist auch für kleine Geldbeutel einiges zu finden. Kompromisse muss man allerdings eingehen, wenn möglichst wenig Geld den Besitzer wechseln soll.

Taschencomputer sind zum Beispiel nicht jedermanns Sache, denn ihre Bedienung ist gerade im Auto eine umständliche Angelegenheit. Auch das Display ist nicht für diese Anwendung gedacht - ganz zu Schweigen vom Lautsprecher. Der ist oft so leise, dass Sprachansagen kaum Gehör finden. Navi-Radios zum festen Einbau ins Auto sind in Sachen Bedienung ein echter Schritt nach vorn. Ihre Routenführung ist oft sicherer als die der PDA-Programme. Sie verfügen allerdings über kein Kartendisplay, das eine echte Hilfe bietet, wenn die Straßensituation unübersichtlich wird. Auch bei der Orientierung ist es hilfreich. Ein kurzer Blick genügt - und man weiß zumindest ansatzweise, wo man sich befindet.

Diesen Luxus bieten nur Bildschirm-Navigationssysteme, für die man deutlich tiefer in die Tasche greifen muss als für die einfacheren Lösungen. Sie erfreuen sich trotzdem so großer Beliebtheit, dass es deutlich mehr Hersteller und Produkte gibt als bei den Radio-Navigationssystemen.

Immer voll informiert

Diese Anerkennung hat ihren guten Grund. Der große Monitor der Systeme mit Bildschirm bietet weitaus mehr Informationen als ein kleines Radiodisplay. Man fühlt sich in einer unbekannten Stadt einfach sicherer, wenn man neben den Richtungsanweisungen zumindest in groben Zügen weiß, in welcher Gegend man sich befindet. Die Anzeigen am Bildschirm bieten gerade in unübersichtlichen Situationen den Tick mehr an Informationen, den man für wirklich sicheres Navigieren braucht.

Dazu trägt das bessere Kreuzungszoom bei, also die Darstellung, die das System kurz vor der nächsten Abbiegung anzeigt. Dort vergrößern die meisten Systeme die Kreuzung direkt aus der Karte. Das erleichtert die Orientierung deutlich, weil es der realen Situation besser entspricht. Die stilisierten Abbiegezeichen der Radio-Navis sind meist deutlich ungenauer. Angenehm sind die Navi-Systeme mit großem Monitor auch deshalb, weil sie den Bereich um den Ort, an dem das Fahrzeug gerade fährt, abbilden. Dadurch lassen sich Tankstellen in der Umgebung genauso anzeigen wie Autowerkstätten, interessante Sehenswürdigkeiten oder der Hauptbahnhof.

Jede Menge Zusatznutzen

Viele Bildschirm-Navis tragen in sich das Potenzial, zu einer Multimedia-Anlage fürs Auto ausgebaut zu werden. So können zwei der getesteten Systeme, Alpine und Pioneer, neben dem Navigieren auch CDs und DVDs abspielen. Sie benötigen dafür nicht einmal zusätzliche Leistungsverstärker - die Auto-Lautsprecher können direkt angeschlossen werden. Die anderen Geräte im Test bieten ähnliche Ausbaumöglichkeiten, die allerdings mit Zusatzkosten verbunden sind.

Einbau vom Fachhändler

Ein Navigationssystem sollte nur selbst einbauen, wer sich mit Autoelektrik und -radios gut auskennt. Alle anderen überlassen das besser einem Fachhändler, am besten gleich dem, bei dem das Gerät gekauft wurde. Der kann beurteilen, was dazu alles nötig ist. Für einen solchen Einbau werden geübte Monteure zwei Stunden voranschlagen, was mit etwa 200 bis 300 Euro zu Buche schlägt. Teurer kann es bei Fahrzeugen werden, bei denen kein passendes Geschwindigkeitssignal vorhanden ist. Dann muss der Einbauer entweder einen Impulsgeber an einem Rad oder in der Tachowelle anbringen. Bei Autos mit digitalen Leitungssystemen (zum Beispiel CAN-Bus) muss ein passender Adapter verwendet werden. Beides kann noch einmal 50 bis 100 Euro kosten.

Kartendaten

Beim Navi-Kauf ist die mitgelieferte Karten-Software einen kritischen Blick wert: Der eine Hersteller legt nur eine Deutschlandkarte bei, der andere gleich die von ganz Mittelund Westeuropa. Das sollte man bei Preisvergleichen berücksichtigen, denn digitales Kartenmaterial ist sehr teuer. Erweiterungen durch Nachkauf einzelner Länder oder Ländergruppen ist meist möglich, aber mit Zusatzkosten verbunden. Alle zwei bis drei Jahre sollte man ein Karten-Update in Erwägung ziehen, denn in diesem Zeitraum verändert sich erfahrungsgemäß ein großer Teil der Daten: Einbahnstraßen verlaufen andersherum, Straßen wurden gesperrt, andere neu gebaut. Diese Updates sind in der Regel ziemlich kostspielig - für eine DVD mit Mittel- und Westeuropa werden um die 300 bis 350 Euro fällig.

Mit dem C-IQ-Programm bietet VDO Dayton für die hauseigenen Navigationssysteme eine Alternative: Nur das Kartenmaterial, das man benötigt, wird genutzt und bezahlt. Die Karten-CDs für ganz West- und Mitteleuropa liefert VDO Dayton zum System mit, die Daten darauf sind jedoch verschlüsselt und können nur nach einer Freischaltung per Telefon oder übers Internet genutzt werden. Der Zeitraum der Freischaltung lässt sich einschränken. Das sieht zunächst nach Preistreiberei aus. Unterm Strich kommen für den normalen Nutzer meist geringere Kosten heraus als bei einem kompletten Update.

Grund: Man muss nicht das komplette Material freischalten lassen, sondern kann ganz nach Wunsch auf einzelne Länder zugreifen - für ein Jahr, einen Monat oder einen Tag. Die Nutzung der Deutschlandkarte für ein ganzes Jahr kostet 89 Euro, die der Karte von Italien für einen Monat, etwa im Urlaub, 20 Euro. Mit C-IQ verfügt man immer über die aktuellsten Kartendaten - die schickt VDO Dayton den Nutzern etwa zweimal im Jahr kostenlos zu. Der Hersteller bietet auch ein umfangreiches Paket an Zusatzinformationen zur Freischaltung an, so einen Hotel- und Restaurantführer oder eine Radarfallenwarnung.

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