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Überwachungskamera Flir FX im Test

19.02.2016 | 14:14 Uhr |

Die Flir FX lässt sich aus dem Gehäuse schälen und auch als Action-Cam auf der Piste oder Dashcam im Auto einsetzen.

Gerade in der dunklen Jahreszeit häufen sich die Einbrüche. Die Berliner Polizei hat eigens in einer Kampagne für das Thema zu sensibilisieren versucht. Jedes Jahr sollen nämlich alleine in der Hauptstadt 12.000 Wohnungseinbrüche angezeigt werden. Mit einer Überwachungskamera können Sie vom Büro aus oder im Urlaub einen schnellen Blick auf das Zuhause werfen: Ist alles okay daheim? Außerdem können Sie eventuell sogar bei der Aufklärung helfen, wenn eingebrochen wird. Am besten ist es aber freilich, wenn der Einbrecher erst gar nicht in Ihre Wohnung gelangt. Hier hat die Kamera höchstens abschreckende Wirkung.

Wie kann man sich gegen Einbrecher schützen?

Zunächst empfiehlt die Polizei mechanische Sicherungen, also starke Türen und Fensterschlösser. Je länger der Einbrecher braucht, um hineinzukommen, desto schneller gibt er auf. Beleuchten Sie ferner einbruchsgefährdete Bereiche – etwa mit Bewegungsmeldern im Außenbereich. Kameras und Alarmanlagen sind nur eine optionale Ergänzung und helfen wenig, wenn Sie beispielsweise ein Fenster gekippt lassen. Weitere Tipps finden Sie auf www.k-einbruch.de/

Der amerikanische Kamera-Hersteller Flir hat mit seiner FX Outdoor eine Überwachungskamera im Angebot, über die Sie Ihr Heim (wahlweise innen oder außen) überwachen können. Sie können die FX aber auch aus dem Body schälen und als Action-Cam mit auf die Piste nehmen oder sogar als Dashcam im Auto betreiben. Das passende Zubehör bietet Flir auf der offiziellen Webseite auch gleich an.

Flir FX ohne Gehäuse und mit
Vergrößern Flir FX ohne Gehäuse und mit
© Flir

Egal für welchen Zweck Sie die Kamera einsetzen wollen, sie kann das Geschehen in Full-HD bei 30 fps auf die beigelegte 8-GB-MicroSD-Karte aufzeichnen. Die Karte kann durch eine maximal 64 GB große MicroSD-Card ersetzt werden. Wer Platz sparen mag, schraubt die Qualität auf SD herunter – zwischen Full-HD und SD gibt es keine Option. Die FX streamt das Geschehen auch auf Ihr Smartphone oder ins Web – das aber „nur“ mit 720p.

Einrichtung der FX – nicht ohne Probleme

Die Einrichtung erfolgt in wenigen Schritten: Kostenlose Android- oder iOS-App auf Ihr Smartphone oder Tablet herunterladen, Account erstellen, Flir FX nach Anleitung aus dem Body holen, QR-Code auf der Kamera scannen, Setup vollenden – fertig. Nach erfolgreicher Einrichtung wird die Kamera wieder in den Body gesteckt und noch an die passende Stelle montiert. Dafür liegen Bohrschablone und drei Schrauben nebst Dübeln bei.

Doch ganz so einfach klappt das in der Praxis nicht. Zumindest nicht in unserem Fall. Die Kamera verfügt über zwei Verbindungsmodi. Sie baut zunächst eine direkte Verbindung zwischen Smartphone und Kamera auf. Dieser Modus dient der Einrichtung, aber auch für den Betrieb unterwegs als Dashcam oder Action-Cam. Als zweiten Modus klinkt sich die Kamera in Ihr WLAN ein. Nur so können Sie diese sinnvoll zur Heim-Überwachung nutzen und beispielsweise unterwegs Benachrichtigungen erhalten, wenn zuhause der Bewegungsmelder der Kamera anspringt und ein Bild aufnimmt. Aber: Die Verbindung mit unserem WLAN wollte partout nicht klappen. Schuld sei die Eingabe eines falschen Passworts, meckerte die FX wiederholt. Nach mehreren Versuchen fanden wir heraus: Das Passwort haben wir korrekt eingetippt. Aber die Kamera konnte das „&“ im Passwort nicht lesen und verweigerte die Anmeldung. Erst nachdem wir unser WLAN-Passwort angepasst haben, klappte es. Überall findet man die Empfehlung: Sichere Passwörter enthalten Sonderzeichen. Wenn dann eine Sicherheitstechnik wie die Überwachungskamera das Sonderzeichen nicht lesen kann, ist das schon bitter. Hier muss der Hersteller unbedingt nachbessern!

Video-Überwachung: Das gilt es zu beachten

Die FX-App kann uns nicht überzeugen

Blick auf die Android-App der Flir FX
Vergrößern Blick auf die Android-App der Flir FX

Nach erfolgter Einrichtung wird das Bild der Kamera auf Ihr Smartphone oder Tablet gestreamt. Außerdem stehen ein paar interessante Optionen bereit. Leider ist die Übersetzung der App ziemlich schlecht. „Automat. Auslöser“ ist ja noch verständlich und auch „Mehr Kam. Kaufen“ und „Abmld.“ kann man entschlüsseln. Spätestens bei „Spch“ und „Jzt aufn.“ reicht es aber mit der Abkürzerei. Ein paar mehr Hinweise und Erklärungen in der App hätten auch nicht geschadet. So hatten wir die Flir FX zunächst blank ohne Body, also sozusagen im Action-Cam-Modus, aufgestellt. Dass die FX so aber nicht den automatischen Bildauslöser beherrscht, wurde uns erst nach einer Weile klar. Wir haben sowohl die Android- als auch die iOS-App ausprobiert.

Das sind die Stärken der Flir FX

Apropos „automatischer Bildauslöser“ – der bietet eine Menge Möglichkeiten und lässt den Ärger mit der Einrichtung und der App erst mal vergessen. So reagiert die FX auf Wunsch auf Geräusche, auf Bewegungen und sogar auf Veränderungen der Lufttemperatur und der Luftfeuchtigkeit. Und all diese Trigger lassen sich stufenweise noch justieren. Per Smart Zone dürfen Sie für den Bewegungsmelder sogar bestimmte Bildausschnitte wählen. Dann wird beispielsweise nur der Pool überwacht, nicht aber die Terrasse daneben. So muss das sein! Die aktuelle Temperatur zeigt die Kamera übrigens immer im Bild mit an. Nach ein wenig Sucherei konnten wir sogar die Einstellung von Fahrenheit auf Celsius ändern.

Ferner zeigt die App in den Einstellungen die Belegung der SD-Karte und bietet die komplette Löschung an. Im Punkt „Aufnahmen“ darf der Nutzer aber auch einzeln löschen. Weitere wichtige Punkte zum Aktivieren oder Abschalten sind das Mikro, die Superweitwinkel-Perspektive, die automatische Bilddrehung und der Nachtsicht-Modus. Letzterer schaltet sich, sofern aktiviert, automatisch an, wenn es dunkel wird. Aus der Kamera ist dann nur ein leises Klicken zu hören.

Was allerdings einigermaßen nervig war: Oftmals hat die App zwar eine Änderung in den Einstellungen übernommen, dann aber erstmal die Verbindung zur Kamera mit einer Fehlermeldung getrennt. Nach ein paar Sekunden Ladezeit war die Kamera dann zwar wieder da, aber seltsam erschien uns das schon.

Eine spannende Möglichkeit, die Aufzeichnungen der Flir FX zu betrachten, ist die „Rapid Recaps“ getaufte Zusammenfassung. Diese legt in einem Video mehrere Schichten des Bildes übereinander, so dass Sie mehrere Menschen auf einmal im Bild sehen, auch wenn diese zu unterschiedlichen Uhrzeiten vor die Linse gelaufen sind. Für Klarheit sorgt ein zusätzlich eingeblendeter Schriftzug über oder neben jeder Person mit der Uhrzeit, zu der das beobachtete Subjekt den überwachten Raum betreten hat. Die Idee ist klasse. In der kostenfreien Cloud-Service-Version umfasst so ein „Recap“ maximal sechs Stunden und pro Tag darf es maximal drei davon geben. Wer für den Plus-Plan 9,95 Dollar im Monat extra ausgeben mag (oder 99,99 im Jahr), darf acht Stunden lange Recaps in unbegrenzter Zahl betrachten. Beim Premium-Plan für 19,95 Dollar monatlich oder 199,99 Dollar jährlich sind es sogar 12-Stunden-Recaps. Ansonsten unterscheiden sich die Cloud-Stufen Free, Plus und Premium nur noch in der Speicher-Dauer der Aufnahmen. Free: 2 Tage, Plus: 7 Tage, Premium: 30 Tage.

Bild- und Tonqualität der FX

Bei gutem Licht hat uns die Bildqualität in HD gefallen, auch SD ging in Ordnung. Wird es dämmrig, leidet die Qualität, vor allem der Kontrast und die Körnung. Richtig mies wird es aber auch dann nie. Überraschend gut fanden wir die Qualität im Nachtsicht-Modus. Hier war richtig viel zu erkennen. Die Sound-Qualität war gut. Auch leise Geräusche wurden aufgezeichnet.

Überwachungs-Stream im Browser gucken

Die Flir FX überträgt Bild und Ton nicht nur auf ein Mobilgerät, sondern auch in den Webbrowser. Das ist besonders praktisch, um im Büro schnell einen Blick auf Daheim zu werfen. Die Nutzeroberfläche ist sehr rudimentär: Live-Stream und gemachte Aufnahmen. Dass zum Anschauen via Browser zwingend Adobe Flash vorausgesetzt wird, ist schade. Glänzt diese Technologie doch nicht gerade durch eine hohe Sicherheit. Ein bisschen seltsam fanden wir auch, dass wir mit dem Namen „Default“ („Standard“, „Voreinstellung“) begrüßt wurden.

Wollen wir uns die gespeicherten Aufnahmen anschauen, steht ein einfacher Filter zur Verfügung: Triggers (Bewegung oder Sound) und Date (heute, letzte Woche, letzter Monat, benutzerdefiniert). Die Nutzerführung auf der Webseite ist nur auf Englisch verfügbar.

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Das sind die Schwächen der Flir FX

Neben den bereits besprochenen Bedienungsmängeln und dem Nachbesserungsbedarf bei der Verwendung von Sicherheitstechnologien (WLAN-Passwort und Adobe Flash) sorgten die ersten Aufnahmen mit dem Bewegungsmelder für eine Überraschung. Jeden Morgen und jeden Abend zeichnete die Kamera automatisch jeweils mehrere 1-minütige Clips auf, auf denen weder Mensch noch Tier zu sehen waren. Allein das langsame Hell- und Dunkelwerden im Raum durch den Aufgang und Untergang der Sonne löste den Bewegungsmelder aus. Sofern Sie die FX also nicht in einem stets abgedunkelten oder immer erleuchteten Raum einsetzen, müllt die Kamera Ihren Speicher mit diesen unnötigen Aufnahmen zu. Das Herabsenken der Empfindlichkeit des Triggers brachte leider nur ein wenig Minderung. Vorzugsweise um die Zeit des Heller- und Dunklerwerdens produziert unser Testgerät immer noch erstaunlich viele Fehlalarme.

Apropos Alarme – wir hätten uns noch die Möglichkeit gewünscht, per Mail informiert zu werden, wenn der Bewegungsmelder anspringt. Am besten mit einem Einzelbild im Anhang der Mail. So gibt es lediglich eine Benachrichtigung („Notification“) auf dem Smartphone.

Fazit

Die Flir FX kann momentan nur jemandem ans Herz gelegt werden, der wenigstens zwei der drei Modi (Überwachung, Dashcam, Action-Cam) häufiger nutzt und der nur ein Gerät haben will. Mit ein paar Software-Updates könnte Flir sein Produkt aber enorm aufwerten. Ein Schäppchen ist die Kamera zudem nicht gerade, sie kostet 250 Dollar, also umgerechnet rund 225 Euro. Auf Amazon kostet die Kamera nur knapp weniger, allerdings ohne Wetterschutz.

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