Übersetzungssoftware im Test

Kauderwelsch per Mausklick

Mittwoch, 11.04.2012 | 10:49 von Jörg Donner
Vier Bezahlprogramme treten gegen den kostenlosen Übergegner an: Wie gut schlagen sich Übersetzungsprogramme im Vergleich mit Google Translate?
Vergrößern Vier Bezahlprogramme treten gegen den kostenlosen Übergegner an: Wie gut schlagen sich Übersetzungsprogramme im Vergleich mit Google Translate?
Ein Facebook-Posting in Englisch? Kein Problem. Wenn es etwas seriöser sein soll, versprechen Software-Lösungen Abhilfe. PC-WELT hat 5 Programme getestet.
Für ein paar schnelle Worte zwischen Tür und Angel, den sogenannten Small Talk, reichen die Englischkenntnisse bei den meisten. Schwieriger wird’s dann schon im längeren Gespräch – und bei einer Diskussion über die aktuelle Wirtschaftspolitik kommen dann wahrscheinlich nur noch Profis mit. Aber auch normale Bürokommunikation in einer Fremdsprache ist nicht immer einfach. Da trifft es sich doch gut, dass verschiedene Hersteller vollmundig ihre Übersetzungssoftware anpreisen. „Sichere Übersetzung für professionelle Ansprüche“ wird da versprochen, oder Übersetzungen schnell und einfach“. Das lassen sich die Anbieter gut bezahlen: Zwischen 49 und 249 Euro kosten die Programme. Aber was taugen die Software-Helfer? PC-WELT hat vier Programme unter die Lupe genommen und mit verschiedenen Texten gefüttert. Das Ergebnis: Die Programme bleiben zum Teil weit hinter den Versprechungen zurück.

Der Test:

Getestet wurde Software für komplette Übersetzungen. Unter dem Gesichtspunkt, dass der User ganze E-Mails, Webseiten oder Dokumente übersetzen lassen will, sind Lexika unzureichend. Außerdem sollten die Programme neben Englisch auch noch Französisch beherrschen, für weitere Sprachen gab es Extra-Punkte – oder besser: Hätte es Extra-Punkte gegeben. Denn obwohl manche Anbieter mit einer Vielzahl an Sprachen werben („Übersetzungen in 8 Weltsprachen“, „7 Sprachpaare“) übersetzen allesamt Deutsch lediglich ins Englisch und die meisten auch ins Französische. Für die anderen Sprachen erhält der Anwender keine direkte Übersetzung, sondern den Umweg über den englischen Begriff. Das heißt, der fragliche Text wird vom Programm erst ins Englische und dann ins Chinesische, Portugiesische oder Spanische übertragen – mit entsprechenden Qualitätsverlusten. Denn schon die englische Übersetzung deutscher Texte lässt zu wünschen übrig.

Übersetzt wurden drei verschiedene Texte: ein Facebook-Posting auf der Pinnwand eines Bekannten zum Geburtstag, eine aktuelle Nachricht aus einem Zeitungsportal und ein kurzer Auszug aus einem IT-Fachtext. Das Ergebnis bekommt Schulnoten zwischen 1 (Sehr gut) bis 5 (mangelhaft) auf Ausdruck, Rechtschreibung, Grammatik und Kontext.

Diese aktuelle Meldung im Portal der Süddeutschen Zeitung
zur Lage in Syrien war Teil der Übersetzungsaufgabe
Vergrößern Diese aktuelle Meldung im Portal der Süddeutschen Zeitung zur Lage in Syrien war Teil der Übersetzungsaufgabe

Die Programme selbst haben wir zudem nach dem gleichen Schema auf Leistungsumfang, Integration in gängige Produkte und Bedienbarkeit bewertet.

Die Kandidaten

Als Platzhirsch und „Mädchen für alles” muss Google herhalten. Mit seinem kostenlosen Übersetzungsdienst „Translate“ ist der Suchmaschinenriese die erste Anlaufstelle für viele Hilfesuchende. In Sachen Leistungsumfang und Integration bekommt die browserbasierte Fremdsprachenhilfe jeweils eine glatte 5: Ohne Internet geht gar nichts und abgesehen vom bekannten Suchschlitz hat der Anwender wenig Optionen, das Ergebnis zu beeinflussen. Dafür gibt es bei der Bedienbarkeit die volle Punktzahl (1). Einfacher kann man es nicht machen. Eine gute 4 also insgesamt für die Anwendung.

Umso überraschender ist, dass sich die Ergebnisse durchaus sehen lassen können.

Das Facebook-Posting lautet im Original: „Hey Markus, alles Liebe zum Geburtstag. Lass dich ordentlich feiern, viel Spaß und halt die Ohren steif. Alles Gute, Andrea.“

Google macht daraus: „Hey Mark, happy birthday. Get yourself properly celebrate, have fun and keeps a stiff upper lip. All the best, Andrea.”

Inhaltlich ist das durchaus nahe am Original (2), die Rechtschreibung könnte besser sein (3-), die Grammatik ist einwandfrei (1). Warum aus dem Eigennamen eine Kurzform wird, ist völlig unklar. Daher geht die Kontext-Note nach unten (2-). Gesamtnote: 2

In der Nachrichtenwertung erlaubt sich der Suchmaschinenriese ebenfalls nur kleine Ausrutscher. Die Rechtschreibung ist fehlerlos (1), die Grammatik noch verständlich, aber nicht ohne Mängel (3). Das Original ist in der Übersetzung gerade noch gut erkennbar (2-), der Kontext jedoch nur noch bruchstückhaft vorhanden (4). Gesamtnote: 2-

Wort für Wort macht Mühe

Für die dritte Aufgabe müssen die Programme einen Abschnitt aus dem Notebook-Kaufratgeber von PC-WELT übersetzen. Diese Aufgabe erledigt Google am schlechtesten. Im Ergebnisfenster erscheint eine Wort-für-Wort-Übersetzung, die man mit Mühe und gutem Willen als einen Tipp für das richtige Notebook werten kann. Mit Formulierungen wie „sollten Sie die Augen für Schnäppchen-Notebooks offen halten“ kann Google jedoch überhaupt nichts anfangen und macht daraus „You should use the eye for bargain laptops keep open“. Dafür gibt es schlechte Kontext- (5) und unterdurchschnittliche (4) Ausdrucksnoten. An der Rechtschreibung gibt es kaum etwas zu meckern (2), die Grammatik ist dieses Mal aber ziemliches Kauderwelsch (4). Note 4.

Der Einkaufsratgeber von PC-WELT war der letzte Teil der
Aufgabe.
Vergrößern Der Einkaufsratgeber von PC-WELT war der letzte Teil der Aufgabe.

Insgesamt ist das ein akzeptables Ergebnis für eine kostenlose Lösung. Wer schnell eine Übersetzung braucht und keinen allzu großen Wert auf korrekte Grammatik legt, ist hier gut beraten.

Linguatec bietet mit dem „Personal Translator“ eine Übersetzungslösung ab 49 Euro an. Die Standard-Variante kann schon ziemlich viel und bekommt für „Mouse over“-Übersetzungen, dem integrierten Webbrowser zur Übersetzung ganzer Seiten und einigem mehr eine 3 für den Leistungsumfang. Die getestete „Pro“-Version kann noch deutlich mehr, kostet aber auch mit 249 Euro gleich fünf Mal so viel. Dafür bekommen Nutzer unter anderem eine Wortdatenbank mit 3,8 Millionen Einträgen und auf Wunsch eine Sprachausgabe des übersetzten Textes. Die Pro-Version integriert sich zudem in die Office-Produkte und den Acrobat. Die Standard-Version kann das nicht, daher insgesamt eine 3 für die Integration und die Bedienoberfläche, die aufgeräumt und übersichtlich ist. Warum hier jedoch Formatierungsoptionen wie „zentriert“ oder „fett“ möglich sind, erschließt sich nicht unbedingt. Vermutlich sollen sich Anwender den Umweg über Word sparen und Fremdsprachenkorrespondenz direkt im „Personal Translator“ formulieren. Da dieser Wunsch wohl in der Regel unerfüllt bleibt, ist hier noch Raum für Verbesserung. Gesamtnote 3 für das Programm.

Ernüchterung bei der Übersetzung

Der „Personal Translator“ von Linguatec kostet je nach
Version 49, 99 oder 249 Euro, Getestet wurde die
Professional-Edition, wobei die Übersetzung bei allen Varianten
dieselbe ist.
Vergrößern Der „Personal Translator“ von Linguatec kostet je nach Version 49, 99 oder 249 Euro, Getestet wurde die Professional-Edition, wobei die Übersetzung bei allen Varianten dieselbe ist.
© Linguatec

In der Übersetzung folgt dann die Ernüchterung auf den ersten positiven Eindruck der Software. Schon beim Facebook-Posting fällt das Programm durch. Aus einem simplen Geburtstagsgruß entsteht ein Wortungetüm, von dem man nur noch vermuten kann, worum es irgendwann einmal ging. Im Ausdruck erhält das Ergebnis („Hey Markus, everything love of the birthday. A lot of fun lets you celebrate properly, and keep the ears stiff.”) mit Müh und Not eine 4, der Kontext ist gerade noch zu erfassen und bekommt mit viel gutem Willen eine 3-. Grammatikalisch liegt hier einiges im Argen (4-), nur die Rechtschreibung ist akzeptabel – aber das ist eine Formsache (2). Für das Facebook-Posting geben wir die Note 3.

Die Nachricht aus Syrien kommt besser weg: Eine 3 für Kontext und Formulierung, die Rechtschreibung ist okay (2), die Grammatik versaut den Schnitt deutlich (4). Von der „überzeugenden Übersetzung“, wie es auf der Verpackung heißt, ist hier wenig merken. Und auch die letzte Chance, den Fachartikel, verpatzt der Personal Translator: Nicht nur, dass der Sinn durch falsche oder unnötige Übersetzungen verloren geht („Notebook“ als „device“), auch mit Eigennamen kann das Programm nicht umgehen. So wird aus der Radeon-Grafikkarte HD 6470M mal eben die"Radeon high-density 6470 m“. Insgesamt eine enttäuschende Leistung, die mit der Durchschnittsnote 3 unzureichend ausgedrückt ist. Einen Geschäftsbrief will man nach diesen Erfahrungen gar nicht erst übersetzen lassen, auch wenn der Personal Translator nach eigenen Angaben speziell dafür eine Datenbank mit 25.000 Textbausteinen enthält.

Bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt

Office 9.0 von Promt gibt es für verschiedene Sprachen
jeweils für 99,99 Euro auf CD und für 89 Euro als Download. Die
„Gigant Plus“-Version versteht sieben Sprachen und kostet 179 Euro
auf CD. Die Download-Variante ist 30 Euro billiger.
Vergrößern Office 9.0 von Promt gibt es für verschiedene Sprachen jeweils für 99,99 Euro auf CD und für 89 Euro als Download. Die „Gigant Plus“-Version versteht sieben Sprachen und kostet 179 Euro auf CD. Die Download-Variante ist 30 Euro billiger.
© Promt

Die Übersetzungslösung Office 9.0 von Promt macht es nur unwesentlich besser. Sowohl die Facebook-Nachricht, als auch die Nachricht sind bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt oder auf einzeln stehende Satzfetzen degradiert. Ein Englischlehrer würde diese Übersetzungen vermutlich einfach durchstreichen. Wir sind im Test etwas gnädiger und vergeben jeweils eine 4 für Ausdruck und Kontext, eine 2 für die Rechtschreibung und eine weitere 4 für die haarsträubende Grammatik. Pluspunkte sammelt die Anwendung für das einfache Interface: Viel mehr als der Google-Suchschlitz ist es hier auch nicht, die Einstellungen verbergen sich hinter wenigen Icons. Hier lässt sich beispielsweise die Integration in Office, Acrobat und verschiedene Messenger einstellen. Aber will man das? Zudem nervt das Programm dadurch bei der Installation damit, dass alle offenen Programme geschlossen werden müssen, für die Plug-ins bereitgestellt werden. Integration und Bedienbarkeit bekommen eine 2, der Leistungsumfang könnte beim Preis von 149 Euro für die Download-Version größer sein (4). Gesamtnote: 3

Der „Power Translator Professional“ von LEC schneidet im
Test am schlechtesten ab, kostet aber 149 Euro (Box oder Download).
Die beworbenen 8 Sprachen sind eigentlich eine Mogelpackung, denn
lediglich englisch und französisch werden direkt übersetzt, alle
anderen Sprachen nehmen den Umweg über Englisch.
Vergrößern Der „Power Translator Professional“ von LEC schneidet im Test am schlechtesten ab, kostet aber 149 Euro (Box oder Download). Die beworbenen 8 Sprachen sind eigentlich eine Mogelpackung, denn lediglich englisch und französisch werden direkt übersetzt, alle anderen Sprachen nehmen den Umweg über Englisch.
© LEC

Eine umfangreiche Sammlung an Tools bringt zum selben Preis beispielsweise der „Power Translator 15“ von LEC mit. Welchen Sinn ein „Clipboard-Übersetzer“ hat, wenn man den Text ebenso gut in das Hauptfenster kopieren kann, ist allerdings fraglich. Die Oberfläche kann nicht überzeugen. Icons und Mouse-over-Texte bleiben undurchsichtig, die interessante Option, Screenshots übersetzen zu lassen, scheitert mit einer Fehlermeldung. Eine Integration in andere Software ließ sich nicht wirklich feststellen. Daher gibt es für dieses Kriterium eine 4, ebenso wie für die Bedienoberfläche. Der Leistungsumfang wäre theoretisch gut, funktioniert aber in der Praxis nicht zuverlässig. Also eine 3-.

Filser-Briefe statt Profi-Übersetzung

Für die Übersetzung ist hingegen noch nicht mal mehr eine 4 möglich. „Alles Gute“ mit „everything good“ zu übersetzen erinnert eher an die Filser-Briefe eines Ludwig Thoma, als an professionelle Übersetzungssoftware. Zudem lässt einem der „Power Translator“ diverse Male die freie Wahl: Statt sich auf ein Adjektiv festzulegen, übersetzt er „Die syrische Regierung hat nach eigenen Angaben mit dem Rückzug ihrer Truppen aus einigen Städten begonnen“ mit „The Syrian government began with the retreat of her/its/their troops from some cities according to own statements.“ Unbekannte Begriffe übernimmt das Programm einfach ohne besonderen Hinweis in die Übersetzung. So bekommt man dann Sätze wie diesen geliefert: „However her/its/their 3D-Leistung, it is higher since they possess a stronger graphics-card like the Radeon HD 6470M or HD 6650M.” Das grammatikalische Wunschkonzert belohnen die Prüfer mit einer 5 – damit ist dem Anwender nicht geholfen. Ausdruck und Kontext erhalten ebenfalls eine 5. Und dieses Mal hilft auch die Rechtschreibung nicht weiter: Nicht übersetzte Begriffe werden als falsch gewertet. Eine 4- bleibt am Ende dafür übrig. Insgesamt die schlechteste Note im Test: 4.

Für 229 Euro bekommt man von Lingenio die Software
„Translate Pro“ für genau ein Sprachpaar. Soll das Programm neben
Englisch auch Französisch können, sind weitere 229 Euro
fällig.
Vergrößern Für 229 Euro bekommt man von Lingenio die Software „Translate Pro“ für genau ein Sprachpaar. Soll das Programm neben Englisch auch Französisch können, sind weitere 229 Euro fällig.
© Lingenio

Die undurchsichtigste Oberfläche (Note 3) bietet mit weitem Abstand der teuerste Kandidat: 229 Euro verlangt Lingenio für die „Translate Pro“-Software und bietet ausschließlich englische Übersetzungen dafür an. Für eine Französisch-Lizenz sind nochmals 229 Euro fällig. Bei diesem Preis erwartet man entsprechende Leistungen. Aber Lingenio kann nicht halten, was die Webseite verspricht. „Höchsten Ansprüchen“ genügt die Übersetzung der drei ausgewählten Passagen keineswegs. Möglicherweise liegt das an der „lernenden“ Technologie, die sich angeblich immer genauer an die Übersetzungsbedürfnisse anpasst. Mit den Ergebnissen des Tests können englische Muttersprachler jedenfalls vermutlich wenig anfangen. Weder Kontext noch Formulierung überzeugen (4), die Grammatik hinkt (4) und auch hier gibt es Auswahlmöglichkeiten für bestimmte Begriffe, wenn auch wenigstens in Klammern (4). Dennoch: Ein Nutzer von Übersetzungssoftware hat in der Regel nicht die Zeit und/oder das Know-how, hier eine sinnvolle Auswahl zu treffen. Mit einer Gesamtnote von knapp 4 landet die Lösung im unteren Bereich der Rangliste.

Fazit

Insgesamt kann keines der getesteten Programme vollends überzeugen. Für null Euro lässt sich ein Text aber durchaus von Google übersetzen. In Verbindung mit Wörterbüchern wie Leo lässt sich aus der Übersetzung zumindest der Inhalt erfassen und richtig einordnen. Das ist bei manchen kostenpflichtigen Lösungen nicht unbedingt immer gegeben. Wenn es darauf ankommt, einen guten Eindruck zu hinterlassen, investiert man das Geld wohl besser in einen professionellen Übersetzer aus Fleisch und Blut.

Mittwoch, 11.04.2012 | 10:49 von Jörg Donner
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