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SSD Transcend TS64GSSD25S-S

14.03.2009 | 13:13 Uhr |

Mit dem günstigsten Gigabyte-Preis unter den Solide State Drives mit SLC-Technik geht die Transcend TS64GSSD25S-S ins Rennen. Warum sich das 64-GB-Modell trotzdem als überteuert entpuppt, zeigt unser Test.

Update vom 16.3.2009: Laut Transcend ist die TS64GSSD25S-S für den Industrie-Einsatz gedacht, wobei der Entwicklungsschwerpunkt auf der Langlebigkeit und nicht der Leistung lag. Aus diesem Grunde revidieren wir die harte Kritik, die in den Begriffen "Murks" und "Pfusch" gipfelte, bleiben aber bei der Meinung, dass die SSD für den Endkundenmarkt eine Fehlkonstruktion darstellt.

Die Transcend TS64GSSD25S-S vertraut auf die langlebige, aber auch kostspielige Technik Single Level Cell (SLC). Flash-Speicher dieses Typs zeichnet sich aber auch durch eine höhere Schaltgeschwindigkeit aus, da der Controller zum Auslesen einer Speicherzelle nur eine Spannung anlegen muss. Das SATA/300-Modell von Transcend besitzt, im Gegensatz zu allen anderen SLC-SSDs im Test, seltsamerweise keinen Pufferspeicher. Eine logische Erklärung dafür finden wir erst, nachdem wir das Garantiesiegel zerfetzen und die Solid State Drive aufschrauben: Der von Transcend verbaute SATA-Controller Jmicron JMF602 kann nämlich gar keinen DRAM-Datenpuffer ansteuern.

Preis: Die Transcend TS64GSSD25S-S hat aktuelle einen Straßenpreis von rund 485 Euro. Bei einer formatierten Kapazität von rund 59,6 GB ergibt sich somit ein Gigabyte-Preis von 8,13 Euro. Damit ist das 64-GB-Modell von Transcend die bis dato preisgünstigste SLC-Festplatte im Test. Den teuersten Gigabyte-Preis besitzt übrigens der amtierende Testsieger Intel X25-E SSDSA2SH032G1C5 mit 13,30 Euro.

Billiger Controller, kein Cache und asymmetrische Chip-Organisation
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© 2014

Ausstattung: Die Speicherchips organisiert Transcend bei der TS64GSSD25S-S in 16 Bausteinen mit jeweils 4 GB, wobei auf der Platinenvorderseite 10 und auf der Rückseite 6 Chips verbaut sind. Der Flash-Speicher stammt von Samsung und trägt die Bezeichnung K9WBG08U1M-PCB0. Der SATA-Controller Jmicron JMF602 gehört zur Standardausstattung besonders preisgünstiger MLC-SSD und hat in einem SLC-Modell eigentlich nichts verloren: Der Controller beherrscht nicht die Datenpufferung via DRAM-Chip, was massive Einbrüche bei den Schreibraten zur Folge hat. Unsere Messergebnisse weiter unten zeigen dies eindrucksvoll.

Die Flash-Speicher-Platine verpackt Transcend in ein 2,5-Zoll-Gehäuse aus schwarzem Hartplastik. Die SSD-Hülle macht aber einen stoßfesten Eindruck und hält die Platine über vier Schraubverbindungen fest fixiert. Mit 48 Gramm gehört die Transcend TS64GSSD25S-S zu den Leistgewichten unter den Solid State Drives. Die Schockfestigkeit des SLC-Modells liegt bei den für SSDs üblichen 1500 G.

Die 64-GB-Festplatte ist relativ sparsam im Stromverbrauch. Laut Hersteller konsumiert sie im Bereitschaftszustand zwar nur mittelmäßige 0,62 Watt. Dafür gibt sich das 64-GB-Modell beim Zugriff mit 0,95 Watt recht genügsam. Zum Vergleich: Herkömmliche 2,5-Zoll-Festplatte benötigen in der Spitze bis zu 6 Watt. Die mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen (Mean Time Between Failures, MTBF) der Transcend TS64GSSD25S-S beträgt gemäß Datenblatt eine Million Stunden. Für eine Solid State Drive ist das wenig.

Schluckauf: Die Leserate bricht immer wieder signifikant ein, weil ein Pufferspeicher fehlt
Vergrößern Schluckauf: Die Leserate bricht immer wieder signifikant ein, weil ein Pufferspeicher fehlt
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Geschwindigkeit: Die sequenziellen Schreibraten der Transcend TS64GSSD25S-S waren schwach: Maximal erreichte das SLC-Modell 118, im Mittel 113 und minimal knapp 104 MB/s. Damit rangiert das Transcend-Modell in dieser Testkategorie derzeit auf dem drittletzten Platz. Noch trauriger sahen die sequenziellen Schreibraten aus: Maximal kam die TS64GSSD25S-S auf 69 und durchschnittlich auf 64 MB/s. Das reichte nur noch für den vorletzten Platz im zehnköpfigen Testfeld. Immerhin konnte die Transcend-SSD dank ihrer SLC-Zellen bei der minimalen sequenziellen Schreibrate Boden gut machen: Mit 57 MB/s landete sie in dieser Einzelmessung auf Platz 4 gleich hinter der SLC-Konkurrentin Samsung MCCOE64G5MPP-0VA .

Praxis-Datenraten: Mit typischen Lese-, Schreibe- und Kopiervorgängen, die den Alltagsbetrieb nachstellen, ermitteln wir die Transferraten, die die Solid State Drives in Praxis tatsächlich erreichen. Die Transcend TS64GSSD25S-S kam in den Lese-, Schreib- und Kopiertests auf rund 44, gut 11 sowie fast 22 MB/s. Damit war das SLC-Modell lediglich beim Lesen schneller als ferromagnetische 2,5-Zoll-Laufwerke. Und im Vergleich zur SSD-Konkurrenz - sei es mit SLC- oder MLC-Technik - fielen die Praxistests schlecht bis grottenschlecht aus. So war beispielsweise unser Preis-Tipp Transcend TS128GSSD25S-M beim Schreibtest fast doppelt so schnell. Und das MLC-Modell G.Skill FM-25S2S-128GB bot beim Kopiertest annähernd 50 Prozent mehr Tempo.

Zugriffszeiten: Im Vergleich zu den bisher getesteten Solid State Drives waren die Zugriffszeiten der Transcend TS64GSSD25S-S okay: Für den Fullstroke-Zugriff brauchte das 64-GB-Modell befriedigende 0,29 Millisekunden, für die durchschnittliche Zugriffzeit ermittelten wir noch akzeptable 0,19 Millisekunden.

Fazit: Wären wir diplomatisch, würden wir die Transcend TS64GSSD25S-S als unausgegoren bezeichnen. Eine schlechte Idee ist es, dem teueren SLC-Flash einen Standard-Controller zur Seite zu stellen, der keinen Cache ansteuern kann. Indiskutable Praxis-Datenraten und die schwache sequenzielle Transferleistung sind der verdiente Lohn für diese technische Fehlkonstruktion. Die SSD ist damit für das Gebotene viel zu teuer. Unser Testurteil kann daher nur lauten: Finger weg!

Alternativen: Wenn Sie ein paar hundert Euro in eine Solid State Drive investieren wollen, kaufen Sie sich das blitzschnelle 32-GB-Modell Intel X25-E SSDSA2SH032G1C5 . Suchen Sie eine schnelle SSD mit höherer Kapazität und einem günstigeren Gigabyte-Preis, raten wir zur 80-GB-SDD Intel X25-M SSDSA2MH080G1 . Bei der bis dato zweitschnellsten Solid State Drive kostet das Gigabyte momentan 4,90 Euro.

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