10.07.2008, 10:00

Thomas Rau

Teuer, aber gut

Lenovo Thinkpad X300

Wenn man heutzutage schon bei Aldi für 400 Euro einen federleichten Mini-Laptop bekommt, warum sollte man dann ein Subnotebook für über 2000 Euro kaufen? Gute Frage: Und das Lenovo Thinkpad X300 gibt darauf die passende Antwort.
Mobil ohne Kompromisse: Das Lenovo Thinkpad X300 ist mit stromsparenden Komponenten einerseits voll auf den Einsatz unterwegs ausgerichtet – zum Beispiel besitzt es eine LED-Hintergrundbeleuchtung, einen besonders genügsamen Intel-Mobilprozessor und eine Festplatte in Solid-State-Technik. Andererseits muss man sich beim Subnotebook von Lenovo nicht mit den Einschränkungen abfinden, die andere Klein-Notebooks dem Anwender abverlangen: Das Thinkpad X300 bietet ein Display mit hoher Auflösung, trotz seines nur 2,6 Zentimeter dünnen Gehäuses einen integrierten DVD-Brenner und eine Tastatur in Standardgröße.

Tempo: Den Prozessor im Thinkpad X300, den Core 2 Duo SL7100 führt Intel nicht offiziell auf. Die Stromspar-CPU mit einer Taktrate von 1,2 GHz arbeitet mit Merom-Kern und 4 MB L2-Cache. Im CPU-Test Cinebench erreichte sie 369 Punkte: Damit ist der Doppelkern-Prozessor etwas schneller als eine gleich getaktete Ultra-Low-Voltage-CPU, liegt aber deutlich hinter einem höher getaktetem Einsteiger-Dual-Core wie dem Pentium Dual-Core T2330 (1,6 GHz). Im System-Benchmark Sysmark 2007 schaffte das Lenovo Thinkpad X300 79 Punkte: Die bei Lesezugriffen extrem schnelle Solid-State-Platte beschleunigt das Subnotebook vor allem bei Büro-Programmen. Insgesamt bietet das Lenovo Thinkpad X300 eine Rechenleistung wie man sie bei Standard-Notebooks für rund 600 bis 700 Euro findet.

Ausstattung: Die Solid-State-Platte im Thinkpad X300 ist schnell, robust, sparsam und leise. Sie hat aber einen großen Nachteil: Sie fasst nur 64 GB. Da muss man Daten eventuell öfters auf DVD wegbrennen – dafür bringt das X300 einen integrierten Brenner mit. Der ist eine Spezialanfertigung mit nur sieben Millimetern Bauhöhe – Notebook-Laufwerke sind üblicherweise 12,7 (Slim-Line-Format) oder 9,5 Millimeter (Ultra-Slim-Line) hoch. Ein Modem fehlt dem X300 zwar: Dafür kommt man per Gigabit-LAN, 11n-WLAN, Bluetooth oder über ein UMTS/HSDPA-Modem ins Internet. Bei den Schnittstellen hat das Thinkpad X300 nicht viel zu bieten – ein Tribut an das flache Gehäuse: Immerhin besitzt es drei USB-Ports und hinten einen VGA-Ausgang. Man vermisst aber einen Expresscard-Steckplatz und einen Docking-Anschluss. Trotzdem gibt es auch beim X300 die Ausstattungs-Highlights, die viele Anwender an den Thinkpad-Notebooks schätzen – zum Beispiel die im Displayrahmen integrierte Tastaturbeleuchtung und die Thinkvantage Tools.

Mobilität: Das Thinkpad X300 wiegt nur 1,52 Kilogramm. Es ist damit eines der leichtesten 13,3-Zoll-Notebooks und nur rund 160 Gramm schwerer als das Macbook Air, das aber kein optisches Laufwerk besitzt. Im Akkubetrieb regelt das Thinkpad die Displayhelligkeit automatisch auf weit unter 100 cd/m2: Das lässt sich aber im Bios-Setup ändern. Wir stellen für den Akkutest standardmäßig 100 cd/m2 ein: Damit schaffte das X300 4:13 Stunden ohne Netzstrom bei einer sehr geringen Leistungsaufnahme von knapp über 10 Watt.

Ergonomie: Das entspiegelte Display erreichte eine durchschnittliche Helligkeit von über 200 cd/m2 – damit ist es auch für den Einsatz unter freiem Himmel geeignet. Überdies war das Display angenehm gleichmäßig ausgeleuchtet. Farb- und Graustufendarstellung waren ordentlich, nur das Kontrastverhältnis lag mit 95:1 recht niedrig. Der Lüfter läuft beim Einschalten des Notebooks kurz hochtourig an. Ansonsten hört man ihn bei maximal 0,4 Sone fast nie.

Handhabung: Die Tastatur ist 28,5 Zentimeter breit – fast so groß wie in einem Standard-Notebook. Auch die Tasten haben Standardgröße. Die Tastatur ist sehr stabil eingebaut, die Tasten geben ein deutliches Druck-Feedback – das Schreiben auf dem Thinkpad X300 ist ein echter Genuss. Der Mauszeiger lässt sich per Trackpoint oder Touchpad steuern. Unbequem: Der Ein-/Ausschalter für das WLAN-Modul sitzt schlecht erreichbar auf der Rückseite des Gehäuses.

Verarbeitung: Ein Riegel fixiert im geschlossenen Zustand den Displaydeckel des X300 sicher am Gehäuse. Der hochwertige Kunststoff der Handballenablage fühlt sich sehr angenehm an. Insgesamt ist das Gehäuse im typischen schwarzen und kastenförmigen Thinkpad-Design sehr stabil verarbeitet.
Fazit: Qualität kostet Geld – dieses vielbemühte Klischee trifft voll auf das Lenovo Thinkpad X300 zu. Derzeit gibt es kein besseres Subnotebook: Mit dem X300 ist man voll mobil und hat trotzdem ein rundum ausgestattetes Produktiv-Notebook dabei – der Traum für jeden Geschäftsanwender. Bei einem Preis von über 2000 Euro allerdings einer, den sich nur die wenigsten erfüllen können.

Alternative: Das Sony VGN-TZ11MN ist leichter, läuft im Akkubetrieb länger und hat auch einen DVD-Brenner an Bord. Allerdings ist sein Display deutlicher kleiner und die Hardware viel rechenschwächer. Ebenso leicht wie das Thinkpad X300 und deutlich günstiger ist das Dell Latitude D430: Ihm fehlt aber ein optisches Laufwerk.
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