14.07.2014, 12:00

Thomas Rau

Windows 8 und Windows RT

Test: Das beste Tablet mit Windows 8

Im Test: Tablets mit Windows 8 wie das Microsoft Surface 2 ©Microsoft

Windows 8 ist das erste Betriebssystem von Microsoft, das für Touchscreens optimiert ist. Und viele Windows-Tablets halten mit iPad und Android mit. Wir testen: Welcher Hersteller macht das beste Tablet mit Windows 8?
Windows in allen Größen und Formen. Auch Sie rätseln wahrscheinlich: Wie groß soll das ideale Tablet sein? Bei Apple ist die Antwort auf diese Frage am einfachsten, weil es nur zwei Größen gibt, bei Android am schwersten, weil das Tablet-Angebot riesig ist. Die Formenvielfalt bei Windows-Tablets liegt dazwischen. Die Windows-Tablets mit großem Bildschirm, also 10 Zoll oder größer sollen ein Notebook ersetzen. Ihr Nachteil: Sie sind deutlich teurer als große Tablets mit Android und iOS. Nur Tablets mit Windows RT konnten im Preiskampf mithalten - aber die abgespeckte ARM-Version, auf der keine Standard-Programme laufen, fand wenig Anhänger.
Kleine Windows-Tablets mit 8-Zoll-Display sind nicht nur mobiler, sondern deutlich günstiger. Die meisten sind für deutlich unter 300 Euro zu haben - wie das Acer Iconia W4, das neu im Test ist. Kostet ein Mini-Windows-Tablet über 300 Euro, muss es Besonderes bieten: Beim Lenovo Thinkpad Tablet 8, ebenfalls ein Neuzugang im Test, ist das der 64 GB große Speicher und das Display mit Full-HD-Auflösung.
Für alle Mini-Tablets gilt: Sie bringen ein vollwertiges Windows 8.1 mit. Zwar ist nur die 32-Bit-Version installiert, obwohl in den Tablets ein aktueller Atom-Prozessor von Intel aus der Bay-Trail-Familie sitzt, der 64-Bit-Programme unterstützt. Aber der 64-Bit-Treiber für Atom beherrscht nicht den stromsparenden Schlafmodus Connected Standby, weshalb nur die 32-Bit-Variante mit den Atom-Tablets ausgeliefert wird. Außerdem ist Office 2013 in der Version Home & Student vorinstalliert - die Windows-Mini-Tablets lassen sich also vom Start weg zum Arbeiten einsetzen.
Ganz oben in der Nahrungskette der Windows-Tablets stehen weiterhin Notebook-Tablet-Kombinationen mit einem Core-Prozessor wie der Testsieger Surface Pro 2 von Microsoft. Sie sind immer noch teuer - die Preise für das Surface beginnen bei 800 Euro - ersetzen aber in jeder Hinsicht ein Notebook, beispielsweise was Rechenleistung und Ausstattung angeht.

Tablet als Notebook-Ersatz

Tablets mit einem leistungsfähigen Core-Prozessor arbeiten mit der 64-Bit-Version von Windows 8.1, wie Sie es auf aktuellen Notebooks finden: Sie besitzen eine Tastatur, die sich anstecken lässt und sollen dadurch ein Ultrabook ersetzen. Damit wollen die Hersteller Anwender ansprechen, die für Arbeit und Unterhaltung unterwegs hohe Rechenleistung und eine bequeme Eingabemöglichkeit benötigen – etwa weil sie umfangreiche Präsentationen, Tabellen oder Videos bearbeiten. Zum Filmeschauen oder Surfen lässt sich die Tastatur abkoppeln und der Bildschirm als Tablet nutzen. In diese Kategorie fallen beispielsweise das Acer Iconia W700, das Microsoft Surface Pro 2 und das Asus Transformer Book.
Der Nachteil dieser Geräte ist ihr relativ hohes Gewicht und die vergleichen mit den Tablets eher mäßige Akkulaufzeit. Das ändert sich mit den Haswell-CPUs wie der Test des Surface Pro 2 zeigt: Das Microsoft-Tablet legt mit der neuen CPU rund zwei Stunden Akkulaufzeit zu. Außerdem sind diese Ultrabook-Tablets recht teuer.

Tablets für Unternehmen

Außerdem gibt es Tablets mit Windows 8 Pro, die auf Business-Kunden abzielen, wie das Dell Latitude 10 oder das HP Elitepad 900. Ihr Vorteil: Windows-Tablets lassen sich einfacher in Unternehmens-Netzwerke integrieren als iPad und Android-Geräte. Außerdem können Sie darauf die gewohnte Firmen-Software installieren, die meist nur in einer Windows-Version verfügbar ist. Sie bringen zum Beispiel einen wechselbaren oder einen Akku zum Anstecken mit. Das Dell-Tablet gibt es außerdem in einer Version mit Fingerabdruck-Leser - beides schätzen Unternehmen. Außerdem kommen beide mit einem 3G-Modem auch unterwegs ins Internet oder das Firmen-Netzwerk.

Tablet als Netbook-Alternative

Sparsamer als die Core-Tablets arbeiten die Windows-Tablets mit Atom-Prozessor. Auf ihnen ist die 32-Bit-Version von Windows 8.1 installiert. Sie sind außerdem günstiger als Core-Tablets - das Asus Vivotab TF810C kostet derzeit rund 450 Euro, das HP Omni 10 rund 300 Euro. Sie gelten als Nachfolger der Netbooks und sind empfehlenswert für Anwender, die keine hohe Rechenleistung benötigen, aber ein mobiles Gerät suchen, auf dem die gewohnten Windows-Programme laufen.

ARM-Tablets mit Windows RT

Den Ausdauer-Rekord halten die Geräte mit Windows RT und ARM-Prozessoren: Das Microsoft Surface 2 beispielsweise schafft bei der Videowiedergabe über zehn Stunden. Es nutzt den Quad-Core-Prozessor Nvidia Tegra 4. Bei den Käufern war Windows RT aber ein Flop: Fast alle Hersteller haben ihre RT-Tablets nach der ersten Generation eingestellt - zum Beispiel Asus, Samsung, Lenovo und Dell. Denn RT hat einen wesentlichen Nachteil: Normale Windows-Programme lassen sich nicht installieren. Nur Software aus dem Windows Store funktioniert.Wenn Sie allerdings ein günstiges Couch-Gerät zum Surfen suchen und auf ein großes App-Angebot verzichten können, haben RT-Tablets ein hohes Schnäppchen-Potential: Das Surface 2 bekommen Sie schon für unter 400 Euro, das Surface RT schon für unter 300 Euro.

Bedienung

Auf allen Windows-Geräten kommt sofort echtes Tablet-Feeling auf: Sie lassen sich flüssig per Fingertipp und -Gesten bedienen. Beim Arbeiten mit den Kachel-Apps liegt die Reaktionsgeschwindigkeit auf iPad-Niveau. Die meisten Apps benötigen drei bis fünf Sekunden zum Start. Nur das Drehen des Bildinhaltes, wenn Sie das Tablet bewegen, wirkt etwas ungelenk: Windows verkleinert das Bild zunächst und dreht es dann. Das sieht auf dem iPad und aktuellen Android-Tablets eleganter aus.
Tempo beim Surfen
Am schnellsten arbeiten Core-Tablets wie das Microsoft Surface Pro 2: Sie sind so leistungsstark wie aktuelle Ultrabooks und daher für reine Tablet-Aufgaben überdimensioniert. Trotzdem macht sich die Rechenkraft auch beim Surfen und Spielen bemerkbar: Das Surface Pro 2 baut komplexe Webseiten am schnellsten auf und liefert im Test die schnellsten WLAN-Datenraten - auch weil es über die ungestörtere 5-GHz-Frequenz funken kann. Dahinter folgen die Atom-Tablets, während die RT-Geräte beispielsweise im Sunspider-Test am Ende des Testfeldes liegen.

Die Tablets im Desktop-Modus

Windows 8 besteht aber nicht nur aus der touch-optimierten Kachel-Oberfläche. Auf den Tablets kommen Sie auch um die gewohnte Desktop-Umgebung nicht herum: Wollen Sie beispielsweise Dateien auf einem externen Laufwerk sichten, geht das über den Windows-Explorer. Und auch wenn Sie etwa die Energieoptionen bearbeiten wollen, schickt Sie das Tablet in die Desktop-Systemeinstellungen.
In der Desktop-Umgebung machen Sie mit dem Finger keinen Stich – kleine Menüleisten, Drop-Down-Menüs oder Schieberegler lassen sich mit der Hand nur schwer treffen und bedienen. Das Surface 2 Pro bringt einen Eingabestift mit, der auch beim punktgenauen Bedienen hilt. Aber am besten für den Desktop-Modus sind eine Maus oder ein Touchpad sowie eine Tastatur – am besten eine mit echten Tasten, die einen deutlichen Druckpunkt bieten.
Die Ansteck-Tastaturen, die beispielsweise Acer und Asus ihren Tablets mitgeben, kommen dem Tippgefühl auf einem Notebook am nächsten. Für das Surface 2 und das Pro 2 bietet Microsoft für 120 Euro das Touch Cover 2 an: Diese Folientastatur mit Hintergrundbeleuchtung dient als Tablet-Abdeckung. Wenn Sie keine langen Texte schreiben müssen, funktioniert das überraschend bequem, obwohl der Tastatur Tastenhub und mechanisches Druck-Feedback fehlen. Außerdem besitzen die Surface-Tablets einen ausklappbaren Standfuß mit zwei unterschiedlichen Neigungswinkeln. Das Type Cover mit mechanischen Tasten kostet 130 Euro.
Das W700 mit Core-CPU bringt eine Bluetooth-Tastatur mit, die sich zusammen mit dem Tablet in einer Schutztasche transportieren lässt, die auch als Standfuss dient. Diese Konstruktion ist für kurze Texte geeignet, aber nicht übermäßig stabil. Außerdem fehlt der Tastatur ein Touchpad, sodass sie sich nicht so bequem wie eine Notebook-Tastatur bedienen lässt. Eine Tastatur in gewohnter Notebook-Größe bringt dagegen das Asus Transformer Book mit: Da sie so schwer ist wie das Tablet, steht diese Kombination auch auf unebenen Oberflächen - beispielsweise den Oberschenkeln - stabiler als Tablets mit Ansteck-Tastatur.

Arbeiten mit den Windows-Tablets

Die Rechenleistung der Windows-Tablets mit Atom-CPU liegt etwas höher als bei einem Netbook, weil sie Flash-Speicher statt einer Festplatte mitbringen. Damit erledigen Sie die meisten Office-Aufgaben problemlos. Doch sobald das Tablet mehrere Aufgaben parallel ausführen soll - zum Beispiel neben einem Download mehrere Bilder kopieren - geht die Rechenleistung in die Knie. Auch Spiele machen keinen Spaß: Selbst effektarme Games aus dem Microsoft-Store wirken schaumgebremst.
Für produktives Arbeiten kommen daher nur Core-Tablets wie das Surface Pro 2 und das Iconia W700 in Frage. Der Nachteil der hohen Rechenleistung: Die Core-Tablets haben einen Lüfter – der arbeitet zwar meist leise, aber damit sind sie eben nicht völlig lautlos wie die anderen Tablets.
Bei Windows-Tablets mit einer Displaydiagonale unter 12 Zoll ist Office 2013 (Home & Student) vorinstalliert. In den meisten Fällen arbeiten Sie auch auf einem Atom-Tablet damit recht flüssig: Nur bei großen Excel-Tabellen und umfangreichen Dokumenten reagieren die Tablets mitunter zäh - etwa, wenn Sie schnell darin blättern oder umfangreiche Tabellen oder PDFs aufzoomen wollen. Beim Surface 2 hat Microsoft die Gratis-Beigaben noch aufgestockt: Sie bekommen 200 GB Speicherplatz auf Skydrive für zwei Jahre sowie ein Jahr kostenlose Telefonate auf Skype.
Die Mini-Tablets mit Windows eignen sich eher dazu, Office-Dateien unterwegs zu prüfen oder zu ergänzen: Mit umfangreichen Powerpoint-Präsentationen oder großen Excel-Tabellen lässt sich auf dem kleinen Bildschirm nur unbequem arbeiten. Außerdem fehlt den meisten eine passende Tastatur, die das Arbeiten mit Office deutlich erleichtern würde. Bluetooth-Keyboards wie das Acer Crunch Keyboard passen nicht optimal, weil sie größer als das Tablet sind, das Tablet in der Tastaturhülle nicht stabil fixiert ist und sich sein Neigungswinkel nicht ergonomisch anpassen lässt.

Test-Fazit: Windows-Tablets - flexibler geht's nicht

Insgesamt zeigt der Test der Windows-Tablets: Bei der Hardware halten Top-Tablets wie das Microsoft Surface Pro 2 mit den besten Geräten von Apple und Android absolut mit. Mehr noch - sie sind so stark wie ein Ultrabook. Die Atom-Tablets sind voll kompatibel zu bestehender Windows-Software - für viele Anwendungen reicht die Leistung der neuen Bay-Trail-CPUs vollkommen aus, etwa für das Arbeiten mit Office. Für effektreiche Spiele oder aufwändige Multimedia-Aufgaben sind sie allerdings zu schwach.

Testsieger: Microsoft Surface 2 Pro

Das Windows-8.1-Tablet mit Core-Prozessor bietet mehr Rechenleistung als die anderen Tablets: Damit macht es entweder Tablet oder Ultrabook überflüssig. Zum Arbeitsgerät wird es aber erst mit einer Tastatur, die rund 120 Euro extra kostet. Außerdem gefällt das helle und farbstarke Full-HD-Display. Die Nachteile sind das für Tablet-Verhältnisse sehr hohe Gewicht und die immer noch zu kurze Akkulaufzeit.

Empfehlung Atom-Tablets: Dell Venue 8 Pro

Das Dell Venue 8 Pro hat fast alles, was ein gutes Tablet ausmacht: Flüssige Bedienung, heller Bildschirm, angenehmes Design - nur die Akkulaufzeit dürfte ein bisschen länger ausfallen. Diese ganzen Vorteile weisen nur wenige Tablets aus der 300-Euro-Klasse auf. Wer ein mobiles Tablet für den Privat-/Profi-Mischbetrieb sucht, darf zugreifen.

Empfehlung für Business-Anwender: Dell Latitude 10

Das Dell-Tablet legt im Test einen starken Auftritt hin: Von der guten Ausstattung über die flotte Bedienung bis hin zum Top-Display. Dazu kommen neben Windows 8 Pro Merkmale wie der Wechsel-Akku und der Docking-Ständer, die das Tablet für Unternehmensentscheider als Alternative zu einem Notebook attraktiv machen - besonders, wenn es um Arbeitsabläufe geht, die von Touch- oder Stiftbedienung profitieren.
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