29.01.2014, 14:25

Thomas Rau

Windows 8 und Windows RT

Test: Das beste Tablet mit Windows 8

Im Test: Tablets mit Windows 8 wie das Microsoft Surface 2 ©Microsoft

Windows 8 ist das erste Betriebssystem von Microsoft, das für Touchscreens optimiert ist. Und viele Windows-Tablets halten mit iPad und Android mit. Wir testen: Welcher Hersteller macht das beste Tablet mit Windows 8?
Bisher gab es fast ausschließlich Windows-Tablets mit großem Bildschirm. Diese Geräte mit 10 Zoll oder größerem Display sind als Alternative zum Notebook gedacht. Ihr Nachteil: Sie sind deutlich teurer als Tablets mit Android und iOS. Nur Tablets mit Windows RT konnten im Preiskampf mithalten - aber die abgespeckte ARM-Version, auf der keine Standard-Programme laufen, fand wenig Anhänger.
Jetzt sollen Windows-Tablets neu durchstarten: Zum einen kommen kleinere 8-Zoll-Geräte auf den Markt, wie das Tosbiba Encore WT8, das wir neu im Test haben. Es kostet unter 300 Euro, und Sie bekommen ein vollwertiges Windows 8.1. Außerdem ist Office 2013 in der Version Home & Student vorinstalliert - die Windows-Mini-Tablets lassen sich also vom Start weg zum Arbeiten einsetzen.
Zum anderen arbeiten die günstigen Windows-Tablets mit der neuen Generation der Atom-Prozessoren von Intel namens Bay Trail. Diese CPUs wie der Z3740 im Toshiba Encore sind deutlich leistungsstärker als die Vorgänger und sorgen für ein angenehmeres und flüssigeres Arbeiten.
Ganz oben in der Nahrungskette der Windows-Tablets stehen weiterhin Notebook-Tablet-Kombinationen mit einem Core-Prozessor wie der Testsieger Surface Pro 2 von Microsoft. Sie sind teuer - die Preise für das Surface beginnen bei 900 Euro - ersetzen aber in jeder Hinsicht ein Notebook, beispielsweise was Rechenleistung und Ausstattung angeht.
Diese Vielfalt macht es bei Windows-Tablets schwieriger als bei iPad und Android das richtige Tablet für den eigenen Einsatzzweck zu finden. Während sich Apple- und Android-Tablets höchstens in Größe, Preis und Ausstattung unterscheiden und vor allem zum Surfen und Spielen eignen, gibt es bei Windows-Tablets Geräte mit völlig unterschiedlichen Einsatzgebieten.

Tablet als Notebook-Ersatz

Tablets mit einem leistungsfähigen Core-Prozessor arbeiten mit einem 64-Bit Windows 8, wie Sie es auf aktuellen Notebooks finden: Sie besitzen eine Tastatur, die sich anstecken lässt und sollen dadurch ein Ultrabook ersetzen. Damit wollen die Hersteller Anwender ansprechen, die für Arbeit und Unterhaltung unterwegs hohe Rechenleistung und eine bequeme Eingabemöglichkeit benötigen – etwa weil sie umfangreiche Präsentationen, Tabellen oder Videos bearbeiten. Zum Filmeschauen oder Surfen lässt sich die Tastatur abkoppeln und der Bildschirm als Tablet nutzen. In diese Kategorie fallen beispielsweise das Acer Iconia W700, das Microsoft Surface Pro 2 und das Asus Transformer Book.
Der Nachteil dieser Geräte ist ihr relativ hohes Gewicht und die vergleichen mit den Tablets eher mäßige Akkulaufzeit. Das ändert sich mit den Haswell-CPUs wie der Test des Surface Pro 2 zeigt: Das Microsoft-Tablet legt mit der neuen CPU rund zwei Stunden Akkulaufzeit zu.
Außerdem sind diese Ultrabook-Tablets recht teuer. Eine etwas günstigere Alternative ist das Acer Aspire P3, das mit einem etwas langsameren Core i3 arbeitet und keine Ansteck-, sondern eine Bluetooth-Tastatur mitbringt. Acer verpackt sie in eine Schutzhülle, in die sich auch das Tablet einbauen lässt, damit Sie die Kombination als Notebook nutzen können - allerdings ist dieser Mechanismus alles andere als bequem.

Tablets für Unternehmen

Außerdem gibt es Tablets mit Windows 8 Pro, die auf Business-Kunden abzielen, wie das Dell Latitude 10 oder das HP Elitepad 900. Ihr Vorteil: Windows-Tablets lassen sich einfacher in Unternehmens-Netzwerke integrieren als iPad und Android-Geräte. Außerdem können Sie darauf die gewohnte Firmen-Software installieren, die meist nur in einer Windows-Version verfügbar ist. Sie bringen zum Beispiel einen wechselbaren oder einen Akku zum Anstecken mit. Das Dell-Tablet gibt es außerdem in einer Version mit Fingerabdruck-Leser - beides schätzen Unternehmen. Außerdem kommen beide mit einem 3G-Modem auch unterwegs ins Internet oder das Firmen-Netzwerk.

Tablet als Netbook-Alternative

Sparsamer als die Core-Tablets arbeiten die Windows-Tablets mit Atom-Prozessor. Auf ihnen ist die 32-Bit-Version von Windows 8 installiert. Sie sind außerdem günstiger - zum Beispiel das Acer Iconia W510 für 599 Euro mit einem 10-Zoll-Display. Größere Windows-8-Tablets wie das Asus Vivotab TF810C für 799 Euro, der Samsung Ativ Smart PC für 699 Euro und das Lenovo Ideatab Lynx für 599 Euro besitzen einen 11,6 Zoll großen Bildschirm. Sie gelten als Nachfolger der Netbooks und sind empfehlenswert für Anwender, die keine hohe Rechenleistung benötigen, aber ein mobiles Gerät suchen, auf dem die gewohnten Windows-Programme laufen.

ARM-Tablets mit Windows RT

Den Ausdauer-Rekord halten die Geräte mit Windows RT und ARM-Prozessoren: Das Microsoft Surface 2 beispielsweise hält bei der Videowiedergabe über zehn Stunden durch. Es nutzt den Quad-Core-Prozessor Nvidia Tegra 4. Windows RT läuft auch auf dem Asus Vivotab RT (729 Euro), dem Samsung Ativ Tab (749 Euro), dem Lenovo Ideapad Yoga 11 (749 Euro) und dem Dell XPS 10. Auch dort kommt ein ARM-Prozessor von Nvidia oder Qualcomm zum Einsatz, wie er sich in Android-Tablets findet. Der Nachteil: Normale Windows-Programme lassen sich auf den RT-Tablets nicht installieren. Nur Software aus dem Windows Store funktioniert.Wenn Sie allerdings ein günstiges Couch-Gerät zum Surfen suchen und auf ein großes App-Angebot verzichten können, haben RT-Tablets ein hohes Schnäppchen-Potential: Die oben angebenen Preise sind die Preisempfehlungen der Hersteller: Die aktuellen Preise im Internet liegen deutlich darunter - das Lenovo Yoga 11 bekommen Sie beispielsweise für unter 400 Euro, das Surface RT schon ab 300 Euro.
Allerdings haben viele Hersteller inzwischen die Lust an den RT-Geräten verloren - mangels Verkaufserfolg. Asus, Dell und Samsung werden wohl keine zweite Generation von RT-Tablets anbieten. Neben Microsoft hält einzig Nokia RT noch die Treue mit dem neuen Lumia 2560.

Bedienung

Auf allen Windows-Geräten kommt sofort echtes Tablet-Feeling auf: Sie lassen sich flüssig per Fingertipp und -Gesten bedienen. Beim Arbeiten mit den Kachel-Apps liegt die Reaktionsgeschwindigkeit auf iPad-Niveau. Die meisten Apps benötigen drei bis fünf Sekunden zum Start. Nur das Drehen des Bildinhaltes, wenn Sie das Tablet bewegen, wirkt etwas ungelenk: Windows verkleinert das Bild zunächst und dreht es dann. Das sieht auf dem iPad und aktuellen Android-Tablets eleganter aus.
Tempo beim Surfen
Am schnellsten arbeiten Core-Tablets wie das Microsoft Surface Pro 2: Sie sind so leistungsstark wie aktuelle Ultrabooks und daher für reine Tablet-Aufgaben überdimensioniert. Trotzdem macht sich die Rechenkraft auch beim Surfen und Spielen bemerkbar: Das Surface Pro 2 baut komplexe Webseiten am schnellsten auf und liefert im Test die schnellsten WLAN-Datenraten - auch weil es über die ungestörtere 5-GHz-Frequenz funken kann. Dahinter folgen die Atom-Tablets, während die RT-Geräte beispielsweise im Sunspider-Test am Ende des Testfeldes liegen.

Die Tablets im Desktop-Modus

Windows 8 besteht aber nicht nur aus der touch-optimierten Kachel-Oberfläche. Auf den Tablets kommen Sie auch um die gewohnte Desktop-Umgebung nicht herum: Wollen Sie beispielsweise Dateien auf einem externen Laufwerk sichten, geht das über den Windows-Explorer. Und auch wenn Sie etwa die Energieoptionen bearbeiten wollen, schickt Sie das Tablet in die Desktop-Systemeinstellungen.
In der Desktop-Umgebung machen Sie mit dem Finger keinen Stich – kleine Menüleisten, Drop-Down-Menüs oder Schieberegler lassen sich mit der Hand nur schwer treffen und bedienen. Das Surface 2 Pro bringt einen Eingabestift mit, der auch beim punktgenauen Bedienen hilt. Aber am besten für den Desktop-Modus sind eine Maus oder ein Touchpad sowie eine Tastatur – am besten eine mit echten Tasten, die einen deutlichen Druckpunkt bieten.
Die Ansteck-Tastaturen, die Acer, Asus und Dell ihren Tablets mitgeben, kommen dem Tippgefühl auf einem Notebook am nächsten. Für das Surface 2 und das Pro 2 bietet Microsoft für 120 Euro das Touch Cover 2 an: Diese Folientastatur mit Hintergrundbeleuchtung dient als Tablet-Abdeckung. Wenn Sie keine langen Texte schreiben müssen, funktioniert das überraschend bequem, obwohl der Tastatur Tastenhub und mechanisches Druck-Feedback fehlen. Außerdem besitzen die Surface-Tablets einen ausklappbaren Standfuß mit zwei unterschiedlichen Neigungswinkeln. Das Type Cover mit mechanischen Tasten kostet 130 Euro.
Das W700 mit Core-CPU bringt eine Bluetooth-Tastatur mit, die sich zusammen mit dem Tablet in einer Schutztasche transportieren lässt, die auch als Standfuss dient. Diese Konstruktion ist für kurze Texte geeignet, aber nicht übermäßig stabil. Außerdem fehlt der Tastatur ein Touchpad, sodass sie sich nicht so bequem wie eine Notebook-Tastatur bedienen lässt. Eine Tastatur in gewohnter Notebook-Größe bringt dagegen das Asus Transformer Book mit: Da sie so schwer ist wie das Tablet, steht diese Kombination auch auf unebenen Oberflächen - beispielsweise den Oberschenkeln - stabiler als Tablets mit Ansteck-Tastatur.
Ein Spezialfall ist das Lenovo Ideapad Yoga 11: Es ist eigentlich eher ein Notebook, denn seine Tastatur lässt sich nicht abnehmen. Sie legen stattdessen den Bildschirm um 360 Grad gedreht auf die Rückseite der Tastatur. Der Vorteil: Sie haben die Tastatur immer dabei. Der Nachteil: Sie müssen immer rund 1200 Gramm herumtragen. Das ist zwar nicht viel schwerer als die anderen Tablets mit angedockter Tastatur wiegen, aber bei denen müssen Sie das Schreibbrett nicht dauernd mitnehmen.
Ohne Tastatur wie beim Samsung Ativ Smart PC ist Win 8 im Desktop-Modus unbedienbar. Deshalb legt Samsung dem Tablet einen Stift bei: Damit lassen sich nicht nur spezielle Apps wie S Note für handschriftliche Notizen oder Zeichnungen nutzen. Sie werden mit dem Stift auch in der Desktop-Oberfläche treffsicherer.

Arbeiten mit den Windows-Tablets

Die Rechenleistung der Windows-Tablets mit Atom-CPU liegt etwas höher als bei einem Netbook, weil sie Flash-Speicher statt einer Festplatte mitbringen. Damit erledigen Sie die meisten Office-Aufgaben problemlos. Doch sobald das Tablet mehrere Aufgaben parallel ausführen soll - zum Beispiel neben einem Download mehrere Bilder kopieren - geht die Rechenleistung in die Knie. Auch Spiele machen keinen Spaß: Selbst effektarme Games aus dem Microsoft-Store wirken schaumgebremst.
Für produktives Arbeiten kommen daher nur Core-Tablets wie das Surface Pro 2 und das Iconia W700 in Frage: Eine Vollversion von Office ist allerdings nicht vor-installiert, nur eine zeitlich begrenzte Demo. Der Nachteil der hohen Rechenleistung: Die Core-Tablets haben einen Lüfter – der arbeitet zwar meist leise, aber damit sind sie eben nicht völlig lautlos wie die anderen Tablets.
Bei den RT-Tablets ist Office 2013 (Home & Student) vorinstalliert. In den meisten Fällen arbeiten Sie auch an einem RT-Gerät damit recht flüssig: Nur bei großen Excel-Tabellen und umfangreichen Dokumenten reagieren die Tablets recht zäh - besonders, wenn Sie schnell darin blättern oder umfangreiche Tabellen oder PDFs aufzoomen wollen. Beim Surface 2 hat Microsoft die Gratis-Beigaben noch aufgestockt: Sie bekommen 200 GB Speicherplatz auf Skydrive für zwei Jahre sowie ein Jahr kostenlose Telefonate auf Skype.
Die neuen 8-Zoll-Tablets mit einem Standard-Window wie das Toshiba Encore WT8 bekommen ebenfalls Office 2013 als Beigabe. Allerdings eignen sich die Minis eher dazu, Office-Dateien unterwegs zu prüfen oder zu ergänzen: Mit umfangreichen Powerpoint-Präsentationen oder großen Excel-Tabellen lässt sich auf dem kleinen Bildschirm nur unbequem arbeiten. Außerdem fehlt dem Encore beispielsweise eine passende Tastatur, die das Arbeiten mit Office deutlich erleichtern würde.

Test-Fazit: Gute Hardware, schwache Software

Insgesamt zeigt der Test der Windows-Tablets: Bei der Hardware halten Top-Windows-Tablets wie das Microsoft Surface Pro 2 mit den besten Geräten von Apple und Android durchaus mit. Was ihnen fehlt, sind auf Tablets zugeschnittene Apps und Inhalte. Dieses Angebot ist bei Android und Apple deutlich besser. Die Atom-Tablets sind voll kompatibel zu bestehender Windows-Software - für viele Anwendungen reicht die Leistung der neuen Bay-Trail-CPUs vollkommen aus, etwa für das Arbeiten mit Office. Gar keine Leistungsfragen lassen die Core-Tablets offen: Sie sind so schnell wie aktuelle Notebooks, aber sehr viel weniger mobil als Atom- oder ARM-Tablets. Allerdings bringen die meisten eine Tastatur mit - sie ist in der Praxis absolut hilfreich, wenn Sie mit Software arbeiten, die nicht für die Finger-Bedienung optimiert ist. Die günstigen RT-Tablets leiden darunter, dass es zu wenige Apps gibt.

Testsieger: Microsoft Surface 2 Pro

Das Windows-8.1-Tablet mit Core-Prozessor bietet mehr Rechenleistung als die anderen Tablets: Damit macht es entweder Tablet oder Ultrabook überflüssig. Zum Arbeitsgerät wird es aber erst mit einer Tastatur, die rund 120 Euro extra kostet. Außerdem gefällt das helle und farbstarke Full-HD-Display. Die Nachteile sind das für Tablet-Verhältnisse sehr hohe Gewicht und die immer noch zu kurze Akkulaufzeit.

Empfehlung Atom-Tablets: Toshiba Encore WT8

Das kleine Encore überzeugt mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. Für rund 290 Euro bekommen Sie nicht nur ein schnelles Tablet mit ordentlicher Akkulaufzeit, sondern auch ein vorinstalliertes Office 2013. Bildschirm und Verarbeitung liegen nicht auf Top-Niveau, aber wenn Sie Standard-Windows-Programme auf dem Tablet laufen lassen wollen, gibt es keinen günstigeren Einstieg. Allerdings fehlt eine passende Tastatur, was den Nutzen als Arbeitsgerät einschränkt.

Empfehlung für Business-Anwender

Das Dell Latitude 10 legt im Test einen starken Auftritt hin: Von der guten Ausstattung über die flotte Bedienung bis hin zum Top-Display. Dazu kommen neben Windows 8 Pro Merkmale wie der Wechsel-Akku und der Docking-Ständer, die das Tablet für Unternehmensentscheider als Alternative zu einem Notebook attraktiv machen - besonders, wenn es um Arbeitsabläufe geht, die von Touch- oder Stiftbedienung profitieren.
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