22.11.2012, 11:10

Thomas Rau

Aldi-Ultrabook

Medion Akoya S4216 im Test

Aldi-Ultrabook mit Windows 8: Medion Akoya S4216

Premiere bei Aldi: Zum ersten Mal verkauft der Discounter ein Ultrabook: Das 14-Zoll-Notebook Akoya S4216 von Medion ist mit 599 Euro unverschämt günstig – und genau das ist das Problem.
Aldi und Ultrabook: Geht das zusammen? Der Food-Discounter und edle Flach-Notebooks à la Apple Macbook Air und Asus Zenbook Prime? Beim Ultrabook Medion Akoya S4216, das Aldi-Nord verkauft, ist der Preis die Pointe - wie bei fast allen Aldi-Angeboten. Das 14-Zoll-Notebook kostet nur 599 Euro – für diesen Preis gibt es nicht viele Ultrabooks: Vor allem keines, das so üppig ausgestattet ist wie das Akoya S4216: mit DVD-Brenner, mit einer Terabyte-Festplatte und mit einem zweiten Akku im Lieferumfang.

Wie ultra ist das Aldi-Ultrabook?

Doch Ultrabook steht auch für super-dünne, extrem leichte und hochwertig verarbeitete Notebooks: Auf den ersten Blick erfüllt das Medion Akoya S4216 selbst diese Anforderungen. Seine Bauhöhe liegt zwischen 20,7 Millimetern (seitlich) und 21,2 Millimetern (hinten) – zwar etwas mehr als Intel für 14-Zoll-Ultrabooks erlaubt, aber trotzdem noch flach. Das Gewicht beträgt rund 1,8 Kilo: Das ist deutlich schwerer als Ultrabooks mit 13,3-Zoll-Display, aber wesentlich leichter als ähnlich ausgestattete 15,6-Zoll-Notebooks mit DVD-Brenner.
Doch bei der Verarbeitung kommt beim Medion Akoya S4216 statt Air doch eher wieder Aldi zum Vorschein. Deckel und Handballenablage sehen nach gebürstetem Aluminium aus, doch das ist nur ein dünner Überzug. Der Displaydeckel und das Gehäuse bestehen im Wesentlichen aus Plastik. Das Medion Akoya ist daher bei weitem nicht so stabil und solide wie ein Voll-Aluminium-Notebook. Diese Defizite fallen bei einem Standard-Notebooks weniger ins Gewicht: Aber ein Ultrabook soll ja in erster Linie fit für unterwegs und daher robust gebaut sein.
Je näher ich dem Akoya komme, umso größer wird die Ernüchterung. Schon das Öffnen des Ultrabook ist unbequem. Will ich den Deckel heben, bleibe ich mit dem Finger an einer Kante hängen, die aber nicht zum Deckel, sondern zum Gehäuse gehört. Der Deckel lässt sich schließlich mit einer Hand öffnen, aber der Gehäuseboden hebt sich etwas mit. Vorne und seitlich hat das Akoya S4216 außerdem unangenehm scharfe Kanten.

Tastatur und Touchpad: Schwer bedienbar

Es wird kaum besser, nachdem ich das Ultrabook gestartet habe: Das Touchpad nervt mit einem unglaublich harten Druckpunkt der integrierten Tasten. Ich brauche viel Kraft im Finger, um einen Klick über die Taste auszulösen, bestimmte Gesten wie zum Beispiel das Schließen einer Metro-App werden dadurch zu Kraftübungen. Auf Mehrfingergesten reagiert das Touchpad nicht ganz flüssig, um schnell durch lange App-Listen auf der Metro-Oberfläche zu navigieren, ist das Touchpad-Feld zu schmal.
Die Tastatur ist nicht viel besser: Sie besitzt lapprige Tasten mit einem schwachen Druckpunkt. Außerdem liegt die Leertaste direkt hinter einer Kante zwischen Tastatur und Handballenablage, die am Daumen stört. Auch die mäßigen Eingabegeräte nerven bei einem Ultrabook mehr als bei einem anderen Notebook: Unterwegs können Sie eben keine externe Tastatur und Maus mitnehmen, sondern sind auf die Eingabemöglichkeiten des Notebooks angewiesen.
Immerhin wird das Aldi-Ultrabook auf bei längerem Einsatz weder zu laut noch unangehm warm: Diese Schwächen haben vor allem sehr flache Ultrabooks, denen eine ausreichende Kühlleistung abgeht.

Bildschirm: Entspiegelt, aber nicht sehr hell

Auch dem Bildschirm des Akoya mangelt es an mobiler Fitness: Seine Scharniere halten ihn nicht fest in einem eingestellten Winkel, sondern er federt bedenklich, wenn das Notebook hin- und her wackelt – etwa bei einer Busfahrt auf unruhiger Strecke.
Auch seine Testergebnisse sind wenig berauschend: Helligkeit und Kontrast sind maximal mittelmäßig, und das Ultrabook trotz der entspiegelten Displayoberfläche daher nicht ideal für draußen: Um es auch im Sonnenlicht komfortabel ablesen zu können, müsste die Helligkeit deutlich höher liegen. Außerdem ist der stabile Blickwinkel begrenzt: Vor allem, wenn Sie leicht von unten aufs Display schauen, verfälschen Farben sofort und der Kontrast geht in den Keller.

Das Tempo stimmt - dank Puffer-SSD

Und jetzt kommt endlich das Positive: Das Medion Akoya S4216 ist schnell – trotz des Core i3 ohne Turbo Boost hält es in den meisten Tests locker mit Ultrabooks mit, die einen Core i5 aus der Vorgänger-Generation Sandy Bridge haben. Das liegt aber weniger am Ivy-Bridge-Prozessor, sondern an der SSD, die wie in jedem Ultrabook auch im Akoya sitzt. Die 32-GB-SSD von Samsung dient nur als Pufferspeicher für die Festplatte – Sie können keine Dateien darauf speichern. Aber sie beschleunigt dadurch den Windows-Start, der in 15 Sekunden abläuft sowie den Start von Programmen und alle Tätigkeiten, die den häufigen Einsatz der Festplatte fordern. Damit ist das Medion Akoya S4216 zwar nicht so schnell wie ein Ultrabook, das ausschließlich auf eine SSD setzt. Aber es sticht in fast allen Benchmarks Notebooks ohne SSD aus – teilweise sogar solche mit Core i7. Nur bei Aufgaben, die hohe CPU-Leistung benötigen – etwa Video-Umwandlung oder Multi-Tasking mit aufwendigen Programmen, brächte eine CPU mit Turbo Boost, höherer Taktrate und mehr Kernen einen spürbaren Vorteil.
Der 4 GB große Arbeitsspeicher läuft nur im Single-Channel-Modus: Das kostet das Medion-Ultrabook aber nur in Grafik-Tests ein paar Tempopunkte. Und für effektreiche und aktuelle Spiele ist es ohnehin nicht geeignet, da es keine zusätzliche Grafikkarte besitzt, sondern die Grafikeinheit im Prozessor für 3D zuständig ist.

Das beste am Aldi-Ultrabook: Die Ausstattung

Bei der Ausstattung verdient sich das Aldi-Ultrabook Bestnoten: Es ist nicht nur besser ausgestattet als günstige Ultrabooks, sondern eigentlich als alle anderen flachen und leichten Rechner. Das gilt nicht nur für die riesige Festplatte und den DVD-Brenner. Sondern auch für die Anschlüsse: Am Akoya S4216 sitzen unter anderem drei USB-Ports (zweimal USB 2.0, einmal USB 3.0), ein HDMI- und VGA-Ausgang, ein SD-Kartenleser sowie eine Netzwerkbuchse: Sie lässt sich ausklappen, um ein Kabel einzustecken – mit diesem Trick bleibt das Aldi-Ultrabook unter den Bauhöhevorschriften von Intel.
Einen fetten Pluspunkt heimst das Aldi-Notebook für den mitgelieferten Zweitakku ein. Er hat eine Kapazität von 25 Wattstunden und lässt sich statt des DVD-Brenners ins Ultrabook einsetzen. Zusammen mit dem eingebauten Akku, der sich übrigens anders als bei den meisten Ultrabooks ebenfalls problemlos ausbauen lässt, haben Sie insgesamt 61 Wattstunden verfügbar.
Auch beim Netzwerk gibt es nichts zu meckern mit Gigabit-LAN, 11n-WLAN und Bluetooth 4.0. Doch, einen Grund zur Kritik habe ich gefunden: Das WLAN-Modul arbeitet nur über 2,4 GHz, nicht über die weniger belegte 5-GHz-Frequenz.
Das WLAN sorgte übrigens im Test für einigen Verdruss: Beim ersten Start des Notebooks war es nicht aktiviert – und ließ sich auch nicht über die Tastenkombination Fn + F2 einschalten. Die Hardware war aber korrekt installiert, wie auch der Geräte-Manager meldete. Erst der Aufruf des Programms für Intel Wireless Display brachte die Lösung: Das Tool bemängelte, dass das WLAN nicht eingeschaltet sei und bot an, es zu aktivieren – was es auch tat. Nun funkte das Medion-Notebook. Aber abschalten über die Tastenkombination funktioniert auch weiterhin nicht.

Akkulaufzeit

Im Akkubetrieb hält das Medion-Notebook mit dem Standard-Akku nicht einmal fünf Stunden durch. Der Zusatzakku für den Wechselschacht ist daher extrem sinnvoll: Erst damit bringt es das Akoya S4216 auf rund acht Stunden Laufzeit, die für ein Ultrabook angemessen sind.

Medion Akoya S4216 im Test: Fazit

Ultrabook – aber billig: Das macht für mich keinen Sinn. Und selbst wenn für Sie die unbestreitbaren Vorteile des Medion Akoya S4216 wie ordentliches Rechentempo und umfangreiche Ausstattung kaufentscheidender sind als seine Defizite bei Verarbeitung und Ergonomie, sollten Sie besser zu einem Standard-Notebook mit 15,6-Zoll-Bildschirm greifen.
Denn dort funktioniert die bewährte Aldi-Notebook-Formel „Viel Ausstattung zum günstigen Preis“. Denn sie kann für andere Schwächen entschädigen – ein mittelmäßiges Display, eine wenig hochwertige Verarbeitung oder unbequeme Tastatur und Touchpad: Diese Kriterien sind bei einem Notebook, das meist auf dem Schreibtisch steht, nicht so entscheidend, oder lassen sich durch Zusatzlösungen wie einen externen Monitor oder eine externe Tastatur umgehen.
Ein Ultrabook sollte dagegen auch hier überzeugen – zusätzlich zu einer ordentlichen Rechenleistung und einer üppigen Ausstattung: Die bringt das Medion Akoya S4216 durchaus mit, auf der anderen Seite hat es aber klare Defizite. Diese teilt es zwar mit vielen günstigen Ultrabooks – aber das macht es nicht empfehlenswerter.
Testergebnisse Medion Akoya S4216
Tempo: PC Mark 7 (Punkte) 3506
3D: 3D Mark 11 (P-Wert) 532
3D: 3D Mark Vantage (Performance) 2385
Cinebench R10 (Punkte) 6701
Bildschirm: Helligkeit (maximale, mittlere, in cd/qm) 190 / 167
Bildschirm Kontrast 449:1
Bildschirm Ausleuchtung 76 Prozent
Lautheit (idle / Last; in Sone) 0,5 / 1,2
Erwärmung unter Last (Grad Celsius) 36,4
Gewicht Notebook / Netzteil (in Gramm) 1802 / 390
Akkuklaufzeit (mit Standard-Akku) 4:46 Stunden
Technische Daten Medion Akoya S4216
Preis 599 Euro
Betriebssystem Windows 8 (64 Bit)
Prozessor Intel Core i3-3427U (1,8 GHz)
Arbeitsspeicher 4 GB DDR3-1333 (davon 3,88 GB nutzbar)
Festplatte Seagate Momentus 5400, 931,4 GB, SATA-II
Puffer-SSD Samsung PM 830, 32 GB, SATA-III
DVD-Brenner TSST SU-208BB
Bildschirm 14 Zoll / 1366 x 768 Bildpunkte
Netzwerk Gigabit-LAN, 11n-WLAN (2,4 GHz), Bluetooth 4.0
Anschlüsse Links: VGA, HDMI, USB 3.0, LAN; Rechts: 2x USB 2.0, Audioausgang, Audioeingang, Kensington; Vorne: SD-Kartenleser
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