SSD für schlaue Strom-Sparer

Test: Toshiba-SSD THNSNF mit 19-nm-Flashspeicher

Mittwoch den 19.12.2012 um 15:20 Uhr

von Michael Schmelzle

Toshiba SSD 120GB mit PC Upgrade Kit (HDTS112EZSWA)
Toshiba SSD 120GB mit PC Upgrade Kit (HDTS112EZSWA)
Preisentwicklung zum Produkt
SSD-Festplatte im Test: Toshiba THNSNF512GCSS
Vergrößern SSD-Festplatte im Test: Toshiba THNSNF512GCSS
Mit der SSD-Serie THNSNF treibt Toshiba den Generationwechsel bei Flashspeicher-Festplatten voran: Nachdem IMFT und Samsung an der 20-Nanometer-Grenze gekratzt haben, unterschreitet Toshiba nun erstmals mit 19-nm-NAND die Barriere. PC-WELT hat das Vorserienmodell der THNSNF512GCSS einem ausführlichen Test unterzogen.
Toshiba ist - neben Samsung - der einzige verbliebene Anbieter, der Solid State Drives komplett mit Chips aus eigener Produktion ausstatten kann. Bei der neuen Baureihe Toshiba THNSNF spielen die Japaner ihren technologischen Vorsprung bei der Flashspeicher-Fertigung aus: In der SSD-Serie sind erstmals MLC-Bausteine aus der 19-Nanometer-Fertigung verbaut. Rekordhalter in dieser Disziplin war bisher IM Flash Technologies (20 nm), dicht gefolgt von Samsung (21nm).
Schrumpf-Rekord mit 19 Nanometer: Flashspeicher der
Toshiba THNSNF512GCSS
Vergrößern Schrumpf-Rekord mit 19 Nanometer: Flashspeicher der Toshiba THNSNF512GCSS

Die Toggle-DDR-Bausteine von Toshiba transferieren bis zu 400 MBit/s, da sie sowohl die steigende als auch die fallende Flanke eines Taktsignals für die Datenübertragung nutzen. Wichtigster Vorteil der 19-nm-Technik ist der reduzierte Stromverbrauch der Halbleiterbausteine. Mit schrumpfender Strukturbreite sinkt prinzipiell aber auch die Lebensdauer der Flashzellen, also die Anzahl der möglichen Schreib-Löschzyklen. Hier macht Toshiba keine konkreten Angaben. Auch auf unsere Anfrage gab es nur die ausweichende Antwort, "die zu erwartende Lebensdauer für einen typischen PC Client Anwender liegt bei circa 5 Jahren".

Der Controller der Toshiba THNSNF512GCSS
Vergrößern Der Controller der Toshiba THNSNF512GCSS

Ebenfalls neu ist der 8-Kanal-Controller Toshiba TC58NC5HA9GST, der auf einem Marvell-Chip basiert. Der SATA-3-Controller nutzt keinen externen Cache-Baustein für die Datenpufferung. Der Festplatten-Controller verfügt aber über einen internen Cache. Die Größe des Datenpuffers wollte uns Toshiba auf Anfrage aber nicht verraten.

Die 19-nm-Chips verbaut Toshiba gleich in drei Modellserien. Die 2,5-Zoll-Baureihen THNSNFxxxG B SS und THNSNFxxxG C SS unterscheiden sich lediglich in der Bauhöhe von 9,5 respektive 7 Millimetern, während die THNSNFxxxG MC S im mSATA-Format mit den Abmessungen von 30 x 51 x 4 Millimetern erhältlich ist.

Toshiba bietet ein Dutzend THNSNF-Modelle mit 19-nm-Flash
an
Vergrößern Toshiba bietet ein Dutzend THNSNF-Modelle mit 19-nm-Flash an

Das Serientrio ist durchgängig mit Bruttokapazitäten von 64, 128, 256 und 512 Gigabyte zu haben. Die Preisspanne variiert zwischen 90 und 460 Euro. Allerdings offeriert mit dem britischen Anbieter Span derzeit nur ein einziger europäischer Online-Versandhändler THNSNF-Modelle. Laut Toshiba sollen die 19-nm-SSDs aber Anfang 2013 auch im deutschsprachigen Raum erhältlich sein. Zu diesem Zeitpunkt will Toshiba auch mehr zu Ausstattung und Lieferumfang der drei Baureihen verraten.

Geschwindigkeit: Rekord-Datenraten im Praxistest

Ergebnis im PC Mark Vantage
Vergrößern Ergebnis im PC Mark Vantage

Die Toshiba-SSD startet mit einem Paukenschlag in die Tempotests. Bei den Praxisraten stellt die 512-GB-Festplatte gleich einen neuen Bestwert auf. Einen DVD-Film (4,2 GB) liest und schreibt die Solid State Drive in jeweils 12 Sekunden und stellt damit den Rekord der OCZ Vector ein. Der Kopiervorgang dauert beim Toshiba-Modell allerdings nur 18 Sekunden - das ist neue Bestzeit im Test. Das gleiche Bild ergibt sich beim Praxistest mit den 1000 MP3-Dateien.
Einen ersten Dämpfer erhält die Toshiba THNSNF512GCSS im Festplatten-Test des PC Mark Vantage. Hier kommt die SSD nur auf rund 54.000 Punkte. Klassenprimus ist hier die Samsung 840 Pro  mit über 80.000 Punkten (plus 48 Prozent).

Die sequenziellen Datenraten der Toshiba-SSD sind sehr gut, aber nicht überragend: Mit durchschnittlich 480 MB/s beim Lesen sowie 440 MB/s beim Schreiben setzt sich die Solid State Drive problemlos im Spitzenfeld fest. Positiv fällt die Konstanz der Festplatte auf, die minimale und maximale Transferrate variiert lediglich um circa 20 MB/s. Noch gut fallen die Zugriffszeiten aus, die im Mittel 0,08 und maximal 0,09 Millisekunden erreichen. Die besten SSDs sind mit durchschnittlich 0,03 Millisekunden allerdings spürbar spritziger.

Sequenzielle Lese- und Schreibrate (unteres Diagramm) der
Toshiba THNSNF512GCSS
Vergrößern Sequenzielle Lese- und Schreibrate (unteres Diagramm) der Toshiba THNSNF512GCSS

Eine gute Figur macht die Toshiba bei den IOPS-Messungen mit dem synthetischen Benchmark Iometer: Mit deutlich über 54.000 Befehlen pro Sekunde beim zufälligen Lesen von 4-KB-Blöcken kommt die Toshiba THNSNF512GCSS allerdings nicht an das Rekordergebnis der Samsung 840 Pro heran, das bei fast 69.000 IOPS liegt. Dafür zeigt die Toshiba-SSD die vergleichbare Schreibschwäche der Samsung-Konkurrentin. Mit schlappen 4400 Befehlen/s ist die Toshiba-Festplatte meilenweit vom Rekord der PNY Professional entfernt, die in unserem Test über 63.000 IOPS erreicht.

GESCHWINDIGKEIT Toshiba THNSNF512GCSS (Note: 2,49)
DVD-Film (4,2 GB) auf SSD schreiben / lesen / duplizieren 0:12 / 0:12 / 0:18 Minuten
1000 MP3-Dateien (5 GB) auf SSD schreiben / lesen / duplizieren 0:18 / 0:18 / 0:25 Minuten
Praxis-Simulation (PC Mark Vantage - Gesamtergebnis) 54 030 Punkte
sequenzielle Leserate (TecBench): minimal / durchschnittlich / maximal 469 / 481 / 482 MB/s
sequenzielle Schreibrate (TecBench): minimal / durchschnittlich / maximal 422 / 438 / 445 MB/s
Dateien auf der SSD finden (TecBench): mittlere / maximale Zugriffszeit 0,08 / 0,09 Millisekunden
wahlfreies Lesen, Blockgröße 4K, 32 parallele Anfragen (Iometer) 53 626 Befehle/s / 210 MB/s / 0,60 Millisekunden
wahlfreies Schreiben, Blockgröße 4K, 32 parallele Anfragen (Iometer) 3632 Befehle/s / 14 MB/s / 8,81 Millisekunden
wahlfreies Lesen, Blockgröße 4K, 32 parallele Anfragen, aligned (Iometer) 57 402 Befehle/s / 224 MB/s / 0,56 Millisekunden
wahlfreies Schreiben, Blockgröße 4K, 32 parallele Anfragen, aligned (Iometer) 4402 Befehle/s / 17 MB/s / 7,27 Millisekunden

Umwelt & Gesundheit: SSD mit dem bisher geringsten Betriebs-Stromverbrauch

Technische Infos
Vergrößern Technische Infos

Unterm Strich ist die Toshiba-SSD die sparsamste Solid State Drive im Test. Mit einer Leistungsaufnahme von rund 0,6 Watt im Leerlauf verbraucht die Toshiba-SSD zwar fast doppelt soviel Strom wie die energieeffizientesten Modelle im Test. Toshiba will das Energie-Managment des Festplatten-Controllers aber noch für diesen Betriebsmodus optimieren - wir werden das natürlich zum deutschen Marktstart überprüfen.
Dafür jetzt schon wegweisend ist der Stromverbrauch unter Last, der lediglich 2 Watt beträgt. In der Kapazitätsklasse ab 240 GB sind doppelt so hohe Werte üblich. Die bisher sparsamste SSD der Klasse, die OCZ Agility 3 240GB konsumierte in der Spitze rund 3 Watt.

UMWELT UND GESUNDHEIT Toshiba THNSNF512GCSS (Note: 2,45)
Stromverbrauch Leerlauf 0,64 Watt
Stromverbrauch Last 2,24 Watt

Test-Fazit zur 19-nm-SSD Toshiba THNSNF: Gute Ansätze, aber Fein-Tuning nötig

Ein abschließendes Urteil über die erste Solid State Drive mit 19-nm-Flashspeicher verbietet sich angesichts des Vorseriencharakters der Toshiba THNSNF512GCSS - zumal der Hersteller noch keine Angaben zu Ausstattung und Lieferumfang machen kann.
Schon beeindruckend hoch sind die Datenraten in den Praxistests und auch bei den sequenziellen Transferraten präsentiert sich die Toshiba-SSD mit wettbewerbsfähigem Tempo.

Wegweisend ist hingegen die vorbildlich niedrige Leistungsaufnahme des Toshiba-Modells beim Zugriff - dank des fortschrittlichen MLC-NAND. Als Stromspar-Königin unter den SSDs möchten wir die THNSNF512GCSS aber noch nicht bezeichnen - hier muss Toshiba erst noch beim Leerlauf-Verbrauch nachbessern, der gerade im mobilen Einsatz mindestens genauso wichtig wie der Lastverbrauch ist.
Luft nach oben ist auch bei den Zugriffszeiten, dem vergleichsweise schlechte Abschneiden im PC Mark Vantage und dem mageren Befehlsdurchsatz beim zufälligen Schreiben unter Dauerlast. All diese Schwächen sind verantwortlich für die momentan noch sehr wackelige 2 in der Temponote.

Ein großes Fragezeichen steht bei der Lebensdauer des Flashspeichers. Konkrete Angaben, etwa zu den Schreib-Löschzyklen und Host-Schreibvorgängen würden sicherlich das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der 19-nm-Generation stärken.      

TESTERGEBNIS (NOTEN) Toshiba THNSNF512GCSS
Testnote ohne Endnote
Preis-Leistung keine Einschätzung möglich
Geschwindigkeit (70 %) 2,49
Ausstattung (15 %) keine Benotung möglich
Umwelt und Gesundheit (10 %) 2,45
Service (5 %) 2,79


 

ALLGEMEINE DATEN Toshiba THNSNF512GCSS
Testkategorie Festplatte (SSD)
SSD-Festplatten-Hersteller Toshiba
Internetadresse von Toshiba www.toshiba.de
Preis (unverbindliche Preisempfehlung) 459 Euro
Toshibas technische Hotline 00800/84685463
Garantie des Herstellers 36 Monate
DIE TECHNISCHEN DATEN Toshiba THNSNF512GCSS
Nennkapazität 512 GB
verfügbar 476,90 GB
Preis pro Gigabyte 0,96 Euro
Bauart 2,5 Zoll
Anschluss SATA 6 GBit/s
Gewicht 52 Gramm
Speicherchips Technik 19nm MLC (Toggle DDR)
Speicherchips Organisation 8 x 64 GB
Speicherchips Typ Toshiba TH58TEG9D2JBAS8
Firmware-Version FSR1
Controller Marvell C58NC5HA9GST
Zwischenspeicher: Typ nicht vorhanden
Zwischenspeicher: Größe 0 MB
TRIM-Funktion ja
Garbage Collection ja
Firmware-Update möglich ja
Zubehör für Einbau / Extras noch nicht bekannt
Programme noch nicht bekannt
Handbuch: umfangreich nein
Handbuch: deutsch nein
Handbuch: gedruckt ja
Handbuch: als PDF ja

Mittwoch den 19.12.2012 um 15:20 Uhr

von Michael Schmelzle

Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (4)
  • chipchap 23:05 | 19.12.2012

    Zitat: magiceye04
    ... dass man einen Unterschied zwischen 0,03 und 0,3 spüren würde. Erst ab 3ms kommt man langsam in Festplattengefilde.
    Und auch das schaffen nur die (lautesten) besten.

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  • magiceye04 22:40 | 19.12.2012

    Hm, warum wird die Brutto-Kapa angegeben, wenn es auch eine Netto-Kapazität gibt? Mich interessiert doch als Enduser nur die Netto. Oder ist damit nur der Unterschied zwischen Giga und Gibi gemeint?

    Wie genau fühlt sich das an, wenn eine SSD mit 0,03ms "spürbar spritziger" als eine mit 0,09ms ist? Ich bezweifle sogar, dass man einen Unterschied zwischen 0,03 und 0,3 spüren würde. Erst ab 3ms kommt man langsam in Festplattengefilde.

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  • deoroller 16:51 | 19.12.2012

    Toshiba ist nicht OCZ.

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  • A_A 16:46 | 19.12.2012

    Test: Toshiba-SSD THNSNF mit 19-nm-Flashspeicher

    Da müssen erstmal Langzeittest her, bevor ich eine SSD der neuen "Schrumpf"-Generation überhaupt anfasse.
    Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an das Debakel der 25nm-SSDs mit dem verunreinigten Lötkleber, wo sich Chips tausendfach einfach von der Platine gelöst haben.:motz:

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