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Sapphire Radeon RX 460 Nitro im Test

08.08.2016 | 15:00 Uhr |

Mindestens 120 Euro werden für eine Radeon RX 460 fällig, für etwas mehr Aufpreis gibt es noch doppelten Grafikspeicher und eine bessere Kühlung. Grundsätzlich soll die kompakte Grafikkarte genug Leistung für die typischen E-Sport-Spiele bieten, bei aufwendigeren Titeln geht ihr aber recht schnell die Puste aus. Bei den technischen Standards ist sie allerdings wie eine RX 480 ausgestattet. Wie sich die Karte in der Praxis schlägt, lesen Sie im Test.

Für unseren Test der AMD Radeon RX 460 hat uns der Hersteller stellvertretend mit einem übertakteten Modell von Boardpartner Sapphire ausgestattet, der Sapphire Radeon RX 460 Nitro. Diese Version arbeitet mit einem GPU-Takt von 1250 anstelle von 1200 MHz und arbeitet mit einer komplett überarbeiteten Kühlung mit zwei Lüftern. Daher auch der etwas teurere Verkaufspreis von 159 Euro.

Technische Daten der Radeon RX 460: Sparmaßnahmen

Die technischen Daten der AMD Radeon RX 460.
Vergrößern Die technischen Daten der AMD Radeon RX 460.
© AMD

Um die Grafikkarte so günstig anbieten zu können, hat AMD kräftig den Rotstift angesetzt: Im Vergleich mit der RX 470 und 480 musste der Grafikprozessor ordentlich Federn lassen. Allerdings kommt hier auch eine überarbeitete Architektur zum Einsatz, und zwar Polaris 11 anstatt Polaris 10 - natürlich bildet aber auch hier das GCN-Design die Grundlage. Bereits die Chip-Fläche der sogenannten Baffin-XT-GPU fällt dramatisch klein aus und nimmt sogar weniger Fläche ein als ein herkömmlicher GDDR5-Speicherchip.

Unser Testmodell von Sapphire nutzt unter anderem zwei Lüfter für die Kühlung. Diese arbeiten sogar semi-passiv und somit komplett lautlos bei geringer Auslastung.
Vergrößern Unser Testmodell von Sapphire nutzt unter anderem zwei Lüfter für die Kühlung. Diese arbeiten sogar semi-passiv und somit komplett lautlos bei geringer Auslastung.

Ermöglicht wird dies vor allem durch die 14-Nanometer-FinFET-Fertigung des Prozessors. Doch die eingesetzten FinFET-Transistoren sorgen außerdem noch für eines: Einen drastisch reduzierten Stromverbrauch im Vergleich mit dem vorherigen 28-Nanometer-Prozess. Um die Unterschiede der technischen Daten zu verdeutlichen, haben wir die entsprechenden Modelle sowie den Vorgänger und den ärgsten Konkurrenten in der folgenden Tabelle gegenübergestellt.

Grafikkarten-Mittelklasse: Technische Daten im Vergleich

AMD Radeon RX 460

AMD Radeon RX 470

AMD Radeon RX 480

AMD Radeon R7 360

Nvidia Geforce GTX 1060

Grafikchip

Baffin XT

Ellesmere Pro

Ellesmere XT

Tobago Pro

GP106

Fertigung

14 Nanometer FinFET

28 Nanometer

16 Nanometer FinFET

Chipfläche

xxx mm²

232 mm²

160 mm²

200 mm²

GPU-Standard-Takt / Boost-Takt

bis zu 1200 MHz

bis zu 1206 MHz

bis zu 1266 MHz

bis zu 1050 MHz

1506 / 1709 MHz

Shader-Einheiten

896

2048

2304

768

1280

TMUs

56

128

144

48

80

ROPs

16

32

32

16

48

Grafikspeicher

4096 MB GDDR5

4096 MB GDDR5

8192 MB GDDR5

2048 MB GDDR5

6144 MB GDDR5

Speichertakt (effektiv)

7000 MHz

7000 MHz

8000 MHz

6000 MHz

8000 MHz

Speicheranbindung

128 Bit

256 Bit

256 Bit

128 Bit

192 Bit

Speicherbandbreite

112 GB/s

224 GB/s

256 GB/s

96 GB/s

192 GB/s

TDP

75 Watt

120 Watt

120 Watt

100 Watt

120 Watt

Preis

119 Euro (unverbindliche Preisempfehlung)

225 Euro (unverbindliche Preisempfehlung)

250 Euro (Straßenpreis)

95 Euro (Straßenpreis)

279 Euro (Straßenpreis)

In dieser niedrigen Preisklasse ist es keine Überraschung, dass der Grafikprozessor "Baffin XT" der RX 460 mit deutlich weniger Shader-, Textur- und Rasteroperationseinheiten auskommen muss. Schnell fällt aber auf, dass der 4 GB große GDDR5-Speicher mit gleicher Geschwindigkeit wie bei der RX 470 läuft, aufgrund der schmaleren Speicheranbindung aber nur auf eine Bandbreite von 112 GB/s kommt.

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Übrigens wird es auch RX-460-Modelle mit nur 2 GB Speicher geben, die dann natürlich günstiger zu haben sind.
Den größten Unterschied gibt es aber bei der Angabe der maximalen Verlustleistung (TDP), die AMD mit lediglich 75 Watt angibt! Mehr Details zur Architektur und zu den neuen Techniken der Radeon-RX-Serie erhalten Sie im Test der AMD Radeon RX 480.

GTX 1060 vs. RX 480 vs. GTX 980 - Das Duell

Weniger Monitor-Anschlüsse, aber gleiche Engines

Auch bei den Videoschnittstellen hat AMD Einsparungen vorgenommen. Somit stehen dem Nutzer nur noch jeweils einmal HDMI 2.0, Displayport 1.3 (1.4 ready) und DVI zur Verfügung. Die RX 470 verzichtet auf DVI und besitzt insgesamt drei Displayports. Bei der Video-Engine nimmt der Hersteller aber keine Änderungen vor, denn nach wie vor kommt der aktuelle HEVC- respektive H.265.Standard zum Einsatz.

Die Videoschnittstellen der Radeon RX 460: Displayport, HDMI und DVI (von links nach rechts).
Vergrößern Die Videoschnittstellen der Radeon RX 460: Displayport, HDMI und DVI (von links nach rechts).

Dieser ermöglicht unter anderem extrem hohe Bildraten beim Streaming und natürlich auch 4K in 60 Hertz sowie HDR, also High Dynamic Range: Mit dieser Technik erfolgt eine lebendigere, schärfere sowie kontrastreichere Darstellung von Inhalten dank eines erhöhten Dynamikumfangs.

Auch die kleine Radeon RX 460 besitzt die gleiche Video-Engine wie die beiden großen Brüder RX 480 und 470. (Auf der Abbildung ist das Slotblech einer RX 480 zu sehen!)
Vergrößern Auch die kleine Radeon RX 460 besitzt die gleiche Video-Engine wie die beiden großen Brüder RX 480 und 470. (Auf der Abbildung ist das Slotblech einer RX 480 zu sehen!)
© AMD

Kompatibilität ist natürlich auch zur offenen Bild-GPU-Synchonisation AMD FreeSync gegeben. Energie einsparen in weniger aufwendigen Spielen lässt sich mit der Funktion "Frame Rate Target Control", die die Bildrate begrenzt und somit einen kühleren, sparsameren und leiseren Betrieb ermöglicht.

Alle Radeon-RX-Grafikkarten sind bereit für modernes Streaming in hohen Bildraten und extremen Auflösungen ohne Qualitätseinbußen.
Vergrößern Alle Radeon-RX-Grafikkarten sind bereit für modernes Streaming in hohen Bildraten und extremen Auflösungen ohne Qualitätseinbußen.
© AMD

Nach wie vor ist auch die volle Unterstützung von DirectX 12 und Vulkan gegeben: Diese beiden Low-Level-APIs (Programmierschnittstellen) geben Entwicklern tieferen sowie umfassenderen Zugriff auf die Hardware und erlauben auf diese Weise eine effektivere sowie effizientere Ausnutzung der Komponenten. Mehr Details gibt es in unserem Ratgeber "Das macht DirectX 12 besser als der Vorgänger".

Die volle Unterstützung der Low-Level-APIs DirectX 12 und Vulkan ist gegeben.
Vergrößern Die volle Unterstützung der Low-Level-APIs DirectX 12 und Vulkan ist gegeben.
© AMD

Sapphire Radeon RX 460 Nitro: 3D-Leistung auf dem Prüfstand

Wir prüfen die Leistungsfähgikeit der Sapphire Radeon RX 460 Nitro mit insgesamt vier topaktuellen Spielen in zwei verschiedenen Auflösungen (1080p und 1440p) sowie in einem synthetischen Benchmark (3DMark Fire Strike). Auf Tests in Ultra-HD (2160p) verzichten wir, da die Grafikkarte aufgrund des Preises und der technischen Ausstattung kaum erwähnenswerte Ergebnisse erreichen würde. Wir haben bei den beiden ersten Auflösungen die Kantenglättung gemäß den Angaben in den Tabellen aktiviert.

Sapphire Radeon RX 470 OC im Test

Des Weiteren haben wir uns auch die Temperaturen, Lautstärke und den Stromverbrauch genauer angesehen. Wenn Sie wissen möchten, welche Hardware wir bei unseren Grafikkarten-Tests verwenden, dann lesen Sie unseren Artikel  "Wie PC-WELT Grafikkarten testet".

Durchschnittliche Bildraten und Benchmark-Ergebnisse im Vergleich

Grafikkarte

GTA 5 (FXAA)

Witcher 3 (FXAA)

3DMark

Auflösung

1080p

1440p

1080p

1440p

Fire Strike

Sapphire Radeon RX 460 Nitro

38

28

24

17

5 381 Punkte

Gigabyte Radeon R7 360 OC

29

19

23

16

4 335 Punkte

Sapphire Radeon RX 470

62

47

40

32

9 218 Punkte

Durchschnittliche Bildraten im Vergleich

Grafikkarte

The Division (SMAA hoch)

Rise of the Tomb Raider (SMAA hoch)

Auflösung

1080p

1440p

1080p

1440p

Sapphire Radeon RX 460 Nitro

28

19

31

22

Gigabyte Radeon R7 360 OC

21

11

20

10

Radeon RX 470

47

34

54

38

Der Performance-Unterschied sowohl zur Vorgänger-Version in Form der Gigabyte Radeon R7 360 OC, als auch zum großen Bruder Sapphire Radeon RX 470 OC fällt sehr deutlich aus: An Gaming in Auflösungen jenseits von 1920 x 1080 Pixeln ist nicht zu denken, außer Sie beschränken sich auf weniger aufwendige Titel. Wenn wir den Durchschnitt aus allen ermittelten Bildraten bilden, dann liefert die RX 460 rund 37 Prozent mehr Leistung als eine Radeon R7 360! Satte 69 Prozent besser arbeitet dafür die RX 470.

UMWELT UND GESUNDHEIT

Grafikkarte

Sapphire Radeon RX 460 Nitro

Gigabyte Radeon R7 360 OC

Sapphire Radeon RX 470 OC

Stromverbrauch des Test-PCs: Leerlauf

119 Watt

120 Watt

121 Watt

Stromverbrauch des Test-PCs: Last

175 bis 222 Watt

205 bis 249 Watt

225 bis 273 Watt

Betriebsgeräusch: Leerlauf

0,3 Sone

0,4 Sone

1,0 Sone

Betriebsgeräusch: Last

0,8 Sone

2,1 Sone

2,7 Sone

Temperatur: Leerlauf

38 Grad Celsius

41 Grad Celsius

41 Grad Celsius

Temperatur: Last

74 Grad Celsius

82 Grad Celsius

82 Grad Celsius

Auch die Leistungsaufnahme unseres Test-PCs erweist sich mit maximal 222 Watt als sehr niedrig und im Rahmen der von AMD angegebenen TDP. Die Nitro- respektive Dual-X-Kühlung arbeitet semi-passiv, also bei geringer Last stehen die beiden Lüfter komplett still. Doch abgesehen davon ist auch die Kühlleistung und maximale Lautstärke nicht von schlechten Eltern: Wir messen maximal 74 Grad Celsius sowie 0,8 Sone. Hinweis: Die Messung erfolgt mit einem Abstand von 50 Zentimetern zur Grafikkarte, die auf sich auf einer offenen Testplattform befindet.

Für den Betrieb der Sapphire Radeon RX 460 Nitro ist ein 6-Pin-Stromanschluss notwendig.
Vergrößern Für den Betrieb der Sapphire Radeon RX 460 Nitro ist ein 6-Pin-Stromanschluss notwendig.

TEST-FAZIT: Sapphire Radeon RX 460 Nitro

Die Sapphire Radeon RX 460 Nitro legt eine beeindruckende Energieeffizienz an den Tag und bietet einen sehr deutlichen Leistungssprung im Vergleich zur Vorgänger-Generation. Doch die Grafikkarte ist alles andere als ein High-End-Modell - und das will sie auch gar nicht sein. AMD kommunizierte von Anfang an klar und deutlich, dass es sich um eine kostengünstige Grafikkarte für weniger anspruchsvolle Spiele handeln wird, die insbesondere im E-Sport-Bereich ihre Verwendung finden dürfte.

Einige aktuelle Spiele kann die Karte sogar in flüssigen Bildraten bei aktivierter Kantenglättung stemmen. Wenn Sie einige wenige Details eine Stufe niedriger stellen, dann profitieren Sie bereits von einem ansehnlichen Spielerlebnis. Und all das zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von lediglich 119 Euro - und damit ist das Preis-Leistungsverhältnis aktuell unschlagbar!

Unser Testgerät aus dem Hause Sapphire verfügt über eine unverbindliche Preisempfehlung von 159 Euro, glänzt dafür aber auch mit einer semi-passiven Kühlung, die ihren Job gut und leise erledigt. Der Aufpreis zu den besser gekühlten sowie übertakteten Partnermodellen lohnt sich also definitiv. Wer allerdings uneingeschränken Spielspaß mit bester Bildqualität bei höheren Auflösungen sucht, sollte mindestens 250 Euro investieren und gleich zu einer Grafikkarte mit AMD Radeon RX 480 oder Nvidia Geforce GTX 1060 greifen.

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