Spitzenmodell

HTC Desire HD im Test

Donnerstag den 23.12.2010 um 14:00 Uhr

von Yvonne Göpfert

HTC Desire HD
Vergrößern HTC Desire HD
© 2014
HTC überrascht mit Innovationen bei Hard- und Software. Riesen-Display, Hot-Spot-Funktion und die Verwaltung über HTCSense.com sind nur ein paar Neuheiten auf dem HTC Desire HD. Wie sich das Top-Handy im Test schlägt, lesen Sie hier.
Das HTC Desire war ein Verkaufsschlager und binnen kurzer Zeit ausverkauft. Viele Kunden klagten über Lieferschwierigkeiten. Nun möchte HTC den Erfolg mit dem Nachfolger HTC Desire HD wiederholen. Die Chancen dafür stehen gut.

Am Design hat der taiwanische Hersteller einiges verbessert: Die Vorderseite ist schick und wie aus einem Guss gefertigt. Die Rückseite sieht dagegen etwas zusammengeschraubt aus. Schuld daran sind die zwei abnehmbaren Kunststoffteile für Akku und SIM-Karte sowie das extra eingefasste Dual-LED-Licht. Hochwertig wirkt das Gerät dennoch durch das Aluminium, das an Rückseite und Randumfassung verbaut wurde. Die Lautstärke-Wippe an der Seite lässt sich gut bedienen, nur ein Kameraknopf fehlt.

Kein Handy für die Hosentasche

Bei der Größe des neuen Topmodells scheiden sich jedoch die Geister: Für die Hosentasche ist das Smartphone eigentlich schon zu groß. Kleine Hände tun sich beim Halten etwas schwer. Wer den Kauf dieses sehr flachen, aber dennoch wuchtigen Smartphones überlegt, sollte es vorher auf jeden Fall einmal in die Hand nehmen.

Zurück zur Vorderseite: Das HTC Desire HD besteht auf den ersten Blick fast nur aus einem riesigen Bildschirm. Darunter verstecken sich fast unauffällig die vier üblichen Android-Tasten Start, Menü, Zurück und Suche. Während sie beim Vorgängermodell HTC Desire noch aus mechanischen Tasten bestanden, hat HTC sie beim Nachfolgemodell durch Sensortasten ersetzt. Damit muss der Nutzer weniger Kraft bei der Bedienung aufwenden - sehr schön.

4,3 Zoll-Bildschirm ohne AMOLED-Technik

Das HTC Desire HD ist mit seinem 4,3-Zoll-Display ein gutes Stück breiter und höher als der Vorgänger, der nur einen 3,7-Zoll-Bildschirm mitbrachte. Das HTC Desire HD setzt diesmal auf ein Super-LCD-Display von Sony, beim HTC Desire wurden noch AMOLED-Displays von Samsung verbaut. Die Farben wirken daher entsprechend weniger grell, das Schwarz ist mit mehr Grau durchsetzt. Insgesamt ist der Bildschirm trotzdem eine wahre Freude: viel Platz für Webinhalte, Texte werden gestochen scharf angezeigt, und beim Videoschauen sind noch Details zu erkennen. Nur direktes Sonnenlicht macht dem HTC Desire HD nach wie vor Probleme in Form von Spiegelungen.

Die weitere Ausstattungsliste lässt fast nichts vermissen: Lage-, Näherungs- und Helligkeitssensoren, GPS, HSDPA, WLAN-n und Gigahertz-Prozessor. Nur Bluetooth 3.0 fehlt, und die brandneue LTE-Technik (der Nachfolger von UMTS) ist noch nicht implementiert. Schade, denn gerade ein Smartphone mit einem derartig großen Bildschirm würde sich für TV-Streaming und Videokonferenzen bestens eignen. Doch für solche Anwendungen braucht man hohe Bandbreiten, die HSDPA nicht liefert.

Android 2.2 und neue Funktionen

Das HTC Desire HD wird mit Android 2.2 ausgeliefert. Wer das Handy neu einrichtet, kann sich via Bluetooth Kontaktdaten von seinem alten Handy übertragen lassen. Dabei akzeptiert das HTC Desire HD theoretisch alle gängigen Hersteller. In der Praxis kann es zu Problemen kommen, wenn die einzelnen Felder im Adressbuch unterschiedlich benannt sind. Die Übertragung von Namen und Telefonnummern funktionierte im Test gut, die E-Mail-Adressen hat das HTC Desire HD dagegen nicht übernommen.

Ebenfalls neu: Das Smartphone lässt sich als Hotspot für bis zu fünf Geräte einsetzen. Verbindet der Besitzer das Gerät über USB mit seinem PC, kann er via HSDPA im Internet surfen (Tethering). Außerdem gibt es eine Autofahrer-Oberfläche mit wenigen Menüpunkten, die während der Fahrt gut zu bedienen ist. HTC will in Zukunft auch eine Navigationslösung anbieten. Zum Testzeitpunkt stand sie jedoch noch nicht zur Verfügung. Dafür ist die Google Maps Navigation schon aufgespielt. Während die Routenplanung im Fußgängermodus noch mangelhaft ist, funktioniert die Lösung mit gesprochenen Anweisungen der Sorte "In 100 Metern rechts abbiegen!" trotz Beta-Stadium von Google Maps bereits sehr gut.

HTCsense.com

Seit November 2010 verfügt das Handy über sein Backup-Pendant im Internet: www.HTCsense.com . Kontakte und SMS werden auf Wunsch mit dem Online-Dienst von HTC synchronisiert. Wer sein Handy verloren hat, kann es auf einer Landkarte orten und notfalls sperren oder per Fernlöschbefehl alle Daten vernichten lassen. Ebenfalls praktisch: Hat der Nutzer sein Handy zu Hause vergessen, kann er via HTCSense.com eine Rufumleitung einrichten - beispielsweise auf die Büronummer. Damit ist garantiert, dass er tagsüber dennoch erreichbar bleibt.

Im Test hat HTCsense.com noch nicht zuverlässig funktioniert. So dauerte es teilweise rund zwei Minuten, bis wir uns für den Dienst eingeloggt hatten. Einige Funktionen wie Kontakte- oder Nachrichten-Backup standen gar nicht zur Verfügung. Das Handy zum Suchen anklingeln hat nur manchmal funktioniert. Insgesamt hat HTCsense.com ein paar sehr schöne Ideen auf Lager, die aber noch etwas Programmierarbeit verlangen.

Volle Multimedia-Power

Im HTC Desire HD wurde eine 8-Megapixel-Kamera mit Dual-LED-Blitz und Gesichtserkennung verbaut. Außerdem hat HTC ein paar Spaßfunktionen wie Retro-Aufnahme, Schwarz-Weiß-Bild oder diverse Verzerrungen implementiert. Diese Effekte kann man im Nachhinein jedoch auch mit einem Bildbearbeitungsprogramm erzielen.

Touch-Autofokus

Die Fokussierzeit lag bei erfreulichen ein bis zwei Sekunden. Damit zählt das Smartphone zu den schnelleren Vertretern unter den Handy-Cams. Gut gefallen hat uns im Test der Touch-Fokus. Egal, welche Stelle auf dem Bildschirm berührt wird - der Autofokus stellt darauf scharf. Leider muss man zusätzlich noch auf den Auslöser tippen, um das Bild in den Kasten zu bekommen. Schöner wäre es, wenn die Fokussierberührung gleichzeitig auch den Auslöser betätigen würde. Dadurch könnte man Verwackeln vermeiden. Einen Verwacklungsschutz, den manche Handy-Kameras anbieten, hat HTC nicht im Programm. Auch Makro, Motivprogramme oder Panoramamodus fehlen - schade. Die Bildqualität der Foto-Kamera lässt noch ein paar Wünsche hinsichtlich Detailzeichnung offen. Zudem wirken die Farben bei Blitzlicht einen Tick zu grell und künstlich. In punkto Bildrauschen schneidet die Handy-Kamera aber gut ab.

Videos kann das HTC Desire HD mit 720p aufnehmen. Zudem lässt sich der Blitz als Dauerlicht zuschalten, so dass Filmaufnahmen auch im Dunkeln gelingen. Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber dem ersten HTC Desire. An der Lautstärke hapert es allerdings gewaltig: Die Aufzeichnungen sind schlicht zu leise. Alle Aufnahmen lassen sich übrigens per DLNA auf einem kompatiblen PC oder Fernseher anzeigen.

Der MP3-Player bietet von der direkten Anbindung an den Musikshop von Amazon abgesehen keine außergewöhnlichen Funktionen. Für optimalen Sound soll die Klangverbesserung Dolby Mobile sorgen. Ferner kann der Nutzer verschiedene Klangvoreinstellungen für Jazz, Rock, Pop und einige andere Musikrichtungen einstellen. Damit lässt sich die Soundqualität der ohnehin guten Kopfhörer noch optimieren. Die maximale Lautstärke dürfte jedoch noch etwas kräftiger sein.

Internet

Im Netz surfen ist mit dem HTC Desire HD eine wahre Freude. Dafür sorgt die verbesserte Java-Engine, die Webseiten in rund fünf Sekunden auf den Bildschirm zaubert - sensationell schnell. Zudem beherrscht der neue Webkit-Browser in der Version 3.1 nun auch die Darstellung von Flash-Seiten. Die Einbindung von Facebook und Twitter ist gelungen. So hat man alle Adressen aus den sozialen Netzwerken auch auf dem Handy und ist immer über den aktuellen Stand informiert. Das Tippen auf dem HTC Desire HD ist mühelos, der große Touchscreen bietet schließlich selbst im Hochformat genug Raum für breite Tasten.

Fazit

Das HTC Desire HD besitzt derzeit eines der größten Displays im Handymarkt: Stolze 4,3 Zoll sind durchaus ein Kaufargument. Doch damit stößt man trotz eleganter Bauweise an die Grenzen jeder Hosentasche. Wen das nicht stört, der bekommt mit dem HTC Desire HD ein schnelles, gut ausgestattetes Android-2.2-Smartphone mit vielen nützlichen Funktionen. So beherrscht der Android-Riese jetzt Tethering, um via Handy mit dem PC zu surfen. Er übernimmt Kontakte von anderen Handys und es lässt sich sich über den HTCsense.com-Service auch aus der Ferne verwalten. Die 8-Megapixel-Kamera bietet zwar nur wenige Einstelloptionen, macht aber brauchbare Bilder, die man auch gern mal vergrößert oder ausdruckt. Damit adelt sie das HTC Desire HD zum überzeugenden Multimedia-Smartphone.

ALLGEMEINE DATEN
Testkategorie Handys
Handy-Hersteller HTC
HTCs Internetadresse www.htc.com/de/
Preis (unverbindliche Preisempfehlung) 599 Euro
TESTERGEBNIS (NOTEN)
Handy-Basics (30%) 2,05
Handhabung (25%) 1,95
Ausstattung (20%) 1,40
Multimedia (15%) 1,95
Connectivity (10%) 1,00
Testnote gut (1,75)
DIE TECHNISCHEN DATEN
Handy-Basics
Größe 123 x 68 x 11,8 Millimeter
Gewicht 164 Gramm
Formfaktor Riegel
Betriebssystem Android 2.2
Prozessor 1 GHz
Besonderheiten XXL-Display
Akku-Laufzeit
Stand-by-Zeit im GSM-Netz in Stunden 490 Stunden
Gesprächszeit im GSM-Netz in Minuten 320 Minuten
Stand-by-Zeit im UMTS-Netz in Stunden 420 Stunden
Gesprächszeit im UMTS-Netz in Minuten 550 Minuten
Netze
GSM 900 ja
GSM 1800 ja
GSM 1900 ja
GSM 850 ja
EDGE ja
UMTS ja
HSDPA ja
HSUPA ja
Display
Größe 56 x 94 Millimeter
Auflösung 480 x 800 Pixel
Touchscreen ja
Handhabung
Mechanische QWERTZ-Tastatur nein
Ruftonzuordnung pro Kontakt oder Kontaktgruppe ja
Profile nein
Flugzeug-Modus ja
Ausstattung
Schnittstellen
Bluetooth ja
Bluetooth 3.0 nein
USB ja
WLAN 802.11b/g ja
WLAN 802.11n ja
3,5-Millimeter-Klinkenstecker ja
Speicher
RAM 768 MB
intern 1,5 GB
Speichererweiterung ja
Speicherkarte im Lieferumfang ja
GPS
GPS-Chip ja
Navigationssoftware Off-Board-Navi
Multimedia
Fotos
Auflösung 3264 x 1952 Pixel
Autofokus ja
Makro nein
Motivprogramme nein
Bildstabilisator nein
Optischer Zoom nein
Videos
Auflösung 1280 x 720 Pixel
Bildstabilisator nein
Musik
Anzahl Formate 7
Headset im Lieferumfang ja
UKW-Radio ja
Connectivity
Browser ja
Push-E-Mail ja
E-Mail-Anhänge ja
Instant Messaging ja
Facebook vorinstalliert ja
Übernahme Kontakte aus Facebook ins Adressbuch ja
Twitter-Client vorinstalliert ja

Donnerstag den 23.12.2010 um 14:00 Uhr

von Yvonne Göpfert

Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (0)
765446