08.05.2009, 09:30

Thomas Rau

Sparsames Netbook mit 12-Zoll-Display

Dell Inspiron Mini 12 im Test

Nicht nur sein 12 Zoll großes Display unterscheidet das Inspiron Mini 12 von anderen Netbooks. Auch bei Prozessor und Chipsatz geht Dell andere Wege.
Im Dell Inspiron Mini 12 steckt der Intel Atom Z530. Die Z-Modelle der Atom-Prozessoren sind etwas sparsamer als die CPUs Atom N270 und N280, die üblicherweise in Netbooks verbaut werden. Der Z530 nimmt maximal 2,2 Watt auf (Atom N270/280: 2,5 Watt) und kennt einen zusätzlichen C6-Schlafmodus, in dem er nur 0,1 Watt schluckt.
Sparsamer Chipsatz: Intel Poulsbo
Dell setzt aber noch eins drauf: Das Inspiron Mini 12 arbeitet mit dem Chipsatz US15W, den Intel als System Controller Hub (SCH) bezeichnet, und der unter dem Codenamen Poulsbo bekannt ist. Poulsbo bringt als integrierten Grafikkern den GMA 500 mit: Er soll stark genug sein, um High-Definition-Videos abspielen zu können. Der Clou am Doppel Atom Z 530/Poulsbo-Chipsatz: Es ist deutlich sparsamer als die Kombination Atom N270 plus Chipsatz 945GSE, die die meisten Netbooks antreibt.
Akkulaufzeit
Sein Sparversprechen kann das Dell Inspiron Mini 12 im Test einhalten: Beim Surfen mit WLAN hielt es knapp 6,5 Stunden durch. Bei Abspielen eines Divx-Videos waren es fast fünf Stunden. Trotz des größeren und damit weniger sparsamen Displays liegt die Leistungsaufnahme des Inspiron Mini 12 kaum höher als bei einem 10-Zoll-Netbook: Beim WLAN-Surfen schluckt das Netbook 8,8 Watt, bei der Videowiedergabe 11,3 Watt.
In unserem Testgerät steckte übrigens ein 6-Zellen-Akku mit 56 Wh. Im Online-Shop verkauft Dell das Inspiron Mini aber nur mit einem 48Wh-Akku: Damit würde die Akkulaufzeit um rund 60 bis 90 Minuten kürzer ausfallen. Der Akku ragte bei unserem Testgerät rund zwei Zentimeter über das Gehäuse hinaus

Design und Verarbeitung
Das Inspiron Mini 12 wiegt 1460 Gramm - kaum schwerer als ein 10-Netbook mit 6-Zellen-Akku. Außerdem ist Dells Mini-Notebook extrem schlank: An der Gehäusefront misst es bei geschlossenen Deckel gerade mal zwei Zentimeter. Trotzdem ist das Gehäuse sehr stabil - besonders die Kunststoff-Unterseite wirkt robust und hochwertig. Der Netbook-Deckel gefiel uns nicht so sehr: Weniger wegen des blau-weißen Motivs "Sticker 1 Blue", das 49 Euro Aufpreis kostet. Sondern weil der Deckelaufsatz bei fast jeder Berührung deutlich hörbar knarzt. Positiv wiederum: die solide Handballenablage aus glattem Kunststoff, die fleckenunempfindlich ist und sich gut anfühlt. Das Netbook gefällt nicht nur dem Auge, sondern auch dem Ohr: Dell kühlt das Mini-Notebook passiv - im Betrieb hört man daher nur die Festplatte, aber keinen Lüfter.

Rechentempo
Das Dell Inspiron Mini 12 ist noch einen Tick langsamer als andere Netbooks. Das liegt nicht am Prozessor Z530, der fast so schnell (oder besser: langsam) ist wie der Atom N280. In den meisten Tests bremst die lahme 1,8-Zoll-Festplatte von Toshiba das Netbook aus. Außerdem streikte der GMA500 in allen 3D-Benchmarks trotz aktueller Treiber. Aufrüstwilligen macht es Dell nicht leicht: An den Speichersteckplatz und die Festplatte gelangt man erst nach größeren Schraubarbeiten.

High Definition funktioniert nicht
Mit High-Definiton-Videos kam das Inspiron Mini 12 nicht zurecht - obwohl der Chipsatz laut Intel die HD-Codecs MPEG4, H.264 und WMV9 unterstützt. Doch alle Tests mit HD-Material schlugen fehl: Beim Abspielen eines Blu-Ray-Films von einem externen Laufwerk monierte Power DVD 9 einen fehlerhaften Treiber und stellte die Wiedergabe ein. Aber auch die Wiedergabe von 1080p- und 720p-Material (H.264) von der Festplatte ruckelte stark. Ein ähnliches Bild ergab der Test mit WMV9-Videos in 1080p und 720p. Da die CPU-Last allerdings nur bei rund 60 Prozent lag, kommen eher der Grafiktreiber oder wieder die langsame Festplatte als Schuldige in Frage.

Display und Tastatur
Das spiegelnde Display des Inspiron Mini eignet sich aber ohnehin nicht als Multimedia-Bildschirm: Mit durchschnittlich 131 cd/m2 ist es nicht besonders hell. Auch Farben wirken zu dunkel. Ähnlich enttäuschende Ergebnisse fuhr das Netbook beim Kontrast und der Helligkeitsverteilung ein. Der einzige Vorteil gegenüber einem 10-Zoll-Netbook bleibt daher die größere Auflösung von 1280 x 800 Bildpunkten.
Die Tastatur im Inspiron Mini ist nicht größer als die in einem 10-Zoll-Netbook. Die Tasten liegen in einem Raster von 17,5-Millimeter - wie bei den meisten 10-Zoll-Netbooks. Viele Satzzeichen-Tasten fallen schmaler aus. Beim Schreiben gab die Tastatur besonders auf der rechten Seite deutlich nach, so dass sich kein deutlicher Tastenanschlag einstellte. Beim breiten Touchpad enttäuschten uns die lapprigen Tasten ohne klar definierten Druckpunkt.

Ausstattung
Das 12-Zoll-Display bleibt das einzige Ausstattungs-Extra des Inspiron Mini 12: Dells Mini-Notebook bietet die gleichen Schnittstellen wie 10-Zoll-Netbooks - also unter anderem drei USB-Ports, einen VGA-Ausgang, zwei Audiobuchsen sowie einen Speicherkartenleser und eine Web-Cam. Die Festplatte ist nur 80 GB groß und das WLAN-Modul funkt nur nach dem älteren 11g-Standard mit maximal 54 MBit/s. Bluetooth bringt das Inspiron Mini 12 mit, UMTS fehlt aber: Das Netbook besitzt zwar einen freien Mini-Card-Steckplatz für ein passendes Modem, hinter dem Akku befindet sich außerdem ein Schacht für eine SIM-Karte - Dell bietet aber eine entsprechende Option zum Nachrüsten von UMTS derzeit nicht an.
Fazit: Schön und sparsam ist das Dell Inspiron Mini 12. Die Akkulaufzeit leidet nicht unter dem größeren Display und auch das Gewicht bleibt im Rahmen. Für lärmempfindliche Netbook-Nutzer ist der passive gekühlte Dell-Mini erste Wahl. Doch ansonsten bietet er nur Mittelmaß - trotz des üppigen Preises.
Alternativen: Das Samsung NC20 besitzt ebenfalls ein 12-Zoll-Display. Es wiegt mit 1520 Gramm etwas mehr und läuft im Akkubetrieb etwas kürzer. Seine Tastatur ist allerdings größer und tippfreundlicher.
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