69964

Fünf Gratis-Firewalls im Test

11.12.2008 | 15:31 Uhr |

Fünf kostenlose Firewalls mussten in unserem Härtetest zeigen, ob sie einen Rechner wirklich schützen. Hier erfahren Sie, wie sich die Tools geschlagen haben - und was Sie beachten sollten, um Ihren Rechner gegen aktuelle Bedrohungen abzusichern.

Der Virus auf Ihrem Rechner verschickt heimlich Spam mit Werbung für Viagra, führt Angriffe auf Websites protibetischer Organisationen aus und protokolliert nebenbei alle Ihre Online-Passwörter. Eingefangen haben Sie sich den Schädling auf einer eigentlich harmlosen Website, die aber von Hackern gekapert wurde. Ihr Antiviren-Tool hat den Schädling nicht gemeldet, da seine Programmierer ihn ganz neu entwickelt hatten und nur 100 Exemplare davon unter die Leute brachten, bevor sie sein Aussehen total veränderten.

Dieses Szenario muss Sie nicht zwangsläufig betreffen, doch es findet täglich tausendfach statt. Dabei ist es recht einfach, so einen Schädling zu stoppen. Und das, nachdem das Antiviren-Programm versagt hat. Sie benötigen dafür eine Firewall. Wir erklären hier, was man von einem solchen Schutzprogramm generell erwarten kann. Und wir berichten detailliert über die Leistungen von aktuellen Firewalls. Dort mussten fünf kostenlose Tools unter härtesten Bedingungen in einem Test zeigen, was sie können.

Firewall-Trends
Desktop-Firewalls sind Programme, die Sie auf Ihrem PC installieren, um den Rechner gegen Angriffe von außen und auch von innen zu schützen. In den letzten Jahren gab es zwar kaum Attacken aus dem Internet auf die Online-Türen (Ports) von Privat-PCs. Dafür gibt’s einen einfachen Grund: Die Angreifer haben schon lange keinen Fehler mehr in Windows gefunden, der den Rechner ohne Aktion des Anwenders angreifbar macht. Stattdessen finden Kriminelle aber haufenweise Sicherheitslücken in Internet Explorer, Firefox und anderen Anwendungen, über die sie sehr einfach einen PC verseuchen können. Entsprechend verbreiten die Angreifer ihren Schadcode hauptsächlich über Websites. Firewalls schützen nicht gegen die Browser-Lücken - doch sie sind deswegen keineswegs überflüssig geworden. Erstens gibt es etliche andere Anwendungen, die einen PC von außen angreifbar machen. Zweitens benutzt man sinnvollerweise den Sicherheitsgurt im Auto auch dann, wenn man ein paar Jahre lang keinen Unfall hatte.

Firewalls werden immer wichtiger
Die Desktop-Firewall kontrolliert außerdem jedes Programm, das online gehen will. Sie meldet den Prozess dem Anwender. Der muss dann ausdrücklich erlauben, dass das Programm mit dem Internet Kontakt aufnimmt (Anwendungsfilter). Damit ist die Firewall das letzte Bollwerk: Sollte sich ein Schädling oder ein Spionage-Programm am Antiviren-Tool vorbeigeschmuggelt haben, werden Sie darauf aufmerksam, sobald der Code online gehen will. Da es immer öfter Viren und andere Schädlinge gibt, die von Antiviren-Programmen erst mal nicht gemeldet werden, gewinnt die Firewall immens an Bedeutung.

Pro-Versionen lohnen sich kaum
Im Test haben wir fünf kostenlose Firewalls. Jede davon gibt es auch in einer Pro-Version zu kaufen. Dafür bekommt man mehr Funktionen und meist besseren Support. Die zusätzlichen Funktionen sind bei den meisten Firewalls ganz nett, aber unserer Meinung nach nicht ihr Geld wert. Eine Ausnahme ist hier Zone Alarm, das in der Pro-Version automatisch Regeln für die meisten Anwendungen erstellt. So wird die Entscheidung, ob eine Anwendung online gehen darf, nicht dem Anwender überlassen, sondern die Sicherheits-Software übernimmt sie selbst. Generell lohnt sich die Anschaffung einer kostenpflichtigen Firewall nicht. Der Grund: Eine Firewall sollte gut mit den anderen Sicherheits-Tools zusammenarbeiten, etwa dem Antiviren-Programm. Darum ist es sinnvoll - wenn man Geld für Sicherheits-Software ausgeben möchte -, in eine komplette Suite zu investieren und nicht in die Pro-Version einer Firewall. Suiten gibt’s von G-Data, Kaspersky, Symantec und vielen anderen. Eine Übersicht finden Sie in unserer Liste mit Herstellen von Sicherheitspaketen .

Die Fritzbox bietet einen hervorragenden Außenschutz
Vergrößern Die Fritzbox bietet einen hervorragenden Außenschutz
© 2014

Vorteile eines DSL-Routers
Wer bei einem Internet-Provider einen Vertrag für einen DSL-Anschluss abschließt, erhält oft einen DSL-Router kostenlos dazu. Diese Geräte bieten für Ihren PC einen sehr guten Schutz gegen Angriffe aus dem Internet. Denn Ihr Rechner befindet sich vom Internet aus gesehen hinter dem Router - er ist somit für einen Angreifer nicht sichtbar und nicht direkt ansprechbar. Der PC besitzt keine öffentliche IP-Adresse, er ist nicht Teil des Internets. Die für die Kommunikation unabdingbare IP-Adresse hat sich der DSL-Router geben lassen. Datenpakete leitet jeweils der Router an den PC beziehungsweise ins Internet weiter. Und standardmäßig gibt er dabei nur die jeweils vom PC angefragten Daten weiter.

Nachteile eines DSL-Routers
Wer den DSL-Router als alleinige Firewall nutzen will, hat ein Problem. Denn er muss im Router nicht nur den eingehenden Datenverkehr filtern lassen, sondern auch den ausgehenden. Für Browser und Mailprogramm sind die nötigen Einstellungen (offene Ports) zwar meist schon werkseitig beim Routerhersteller vorgenommen, doch für jede weitere Anwendung müssten Sie manuell Ports im Router öffnen. Das ist äußerst unkomfortabel. Darum erlauben etliche Router den kompletten ausgehenden Datenverkehr - ohne Filterung. Das ist auch bei der beliebten Fritzbox der Fall. Es empfiehlt sich somit die Kombination aus DSL-Router und Desktop-Firewall. Der Router blockt Angriffe aus dem Internet, die Firewall meldet Programme, die vom PC aus Daten ins Internet senden wollen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
69964