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Sintermask FabbsterG im Praxistest

26.03.2015 | 10:04 Uhr |

Der 3D-Drucker FabbsterG geht fast als Fertiggerät durch. Er absolviert den Test solide, verursacht aber hohe Folgekosten.

Den 3D-Drucker Fabbster gibt es in verschiedenen Versionen: Als Bausatz für 1129 Euro und als Fertiggerät für 1898 Euro – jeweils UVPs. Die Straßenpreise liegen darunter. Dazu bietet der deutsche Hersteller Sintermask eine Variante als Fabbster for Makers für 349 Euro an: Hier fehlt im Vergleich zum klassischen FabbsterG Steuerplatte, Netzteil, Extruder und die Druckersoftware Netfabb. Die Variante ist für fortgeschrittene, aber kostenbewusste Bastler gedacht, die so viel Knowhow mitbringen, dass sie sich die fehlenden Teile nach Gusto besorgen und einbauen können. Einen passenden Extruder bietet Sintermask für rund 150 Euro an. Er unterscheidet sich jedoch von der Original-Fabbster-Ausführung, indem er rundes Verbrauchsmaterial verarbeitet. Für die Druckersoftware Netfabb kommen dann noch einmal 240 Euro dazu.

In diesem Test stellen wir die Fassung des FabbsterG auf die Probe, die Sintermask als Fertiggerät bezeichnet. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen fertig montierten 3D-Drucker im klassischen Sinn, den Sie auspacken, einschalten und dann losdrucken. Denn Sie müssen auch diesen Fabbster vor der Inbetriebnahme erst zusammenbauen. Allerdings brauchen Sie dazu keine besonderen Vorkenntnisse. Handwerkliche Begabung kann aber nicht schaden.

Zusammenbau des FabbsterG

Das A und O beim Zusammenbauen des FabbsterG ist die Anleitung. Unserem Testgerät liegt eine ausgedruckte Fassung zur Hardware-Installation bei. Die Anleitung gibt es auch auf dem Wiki zum 3D-Drucker unter http://wiki.fabbster.com . Überhaupt ist das die zentrale Anlaufstelle, denn hier sind auch Beschreibungen zur Software und Tutorials, mit denen Sie lernen, wie Sie das Druckmaterial wechseln, die Druckeinstellungen vornehmen oder den FabbsterG ohne PC bedienen. Sollte etwas nicht zu finden sein, wenden Sie sich an den Fabbster-Support unter https://ssl.fabbster.com/support .

Im Auslieferungszustand liegt der FabbsterG in zwei Teilen im Karton. Das obere Gestänge – in der Anleitung Portal genannt, an dem auch der Extruder montiert ist, müssen wir erst aufrichten und am Basisrahmen mit Schrauben fixieren. Das klappt gut, denn der Hersteller legt dem Paket alle notwendigen Werkzeuge sowie Schrauben bei. Danach montieren wir die E-Box, die die Elektronik enthält, befestigen das Materialmagazin und bestücken es mit dem Verbrauchsmaterial. Dank der guten Anleitung ist die Hardware-Installation kein Hexenwerk, sondern nach ungefähr einer halben Stunde gemeistert.

Like Material Sticks nennt sich der ABS-Kunststoff für den FabbsterG. Er ist in 200-Gramm-Päckchen und verschiedenen Farben erhältlich.
Vergrößern Like Material Sticks nennt sich der ABS-Kunststoff für den FabbsterG. Er ist in 200-Gramm-Päckchen und verschiedenen Farben erhältlich.

Material des FabbsterG: Sticks aus Kunststoff 

Beim Werkstoff geht der FabbsterG einen eigenen Weg. Anstelle von Kunststofffaden, der auf Rollen gewickelt ist, setzt der 3D-Drucker auf Like Sticks – das sind Stäbe, die in einem Magazin übereinandergestapelt sind. Diese Like Sticks gibt es in Verpackungsgrößen von 200 Gramm. Eine Packung kostet 16 Euro. Die Stäbchen sind nicht rund wie übliches Filament, sondern eckig und mit seitlicher Profilierung versehen. An einem Ende befindet sich ein Loch, am anderen ein Haken. Um als Kette zur Druckdüse zu kommen, müssen die einzelnen Sticks verhakt sein. Dafür sorgt das Materialmagazin - vorausgesetzt, es wird richtig befüllt. Es ist seitlich am FabbsterG angebracht. Die Stäbchen müssen mit dem Haken nach unten eingelegt und von der Führungsfeder erfasst sein.

Nun gilt es, das Material auch zur Düse zu bringen. Wieder hilft das Wiki: Jeder FabbsterG ist ab Werk auf Funktion getestet. Deshalb hängt auch etwas Kunststoff aus der Düse. Wir befüllen den transparenten Plastikschlauch so mit verbundenen Stäbchen, dass sich der Stick am Extruder damit verhaken lässt. Danach verbinden wir die Sticks im Schlauch mit dem Magazin. Damit ist der FabbsterG betriebsbereit aufgestellt.

Mehr als ein Druckprogramm: Netfabb Engine for Fabbster
Vergrößern Mehr als ein Druckprogramm: Netfabb Engine for Fabbster

Software Netfabb Engine for Fabbster

Was der 3D-Drucker jetzt noch braucht, ist die passende Software. Sintermask stattet den FabbsterG mit Netfabb Engine for Fabbster aus. Auf der E-Box stehen Seriennummer und eine Ziffern-Buchstabenfolge, mit der wir die Software freischalten. Quelle ist erneut das Fabbster-Wiki . Die Software ist für ein 3D-Druckertool ausgesprochen umfangreich: Mit ihr lassen sich 3D-Vorlagen nicht nur mit Druckeinstellungen versehen, sondern auch optimieren. So können wir unsere Vorlage beispielsweise vor dem Druck auf Fehler checken und diese auch beseitigen. Dazu prüft das Tool die Oberflächenbeschaffenheit unseres Objekts und schließt etwaige Löcher. Damit sparen Sie sich auf jeden Fall ärgerliche Fehldrucke. Außerdem ist eine Bauteile-Bibliothek hinterlegt, mit der wir im Programm weiterarbeiten können. Zur Wahl stehen Gegenstände aus den Bereichen „Design“, „Mathematisch“ oder auch „Primitiv“, die von Zylindern bis zu Schrauben und Vasen reichen. Im gewissen Maße übernimmt Netfabb for Fabbster hier Aufgaben, die Sie sonst nur mit einem CAD-Programm lösen könnten – das ist absolut ungewöhnlich.

Auch für den 3D-Druck sind viele Einstellungen vorhanden: So lassen sich etwa für Hilfsplattformen (Raft) und Support-Strukturen mehrere unterschiedliche Typen auswählen. Wir empfehlen, die Workshops aus dem Wiki zu machen, um sich in das Wording und die Funktionsweise von Netfabb einzuarbeiten. Die Software nutzt mit .fab ein proprietäres Dateiformat berechnete Objekte. Sie lassen sich aber auch als BGC (binärer G-Code) abspeichern. Nach etwas Einarbeitung entpuppt sich Netfabb als rundes Programm für den 3D-Druck – sowohl für Vorlagen als auch fürs Drucken.

Inbetriebnahme des 3D-Druckers FabbsterG

Die Verbindung von Rechner und 3D-Drucker läuft über USB. Ist das Kabel eingesteckt und der FabbsterG eingeschaltet, klicken wir in Netfabb unter „USB Steuerung“ auf „verbinden“. Nun sollte sich der Gerätetreiber automatisch installieren, tut er aber nicht in jedem Fall – bei uns auch nicht. Dazu müssen wir extra Treiber, die im Wiki liegen, herunterladen und im Admin-Modus nachträglich aufspielen. Verbinden wir erneut, installieren sich die Treiber im Hintergrund. Die Treiber gibt es ab Windows XP bis Windows 8 sowie Mac-OS.

FabbsterG - Inbetriebnahme
Vergrößern FabbsterG - Inbetriebnahme

Steht die Verbindung, erscheint ein Fenster mit Inbetriebnahme-Tests für den FabbsterG in neun Schritten. Sie reichen vom Firmware-Check über SD-Kartentest bis zum ersten Druck. Schritt 7 kalibriert die Plattform. Der 3D-Drucker fährt mehrere Stellen auf der Bauplattform an. Per Software lässt sich die korrekte Höhe einstellen. Wie bei anderen 3D-Druckern nutzt auch der FabbsterG als Hilfsmittel ein gefaltetes Blatt Papier, um den Abstand zwischen Bauplattform und Düse exakt zu definieren. Im Test müssen wir die Prozedur mehrere Male starten, da sie oft schon wegen Zeitüberschreitung abbricht. Nach so viel Geduld bietet uns der Fabbster drei Motive für den ersten Probedruck: eine Vase, eine Skulptur oder ein Männchen. Wir wählen letzteren Gegenstand und halten diesen nach gut 1:18 Stunden in den Händen.

Druckprozess beim FabbsterG

Da Netfabb die beiden Bereiche - Vorlagenoptimierung und eigentliche Druckeinstellungen – trennt, ist es mit dem Öffnen einer 3D-Vorlage nicht getan. Zum Drucken müssen wir diese von „Bauteil“ auf „FabbsterG“ verschieben. Erst dann lassen sich die Druckeinstellungen vornehmen. Hier lassen sich die verwendeten Sticks nach Kunststoffart (ABS oder PLA) definieren, die Auflösung einstellen und Zusätze wie etwa das Drucken mit Hilfskonstruktionen (Support) festlegen. Ist alles eingerichtet, errechnet das Programm den „Toolpath“, das heißt es generiert den G-Code, also die Bewegungsinformationen für den Drucker inklusive Materialaufwand und Schichtenanzahl. Im Test dauert das für unser kleines Probeobjekt 1:05 Minuten – das ist vergleichsweise langsam. Den eigentlichen Druckprozess lösen wir erst danach per Klicken auf „Drucken“ aus.

Die vorhergesagte Druckzeit hat beim FabbsterG nur wenig mit der tatsächlichen zu tun: Der 3D-Drucker benötigt im Test immer mehr Zeit.
Vergrößern Die vorhergesagte Druckzeit hat beim FabbsterG nur wenig mit der tatsächlichen zu tun: Der 3D-Drucker benötigt im Test immer mehr Zeit.

Jetzt sendet Netfabb den Code an den Drucker, der ihn auf der SD-Karte ablegt. Die Software gibt uns eine Prognose, wie lange der Druck dauern wird. Im Test stellt sich heraus, dass die Vorhersage nie stimmt. Der Druckprozess hat bei jedem Versuch länger gedauert als vorhergesagt. So verspricht uns die Software, dass unser kleines Sahnetöpfchen in Standardauflösung nach rund 35 Minuten fertig sein soll. In Wahrheit stoppen wir 53 Minuten. Ist der Druckprozess erst einmal initiiert, heizen die Bauplattform bei ABS auf circa 75 Grad Celsius und die Düse auf 260 Grad Celsius auf. Der FabbsterG fährt derweil in die Ausgangsposition. Das macht er sowohl am Gerät als auch am Bildschirm in der Software. Dabei stimmen die Bewegungen am Schirm mit denen des Druckers ziemlich genau überein.

Gute Druckqualität: Die Testobjekte aus dem FabbsterG haben eine glatte Oberfläche und sind sauber gedruckt.
Vergrößern Gute Druckqualität: Die Testobjekte aus dem FabbsterG haben eine glatte Oberfläche und sind sauber gedruckt.

Druckqualität und Tempo des FabbsterG

Im Test nutzen wir die vordefinierten Druckprofile für ABS-Kunststoff. Der FabbsterG erreicht dabei selbst im Normalmodus (Standard) eine vergleichsweise hohe Druckqualität. Nur an der Innenseite unseres Testobjekts gibt es einige unsaubere Stellen, die wie Kratzer aussehen. Wählen wir „Superfine“ als Auflösung, sind diese verschwunden. Die Standfläche unseres kleinen Objekts ist glatt und haftet gut auf der Bauplattform. Dadurch eignet sich der FabbsterG auch für Objekte, die auf kleinen Füßen stehen wie etwa eine Figur. Ein Nachbearbeiten des fertigen Gegenstands können wir uns im Test sparen. Die Objekte sind sauber gedruckt. Nutzen wir allerdings Hilfsmittel wie etwa ein Raft, kommen wir ums Säubern nicht herum. Je schneller nach dem Druck das geschieht, desto leichter lässt sich der überschüssige Kunststoff entfernen.

Für die gute Druckqualität müssen wir im Test Zeit investieren, denn der FabbsterG hat es nicht besonders eilig beim Objekteaufbau. Entsprechen die bereits erwähnten 53 Minuten für das Sahnetöpfchen noch einem mittleren Zeitwert, vergehen für dasselbe Objekt in höchster Auflösung geschlagene 3:14 Stunden – eine überdurchschnittlich lange Zeit. Allerdings kann der FabbsterG unbeaufsichtigt arbeiten, vorausgesetzt das Materialmagazin in ausreichend gefüllt.

Die Materialbstückung des FabbsterG ist eigen. Der 3D-Drucker nutzt Sticks, die in einem Magazin gestapelt sind.
Vergrößern Die Materialbstückung des FabbsterG ist eigen. Der 3D-Drucker nutzt Sticks, die in einem Magazin gestapelt sind.

Drucken mit dem FabbsterG – ein teures Vergnügen

Die Like Material Sticks des FabbsterG gibt es in Packungsgrößen von 200 Gramm. Unser kleines Testobjekt wiegt 10 Gramm. Damit kommen wir auf einen Objektpreis von 80 Cent für das Mini-Gefäß. Das ist sehr teuer. Beim Hersteller zahlen Sie einen Vorzugspreis von 300 Euro, wenn Sie 25 Packungen erwerben. Selbst bei dieser hohen Abnahme kommen wir mit 60 Cent auf einen hohen Preis für das Testobjekt. Der FabbsterG ist damit ausgesprochen teuer in den Folgekosten. Da tröstet es auch recht wenig, wenn der Stromverbrauch im Rahmen bleibt. Immerhin: Ausgeschaltet geht der 3D-Drucker auf 0,0 Watt und trennt sich damit sauber von der Energiezufuhr.

Die beheizbare Bauplattform des FabbsterG sorgt für eine gute Haftung der Objekte.
Vergrößern Die beheizbare Bauplattform des FabbsterG sorgt für eine gute Haftung der Objekte.

Fazit – belastbarer 3D-Drucker mit hohen Folgekosten

Der Sintermask FabbsterG ist kein klassisches Fertiggerät. Sie müssen den 3D-Drucker erst zusammenbauen, bevor er betriebsbereit ist. Dank einer ausführlichen Anleitung und bereits vormontierten Einheiten ist der Aufbau jedoch kein Hexenwerk und relativ schnell erledigt. Dann erhalten Sie einen flexibel einsetzbaren 3D-Drucker. Er liefert saubere Druckergebnisse und bringt mit Netfabb eine vielseitige Druckersoftware mit.

Die Materialbestückung mit ineinander verhakten Kunststoff-Sticks ist eine sehr eigene Lösung. Im Test empfinden wir das Bestücken des Magazins als etwas umständlich und anfällig in der Handhabung. Denn eine Feder sorgt für den nötigen Druck auf die Stäbchen, um sie im richtigen Moment ineinander zu verhaken. Springt sie heraus, ist das Magazin nicht mehr zu gebrauchen. Das ist nicht gerade ideal gelöst. Gleichzeitig sind die Sticks ziemlich schnell aufgebraucht, wenn Sie größere Objekte erstellen wollen. Das beeinträchtigt das unbeaufsichtigte Drucken, das der 3D-Drucker sonst ohne weiteres meistert. Und das Wichtigste: Die Stick-Lösung schraubt die Folgekosten des FabbsterG zu sehr in die Höhe. Selbst kleine Objekte lassen sich mit dem proprietären Material nur teuer herstellen. Abhilfe schafft Sintermask interessanterweise selbst: Denn das Unternehmen bietet einen alternativen Extruder an, der rundes und damit herkömmliches Rollen-Filament verarbeiten kann.

Sintermask FabbsterG

Druckverfahren

Schichtschmelzung

minimale Schichtstärke (in mm)

0,05

Filament

Stäbchen

Düsendurchmesser (in mm)

0,4

Abmessungen betriebsbereit (B x T x H)

630 x 512 x 518 mm

Händler

Fabbster, www.fabbster.de

Druckqualität

Testobjekt in Standardqualität

gut

Testobjekt in höchster Qualität

sehr gut, glatte Oberfläche

Drucktischjustierung

exakt

Druckqualität mit Support

gut

Geschwindigkeit

Testobjekt in normaler Qualität (in Std.)

0:53

Testobjekt in höchster Qualität (in Std.)

3:14

Aufheizen auf Betriebstemperatur (in Min.)

2:57

Ausstattung

maximale Objektgröße (B x T x H in mm)

230 x 230 x 210

unterstützte Druckmaterialien

ABS, PLA, Wood, Flex

Plattform beheizbar

ja

Display / Speicherkartenslot

nein / ja

Anschluss

USB 2.0

LED-Beleuchtung

nein

unterstützte Betriebssysteme

Windows XP, Vista, 7, 8, Mac-OS

Community / Adresse

- / -

Gewicht Drucker (betriebsbereit)

9,98 kg

Handhabung

Software

Netfabb Engine for Fabbster

Bewertung Software

übersichtlich, sehr viele Einstelloptionen

Dateiformate

STL, G-Code, FAB, OBJ, PlY, 3DS

Display: Sprache / Menüaufbau

- / -

Aufbau Drucker: Installation / Materialbstückung

etwas umständlich / umständlich

Druckbetrieb: Stabilität Drucker

stabil

unbeaufsichtiges Drucken

ja

Verbrauch

Stromverbrauch (Betrieb, Ruhe, Aus in Watt)

184 / 25,8 / 25,5

Druckmaterial (Preis pro kg)

80 Euro  

Preis Testobjekt

0,80 Euro

Extra

auch als Bausatz

Preis

1898 Euro  

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