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Sigma ROX 10.0 GPS Fahrradcomputer im Praxistest

08.04.2014 | 12:09 Uhr |

Ein GPS-Radtacho mit vielen Funktionen und vor allem auch draußen gut ablesbarem Schwarzweiss-LCD-Display hat Potenzial. Im Praxistest muss der Sigma ROX 10.0 zeigen, ob das Konzept der Track-Navigation aufgeht.

Obwohl der deutsche Hersteller Sigma schon seit mehr als 30 Jahren elektronische Fahrradtachos fertigt, ist der Rox 10.0 der erste mit integriertem GPS-Empfänger. Das bietet im Wesentlichen zwei Vorteile: Zum einen lässt sich die gefahrene Strecke aufzeichnen, anschließend per USB auf den PC übertragen und dort auf einer Landkarte ansehen und nachvollziehen. Zum zweiten verspricht Sigma die Navigation über Tracks: Mit der beiliegenden Software Data Center 3 lassen sich von anderen Radfahrern bereits aufgezeichnete oder selbst am Rechner geplante Strecken (Tracks) auf den Radtacho laden und dann „nachfahren“. So gut die Idee auch ist, so wenig funktioniert das auf dem Rennrad oder Mountainbike in der Praxis – dazu später mehr.

Sigma ROX 10.0 GPS: Trainingscomputer „mit allem“

Die Fahrradtachos von Sigma sind im Allgemeinen äußerst funktionelle, robuste und zudem einfach zu bedienende Geräte – und das zum moderaten Preis. Selbst das Topmodell unter den „normalen“ Tachos, der BC 16.12 , kostet inklusive Trittfrequenz-Set nicht einmal 40 Euro.

Der Sigma Rox 10.0 GPS ist sehr kompakt und hat etwa die Grundfläche einer Kreditkarte. Die Lenkerhalterung ist Sigma-typisch gut, trotz festem Sitz lässt sich der Tacho einfach und schnell abnehmen.
Vergrößern Der Sigma Rox 10.0 GPS ist sehr kompakt und hat etwa die Grundfläche einer Kreditkarte. Die Lenkerhalterung ist Sigma-typisch gut, trotz festem Sitz lässt sich der Tacho einfach und schnell abnehmen.

Abgesehen vom Preis mit rund 220 Euro gilt das alles auch für den von PC-WELT getesteten Rox 10.0. Das Gerät überzeugt mit einer Vielzahl von Funktionen, die weit über das für einen Radcomputer typische hinausgehen. Dazu zählen insbesondere die Pulsmesswerte über den beiliegenden Brustgurt, der neben der aktuellen auch die maximale und die durchschnittliche Herzfrequenz anzeigt, Zielzonen errechnet und die Intensitäten auswertet. Diverse Geschwindigkeits- und Trittfrequenzwerte gehören in dieser Preisklasse ohnehin zum Standard, der nach IPX7 wasserdichte und von der Fläche etwa kreditkartengroße Rox 10.0 verfügt darüber hinaus über einen barometrischen Höhenmesser, der von der Steigung bis zu den Höhenmetern pro Runde so ziemlich alles anzeigt, was denkbar ist.

Das Fahrrad-Navi Falk Pantera 32 im Praxistest

Übertragen werden die Messwerte für Speed, Kadenz und Puls von den im Paket enthaltenen Sensoren über das Standardfunkprotokoll ANT+. Wer also bereits einen solchen Pulsbrustgurt oder Trittfrequenzsensor hat, kann auch zu dem mit knapp 150 Euro deutlich günstigeren „nackten“ Tachomodell greifen, muss also nicht das Komplettset kaufen. Selbst per ANT+ übermittelte echte Leistungswerte kann der kompakte Rox 10.0 verarbeiten, allerdings kosten solche Pedal- oder Kurbelsysteme ab ca. 1.000 Euro aufwärts, sind also nur etwas für richtig ambitionierte Radsportler.

Robustes Gerät mit einfacher Montage und Bedienung

Im Set sind der Tacho, eine CD mit der Planungs- und Analyse-Software Sigma Data Center 3 und ausführlichem Handbuch als PDF, der Brustgurt zur Herzfrequenzmessung, der Geschwindigkeitssensor, der Trittfrequenzsensor, eine Kurz- und Montageanleitung, ein USB-Kabel samt Netzteil sowie diverses Befestigungsmaterial inklusive der Lenkerhalterung enthalten.

Die Montage ist dank der Anleitung und dem sechs Minuten langem Montagevideo einfach, die Ersteinrichtung des Tachos dauert aufgrund der Vielzahl der einzugebenden Werte und der Installation des PC-Programms aber etwas Zeit: Eine Stunde muss man für alles rechnen, bei unserem Testexemplar zickte zudem anfangs die ANT-Kopplung des Speed-Sensors etwas. Clever und ästhetisch gut gelöst ist die Ausführung des Magneten für die Kadenzmessung, der einfach an die (Stahl-)Achse des Pedals geclipt wird und damit kaum sichtbar ist.

Der Speed-Sensor wird traditionell an der Vorderradgabel befestigt, die Geschwindigkeitswerte gelangen über das Funkprotokoll ANT+ auf den Sigma-Tacho Rox 10.0.
Vergrößern Der Speed-Sensor wird traditionell an der Vorderradgabel befestigt, die Geschwindigkeitswerte gelangen über das Funkprotokoll ANT+ auf den Sigma-Tacho Rox 10.0.

Sigma-typisch gut ist auch die Lenkerhalterung mi dem Drehbajonett, die einerseits den Tacho sicher hält, über die man ihn aber andererseits ohne Mühe und Verletzungsgefahr auf- und abnehmen kann. Weniger gelungen sind die sechs seitlich angebrachten, gummiübermantelten Funktionstasten, die einen festen Druckpunkt vermissen lassen. Insbesondere mit Handschuhen erfordert das Drücken also etwas Übung. Dass ansonsten Menüführung und Bedienkonzept gelungen sind, zeigt der Umstand, dass man nur selten in das fast 60 Seiten starke Handbuch schauen muss. Denn die Funktionen mitsamt Untermenüs sind gut strukturiert und erklären sich fast von selbst.

Gut gemacht ist auch die Windows-Software für den PC, die zwar durchaus viele Trainings-, Analyse- und Planungsfunktionen bereithält, aber dennoch nicht so überladen ist, dass der weniger technikaffine Anwender sich darin nicht zurechtfinden würde. Da muss man schon Kleinigkeiten wie die unterschiedlichen Begrifflichkeiten „Firmware-Update“ (am Tacho) und „Geräte-Update“ (in der Software) suchen, um zu meckern.

Vollfunktionaler Trainingscomputer, aber keine Navigation wie im Auto

Wo also liegen nun die GPS-spezifischen Vorteile gegenüber anderen, vollfunktionalen Radcomputern wie beispielsweise dem mit rund 140 Euro deutlich billigeren Sigma-Modell Rox 9.1 ? Denn abgesehen vom GPS-Chip und der Leistungsmessoption bietet der ganz ähnliche Funktionen . Der GPS-Tacho zeichnet die gefahrene Strecke auf, die sich anschließend zusammen mit allen anderen Trainingsparametern bequem über das Data Center auf den PC übertragen lässt. So überblickt man nach der Tour genau, wo man wie schnell und mit welchen Leistungsparametern unterwegs war.

Der Sigma Rox 10.0 GPS ist kein vollwertige Fahrrad-Navi, zur „Navigation“ muss man vielmehr einem zuvor vom PC geladenen Track auf dem kleinen Tacho-Display folgen.
Vergrößern Der Sigma Rox 10.0 GPS ist kein vollwertige Fahrrad-Navi, zur „Navigation“ muss man vielmehr einem zuvor vom PC geladenen Track auf dem kleinen Tacho-Display folgen.

Zweitens soll die Track-Navigation während der Ausfahrt den Weg weisen. Dazu lädt man vorher daheim einen fertigen oder auch über die Sigma-Software einfach zu erstellenden Track auf den Tacho, ruft darauf dann die Funktion „Track laden -> Gespeicherte Tracks -> Starte Track“ auf – und los geht’s. Soweit die Idee. Doch in der Praxis überzeugt das Konzept nicht, denn anders als beim Auto-Navi oder auch den Fahrrad-Modellen Garmin Edge 810 oder Falk Pantera 32 zeigt der Sigma-Tacho den Track wirklich nur als Spur, also als Linie auf dem ansonsten leeren Display. Das Gerät gibt also weder optische noch akustische Abbiegehinweise, noch zeigt es eine auch nur rudimentäre Karte, Straßenabzweigungen oder -namen. Hier wäre es vergleichsweise einfach, über ein Firmware-Update nachzubessern und beispielsweise dort, wo man abbiegen muss, den Fahrer mit einem Piepton auf den Richtungswechsel aufmerksam zu machen.

In der Praxis bedeutet der status quo, dass man schon beim moderaten Tempo von 20 km/h alle zehn Sekunden auf die Anzeige schauen muss, damit man keine Abbiegung verpasst – denn weiter zeigt der Tacho im voreingestellten Standardmaßstab nicht voraus. Das ist im Straßenverkehr völlig unrealistisch. Da hilft auch die fein gestrichelte Linie nicht, die den Radfahrer beim versehentlichen Verlassen des Tracks auf den rechten Weg zurückführen soll. Zudem lässt sich bei der Track-Navigation spontan nichts mehr ändern, denn für die Planung einer Tour benötigt man stets den Computer.

Fazit: Prima Tacho mit gutem Display, aber schwacher GPS-Navigation

Die eigentlichen Tacho- und Trainingsfunktionen stehen beim Sigma Rox 10.0 GPS außer Frage. Genauso wenig wie das Bedienkonzept, das Handling in der Praxis und das robuste Design. Eine Wohltat gegenüber dem Smartphone und den meisten anderen Fahrrad-Navis ist auch das Display: Es ist zwar nur 1,8 Zoll groß und „nur“ schwarzweiss, dafür kann man es auch bei direkter Sonneneinstrahlung völlig problemlos ablesen. Und bei Dunkelheit hilft die Hintergrundbeleuchtung beim Blick auf die Anzeige. Mit knapp zwölf Stunden Laufzeit im GPS-Modus hält der Akku zudem deutlich länger durch als bei der Navi-Konkurrenz , dafür kann die eben auch deutlich mehr. Nicht vergessen darf man allerdings, dass ein herkömmlicher Radcomputer monatelang mit einem Batteriesatz läuft.

Der Rox 10.0 ist also ein rundherum gelungener Rad- und Trainingscomputer, die beiliegende Software wertet all die aufgezeichneten Trainingsparameter aus und archiviert die Daten. Doch gerade bei der Funktion, in denen sich Sigmas Topgerät sich von anderen Radtachos unterscheiden soll, schwächelt er. Denn die Track-Navigation, also das Nachfahren einer vordefinierten Strecke nach dem Display, ist wenig praxisnah. Stellen Sie sich einfach vor, Sie müssten im Auto alle zehn Sekunden auf dem Navi nachsehen, ob Sie noch „in der Spur“ sind!

Der GPS-Empfang und damit die Track-Aufzeichnung arbeiten im Übrigen schnell und zuverlässig, doch diese Funktion bietet inzwischen schon jedes günstige Smartphone, das die meisten sportlichen Radler ohnehin haben dürften. Mehrwert und -nutzen gegenüber dem deutlich günstigeren Rox 9.1 des gleichen Herstellers sind also eher gering, wie der direkte Vergleich zeigt.

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