2088666

Sicherheitskamera Netgear Arlo im Test

12.06.2015 | 10:35 Uhr |

Das Home soll lieber sicher als smart sein: Das will Netgear aus Kundenbefragungen erfahren haben. Deshalb startet der Netzwerk-Hersteller sein Produktprogramm für Smart Home mit der kabellosen Sicherheitskamera Arlo Smart Home Kamera.

Die schicke, abgerundete und etwas eiförmige Kamera hat die Größe einer Zigarettenschachtel und wiegt rund 200 Gramm. Sie sieht aus wie ein eleganter Mini-Bluetooth-Lautsprecher und lässt sich somit auch unauffällig in der Wohnung platzieren. Die Arlo-Kamera arbeitet mit vier Batterien (Format CR123) und per WLAN, benötigt also keinerlei Kabel. Laut Netgear soll die Batterieladung für vier bis sechs Monate Betrieb ausreichen.

Kabellose Kamera

Damit die kleine Kamera so lange durchhält, ist sie über eine proprietäre Low-Power-WiFi-Verbindung mit einer speziellen Basisstation verbunden, die Netgear mitliefert. Sie kommt per LAN-Kabel an den Router und ist damit aus dem Internet erreichbar. Daraus ergibt sich schon mal ein Platzproblem: Die Arlo-Basisstation ist so groß wie ein normaler WLAN-Router – Sie haben also zwei Geräte herumstehen, wenn Sie die Arlo-Kamera einsetzen.

Laut Hersteller ist die Arlo-Kamera wassergeschützt nach IP65
Vergrößern Laut Hersteller ist die Arlo-Kamera wassergeschützt nach IP65
© Netgear

Die Kamera können Sie auf einer ebenen Fläche platzieren, weil das Gehäuse unten und seitlich abgeflacht ist. Netgear legt aber auch vier Halterungen bei, die die Kamera magnetisch festhalten und sich an der Wand anbringen lassen. Durch den Magnetmechanismus können Sie die Kamera schnell von einer fixierten Halterung abnehmen oder an eine weitere anflanschen. Andererseits kann eine Kamera dadurch auch schnell verschwinden, wenn Sie sie etwa draußen im Garten anbringen. Eine zusätzliche Halterung, in die sich die Kamera einschrauben lässt, kostet rund 20 Euro. Die Kamera ist wasser- und wetterbeständig nach Standard IP65 und daher unempfindlich gegen Staub und Regenwasser.

Die Verbindung mit der Basisstation ist schnell erledigt: Sie legen die Kamera daneben, drücken die Sync-Taste an der Basisstation und anschließend an der Kamera. Eine blaue Kamera-LED und eine grüne an der Station zeigen an, dass Kamera und Basisstation miteinander sprechen. Netgear gibt eine maximale Verbindungsreichweite von 50 Metern an. Im Test war die Verbindung zur Kamera über 30 Meter vom Arbeitszimmer in den Garten hinaus stabil.

Die WLAN-Verbindung zwischen Kamera und Basisstation ist automatisch per WPA2 verschlüsselt. Allerdings können Sie die Kamera nicht per lokaler IP-Adresse erreichen, nur über einen Cloud-Dienst von Netgear. Dafür muss die Arlo-Basisstation auf jeden Fall mit einem Router verbunden sein, der online geht. Der Weg von und zur Cloud ist per TLS gesichert, auf den Cloud-Speicher kommen Sie über eine HTTPS-Verbindung per Benutzername und Password. Das funktioniert per Browser oder über die Arlo-App, die es für iOS und Android gibt.

Videoaufnahmen sind für mindestens sieben Tage über einen Cloud-Speicher abrufbar
Vergrößern Videoaufnahmen sind für mindestens sieben Tage über einen Cloud-Speicher abrufbar
© Netgear

Arlo-App für Android und iOS

Über die Arlo-App richten Sie die Kamera ein und steuern sie. Hier melden Sie sich für den Cloud-Dienst von Netgear an und richten zunächst ein neues System ein: Sind Router und Basisstation im selben IP-Adressbereich, erkennt die App die notwendige Seriennummer der Basisstation automatisch. Anschließend finden Sie in der App im Reiter „Kameras“ das Kamerabild.

Die Kamera macht Aufnahmen maximal mit 720p-Auflösung und 30 Bildern pro Sekunde. Je höher die Videoqualität, desto geringer aber die Batterielaufzeit. Deshalb sind die Kameravideos ab Werk auf 640 x 352 Pixel begrenzt. Sie können in der App in den Kamera-Einstellungen die Videoqualität aber auch erhöhen oder reduzieren. Die Aufnahmen sind nicht ganz frei von Artefakten, aber ausreichend hell und scharf, um auch Details zu erkennen.

Bewegungserkennung und Nachtsichtmodus

Die Kamera verfügt über eine Bewegungserkennung, der sich in der App aktivieren oder abschalten lässt. Diese zwei vor-installieren Modi lassen sich aber nach Belieben ändern. Unter „Regeln“ legen Sie fest, was die Kamera tut, wenn Sie eine Bewegung entdeckt: Dabei haben Sie aber wenig Auswahl – die Kamera nimmt immer ein Video auf, dessen Länge zwischen zehn und 120 Sekunden betragen kann und sendet eine Alarm-Mail an von Ihnen festgelegte Adressen. Das funktionierte im Test allerdings nicht, obwohl mehrere Mail-Adressen in den App-Einstellungen als aktiv markiert sind. Außerdem bekommen sendet die App eine Push-Nachricht aufs Smartphone, wenn es online ist.

Wie empfindlich die Kamera reagiert, legen Sie ebenfalls in diesem Menü auf einer Prozentskala fest. Der passende Wert, hängt davon ab, wo die Kamera platziert ist. Im Test erweist sich zum Beispiel die Werkseinstellung von 80 Prozent für die Kamera im Garten als zu empfindlich: Bei stärkerem Wind nahm sie die Bewegung der Blätter wahr und zeichnete munter Videos des wackelnden Grüns auf. Die einzelnen Modi können Sie in der App mit einem Zeitplan verbinden, an dem der Modus aktiv sein soll. Jedem Modus können Sie wiederum Regeln zuordnen, um beispielsweise bei mehreren Kameras nur eine bestimmte aufzeichnen zu lassen.

Auch nachts hat die Arlo-Kamera Augen, wenn sich etwas vor ihr bewegt
Vergrößern Auch nachts hat die Arlo-Kamera Augen, wenn sich etwas vor ihr bewegt
© Netgear

Auch nachts kann Arlo sehen: Da die Bewegungserkennung per Infrarot funktioniert, reagiert sie auf Objekte, die wärmer als die Umgebung sind. Deswegen sollten Sie die Kamera aber beispielsweise nicht hinter einem Fenster für den Blick nach draußen platzieren: Es reflektiert das Infrarotlicht statt es durchzulassen, und deswegen erkennt die Kamera dann keine Bewegungen. Im Test erfasste die Kamera Bewegungen von Personen bis in rund fünf Meter Entfernung.

Die Kamera kann sich nicht bewegen, um beispielsweise ein erkanntes Objekt zu verfolgen: Sie sehen es nur, solange es im Blickwinkel der Kamera bleibt. Der ist aber mit 110 Grad ordentlich groß und reicht bei sinnvoller Platzierung der Kamera aus.

Die Kamera-Aufnahmen sammelt die App im Menü „Bibliothek“ im Cloud-Speicher. Sie können sie ansehen, herunterladen, löschen oder per Mail versenden. Wieviel Videos dort Platz haben, hängt von Cloud-Abo ab: In der kostenlosen Basis-Stufe haben Sie 1 GB Video-Speicher, Videos werden für sieben Tage gespeichert und bis zu fünf Kameras an einer Basisstation unterstützt. Wollen Sie zusätzlich zur eigenen Wohnung beispielsweise noch ein Ferienhaus überwachen, brauchen Sie neben zusätzlichen Kamera eine zweite Basisstation sowie das Elite-Abo, das 14 Euro monatlich kostet und 100 GB Speicherplatz beinhaltet.

Basisstation und Kamera kosten 240 Euro, für ein Paket mit zwei Kameras ruft Netgear 370 Euro auf und für drei Kameras bezahlen Sie 480 Euro. Eine einzelne Kamera kaufen Sie für 150 Euro dazu.

Die rundliche Kamera hat ein absolut wohnzimmertaugliches Design
Vergrößern Die rundliche Kamera hat ein absolut wohnzimmertaugliches Design
© Netgear

Netgear Arlo Kamera im Test: Fazit

Die Netgear Arlo macht gute, hochwertige Aufnahmen, die Bewegungs- und Nachtsichterkennung arbeitet zuverlässig. Als Sicherheits-Kamera erfüllt sie also ihren Zweck. Ihr großer Vorteil: Sie arbeitet kabellos, lässt sich also überall aufstellen – sofern Sie einen Platz finden, an dem die Kamera sehen kann, aber nicht gesehen wird.

Der praktische Batteriebetrieb macht aber die Basisstation notwendig, was den Preis und den Platzbedarf für das Arlo-System gegenüber IP-Kameras erhöht. Die Station soll allerdings auch für künftige Smart-Home-Produkte von Netgear als Hub dienen.

Die App funktioniert im Test bis auf Details problemlos. Der getesteten Android-Version fehlt es allerdings etwas am optischen Feinschliff. Auch die Menüs sind teilweise unnötig verschachtelt – aber nichts, was mit Updates nicht zu lösen wäre.

Netgear Arlo Smart Home Camera

Technische Daten

maximale Auflösung

1280 x 720

Videoformat

H.264 (MP4-Container)

Bewegungserkennung / Nachtsicht

ja / ja

Stromversorgung

4 Batterien (CR123)

Akkulaufzeit

4 bis 6 Monate

Blickwinkel

110 Grad

Gewicht

200 Gramm

Basisstation

11n-WLAN (2,4 GHz), Fast Ethernet

0 Kommentare zu diesem Artikel

Smart Home - darum geht es.

Smart Home umschreibt einen der vermutlich am stärksten wachsenden Trends der Zukunft: Intelligente Geräte und Haus-Steuerungssysteme, die Ihnen Ihr Leben erleichtern sollen. Denkbar und vielfach bereits erhältlich sind dabei Lösungen wie Einbruchschutz oder Sets zum Stromsparen. Oder Intelligente Systeme zur Hausbelüftung oder Heizungssteuerung. Smart TVs bringen das Internet ins Wohnzimmer und Waschmaschinen lassen sich per App steuern. Über intelligente Stromzähler haben Sie mit einem Blick aufs Smartphone den aktuellen Stromverbrauch im Griff. Sie sehen, die möglichen Anwendungen sind vielfältig. In diesem Themenbereich widmen wir uns dem Thema Smart Home, erklären, wie die Technik funktioniert und wie intelligent vorhandene Lösungen am Markt wirklich sind.

2088666