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Der USB-Plattenspieler Numark TTUSB im Test

29.05.2008 | 14:45 Uhr |

Sie wollen Ihre Platten digitalisieren, die Songs von damals auf den PC bannen? Kein Problem: Die einfachste Möglichkeit besteht darin, einen Plattenspieler mit USB-Anschluss zu verwenden. Wir haben den Numark TTUSB unter die Lupe genommen.

Wie auch jeder andere Plattenspieler besitzt der Numark TTUSB zum Anschluss einer Steroanlage ein Cinch-Kabel. Je nachdem, ob Ihre Anlage einen Line-Eingang oder aber einen Phono-Eingang besitzt, müssen Sie den Schiebeschalter des integrierten Vorverstärkers auf „RCA Line“ beziehungsweise „RCA Phono“ stellen. Die Besonderheit des Numark TTUSB ist aber vor allem sein USB-Anschluss: Sie können ihn ohne Zusatzgeräte einfach direkt am PC anschließen.

Neben den üblichen Bedienelementen (zwei Start/Stop-Tasten, Tonarmhalterung) sind eine Geschwindigkeitsregelung (maximal +- 10 Prozent) und zwei Tasten für die Tempovoreinstellung (33 und 45 Umdrehungen pro Minute) mit von der Partie. Zudem bietet der TTUSB einen Miniklinken-Stereo-Eingang, über den Sie ein weiteres Musikgerät anschließen können, etwa ein Kassettendeck oder ein Radio. Auch von diesen Medien können Sie dann Musik digitalisieren und weiterverarbeiten.

Niedrige Systemvoraussetzungen
Um den Plattenspieler mit dem PC zu verbinden ist natürlich ein USB-Anschluss nötig. Dabei ist es egal, ob dieser mit dem langsamen und bei alten PCs ausschließlich vorhandenen USB-1.1-Standard oder im flotten, aktuellen USB-2.0-Tempo arbeitet. Als Betriebssystem setzt Numark für den USB-Treiber Windows Windows 98, 2000 oder XP voraus. Wir testen unter Windows Vista.

Mit Digitalisierungs-Software
Mit Audacity ist ein freier und vor allem größtenteils deutschsprachiger Audioeditor und -recorder im Lieferumfang enthalten. Auch ist eine Demoversion der Software Soundsoap von Bias mit von der Partie, mit der sich die aufgenommenen Audiodaten restaurieren lassen, indem man beispielsweise Knack- und andere Störgeräusche reduziert.

Hardware-Installation
Wer bereits Erfahrungen mit Schallplattenspielern hat, der kommt auch mit diesem Modell gut zurecht. Ansonsten hilft das deutschsprachige Handbuch beim Aufbau des Tonarms (Tonabnehmer und Nadel sind im Lieferumfang enthalten) und der Kalibrierung des Auflagegewichts sowie der Anti-Skating-Kraft. Schließlich legen wir noch den Riemen, der den Plattenteller antreibt über die Spindel des Antriebmotors. Jetzt wollen wir den Plattenspieler mal ausprobieren, schalten ihn ein und freuen uns über die prompte Reaktion der Start/Stop-Taste, die Änderung der Drehgeschwindigkeit per Taster und spielen mit dem Pitch-Schieberegler herum.

Software-Installation
Die Software-Installation und ihre Handhabung ist im Handbuch ebenfalls deutschsprachig ausgeführt. Das ist auch wichtig, denn nicht jeder Einsteiger wird wohl mit der Audiosoftware Audacity auf Anhieb klarkommen und alle Fachbegriffe kennen. Nach dem Einstecken des USB-Kabels vom Plattenspieler wird der Treiber von Windows Vista automatisch installiert. Im Geräte-Manager erscheint unter „Audio-, Video- und Gamecontroller“ ein neues Gerät namens „USB Audio CODEC“. Wir sollen laut Handbuch nun die CD einlegen und Audacity installieren lassen.
Nach dem Programmstart muss zuerst der Plattenspieler als Aufnahmequelle eingestellt werden – das geht unter „Bearbeiten, Einstellungen…, Audio E/A“. Das Kästchen vor „Software Playthrough (Neue Spuren während der Aufnahme mithören)“ muss aktiviert sein. So können wir den Aufnahmevorgang mitvergfolgen. Was der Plattenspieler treibt hören wir schon vor der Aufnahme, wenn „Eingangssignal hören“ auf der Audacity-Bedienoberfläche (das Drop-Down-Menü neben dem Mikrofon-Icon) anklickt.

Digitalisierung
Wir starten den Plattenspieler und klicken in Audacity den Aufnahmeknopf. Die Wellenform der Musik ist zu sehen. Wir nehmen einige Minuten Musik auf. Wir hören uns das Ergebnis genau an und merken, dass alles völlig übersteuert ist. Das hätten wir eigentlich schon an der Aussteuerungsanzeige bemerken können. Wir drehen nun den Gain-Drehregler an der Plattenspielerrückseite so lange zurück, bis selbst bei lauten Passagen die 0-dB-Grenze nicht mehr überschritten wird. Aber auch die Klangqualität in leisen Passagen ist mies. Wir kontrollieren die Einstellungen des virtuellen Aufnahmegeräts in Windows: Per Rechtsklick auf das Lautsprecher-Symbol in der Systray klicken und dann „Aufnahmegeräte, USB Audio Codec, Eigenschaften, Erweitert“ wählen. Das „Standardformat“ also die Aufnahmequalität stimmt nicht. Wir wählen gleich einmal die höchste Einstellung „2 Kanal, 16 Bit, 48000 Hz (DVD-Qualität)“. Nach einem neuen Aufnahmeversuch sind wir mit der Klangqualität zufrieden. Beim Speichern können wir uns für das unkomprimierte WAV-Format entscheiden oder die aufgenommene Musik mit dem eingebauten MP3- beziehungsweise Ogg-Codec eindampfen.
Je nach Liebe zum Detail und je nach Qualität des vorliegenden Audiomaterial lassen sich unter Audacity Knackser und Rauschen manuell oder automatisch (unter „Effekte, Klick und Pop Filter…“) entfernen. Auch die einzelnen Titel lassen sich aus der Gesamtaufnahme herausschneiden und nachbearbeiten.

Fazit
Technik, Gehäuse und Verarbeitung des Plattenspielers Numark TTUSB sind in Ordnung. Klanglich kann das Gerät mit einfachen Plattenspielern mithalten. Mit dieser Lösung können Sie Ihre Lieblingsplatten auf einfache Art digitalisieren und müssen sich nicht groß in die Handhabung von Audio-Spezialprogrammen einarbeiten.

Alternativen
HiFi-Freaks denen der 130 Euro teure Plattenspieler klanglich nicht genügt könnte folgende Kombination eher zusagen: In dem Bundle Magix Music Cleaning Lab 2008 XXL ist ein Phono-Vorverstärker enthalten, an den Sie Ihren Plattenspieler anschließen können. Das Signal kommt per USB in den PC. Die beiliegende Software dient zur Restaurierung des Musikmaterials. Der Preis für das Bundle beträgt 80 Euro. Auch möglich ist es natürlich, Ihren hochwertigen Plattenspieler einfach an der HiFi-Anlage zu belassen und die Musik per Line-Signal über eine qualitativ hochwertige Soundkarte aufzunehmen, etwa über die 55 Euro teure Creative Labs Sound Blaster X-Fi Extreme Music .

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