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Samsung SSD 850 Pro im Test

01.07.2014 | 08:00 Uhr |

Die Samsung 850 Pro ist die erste Consumer-SSD mit dreidimensionalem Flashspeicher. 3D V-NAND soll für höheres Tempo bei gleichzeitig reduzierter Leistungsaufnahme sorgen. Im Test vergleichen wir alle Modelle der neuen Baureihe mit der Konkurrenz und der Vorgänger-Generation.

Dem dreidimensionalen Flashspeicher gehört die Zukunft - behauptet Samsung - und will mit der neuen SSD-Baureihe Samsung 850 Pro den Beweis antreten, dass 3D V-NAND schneller, energieeffizienter, kostengünstiger und langlebiger ist. Im Gegensatz zu herkömmlichem Flashspeicher stapeln sich bei 3D V-NAND die Speicherzellen übereinander. Bei der Samsung 850 Pro sind es gleich 32 Schichten. Mit der Technik lassen sich also deutlich mehr Speicherzellen pro Fläche unterbringen.

Bisher war 3D V-NAND SSDs für den Unternehmenseinsatz vorbehalten. Mit der Samsung 850 Pro hält die Technik nun auch bei Endkunden-SSDs Einzug. Ab sofort ist die Solid State Drive in vier Varianten mit Bruttokapazitäten von 128, 256, 512, 1024 GB erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 140, 239, 469 sowie 729 Euro. Damit kostet das Gigabyte zwischen 71 und 110 Cent, durchschnittlich sind es vergleichsweise happige 92 Cent. Zum Vergleich: Die Samsung 840 Evo gibt's ab 35 Cent und die Vorgängerin Samsung 840 Pro ist ab 55 Cent zu haben.

Update vom 4.7.2014: Die Samsung 850 Pro ist nun im Preisvergleich gelistet. Böse Überraschung: Die ersten Anbieter weichen keinen Jota von der unverbindlichen Preisempfehlung ab. Zum Schnäppchenpreis wird es die neue SSD-Baureihe von Samsung also erst einmal nicht geben. Zudem kommt die Samsung 850 Pro später auf den Markt, weil sich die SSDs unter Umständen mit einem hochfrequenten Fiepen (wir berichteten) störend bemerkbar machen kann. Samsung will das Problem nach eigener Aussage schnell beheben, so dass bereits ab dem 31. Juli 2014 die neue SSD-Familie auch im deutschsprachigen Raum erhältlich sein soll.  Update Ende

Wie von Samsung gewohnt stammen alle Halbleiterbausteine vom Festplatten-Controller über den Cache-Chip bis zum Flashspeicher aus eigener Produktion. Als zentrale Schaltstelle fungiert der 8-Kanal-Controller Samsung MEX, der auf dem ARM Cortex R4 mit drei Rechenkernen basiert. In den beiden kleinen Modellen verbaut Samsung vier NAND-Chips, die beiden großen Varianten besitzen acht Bausteine.
Als Pufferspeicher setzt Samsung bei der 850 Pro low power DDR2-SDRAM ein. Beim Einsteigermodell Samsung 850 Pro 128GB ist der Cache 256 MB groß, die Varianten mit 256 und 512 GB besitzen 512 MB und die Samsung 850 Pro 1TB greift auf 1024 MB zurück.

Ober und Unterseite der SSD-Platine des Einsteigermodells Samsung 850 Pro mit 128 GB. Links oben sehen Sie den DDR2-SDRAM-Cache, darunter liegt der Samsung-MEX-Controller gefolgt von zwei 3D-V-NAND-Chips. Auf der rechten Seite befinden sich zwei weiter Flashspeicher-Bausteine.
Vergrößern Ober und Unterseite der SSD-Platine des Einsteigermodells Samsung 850 Pro mit 128 GB. Links oben sehen Sie den DDR2-SDRAM-Cache, darunter liegt der Samsung-MEX-Controller gefolgt von zwei 3D-V-NAND-Chips. Auf der rechten Seite befinden sich zwei weiter Flashspeicher-Bausteine.

Mit der Beschleunigungsfunktion „Real-time Accelerated Processing of I/O Data“(RAPID) können Sie zusätzlich bis zu 25 Prozent des Arbeitsspeichers als zusätzlichen Datenpuffer nutzen. Dieser Bereich des Hauptspeichers darf bis zu 4 GB groß sein, arbeitet dann als vorgeschaltete RAM-Disk und bildet so die erste Cache-Stufe der SSD vor dem eigentlichen Pufferspeicher. Mit RAPID sind nach unseren Messungen bereits mit 1 GB Datenraten von über 1600 Megabyte pro Sekunde drin. Die Beschleunigungsfunktion ist ab Werk deaktiviert, lässt sich aber leicht über die Magician-Software freischalten. Wie Sie den RAPID-Modus aktivieren und wie schnell die 850-Pro-Modelle mit dem zweistufigen Cache-System dann bei allen Modellen sind, zeigt die folgende Bildgalerie:

Die Ausdauer der 850 Pro ist beeindruckend und spiegelt sich in der langen Garantiezeit von 10 Jahren wieder: Samsung gibt die Gesamtschreibleistung (Total Bytes Written = TBW) mit sensationellen 150 Terabytes an. Zum Vergleich: Die Vorgänger-Generation 840 Pro erreicht mit einer TBW von lediglich 73 Terabytes noch nicht einmal 50 Prozent der Ausdauer. Und die TBW von SSDs anderer Hersteller bewegt sich auch nur im Bereich zwischen 30 und 70 Terabytes.

Sehr schnell, aber nicht schneller als die Vorgänger-Generation 840 Pro

Was sofort bei der neuen Samsung-Baureihe auffällt: Von der kleinsten Variante Samsung 850 Pro 128GB (-> Test) bis zum Spitzenmodell Samsung 850 Pro 1TB (-> Test) ist das Leistungsniveau konstant hoch. Die sequenziellen Leseraten liegen im Mittel zwischen 510 und 514 MB/s, und auch das Schreibtempo variiert zwischen 453 und 470 MB/s nur sehr gering. Konstant schnell sind auch die Zugriffszeiten der 850-Pro-Familie, die durchschnittlich 0,03 und maximal 0,04 Millisekunden betragen.

Neue Bestwerte stellt die Samsung 850 Pro im Praxistest auf. Hier muss eine SSD wenige große Dateien (DVD-Kopie mit insgesamt 4,2 GB) sowie viele kleine Dateien (1000 MP3s mit insgesamt 5 GB) schreiben, lesen und kopieren. Den DVD-Film schreiben und lesen die 850-Pro-Modelle in 11 bis 12 Sekunden, und der Kopiervorgang dauert lediglich 17 bis 18 Sekunden. Nur die 128-GB-Variante benötigt mit 22 Sekunden etwas mehr Zeit. Das gleiche Bild ergibt sich bei den 1000 MP3s. Während alle Modelle  für das Schreiben und Lesen 17 bis 18 Sekunden brauchen, dauert das Kopieren beim kleinsten 850-Pro-Modell mit 29 Sekunden wieder circa 4 Sekunden länger.

Im Festplatten-Test des PC Mark Vantage halten sich die Unterschiede wiederum in engen Grenzen: Das Quartett erreicht durch die Bank eine ausgezeichnete Gesamtpunktzahl von circa 80.000 Punkten. Gleiches gilt für den Befehlsdurchsatz, der in unseren Iometer-Tests beim zufälligen Lesen rund 60.000 Befehle pro Sekunde beträgt. Die einzige Schwäche - unter der auch die Vorgänger-Generation leidet - erlaubt sich die neue SSD-Baureihe beim zufälligen Schreiben. Über mehr als 6000 bis 8000 Befehle/s kommen die 850-Pro-Modelle nicht hinaus.

Im Vergleich zur Samsung 840 Pro bietet die neue 850er-Baureihe - abgesehen von den Praxistests - kein höheres Tempo, ist aber auch nicht langsamer unterwegs. Gegenüber den SSDs anderer Hersteller macht die Samsung 850 Pro ebenfalls eine sehr gute Figur. Hier können nur eine Handvoll Modelle im Test wie beispielsweise die Corsair Neutron GTX, Crucial MX100, Intel 520 oder OCZ Vector 150 mithalten.

Vier gewinnt: Samsung SSD 850 Pro Series
Vergrößern Vier gewinnt: Samsung SSD 850 Pro Series

Die Samsung 850 Pro ist die sparsamste SSD im Test

Große Unterschiede innerhalb der 850-Pro-Baureihe gibt es nicht. Im Leerlauf bleiben alle Modelle unter der 0,3-Watt-Grenze. So sparsam war bis dato noch keine SSD-Familie im Test. Genügsam zeigt sich die Samsung 850 Pro auch bei der Leistungsaufnahme unter Last. Die Maximalwerte liegen hier zwischen 2,2 Watt beim 128-GB-Modell bis hin zu den 2,7 Watt des Spitzenmodells mit einem Terabyte.

Keine SSD-Baureihe ging bisher so energieeffizient zu Werke wie die Samsung 850 Pro. Zum Vergleich: Die meisten Solid State Drives im Test liegen bei Spitzenverbrauchswerten von über 3 Watt. Die Vorgängergeneration Samsung 840 Pro 512GB verbraucht im Test maximal 3,3 Watt, während die Modelle der Einsteigerklasse Samsung 840 Evo zwischen 2,3 Watt und  2,9 Watt benötigen.

Der Lieferumfang der Samsung 850 Pro ist dünn

In Sachen Lieferumfang hat Samsung bei der 850 Pro den Rotstift angesetzt. In der Verpackung befindet sich neben der 2,5-Zoll-SSD und zwei briefmarkengroßen "Samsung SSD activated"-Aufklebern lediglich zwei Faltblätter: ein Installations-Guide und das "Warranty Statement Summary". Letzteres umreißt minutiös die Bedingungen für den Garantiefall - unter anderem darf die TBW nicht überschritten werden.

Schrauben, Kabel, Adapter und Einbau-Rahmen liegen der Samsung 850 Pro also nicht bei. Und ob es spezielle Desktop- oder Notebook-Kits geben wird, konnte uns Samsung zum Testzeitpunkt noch nicht verraten.
Bei den Software-Beigaben hat sich nichts geändert. Samsung stellt das Tool-Paket Magician Software sowie die Cloning- und Backup-Lösung Smart Migration zum Download zur Verfügung. 

Die Samsung 850 Pro punktet mit drei Verschlüsselungs-Methoden

Den Datenschutz nimmt Samsung bei der 850-Pro-Familie sehr wichtig. Über die Magician Software stehen drei Verschlüsselungs-Methoden zur Verfügung: Sie können das Laufwerk automatisch per 256-Bit-AES-Verschlüsselung schützen, per Verwaltungs-Software über den TCG-Standard Opal 2.0 und über das IEEE-1667-Protokoll, etwa für die BitLocker-Laufwerkverschlüsselung unter Windows 8. Zu den mitterweile selbstverständlichen Funktionen gehören die Garbage Collection und der TRIM-Befehl, um die Blockfragmentierung der SSD permanent gering zu halten.

Neben der sehr hohen Gesamtschreibleistung von 150 Terabyte nimmt sich die mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen (Mean Time Between Failures = MTBF) der Samsung 850 Pro von 1,5 Millionen Stunden eher bescheiden aus. Im Vergleich zur Konkurrenz ist der MTBF-Wert aber gut. Dank der schlanken Bauhöhe von 7 Millimeter passt die 850 Pro auch in viele ultraportable Rechner. Mit maximal 66 Gramm ist die Solid State Drive auch sehr leicht.

Test-Fazit zur Samsung 850 Pro: Herausragende SSD, die ihren Preis hat

Mit der 850-Pro-Familie hat Samsung an den richtigen Stellen nachgebessert. Die neue SSD-Baureihe setzt Maßstäbe bei der Energieeffizienz, Ausdauer, Sicherheit und Service. Mit der niedrigsten Leistungsaufnahme aller SSDs im Test, einer sagenhaften Gesamtschreibleistung von 150 Terabytes, drei Verschlüsselungs-Methoden zur Auswahl und sensationellen 10 Jahren Garantie muss sich die Konkurrenz warm anziehen.

Allein beim Tempo hat Samsung keine spürbaren Fortschritte gemacht und erreicht unterm Strich nur das Leistungsniveau der 840 Pro. Das soll aber nicht heißen, dass die Samsung 850 Pro zu langsam ist - die Datenraten und Zugriffszeiten sind voll konkurrenzfähig. Lediglich beim Befehlsdurchsatz erbt die 850 Pro die Schreibschwäche der Vorgänger-Generation.

Und zum Schnäppchen-Preis ist die Samsung 850 Pro auch nicht zu haben. Bei einem durchschnittlichen Gigabyte-Preis von rund 90 Cent müssen Sie zum Starttermin doppelt so viel wie bei der Konkurrenz berappen. Es ist allerdings nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Straßenpreise in naher Zukunft spürbar unter die unverbindliche Preisempfehlung fallen.  

Samsung 850 Pro Serie: Alle Messergebnisse der Tempo-Tests

Samsung-SSD

850 Pro 128GB

850 Pro 256GB

850 Pro 512GB

850 Pro 1TB

840 Pro 512GB 

840 Evo 120GB

840 Evo 1TB

DVD-Film (4,2 GB) auf SSD schreiben / lesen / duplizieren [Minuten]

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14 / 14 / 21 

1000 MP3-Dateien (5 GB) auf SSD schreiben / lesen / duplizieren

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0:20 / 0:19 / 0:27 

0:24 / 0:21 / 0:39 

20 / 20 / 27 

Praxis-Simulation PC Mark Vantage - Gesamtergebnis [Punkte]

79 870 

80 188 

79 972 

79 344 

80 197 

80 594 

79 867 

sequenzielle Leserate (TecBench): minimal / durchschnittlich / maximal [Megabyte/s]

507 / 510 / 512 

509 / 513 / 513 

509 / 513 / 514 

511 / 513 / 513 

491 / 500 / 504 

474 / 478 / 485

410 / 467 / 496 

sequenzielle Schreibrate (TecBench): minimal / durchschnittlich / maximal

430 / 453 / 463 

461 / 468 / 476 

470 / 470 / 471 

461 / 470 / 471 

461 / 463 / 471 

143 / 249 / 443

461 / 463 / 463 

Dateien auf der SSD finden (TecBench): mittlere / maximale Zugriffszeit [Millisekunden]

0,03 / 0,04 

0,03 / 0,04 

0,03 / 0,04 

0,03 / 0,04 

0,03 / 0,04 

0,04 / 0,04

0,03 / 0,04 

Iometer, wahlfreies Lesen, Blockgröße 4K, 32 parallele Anfragen, aligned [Befehle/s] 

60 724 

59 524

61 062 

60 719 

68 704 

62 649 

65 916 

Iometer, wahlfreies Schreiben Blockgröße 4K, 32 parallele Anfragen, aligned [Befehle/s] 

5917

8487

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7891

4913

3402

8396

Testverfahren für SSDs im Detail

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