Das neue Netbook?

Samsung Chromebook im Test

Dienstag den 19.03.2013 um 18:45 Uhr

von Thomas Rau

Samsung Chromebook Serie 3 (XE303C12-A01DE)
Samsung Chromebook Serie 3 (XE303C12-A01DE)
Preisentwicklung zum Produkt
Wird es diesmal ein Erfolg? Samsung Chromebook im Test
Vergrößern Wird es diesmal ein Erfolg? Samsung Chromebook im Test
© Samsung
Chrome OS lebt: Zwei Jahre nachdem die ersten Notebooks mit Googles PC-Betriebssystem böse floppten, tritt Samsung mit einem neuen Chromebook an. Das XE303C12 kostet 299 Euro für die WLAN- und 349 Euro für die 3G-Variante.
Damit zielt das Chromebook auf eine Preisklasse, in der noch vor kurzem die Netbooks dominierten. Doch seit Tablets den Mini-Notebook den Garaus gemacht haben, haben Sie für rund 300 Euro keine andere Wahl mehr, wenn Sie ein günstiges Mobilgerät suchen - mit den Wischcomputern lässt sich zwar schön surfen und spielen, aber ohne Tastatur nicht produktiv arbeiten. Das Chromebook spielt aber nicht nur in der Preis-, sondern auch in der Größenklasse der Netbooks: Es ist genauso klein, besitzt ein entspiegeltes 11,6-Zoll-Display und wiegt nur 1122 Gramm.

Chromebook: Warum es diesmal klappen könnte

Der zweite Versuch mit einem Chromebook scheint erfolgversprechender: Viele Nutzer kennen und schätzen den Chrome-Browser. Ebenso ist es mit Google-Services wie Drive, Docs oder Cloud Print: Daten nur in der Cloud und nicht lokal vorzuhalten, ist inzwischen nichts Besonderes mehr. Und das Problem, dass sich viele Funktionen von Chrome OS nur nutzen lassen, wenn das Notebook online ist, verliert angesichts zunehmender WLAN- und 3G-Abdeckung an Schrecken.

Samsung Chromebook im Test-Video
Samsung Chromebook im Test-Video

Denn ohne Online-Verbindung geht wenig beim Chromebook: Schon direkt nach dem extrem schnellen Start - 9 Sekunden Bootzeit - benötigt das Chromebook eine WLAN-Verbindung, sonst geht es nicht weiter. Sie melden sich anschließend mit einem Google-Konto an, erstellen ein neues oder surfen per Gastmodus auf dem Chromebook. Dann sind Sie inkognito unterwegs, alle Browser-Spuren werden beim Beenden des Gastmodus gelöscht.

Das entspiegelte Display des Chromebook zeigt 1366 x 768
Bildpunkte, ist aber nicht besonders hell
Vergrößern Das entspiegelte Display des Chromebook zeigt 1366 x 768 Bildpunkte, ist aber nicht besonders hell
© Samsung

Das kann Chrome OS

Im Browser spielt sich auch alles ab, was Sie auf dem Chromebook tun können. Am unteren Bildschirmrand gibt es noch eine Task-Leiste, die unter anderem eine Uhr und Infos zu Netzwerk-Verbindungen und Akkuladestand anzeigt. Auf dem Chromebook sind zahlreiche Web-Apps vorinstalliert - in den meisten Fällen Lesezeichen, die auf die entsprechenden Services von Google verweisen. Sie erreichen Sie über ein Icon in der Task-Leiste, das an das Programm-Menü-Symbol von Android erinnert. Weitere Programme holen Sie sich aus dem Chrome Web Store .

Am nützlichsten ist Files - ein rudimentärer Datei-Manager. Dort sehen Sie etwa die Inhalte von Google Drive, dem Cloud-Speicher von Google. Er umfasst normalerweise 5 GB: Beim Kauf eines Chromebooks bekommen Sie allerdings für zwei Jahre 100 GB spendiert. Im Ordner “Downloads” finden Sie die lokalen Dateien, zum Beispiel Bilder, die Sie mit der Web-Kamera des Chromebook gemacht haben, Dateien, die Sie aus dem Internet heruntergeladen oder die Sie von einem externen Speicher aufs Chromebook überspielt haben: Dafür besitzt es einen USB 2.0- und einen USB-3.0-Anschluss.

Der interne Flash-Speicher ist 16 GB groß, auch das Betriebssystem ist darauf installiert. Er lässt sich per SD-Karte oder einem angeschlossenen Massenspeicher erweitern. Sie können Filme, Fotos, Musik und Dokumente von einem USB-Stick oder einer Festplatte starten, sofern Chrome OS das Dateiformat versteht (siehe Kasten). Dateien in einem Microsoft-Office-Format lassen sich nur lesen, nicht bearbeiten.

Chrome OS: Unterstützte Dateiformate

Microsoft Office-Dateien (schreibgeschützt): DOC, DOCX, PPT, PPTX, XLS, XLSX

Produktiv arbeiten mit dem Chromebook

Sie können Office-Dateien auch in Google Drive hochladen: Sie werden dann in ein Google-Format konvertiert und lassen sich beim Herunterladen wieder zurück wandeln. Solange Sie online sind, versorgt Sie das Chromebook auch multimedial perfekt: Über Google Play Music können Sie auf Ihre Musiksammlung in der Cloud zugreifen, Filme lassen sich von Google Drive abspielen.

Beim Arbeiten mit dem Chromebook bremst Sie in den meisten Fällen eher die Bandbreite der Online-Verbindung als die Rechenleistung des eingebauten Prozessors - in diesem Fall der ARM-CPU Exynos 5250. Nur bei Full-HD-Videos bemerken Sie ein leichtes Ruckeln, wenn die Videos im High-Profile kodiert sind, wird es allerdings störend. Auch wenn Sie HD-Videos streamen, stockt es bisweilen auch bei perfekter Online-Verbindung. Enttäuscht war ich von vielen Spielen auf dem Chromebook: Selbst das unvermeidliche Angry Birds ruckelt wie auf einem drei Jahre alten Smartphone.

Doch insgesamt stelle ich nach einigen Tagen mit dem Chromebook fest, wie viel ich über den Browser erledige und wie wenig ich lokal installierte Programme vermisse. Sogar eine rudimentäre Bildbearbeitung gibt es als Chrome-App. Letztendlich sind es nur rechenintensive Aufgaben wie aufwändige Bildbearbeitung, Videoschnitt und effektreiche Spiele, die Chrome OS nicht bieten kann - für die die Komponenten im Samsung Chromebook aber auch zu leistungsschwach sind.

Links sitzt der Kopfhörerausgang und der
SD-Karteneinschub
Vergrößern Links sitzt der Kopfhörerausgang und der SD-Karteneinschub
© Samsung

Das geht offline

Doch nicht immer sind Sie online: An manchen Stellen gibt es kein WLAN und keine 3G-Verbindung - und das gilt nicht nur für den Transatlantik-Flug. Google verspricht, dass sich viele Apps offline nutzen lassen. Doch im Test stellt sich heraus, dass dies nur teilweise stimmt. Ein Textdokument können Sie offline neu erstellen und bearbeiten: Gehen Sie das nächste Mal online, werden die Änderungen übernommen. Tabellen dagegen lassen sich offline nicht neu erstellen. Öffnen Sie eine bestehende Tabelle im Offline-Modus, können Sie sie nur lesen, aber nicht bearbeiten.

Auch andere Apps verhalten sich on- und offline unterschiedlich: Im Notizblock Scratchpad beispielsweise lässt sich offline keine neue Notiz anlegen, ein bestehende aber bearbeiten. Im Test ließ sich auch der Kalender nicht offline betrachten. Dieses kaum nachvollziehbare Verhalten nervt bei der Arbeit mehr als wenn offline überhaupt nichts ginge, weil Sie je nach der App immer mit einem anderen Verhalten rechnen müssen.

Leichtgewicht: Das Chromebook wiegt nur 1122
Gramm
Vergrößern Leichtgewicht: Das Chromebook wiegt nur 1122 Gramm
© Samsung

Chromebook: Der Netbook-Erbe

Die Hardware des Samsung Chromebook ist für den aufgerufenen Preis in Ordnung. Das schicke, flache Plastikgehäuse knarzt an der Handablage zwar vernehmlich, macht aber besonders am Displaydeckel einen recht stabilen Eindruck. Allerdings lässt sich der Bildschirm nicht sehr weit öffnen - große Menschen werden dann Probleme haben, einen idealen Einblickwinkel einzustellen, zumal Farbsättigung und Kontrast schnell abnehmen, wenn Sie schräg von oben auf den Bildschirm schauen.

Tastatur und Touchpad

Die Tastatur zeigt in der obersten Reihe Spezial-Tasten für die Browser-Bedienung, zum Beispiel vorherige, nächste Seite, Neu laden, Fenster maximieren, zum nächsten Fenster wechseln. Außerdem können Sie über diese Tasten Helligkeit und Lautstärke regeln. Zum Tippen ist sie nicht ideal: Der Hub ist ziemlich flach, der Druckpunkt wenig spürbar, insgesamt wirkt der Anschlag dadurch recht schwammig. Allerdings bietet auch ein deutlich teureres Notebook nicht die Gewähr für eine bessere Tastatur - und zu diesem Preis lässt sich auch mit der Chromebook-Tastatur auskommen. Das Touchpad funktioniert meist gut und präzise. Bei unserem Gerät verkantete aber die Touchpad-Fläche hin und wieder und ließ sich dann nicht mehr drücken - schlecht, weil sie als Eingabetaste dient.

Akkulaufzeit: Ordentlich, nicht überragend

Bei der Akkulaufzeit schneidet das Chromebook ordentlich ab: Es hält knapp über sechs Stunden beim Dauer-Surfen per WLAN durch. Viele Ultrabooks bieten eine ähnliche Laufzeit, zeigen dabei aber mehr Rechen-Power. Die meisten Tablets leisten dagegen in dieser Disziplin rund ein bis zwei Stunden mehr.

Samsung Chromebook im Test: Fazit

© Samsung

Das Chromebook erfüllt einen sehr genau umrissenen Einsatzzweck: Sie bekommen ein sehr leichtes und kompaktes Mobilgerät zu einem konkurrenzlos günstigen Preis - da hält kein Ultrabook und kein Tablet mit Tastatur mit. Allerdings leisten diese Geräte das Gleiche wie das Chromebook - auch unter Windows können Sie den Chrome-Browser und die Google-Services nutzen. Und ein Windows-Notebook hat dann eben noch Windows - funktioniert also auch offline im gewohnten Umfang, mit mehr Programmen und einer höheren Rechenleistung.

Das Chromebook ersetzt daher kein anderes Mobilgerät. Die Nische “Günstiges Mobilgerät für produktives Arbeiten” füllt das Samsung Chromebook aber sehr gut aus: Mehr als eine Tastatur, geringes Gewicht und niedrigen Preis braucht es dafür nicht. Dort ist es konkurrenzlos, was nicht schwer ist, weil es seit dem Ableben der Netbooks keine Konkurrenz mehr gibt.
Seine Hardware ist ordentlich, aber nicht überragend: Sie bekommen genau das, was Sie für diesen Preis erwarten dürfen - und was Sie bei einem Netbook auch bekommen hätten.

Samsung Chromebook Modell 303C12
Preis 299 Euro (WLAN), 349 Euro (3G)
Bildschirm 11,6 Zoll
Auflösung 1366 x 768 Pixel
Prozessor Samsung Exynos 5250
interner Speicher 16 GB Flash
Schnittstellen HDMI, USB 3.0, USB 2.0, SIM-Karte (alle hinten); Kopfhörer, SD-Karte (links)
Gewicht 1122 Gramm
Gewicht Netzteil 272 Gramm
Akkulaufzeit 6:03 Stunden
Netzwerk 11n-WLAN (Dual-Band), Bluetooth 4.0, HSDPA+ (3G-Modell)
Bildschirm Helligkeit 192 cd/qm2
Bildschirm Kontrast 356:1
Startzeit 9 Sekunden

Dienstag den 19.03.2013 um 18:45 Uhr

von Thomas Rau

Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (0)
1736216