SSD im Temporausch

OCZ Vertex 2 Pro im Test

Montag, 15.02.2010 | 18:18 von Michael Schmelzle, Martin-Roger Jones
Die OCZ Vertex 2 Pro erreichte im Praxis-Einsatz Rekord-Datenraten von über 120 MB/s. Der Test verrät, welche Rolle der neue Sandforce-Controller SF-1500 beim Geschwindigkeitsrausch spielt.
Innovativer Ansatz: SSD-Controller Sandforce SF-1500 der
OCZ Vertex 2 Pro
Vergrößern Innovativer Ansatz: SSD-Controller Sandforce SF-1500 der OCZ Vertex 2 Pro
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Die OCZ Vertex 2 Pro ist die erste SSD im Test, die ohne zusätzlichen Pufferspeicher eine beeindruckende Schreibleistung erreichte. Möglich macht das der Festplatten-Controller SF-1500 von Sandforce , der mit der innovativen Technik "DuraWrite" völlig neue Wege beschreitet. Sie könnten wegweisend für SSDs sein. Der hochkomplexe Schreibalgorithmus fasst - vereinfacht gesagt - die zu schreibenden Daten zusammen und komprimiert sie vor dem Schreibvorgang. Im Vergleich zu herkömmlichen SSD-Controllern soll das nach Angaben von Sandforce die Anzahl der Schreibvorgänge um mehr als die Hälfte reduzieren. Das Puffern von Schreibzugriffen über einen zusätzlichen Cache-Baustein auf der SSD-Platine ist dadurch nicht mehr nötig.

Gut, aber nicht überragend: sequenzielle Schreibrate der
OCZ Vertex 2 Pro
Vergrößern Gut, aber nicht überragend: sequenzielle Schreibrate der OCZ Vertex 2 Pro
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Ganz ohne Zwischenspeicher kommt der SF-1500 allerdings nicht aus: Der Sandforce-Controller selbst kann ein paar Megabyte zwischenspeichern. Wie groß der interne Cache genau ist, wollte uns der Hersteller aber nicht verraten ("The SF controllers buffer a couple of megabytes of data."). Neben DuraWrite verbessern noch andere Maßnahmen die Schreibleistung. So soll der Controller die Schreibvorgänge auf Redundanz prüfen und herausfiltern sowie intelligenter auf die einzelnen Flash-Zellen verteilen. Laut Sandforce können all diese Aktionen die Lebensdauer der Flashzellen um den Faktor 8 verlängern - das würde in der Tat die SSD-Technik revolutionieren.

Einen Pferdefuß haben die neuen Techniken des Sandforce-Controllers allerdings: Sie benötigen rund 20 Prozent der nutzbaren Kapazität. So sind beispielsweise in unserem Testgerät OCZ Vertex 2 Pro mit 100 GB 16 Flash-Chips à 8 GB verbaut, was einer nominellen Kapazität von 128 GB entspricht. Hersteller OCZ verkauft diese Variante als 100-GB-SSD, die nach NTFS-Formatierung wiederum nur rund 91 GB nutzbare Kapazität bietet. Auf der anderen Seite relativiert sich der Kapazitätsschwund durch die Komprimierung der Daten.

Preis: Die OCZ Vertex 2 Pro kommt ab März 2010 in vier Varianten auf den Markt. OCZ bietet die Vertex 2 Pro mit 50, 100, 200 und 400 GB für circa 180, 350, 700 sowie 1500 Euro an. Das Testmuster mit 100 GB kommt damit auf einen Gigabyte-Preis von 3,83 Euro. Damit positioniert OCZ die Vertex 2 Pro zwischen herkömmlichen MLC-Modellen, die zwei bis drei Euro pro GB kosten und SLC-Varianten mit einer Preisspanne zwischen drei und elf Euro pro GB. Als MLC-SSD ist die OCZ Vertex 2 Pro also per se teuer. Auf der anderen Seite überflügelt die Vertex 2 Pro in den Praxis-Transferraten alle bisherigen SLC-Modelle im Test.

Ausstattung: Die OCZ Vertex 2 Pro setzt auf Flash-Bausteine des Typs Micron 29F64G08CFABA. Der Sandforce-Controller SF-1500 steuert jeden der insgesamt 16 Flash-Chips mit einem eignen Speicherkanal an. Die Schockfestigkeit der OCZ Vertex 2 Pro liegt bei sehr guten 1500 G. Den Stromverbrauch gibt OCZ mit 0,5 Watt im Bereitschaftszustand sowie zwei Watt beim Zugriff an - das sind durchschnittliche Verbrauchswerte. Die mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen (Mean Time Between Failures, MTBF) beträgt laut OCZ 1,5 Millionen Stunden - ein guter Wert.

Praxis-Datenraten: Die OCZ Vertex 2 Pro ging trotz MLC-Technik als bisher schnellste SSD über den Zielstrich. In den wichtigen Praxis-Tests erreichte die Flash-Festplatte neue Rekord-Datenraten. Beim Lesen kam die OCZ Vertex 2 Pro auf phänomenale 121,3 MB/s. Die bisher schnellste SSD in diesem Test, die OCZ Vertex EX , erreichte hier trotz flinkem SLC-Speicher mit 110,3 nur 91 Prozent der Leseleistung der Vertex 2 Pro. Überragend war auch die Praxis-Schreibleistung der Vertex 2 Pro von 126,1 MB/s. Die bisherigen Spitzenreiter in dieser Disziplin, die SLC-Modelle Kingston SSD Now E-Series SNE125-S2 32GB und Intel X25-E erreichten mit circa 106 MB/s nur 84 Prozent der Schreibleistung der Vertex 2 Pro. Einen neuen Rekord stellte die OCZ Vertex 2 Pro auch im Kopier-Test mit 120,1 MB/s auf.

OCZ Vertex 2 Pro: Oberseite der SSD-Platine mit
SF-1500-Controller und acht Flash-Chips
Vergrößern OCZ Vertex 2 Pro: Oberseite der SSD-Platine mit SF-1500-Controller und acht Flash-Chips
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Sequenzielle Transferleistung: Exzellent war die Leserate der OCZ Vertex 2 Pro, die zwischen 243 und 254 MB/s lag. Unter allen SSD-Festplatten im Test landet die Vertex 2 Pro damit auf Platz 3, wobei der Rückstand zu den beiden noch besser platzierten SSDs nur wenige Megabyte pro Sekunde betrug. Klassenbeste in dieser Disziplin ist die Intel X25-M G2 mit Werten zwischen 253 und 254 MB/s.

Exzellent: sequenzielle Leserate der OCZ Vertex 2
Pro
Vergrößern Exzellent: sequenzielle Leserate der OCZ Vertex 2 Pro
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Erste Schwächen zeigte die OCZ Vertex 2 Pro beim sequenziellen Schreiben. Maximal erreichte das OCZ-Modell noch hervorragende 220 MB/s, im Mittel waren es allerdings nur noch 157,6 MB/s und minimal lediglich 146,8 MB/s. Unterm Strich reichte das nur für einen Platz im Mittelfeld, da allein acht SSD-Modelle spürbar konstantere sequenzielle Schreibraten von durchschnittlich 200 MB/s boten. Spitzenreiter ist hier das hauseigene Vertex-Modell EX mit einer Transferleistung zwischen 199 und 233 MB/s.

Eine weitere Schwäche des Sandforce-Controllers sind augenscheinlich die Zugriffszeiten: Mit durchschnittlich 0,16 Millisekunden erreichte die Vertex 2 Pro ebenfalls nur einen Platz im Mittelfeld. Reaktionsschnelle Flash-Festplatten wie die Corsair P128 benötigen in dieser Disziplin nur halb so viel Zeit. Noch etwas schlechter fiel der Fullstroke-Zugriff mit 0,20 Millisekunden aus.

Fazit: Die OCZ Vertex 2 Pro bietet momentan die mit Abstand höchsten Transferraten in der Praxis. Egal, ob Sie Daten lesen, schreiben oder kopieren - mit mindestens 120 MB/s können Sie im Alltagseinsatz rechnen. Extrem hoch sind auch die sequenziellen Leseraten von durchschnittlich 253 MB/s, während die sequenzielle Schreibleistung der Vertex 2 Pro nur durchschnittlich ist. Das gilt auch für die Zugriffszeiten, so dass die OCZ Vertex 2 Pro über alle Tempo-Tests gemittelt nur als drittschnellste SSD aus dem Test hervorgeht. Unter den MLC-Modellen kann der OCZ Vertex 2 Pro aber derzeit keine andere SSD das Wasser reichen. Daher besitzt die Vertex 2 Pro mit einem Gigabyte-Preis von rund 3,80 Euro ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

SSD-Test: OCZ Vertex 2 Pro
Vergrößern SSD-Test: OCZ Vertex 2 Pro
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Als erste SSD mit Sandforce-Controller holt sich die OCZ Vertex 2 Pro, stellvertretend für den couragierten Controller-Hersteller, den "Innovation-Tipp" der PC-WELT. Ob die Controller-Technik DuraWrite auf Basis der Komprimierung von Schreibvorgängen tatsächlich wegweisend für den SSD-Markt ist, wird die Zukunft zeigen. Hier können nur Langzeittests offenbaren, ob die Technik zuverlässig arbeitet.

Alternativen: Preisbewusste Käufer greifen zur Kingston SSD Now V+ SNVP325-S2 . Die Flash-Festplatte ist zwar nicht so schnell wie die OCZ Vertex 2 Pro, mit rund 2,80 Euro pro Gigabyte aber deutlich günstiger - inklusive Extras wie Cloning-Software und externem 2,5-Zoll-Gehäuse.

Montag, 15.02.2010 | 18:18 von Michael Schmelzle, Martin-Roger Jones
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