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SOUNDKARTEN: WIE WIR TESTEN

20.10.2004 | 16:15 Uhr |

Die PC-WELT prüft Soundkarten in fünf Kategorien: Audioqualität , Klang , Ausstattung , Handhabung und Service .

Die einzelnen Testkriterien gewichten wir unterschiedlich stark (vergleiche Tabelle 1). Die Audioqualität macht 45 Prozent der Wertung aus und ist damit der wichtigste Punkt. Es folgt der Klang und die Ausstattung mit je 20 Prozent. Die Handhabung hat einen Anteil von 10 Prozent. Der Service geht mit 5 Prozent in die Gesamtnote ein.

Audioqualität

Wir testen alle Soundkarten in einem 1-GHz-Pentium-III-PC mit 256 MB SDRAM, auf dem wir vor jedem Durchlauf Windows XP neu installieren. Wir notieren zunächst, ob es bei der Treiberinstallation irgendwelche Probleme gibt. Abschließend prüfen wir mit einem kurzen Hörtest, ob die Soundkarte korrekt arbeitet. Dann wird es ernst – wir ermitteln mit dem hochpräzisen Audiomessgerät Neutrik Cortex A2-D die technischen Daten der Soundkarte.
Zunächst befassen wir uns mit dem Frequenzgang der Karte im Loop-Modus. Wir prüfen hier, ob die Soundkarte ein Musiksignal auf einem ihrer analogen Eingänge verfälscht, wenn sie es auf dem analogen Line-Ausgang ausgeben muss. Vor der eigentlichen Messung schicken wir ein 1-kHz-Signal bei einem Pegel von 0 dBu an die Karte. Dann drehen wir mit dem Soundkartenmixer das Ausgangssignal voll auf und nehmen diesen Wert anschließend – ebenfalls mit dem Mixer – wieder um 3 dB zurück. Bei diesem Pegel messen wir den Frequenzgang der Karte von 20 Hz bis 20 kHz. Zum Schluss bestimmen wir, wie stark die Werte bei 20 Hz und 20 kHz von der Ideallinie abweichen. Die Karte mit den geringsten Abweichungen bekommt 10 Punkte, die anderen Karten werden entsprechend skaliert.
Auf ähnliche Weise messen wir Werte, die noch wichtiger für den Klang einer Soundkarte sind: Wie linear ist der Frequenzgang bei der Wiedergabe von WAV-Dateien ? Wir geben der Soundkarte auch hier einen 1-kHz-Testton und stellen den möglichen Maximalpegel ein. Dann nehmen wir den Pegel um 3 dB zurück. Im folgenden Test spielen wir eine WAV-Datei ab, die einen digital generierten Sinuston enthält, dessen Frequenz sich stufenweise von 20 Hz auf 20 kHz steigert. Mit dem A2-D-Gerät messen wir den Wiedergabefrequenzgang der Soundkarte. Auch hier werten wir, wie stark der Frequenzgang bei 20 Hz und 20 kHz von der Ideallinie abweicht. Die Karte mit den geringsten Abweichungen bekommt 40 Punkte, die Ergebnisse der anderen Karten werden entsprechend skaliert.
In der THD+N-Messung stellen wir - jeweils wieder im Loop- und im WAV-Modus - fest, welche Verzerrungen eine Soundkarte produziert. THD steht für Total Harmonic Distortion , N für Noise . Dieser Wert bezeichnet die Störsignale, die die Soundkarte neben dem eigentlich wiederzugebenden Ton produziert. Im Loop-Modus bekommt die Soundkarte vom Tongenerator des A2-D einen sauberen Sinuston mit 1 kHz präsentiert, im WAV-Modus gibt die Soundkarte eine 1-kHz-WAV-Datei wieder. Das A2-D-Gerät bestimmt nun den THD+N-Wert in Prozent. Sehr hohe Verzerrungswerte ab etwa 1 Prozent sind auf jeden Fall hörbar - je geringer dagegen der THD+N-Wert ist, desto sauberer klingt die Soundkarte. Die beste Soundkarte bekommt für den Loop- und den WAV-Test 5 beziehungsweise 20 Punkte, die Ergebnisse der anderen Karten werden entsprechend skaliert.
Anschließend widmen wir uns den digitalen Ausgängen der Karte. Wir analysieren mit dem A2-D die Qualität des digitalen Ausgangssignals : Befindet es der A2-D für ”valid”, sprich, ist es ein normgerechtes Signal? Oder ist es in irgendeiner Weise eingeschränkt und lässt es sich deshalb beispielsweise nicht mit einem DAT-Recorder aufnehmen? Ist die Qualität hoch, hat das Signal also einen geringen Jitter-Anteil ? Wir überprüfen dazu den Jitter-Wert des Digitalsignals, der aussagt, wie stark die Taktfrequenz um den Sollwert schwankt. Dieser Wert wird in Nanosekunden angegeben – wir ermitteln ihn ebenfalls mit dem A2-D. Gute Soundkarten kommen auf unter 5 ns, Werte um die 50 sind üblich. Ein geringer Jitter-Wert ist für die präzise räumliche Darstellung im Stereoklangbild sehr wichtig. Die beste Soundkarte bekommt 5 Punkte, die anderen Ergebnisse werden entsprechend skaliert. Wir analysieren anschließend, wie viele Sample-Frequenzen die Soundkarte auszugeben vermag: 44,1 kHz ist Standard – diese Frequenz sollte nicht fehlen (5 Punkte) -, 48 kHz ermöglichen einen etwas besseren Frequenzgang (zusätzlich 4 Punkte), 96 braucht man selten (nochmals 3 Punkte). Weitere Frequenzen müssen nicht sein; bietet eine flexible Karte dennoch mehr, geben wir ihr zusätzlich 3 Punkte. Insgesamt gibt’s hier maximal 15 Punkte. Schließlich prüfen wir, ob die Soundkarte ein kopierfähiges Digitalsignal ausgibt oder das Kopieren unmöglich machen will. Sprich: Ist das Copy-Bit im Datenstrom gesetzt? Versucht die Karte nicht, das Kopieren zu verhindern, bekommt sie nochmals 5 Punkte. Insgesamt sind in Sachen Audioqualität 100 Punkte möglich.

Klang

In unserem Hörraum haben wir für rund 2300 Euro eine Dolby-Digital- und DTS-fähige Stereo-Anlage mit Lautsprechern von Bowers & Wilkins sowie einem Dolby-Digital-Receiver von Yamaha aufgebaut, deren Klangqualität weit über dem liegt, was mit üblichen PC-Lautsprechern möglich ist. Der Receiver verfügt über reichlich analoge und digitale Ein- und Ausgänge. Der Sinn der Übung: Wenn eine Soundkarte mit diesen Geräten gut klingt, leistet sie mit PC-Lautsprechern genauso viel wie in einer Stereo- oder auch einer Dolby-Digital-Anlage zum DVD-Gucken.
Wir schließen die Soundkarte zunächst analog an den Receiver der Anlage an. Danach muss sie einige Musikstücke wiedergeben, die auf der Festplatte des PCs im WAV-Format vorliegen. Bei der Auswahl der Musikstücke legen wir Wert darauf, alle klanglichen Register zu ziehen – wir spielen also alles quer durch den Garten: von klassischer Musik über hochwertige Gesangsaufnahmen , Punk von Blink 182 , Synthesizermusik von Mike Oldfield bis hin zu Industrial von den Nine Inch Nails . In diesem Test kann die Karte maximal 70 Punkte erhalten; aufgrund des subjektiven Testcharakters skalieren wir hier nicht.
Dann verbinden wir den Digitalausgang der Soundkarte mit dem Receiver und spielen im DVD-Laufwerk des Test-PCs eine DVD ab. Wir prüfen so, ob die Soundkarte in der Lage ist, ein Dolby-Digital-5.1-Signal an den Verstärker zu liefern. Als Referenz-DVD dient der Film Titan A.E . Die Anfangssequenz dieses Films bietet ein extrem differenziertes Klangbild mit vielen räumlichen Effekten. Auch der Subwoofer muss ordentlich arbeiten. Und selbst mit unserer relativ hochwertigen Anlage ist hier kein signifikanter Klangunterschied zwischen den Karten auszumachen - die Anlage bestimmt hier weitgehend den Klang. Uns geht es in diesem Test vielmehr darum, ob die Karte Dolby-Digital-Signale korrekt an einen Verstärker weitergibt . Wenn die Soundkarte hier besteht, gibt’s 30 Punkte, entlocken wir dem Receiver keinen Kinoklang, geht die Karte leer aus. Insgesamt kann eine Karte in diesem Prüfpunkt 100 Punkte erzielen.

Ausstattung

Die Soundkarten sind sehr unterschiedlich mit Extras versehen. Einige Geräte kommen lediglich mit einer Treiber-CD und einer Grundausstattung an Schnittstellen, andere bieten sowohl mehrere Spiele-CDs also auch reichlich Anschlüsse in digitaler wie analoger Version.
Zunächst ist uns wichtig, wie der Hersteller die Schnittstellen der Soundkarte angebracht hat. 20 Punkte gibt es für eine Break Out Box . Das ist ein Metall- oder Plastikgehäuse, das die Schnittstellen der Soundkarte enthält und mit der Soundkarte über ein dickes, mehradriges Kabel verbunden ist. Diese Box findet in einem 5,25-Zoll-Schacht des PCs oder auch extern Platz. Wir finden das in beiden Fällen sehr praktisch. 10 Punkte gibt es, wenn die Soundkarte ein zweites Slot-Blech mit Ein- und Ausgängen mitbringt. Hier bringen die Hersteller meist digitale Schnittstellen unter – auf dem Slot-Blech einer einfachen Soundkarte ist nicht viel Platz. Deshalb ist das zweite Slot-Blech ein Muss, wenn der Kartenhersteller für die digitalen Schnittstellen nicht auf einige der üblichen analogen Schnittstellen weglassen will. Legt der Hersteller der Karte zusätzliche Kabel bei, die Ihnen beim Anschluss der Karte an Stereo-Anlage oder PC-Lautsprecher helfen, kassiert die Karte mit den meisten Kabeln 5 Punkte, die anderen werden entsprechend skaliert.
Schließlich bewerten wir, wie viele Ein- und Ausgänge die Karte für analoge und digitale Signale bietet. Die Karte, die die meisten analogen Schnittstellen bietet, bekommt 20 Punkte, die anderen Karten werden entsprechend skaliert. Das Gleiche gilt für digitale Schnittstellen. Und noch einmal 20 Punkte bekommt die Karte mit den meisten sonstigen Schnittstellen , etwa USB und Firewire . Auch in diesem Bereich wird skaliert. Abschließend prüfen wir, ob der Hersteller an weitere Extras – etwa eine Fernbedienung – gedacht hat. Für solche Extras gibt es insgesamt nochmals 5 Punkte.
Zusammengenommen gibt es in der Unterrubrik Hardware-Ausstattung 100 Punkte zu verteilen.
Eine eigene Unterkategorie der Ausstattung betrifft die mitgelieferte Software . Hier gilt: Viel hilft wirklich viel – der Hersteller, der die wertvollsten zusätzlichen Programme beilegt, bekommt 50 Punkte. Die Ergebnisse der anderen Karten werden entsprechend des Werts der beiliegenden Programme skaliert.

Handhabung

Die beste Soundkarte nützt wenig, wenn die Treiber und die sonstigen zum Betrieb der Karte nötigen Programme, etwa der Mixer , nicht problemlos funktionieren. Es gibt beispielsweise Mixer, die nur recht unpräzise Einstellungen der Lautstärke zulassen. Andere Mixer arbeiten dagegen sehr genau und zeigen in einer Aussteuerungsanzeige sogar an, auf welchem Ein- und Ausgang gerade ein Musiksignal anliegt . Das ist ein Extra, das Sie sehr schnell schätzen werden. Wir bewerten die Handhabung der Software mit maximal 60 Punkten.
Natürlich sehen wir uns auch die Hardware an: Wie sind die Buchsen des Slot-Blechs verarbeitet ? Sitzen unsere Prüfstecker exakt in den Buchsen? Sind die Buchsen nicht zu eng angeordnet , passen auch mehrere Stecker nebeneinander? Gibt es scharfe Kanten? Wenn die Soundkarte über eine Break Out Box verfügt, prüfen wir sowohl ihre Verarbeitung als auch die Handhabung. Maximal sind hier 40 Punkte zu vergeben.

Service

Hier bewerten wir vor allem die Garantiezeit (60 Punkte). Den zweiten Schwerpunkt bilden die Service-Leistungen der Hersteller (40 Punkte). In dieses Kriterium gehen mit maximal 24 Punkten die Ergebnisse unserer Brand-Awareness-Studie ein. Bei dieser Studie befragt die PC-WELT Endanwender, wie zufrieden sie mit den Service-Leistungen ihres Herstellers waren. Maximal 8 Punkte kann sich ein Hersteller mit einem guten Internet-Auftritt verdienen – dazu gehört beispielsweise eine gut strukturierte Seite , auf der sich auch aktuelle Firmware- oder Treiber-Updates für die eigenen Geräte finden. Ein strukturierter FAQ-Bereich ist uns ebenfalls wichtig. Natürlich ist auch eine deutschsprachige Website positiv. Letztlich bewerten wir die Hotline des Herstellers mit bis zu 8 Punkten. Wichtig ist hierbei beispielsweise, ob sich die Hotline-Nummer problemlos auf der Website finden lässt, wie lange die täglichen Sprechzeiten sind, an wie vielen Tagen die Hotline offen ist und was sie den Anrufer kostet.
Die beste Soundkarte in dieser Kategorie erhält 100 Punkte, die übrigen werden entsprechend skaliert.

Preis-Leistungs-Note

Die aktuellen Preise recherchieren wir Monat für Monat anonym , weil wir uns nicht auf die wenig aussagefähigen Listenpreise der Hersteller stützen wollen. Dazu rufen wir bundesweit Versandhändler und Fachgeschäfte an und errechnen aus den Angaben den Mittelwert . Zusätzlich durchforsten wir die Angebote der Internet-Händler. Aus den recherchierten Angaben bilden wir den Durchschnittspreis . Anhand dieses Preises vergeben wir Punkte. Die billigste Soundkarte bekommt 100 Punkte. Alle übrigen bekommen entsprechend skaliert weniger Punkte. Nachdem wir aus den Punkten die Preisnote für ein Gerät gebildet haben, berechnen wir die Preis-Leistungs-Note. In diese Note gehen die Audioqualität zu 35 Prozent, der Preis zu 20 Prozent, der Klang zu 10 Prozent, die Ausstattung zu 20 Prozent, die Handhabung zu 10 Prozent und der Service zu 5 Prozent ein. In der Top-Tabelle der besten Geräte spielt der Preis allerdings keine Rolle. Hier geht es lediglich um Qualität und Leistung. Zusätzlich präsentieren wir Ihnen die drei Geräte mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis, bei denen Sie der Hersteller keinesfalls über die Ladentheke zieht.

Gesamtbewertung

Alle Ergebnisse werden in eine umfangreiche Tabelle eingetragen. Der zuständige Redakteur wertet diese aus und berechnet in einer weiteren Tabelle das Endergebnis und damit den Testsieger. Die Tabellen und Testberichte erscheinen tagesaktuell auf unserer Website www.pcwelt.de mit dem zu diesem Zeitpunkt gültigen Straßenpreis. Für das Heft aktualisieren wir einmal im Monat kurz vor Druckbeginn alle Preise der Top-200-Geräte. Zudem arbeiten wir kontinuierlich eventuelle technische Änderungen ein. Damit wir frühere Testgeräte mit den neuen vergleichen können, normieren wir auf das jeweils beste Ergebnis (maximale Punktzahl). Die anderen Geräte werden am Spitzenreiter gemessen und entsprechend skaliert. So entsteht die Top-10-Liste.

Tabelle 1: Prozentualer Anteil der einzelnen Kriterien am Gesamtergebnis

Tabelle 2: Punktevergabe innerhalb der einzelnen Kriterien

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