30.04.2009, 12:12

Michael Schmelzle, Alexander Kuch

Riesiger All-in-One-PC im Test

Dell XPS One 24

Mit 24-Zoll-Display sowie üppigen Video-Schnittstellen schickt Dell den XPS One 24 ins Rennen um den besten All-in-One-PC. Ob der Koloss sein Geld wert ist, klärt unser Test.
Dell hat seinen All-in-One-PC XPS One überarbeitet. Neben dem bisherigen Modell mit 20 Zoll-Monitor, das seit etwa einem Jahr erhältlich ist, können Sie nun ein Modell mit 24-Zoll-Display auswählen. Rechts und links der spiegelnden Anzeige prangen die wohlklingenden Lautsprecher aus dem Hause des amerikanischen Herstellers JBL. Der PC thront auf einer soliden Glasplatte und bringt für Internetverbindungen einen Gigabit-Ethernet-Port sowie schnelles WLAN mit. Umfangreiche Audio- und Videoschnittstellen empfehlen den Boliden für den Wohnzimmereinsatz. Allerdings ist Dell bei der Erneuerung der Produktpalette auf halbem Wege stehen geblieben.
Ausstattung: Blickfang des All-in-One-PCs ist das 24-Zoll-Display mit einer Auflösung von 1920 x 1200 Bildpunkten. In unserem Testgerät verrichtet Intels Core 2 Duo E7200 seinen Dienst. Als Grafikkarte fungiert die eher in Notebooks anzutreffende Nvidia Geforce 9600M GT. Gegenüber dem Vorgängermodell XPS One 20 hat Dell an der Kapazität des Arbeitsspeichers mit 2 GB nichts verändert. Auch das DVD-Brenner-Modell Teac DVW28SLC und die Festplattenkapazität von 320 GB sind gleich geblieben.
Sie haben allerdings die Möglichkeit, auf der Webseite von Dell den XPS One 24 mit Intels Core 2 Quad Q8200, einer 500 GB großen Festplatte und DVD-Brenner mit Blu-ray-Abspielfunktion zu bestellen. Für dieses Upgrade-Paket verlangt Dell einen saftigen Aufpreis von 500 Euro - zumal Grafikkarte und Arbeitsspeicherkapazität bei dieser Modellvariante unverändert bleiben.
Nicht nur durch die Größe des Bildschirms, sondern auch durch die Schnittstellenausstattung weist Dell dem schwergewichtigen All-in-One-PC einen Platz im Wohnzimmer zu: Neben einem TV-Eingang für analoges Fernsehen und DVB-T verfügt der Dell XPS One 24 über 2 Firewire-Schnittstellen und einen Video-Eingang. Für diese Eingangsbuchse legt Dell einen analogen Video-Adapter bei. So können Sie Geräte über S-Video und Composite-Video anschließen und mit Hilfe eines Infrarot-Adapters eine Verbindung zu einer Settop-Box herstellen.
Analoge Hifi-Geräte verbinden Sie über zwei Cinch-Buchsen mit dem Adapter. Auf der Geräterückseite befindet sich neben 4 USB-Schnittstellen ein optischer S/P-DIF-Ausgang für digitale Surround-Boxensets. Das integrierte Bluetooth-Modul unterstützt nur den Standard Bluetooth 1.1. Als Betriebssystem ist Windows Vista Home Premium in der 32-Bit-Variante vorinstalliert. Eine Recovery-DVD ist im Lieferumfang enthalten.
Tempo: 5194 Punkte erreicht der Dell XPS One 24 im Benchmark 3D Mark 06. Damit ist er für die Wiedergabe von Audio- und Video-Material gut gerüstet. Für aufwändige Videobearbeitung ist der Arbeitspeicher mit 2 GB allerdings zu klein bemessen. Unter PC Mark 05 kommt der Rechner auf 6791 Punkte - dies entspricht der Leistung eines Multimedia-PCs in der Preislage um 700 Euro. Wenn Sie eine höhere CPU-Leistung benötigen, können Sie bei der Bestellung des Dell XPS One 24 das Modell mit Vierkern-Prozessor auswählen.
Der Intel Core 2 Quad Q8200 kann seine Vorteile aber nur dann ausspielen, wenn Sie mit Anwendungen arbeiten, die alle vier Prozesorkerne ansprechen können. Im Übrigen hat die Vierkern-CPU mit 2,33 GHz eine geringfügig geringere Taktfrequenz als der Core 2 Duo E7200 mit 2,53 GHz. Arbeiten Sie überwiegend mit Anwendungen, die nur 2 CPU-Kerne nutzen, sind Sie mit dem Doppelkern-Prozessor wegen des höheren Arbeitstaktes sogar besser bedient.
Ergonomie: Im heruntergefahrenen Zustand verbraucht der Dell XPS One 24 mit 1,7 Watt erstaunlich wenig Strom - die Asus Eee Box B202 zieht hier mit 3,3 Watt beinahe doppelt so viel Energie aus der Steckdose. Im Desktop-Betrieb ist der Stromhunger dann allerdings deutlich größer: Mit einem Verbrauch von 138 Watt dringt der Rechner in die Liga der Spiele-PCs vor. Zum Vergleich: Der HP Touchsmart IQ820 benötigt inklusive 25,5-Zoll-Display im Desktop-Modus nur 85,7 Watt. Unter Volllast steigt der Energieverbrauch auf satte 188,8 Watt - dies ist für einen Multimedia-PC deutlich zu viel. Lediglich Computerspieler kalkulieren für ihre Hochleistungs-PCs einen Stromverbrauch von 200 Watt oder mehr ein.
In der Schallmesskammer konnte der Dell XPS One 24 durch einen leisen Betrieb überzeugen: Mit 23,7 dB(A) im Desktop-Modus arbeitet er so leise wie beispielsweise der MSI Wind Nettop mit 23,8 dB(A). Die Lautstärke unter Last haben wir mit 25,3 dB(A) gemessen - dies ist ein guter Wert. Allerdings hat Dell eine temperaturabhängige Lüftersteuerung eingebaut, die nicht nur auf die PC-Abwärme, sondern auch auf die Raumtemperatur reagiert. Als wir in einem Raum mit etwa 25 Grad Umgebungstemperatur auf dem Rechner 3D Mark 06 laufen ließen, drehten sich die Lüfter schließlich mit einem laut dröhnenden Geräusch, das uns an einen Fön erinnerte. Diese Geräuschkulisse ist insbesondere beim Filmgenuss sehr störend.
Fazit: Die Aufgabe eines Medienwiedergabegeräts im Wohnzimmer erfüllt der Dell XPS One 24 mit Bravour. Besonders der TV-Eingang und der Videoadapter verhelfen dem All-in-One-PC zu diesem Erfolg. Das Betriebsgeräusch ist im Desktop-Betrieb angenehm leise, aber wenn der PC heiß wird, dröhnt der Lüfter bei hoher Raumtemperatur sehr laut. Der Stromverbrauch im Standby-Modus ist erfreulich niedrig, aber im Betrieb verbraucht der PC zu viel Strom.
Zum Preis von 1800 Euro ist der All-in-One-Rechner viel zu teuer: Ein Multimedia-PC in dieser Ausstattung kostet 700 Euro, ein 24-Zoll-Display ohne Touchscreen-Funktionalität ist bei Dell ab 300 Euro erhältlich. Wenn wir für das sonstige Zubehör wie Webkamera, Lautsprecher, kabellose Multimediatastatur und Maus einen großzügig kalkulierten Preis von 200 Euro ansetzen, summiert sich das Gesamtpaket auf 1200 Euro. Für sein All-in-One-Konzept kassiert Dell also einen Preisaufschlag von 600 Euro. Das ist völlig überzogen. Für die stolze Summe von 1800 Euro wäre ein Touchscreen, mehr Arbeitsspeicher, eine größere Festplatte oder ein Blu-ray-Laufwerk durchaus angemessen. Das zu diesem Preis mehr möglich ist, beweist das Konkurrenzumfeld.
Alternativen: Zum Preis von 2000 Euro kann der HP Touchsmart IQ820 mit einem 25,5-Zoll-Touchscreen, 4 GB Arbeitsspeicher, 640 GB Festplatte, Blu-ray-Laufwerk und Bluetooth 2.0 aufwarten. Möchten Sie nicht so viel investieren, können Sie den MSI Wind Top AE1900 für 580 Euro in Betracht ziehen.
Varianten: Dell XPS One 24 mit Intel Core 2 Quad Q8200, 500 GB Festplatte, Blu-ray-ROM-/DVD-Brenner-Kombilaufwerk
Dell XPS One 20 mit 20-Zoll-Display, Intel Core 2 Duo E6550, 320 GB Festplatte, ATI Mobility Radeon HD 2400 (256 MB)
Vorschaugrafik: Medion Akoya P7350 D (MD 8860) im Test - klein
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