Aldi-PC (Februar 2009) im Test

Problemzonen, Fazit & Alternativen

Freitag den 06.02.2009 um 22:42 Uhr

von Michael Schmelzle, Alexander Kuch

Das Ärgernis: Die Festplatte
3D Mark 06: schwache Leistung...
Vergrößern 3D Mark 06: schwache Leistung...
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Erinnern Sie sich an unseren Testbericht des Aldi-PCs vom November 2008 ( Medion Akoya P7300D MD 8838 )? Damals hatten wir über die Tempoprobleme mit der Festplatte Western Digital Caviar Green berichtet. Zur Lösung des Problems kamen damals sogar zwei Mitarbeiter von Western Digital ins PC-Welt-Testcenter, um den Fehler festzustellen. Beim der Festplatte im Aldi-PC von November handelte es sich um eine mechanische Beschädigung der Festplatte, die laut Western Digital zu der lahmen Arbeitsweise der Platte und zu den hörbaren Klickgeräuschen geführt hatte.

Medion hat aus diesem Vorfall anscheinend keinerlei Konsequenzen gezogen und verbaut im aktuellen Aldi-PC wieder eine Festplatte aus der Caviar-Green-Serie. Und siehe da: Die Platte hat wieder ein ernsthaftes Tempo-Problem! Dieses Mal hörten wir allerdings keine Klickgeräusche und einen mechanischen Defekt der Platte konnten wir (bisher) auch nicht diagnostizieren. Die Festplatte arbeitete im Auslieferungszustand des PCs allerdings so träge, dass es unter Windows Vista manchmal eine Minute brauchte, bis sich ganz normale Windows-Fenster wie der Gerätemanager oder der Windows-Explorer öffnete. Programminstallationen dauerten durchschnittlich doppelt so lang, wie wir es von anderen Rechnern mit ähnlicher Hardware-Ausstattung gewohnt sind.

Die Festplatte von Western Digital
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Besonders heimtückisch: Der PC weigerte sich standhaft, unsere beiden Benchmark-Programme PC Mark 05 und 3D Mark 06 zu starten. Wir konnten zwar den Begrüßungsbildschirm sehen und die Programme im Taskmanager ordnen, durch die ständige Festplattenaktivität meldete Windows allerdings bald, dass - mangels Reaktion - die Programmausführung beendet werden muss. Dabei ratterte die Festplatte auch mehrere Minuten nach dem Hochfahren des PCs mit großer Lautstärke, auch wenn gar keine Benutzereingaben stattfanden.

Ein Blick auf die vorinstallierten Programme in der Systemsteuerung offenbarte die Übeltäter: Im Auslieferungszustand befanden sich so viele Programme von Google und Microsoft (Live-Programme, Office-Testversion) sowie die Bullguard Internet Security Software auf dem Rechner, die auf eine Online-Aktivierung oder sonstige Benutzereingaben warteten, so dass Arbeitsspeicher und Festplatte damit hoffungslos überfordert waren. Zu allem Überfluss war bei der Festplattenwartung die automatische Defragmentierung aktiviert, die die Platte ebenfalls unnötig beanspruchte.

Erst nachdem wir alle Windows-Live- und Google-Programme komplett deinstallierten, die aufdringliche Antiviren-Software entfernt und die automatischen Defragmentierung abwürgten, beruhigte sich die Festplatte. Ein zweiter Blick in die Systemsteuerung zeigte, dass die Grafikkartentreiber noch vom Dezember letzten Jahres waren. Erst nachdem wir neue Treiber aufspielten, die Auslagerungsdatei optimierten und die Benutzerkonntensteuerung deaktivierten, konnten wir unter Windows endlich mit annehmbarer Geschwindigkeit arbeiten und unsere Benchmark-Programme starten.

Unerwartete Fehlermeldungen sind keine
Seltenheit...
Vergrößern Unerwartete Fehlermeldungen sind keine Seltenheit...
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Tempo: Für einen PC in der Preislage von 500 Euro sind die Benchmark-Ergebnisse mittelmäßig: 5585 Punkte erreichte der PC in der PC-Mark-05-Wertung. Im Benchmark 3D Mark 06 erreichte der Rechner 2699 Punkte. Damit ist er für die Wiedergabe von Filmen und Musik im Wohnzimmer auf jeden Fall geeignet. Für anspruchsvollere 3D-Spiele ist diese Leistung allerdings zu schlecht. Darum bezeichnet Medion den Rechner folgerichtig als "Multimedia PC".

Ergonomie: Schon der Aldi-PC vom November war kein leuchtendes Beispiel beim Stromverbrauch und bei der Geräuschentwicklung. Beim aktuellen Aldi-PC hat Medion den Stromverbrauch etwas gesenkt: 138,5 Watt unter Volllast sind für einen Multimedia-PC zwar kein rühmlicher, aber ein akzeptabler Wert. Bei der Geräuschentwicklung hat der PC allerdings ein echtes Problem: Aufgrund des viel zu lauten Lüfters dröhnt der PC bereits im Desktop-Modus mit 35,7 dB(A) unerträglich laut. Unter Volllast steigert sich dieser Wert aufgrund der lauten Festplatte auf 38,4 dB(A). Wohnzimmertauglich ist der PC aufgrund dieser Lärmkulisse also definitiv nicht.

Leistungsinformationen unter Windows
Vergrößern Leistungsinformationen unter Windows
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Fazit: Obwohl die Konfiguration, die Anschlussvielfalt und die beigelegte Software den PC für 500 Euro als Schnäppchen erscheinen lassen, trüben die lahme Festplatte und der Stromverbrauch die Freude deutlich. Der dauerhafte Lärm von Festplatte und Lüfter im Auslieferungszustand machen den PC für den Wohn- und Arbeitszimmereinsatz ungeeignet. Obwohl Sie die Festplatte mit den geschilderten Aufräumarbeiten etwas beruhigen können, stört der Lüfter mit seinem Gebrumm weiterhin. Unterm Strich müssen wir daher - zum ersten Mal in der langen Geschichte der Aldi-PCs - vom Kauf des Medion Akoya E3300 D abraten. Je nach geplantem Einsatzzweck gibt es leisere und flottere Alternativen, die zudem noch deutlich günstiger sind:

Alternativen: Der MSI Wind PC Nettop arbeitet wesentlich stromsparender und leiser. Zum Preis von 260 Euro ist er aber auch deutlich leistungsschwächer. Der Firstway Indianapolis X2 7750 HD 4650 bietet zum Preis von 319 Euro (ohne Betriebssystem) deutlich mehr Rechenleistung (4896 3D-Mark-Punkte). Diesen Rechner stellen wir Ihnen nächste Woche in einem ausführlichen Testbericht vor.

Freitag den 06.02.2009 um 22:42 Uhr

von Michael Schmelzle, Alexander Kuch

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