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Praxistest: Nokia 8800 Sirocco Edition

Wenn Nokia seine Business-Handys aufwertet, bekommen sie ein schlichtes "i" angehängt. So etwas Profanes gebührt einem Premium-Handy natürlich nicht: Das Rundum-Facelift des 8800 trägt vielmehr den bedeutungsschwangeren Zusatz "Sirocco Edition". Diesen Namen erhielt der Nobelfunker in Anlehnung an den heißen Wüstenwind Schirokko, der entsteht, wenn warme, trockene Luftmassen aus der Sahara auf die kühleren, feuchten Luftströme des Mittelmeers treffen. Respekt: Solche Tiefgründigkeit findet man im eher nüchternen TK-Geschäft äußerst selten. Und es geht sogar noch weiter mit der naturellen Inspiration, denn von der Sirocco Edition gibt es zwei Varianten: die helle Silber-Version symbolisiert die heiße, trockene Luft der Wüste, während die schwarze Edition die kühlere, feuchte Luft des Meeres repräsentiert.

Doch welchen Einfluss hat der Beiname aufs eigentliche Design? Kenner des 8800 dürften beim Anblick des Wüstenwindes erstmals denken, "Hoppla, hat jemand das gute Stück mit voller Wucht gegen eine Zentralheizung geworfen?!" Grund ist die auffällige Delle unterhalb des Displays. Diese daumengroße Vertiefung mag zwar im ersten Augenblick etwas befremdlich sein, doch um die Oberschale per Slidermechanik nach oben zu schieben, ist diese Delle ungemein hilfreich. Jedenfalls leidet das kompromisslos auf Eleganz getrimmte Designkonzept durch das neue optische Merkmal nicht.

Ein dicker Pluspunkt - und auch der Hauptgrund für den horrenden Preis von über 800 Euro - ist die luxuriöse Materialschlacht des 8800. Auch die Sirocco Edition wird komplett von poliertem rostfreien Edelstahl umhüllt. Das Display liegt ferner hinter einer kratzfesten Saphirbeschichtung und das Kugellager für den Öffnungsmechanismus stammt von einem Herstellers für Hochleistungsfahrzeuge - das sind Fertigungsmethoden, die man sonst nur aus den Datenblättern von Vertu-Handys kennt. Das Resultat überzeugt: Der Slider liegt mit majestätischer Schwere in der Hand und strotzt nur so vor Robustheit. Begriffe wie "Knarzen" oder "Wackelig" gehören nicht zum Vokabular der 8800-Designsprache. Die Tastatur liefert den zweiten kosmetischen Eingriff ins Design des ursprünglichen 8800 zutage, und wurde völlig neu gestaltet. Die Knöpfe sind nunmehr silbergrau ausgeführt und bieten eine größere Trefferfläche sowie einen noch satteren Druckpunkt.

Beim Display hat sich hingegen nichts getan: Nach wie vor werden auf einer Fläche von neun Quadratzentimetern bei 208x208 Pixeln Auflösung bis zu 262.144 Farben dargestellt. Dem Fashionanspruch gerecht werden die Brillanz und Farbklarheit des TFT-Bildschirms, der unter seiner kratzfesten Mineralglasscheibe perfekt vor Staub und Kratzern abgeschirmt wird. Stimmige Bildschirmthemes in seidig-dunklen Pastellfarben unterstreichen Glanz und Glamour des Mobiltelefons. Nach einem Blick auf den Verpackungsinhalt mildert sich der durch den hohen Preis zwangsläufig mitschwingende Beigeschmack deutlich ab: das 8800 Sirocco Edition wird von einem schicken Lederetui, einem edlen grauweißen Stereo-Headset, zwei gleich starken Akkus und einer professionell verarbeiteten und ansprechend gestalteten Dockingstation begleitet. Die Ladestation lädt das Handy und den Zweitakku parallel auf - da hat jemand mitgedacht! Unverständlich nur, dass angesichts des Preises kein Datenkabel zum Lieferumfang gehört. Größeren Anteil am hohen Einführungspreis dürfte auch das perfekt aufs Handy abgestimmte Bluetooth-Headset haben, das im dekorativ-schwarzen Karton ganz oben liegen darf.

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