Praxistest

Nokia 5700 Xpress Music

Freitag, 19.10.2007 | 09:05 von Hermann Apfelböck
Lange Zeit hat Marktführer Nokia nur tatenlos zugesehen, wie die Musik-Handys der Konkurrenz den Markt aufrollten. Erst seit letztem Jahr holen die Finnen mit N-Series-Handys und den eigenwilligen Xpress-Music-Modellen mächtig auf. Den jüngsten Retro-Spross der Xpress Music Edition, das Nokia 5700, haben wir uns genauer angeschaut.

Während Samsung und Co. in der gehobenen Liga der UMTS-Handys auf spacig glänzendes Hightech-Material setzen, schaltet Nokia einen Gang zurück und zeigt uns den in der Mobilfunkbranche bewährten Kunststoff in seiner Ur-Form, wie er vor 40 Jahren die Wohnzimmer zierte. Plastik, Pop und Flower Power: Das 5700 überrascht mit mutigem Retro-Design, das man in dieser Form bei keinem anderen Hersteller findet. Die Zielgruppe wird damit allerdings stark eingeschränkt: Dass ein Krawattenträger Nokias Plastikbomber mit lockerem Lächeln auf dem Meetingtisch platziert, ist in etwa so wahrscheinlich wie eine Punkrock-Combo mit Blackberrys in den zerschlissenen Hosentaschen. Aber das ist auch gar nicht beabsichtigt, schon der Lieferumfang verdeutlicht, wen Nokia als Käufer anvisiert: Kabelfernbedienung und hochwertige Kopfhörer liegen in schickem iPod-Weiß neben einer 1 GB großen Micro-SD-Karte im Karton – welcher Teenager kann da noch nein sagen? Einziges Handicap ist der fehlende 3,5-mm-Klinkenanschluss. Nokia setzt stattdessen auf eine wenig verbreitete 2,5-mm-Klinke. Konsequenz: Normale Kopfhörer können mangels mitgeliefertem Adapter nur umständlich über die Fernbedienung angeschlossen werden. Als Alternative bieten sich Bluetooth-Stereo-Kopfhörer an, die vom 5700 problemlos unterstützt werden.

Einmal ans Ohr gehalten, sticht das klotzige Handy schon aus der Ferne ins Auge. Ein echter Hingucker ist das 5700 dennoch nicht – mit dem glattpolierten Hartplastik, dem weichen Gummiüberzug und den rauen, grau-silbernen Bedienelementen fühlt es sich leider genauso billig an, wie es aussieht. Schade, denn hinter der Plastikschale verbirgt sich ein Barren-Handy, das Telefon und Musikfunktionen in einer cleveren Konstruktion zusammenführt. Ein halber Dreh der Tastaturunterseite aktiviert die seitlich eingelassene Kamera, ein kompletter Schwenk um 180 Grad lässt die Musiktasten zum Vorschein kommen. Auch der Akkudeckel wurde clever in die Drehkonstruktion eingebunden: Er lässt sich nur abnehmen, wenn die Unterseite im rechten Winkel zum Gehäuse steht. Die Verarbeitung gewinnt keinen Blumentopf: Trotz der lobenswert unter einer Gummiklappe verstauten Gehäuseöffnungen erschüttern ungleichmäßige und an vielen Stellen zu breite Spalten das Vertrauen des 5700-Trägers – Nokias Musik-Handy ist ein leichtes Ziel für Staub und anderen Schmutz, der sich gelegentlich in den Tiefen der Hosentasche ansammelt.

Wer hätte gedacht, dass sich unter dem preiswerten Plastikmantel des 5700 ein Display verbirgt, das anspruchsvollste Multimedia-Standards bedient? Lassen wir zunächst die Zahlen sprechen: 16,7 Millionen Farben, QVGA-Auflösung (240 x 320 Pixel), verteilt auf eine Bildschirmdiagonale von 5,7 Zentimeter. Die Farben haben wir nicht gezählt, doch die scharfen Kontraste und glasklare Farbbrillanz sprechen für mehr als nur gute Qualität. Dank transflektiver Beschichtung lässt sich der Inhalt auch bei starkem Außenlicht noch gut ablesen. Die Tastatur kann da kaum mithalten. Dank goßflächiger Anordnung und präziser Druckpunkte steht einem flotten SMS-Tempo zwar nichts im Wege, doch zu stark wackeln die Tasten in der Einfassung, und zu billig fühlt sich das mehr graue als silbrige Material an. Richtig schlimm wird‘s bei einem Sprung ins Hauptmenü – sofort fällt die Anordnung der wichtigen Menütasten und der Löschen-Taste unangenehm auf. Seitwärts in die flexible Kunststoffoberfläche eingelassen, fordern sie dem Daumen einen weiten Bewegungsradius ab und bieten wesentlich tiefere Druckpunkte als die benachbarten Tasten. Der weiß umrahmte Joystick lässt die Bedienwerte des 5700 noch weiter in den Keller rauschen. Seine mangelhafte Präzision sorgt dafür, das man sich häufiger in einem Untermenü wiederfindet, obwohl man eigentlich nur nach oben steuern wollte.

Doch es geht noch schlimmer: Im Kameramodus steht die angewinkelte Tastatureinheit den Fingern beim einfachen Zugriff auf Optionstasten und Joystick im Wege. Eine Einstellung im Kameramenü ist nur mit akrobatischen Fingerverrenkungen erreichbar. Einzig musikalisch zeigt die Tastatur des 5700 ihre Schokoladenseite. Die drei Tasten auf der Rück- bzw. Vorderseite sind großzügig bemessen und erlauben die „blinde" Ansteuerung der wichtigsten Musikfunktionen bequem aus der Hosentasche heraus.

Freitag, 19.10.2007 | 09:05 von Hermann Apfelböck
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