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Little Big Planet im Test

15.10.2008 | 09:24 Uhr |

Little Big Planet ist einer der größten Hoffnungsträger für Sonys diesjähriges Playstation-3-Weihnachtsgeschäft. Wir hatten die Gelegenheit, den Titel in einer späten Beta-Fassung ausführlich zu testen und sagen Ihnen, ob sich das Warten auf das ungewöhnliche Spiel lohnt.

Little Big Planet: Erschaffen Sie Ihre eigene Welt, erkunden Sie Welten anderer Spieler oder verbringen Sie Stunden mit den mitgelieferten, vorgefertigten Level im Single-Player. Ist Little Big Planet nichts weiter als ein aufgebohrter Level-Editor mit Community-Funktionen? Auf den ersten Blick ja. Macht das ganze Spaß? Kommt darauf an. Doch zunächst der Reihe nach.

Spielverlauf
In Little Big Planet übernehmen Sie die Rolle von "Sackboy", der in etwa so aussieht, wie ein hässliches, aber heiß geliebtes Stofftier. Gleich zu Beginn werden in einem einigermaßen ausführlichen Tutorial die Grundzüge von Little Big Planet beschrieben, danach müssen Sie erst einmal alleine zurecht kommen, sprich die ersten Level erkunden. Sackboy kann dabei gehen, laufen, springen oder Dinge bewegen. Die ersten Level dienen dabei als erweitertes Tutorial, in denen die Steuerung und weitere Besonderheiten eingeübt werden. Zu den Besonderheiten zählt dabei, dass Sackboy den Level gestalten kann. Etwa indem er Bilder/Texturen, die er zuvor gefunden hat, auf triste Gebäude oder sonstige Gegenstände klebt, oder Fotos, die mit der EyeToy-Kamera aufgenommen wurden, im Level platziert. Manche Gegenstände in den Level sind versteckte Schalter, die - mit dem richtigen Bild versehen - Kugeln mit Punkten, Texturen, Bildern, Bekleidung und mehr freigeben.

Lauter kleine Sackgesichter
Vergrößern Lauter kleine Sackgesichter
© 2014

Pro Level gibt es eine bestimmte Anzahl an Sammelgegenständen, die der Spieler einsacken kann, im Verlauf des Spiels kann es vorkommen, dass Sie einen Level mehrmals besuchen müssen, um schließlich (mit neuen Texturen ausgerüstet) alle versteckten Gegenstände zu finden. Ein Zeitlimit gibt es dabei nicht. Neben den Gegenständen sind in den Level auch Punkte versteckt, die es einzusammeln gilt. Schaffen Sie es, fünf Punkte-Kugeln in schneller Folge zu schnappen, erhalten Sie einen Bonus. Sterben kann der kleine Sackboy grundsätzlich nicht - fällt er in eine Falle, erscheint er automatisch am letzten Rücksetzpunkt. Es kann im Spiel auch vorkommen, dass der Sackboy in eine Position manövriert wird, aus der er alleine nicht mehr herauskommt. In diesem Fall kann das kleine Kerlchen manuell "getötet" und zurückgesetzt werden - auch wenn es einem jedes Mal bei dieser Sequenz das Herz bricht. Mit Hilfe eines magischen Lassos kann Sackboy zudem Texturen auf dem Bildschirm nach Gusto bewegen und an neuen Stellen positionieren.

Wenn Sie möchten, können Sie den kleinen Gesellen natürlich auch mit einer neuen Frisur, einem anderen Stoff, Bekleidung und mehr aufhübschen und so einen Schnurrbart und Badehose tragenden Langhaar-Sackboy oder einen Zombie mit Glubschaugen erschaffen. Die Möglichkeiten sind hier nur durch die Zahl der gefundenen Bekleidungsstücke begrenzt.

Man merkt Little Big Planet an jeder Ecke die Detailverliebtheit der Entwickler an. Nur ein Beispiel: Sie können den Sackboy ganz normal steuern, haben aber auch die Möglichkeit, den Kopf, die Arme und die Beine separat zu steuern. Das hört sich jetzt nicht sonderlich spektakulär an, allerdings ertappt man sich schnell dabei, minutenlang den Sackboy ein virtuelles Tänzchen auf den Bildschirm legen zu lassen.

Im Single-Player-Modus spielt sich Little Big Planet allerdings trotz der vielen, kreativen Einfälle schnell wie ein herkömmliches Jump&Run. Richtig Würze bekommt das Spiel erst durch den Multiplayer-Modus, der auch klar und deutlich im Fokus der Entwickler lag. So können und müssen Sie per Playstation Network mit Spielern aus aller Welt gemeinsam auch Level aus dem Single-Player-Bereich erkunden. Denn diese sind an manchen Stellen mit Bereichen versehen, die nur mit mehreren Sackboys gemeistert werden können. Und gerade im Mehrspielermodus macht Little Big Planet erst so richtig Laune: Es wuselt an allen Ecken und Enden, man wetteifert um die Punkte und löst gemeinsam Rätsel - simpler Spaß im Grunde, aber ein echter Zeitfresser.

Nerven kann allerdings die Steuerung: Der Sackboy kann sich auf dem Spielfeld auf drei Ebenen bewegen, die immer tiefer im Level liegen. Dadurch werden Sprung-Passagen zuweilen fummelig oder der Sackboy landet auf einer vollkommen unerwünschten Ebene. Auch die ansonsten sehr gelungene Physik kommt manchmal aus dem Tritt, etwa wenn bestimmte Gegenstände verschoben oder umgedreht werden müssen. Da fallen diese nicht einfach korrekt um, sondern müssen mehrmals "besprungen" werden, bis sie so liegen, wie gewünscht.

Richtig austoben können Sie sich zudem im Level-Editor, der es Ihnen erlaubt, eigene Spielabschnitte zu kreieren und diese anderen Spielern über das Playstation Network anzubieten. Über den Bereich "Cool Levels" erhalten Sie dabei eine Auswahl bereits zur Verfügung stehender Level, die von Anwendern kreiert wurden. Wenn Sie möchten, können Sie Ihre Lieblings-Community-Level mit einem Herzchen versehen. Sie finden diese dann zum einen leichter, zum anderen dienen die Herzchen der Bewertung eines Level. Sie können die Level herunterladen und auch editieren.

Und es lohnt sich wirklich, sich den Level-Editor ausführlich zu Gemüte zu führen: Wenn Sie auch nur ein bisschen Lust auf Kreativität haben, erhalten Sie im Grunde alles, um einen abgefahrenen Level für die Community zu kreieren. Aber: Es wird nicht einfach werden. Denn ein anständiger Level erfordert auch eine gute Portion Arbeit. Bis Sie mit dem Endprodukt zufrieden sind und alle Möglichkeiten verstanden haben, werden einige Stunden verstrichen sein. Daher dürften viele Anwender vor der Arbeit zurückschrecken und sich lieber die Werke anderer Spieler zu Gemüte führen. So muss das Ziel, dass jeder seine eigene Welt erschaffen kann, eingeschränkt gesehen werden.

Für die Langzeitmotivation bleibt abzuwarten, wie qualitativ hochwertig die Level anderer Spieler sind, vorstellbar wäre aber auch, dass die Entwickler von Little Big Planet professionelle Level nachträglich zum Download anbieten werden.

Fazit
Little Big Planet ist für Single-Player lediglich ein paar Stunden interessant, richtig Spaß macht es erst mit mehreren Spielern beziehungsweise online. Wer sich in den Level-Editor fuchsen will, erhält ein mächtiges Werkzeug an die Hand, das aber erst gemeistert werden will. In diesem Fall verspricht der Titel monatelangen Spielspaß. Little Big Planet ist ab dem 22. Oktober im Handel erhältlich, der Preis beträgt rund 60 Euro.

Single-Player : 75 Prozent
Multi-Player : 90 Prozent

Alternative
Auf der Playstation 3 gibt es zu Little Big Planet derzeit keine Alternative.

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