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Pearl Freesculpt im Praxistest

23.08.2013 | 16:10 Uhr |

Pearl vertreibt mit dem Freesculpt EX1 einen erschwinglichen 3D-Drucker. Der Test offenbart, ob das der Durchbruch fürs Drucken von Objekten zu Hause ist.

Versandhändler Pearl steigt mit dem Freesculpt in den Markt für 3D-Drucker ein. Beim Freesculpt handelt es sich um ein Fertiggerät. In einem relativ leichten Kunststoffgehäuse sitzen die Schrittmotoren und die Druckdüse. Der 3D-Drucker ist auf ABS als Verbrauchsmaterial optimiert, PLA (Polymilchsäure) bietet Pearl für den Drucker nicht an. An der Gehäuseoberseite befinden sich ein Display, über das sich der Drucker steuern lässt, ein SD-Karteneinschub und die Bedientasten. Das gesamte Bedienpanel sieht recht klobig aus.

Einrichtung vor dem ersten Druck

Im Inneren des Druckergehäuses befinden sich die Druckerdüse und die Druckplattform. Letztere ist beheizbar. Damit die Plattform nicht verkratzt, die Objekte während des Drucks besser haften und sie sich nach Fertigstellung leichter lösen lassen, liegt eine Lochplatte bei, die auf der Druckplattform mit Klammern fixiert wird. Ist sie montiert, geht es an die Justierung der Plattform. Dafür gehen wir per Display auf „Einstellungen“ und „Kalibration“. Die Druckdüse fährt nun vier Punkte auf der Plattform an. Ein Blatt Papier dient uns zum Einstellen des richtigen Abstands zwischen Plattform und Druckdüse. Das Blatt darf sich nur mit leichtem Druck bewegen lassen. Mit den Schrauben an der Unterseite der Plattform lässt sich das einstellen. Den Vorgang können wir wiederholen, bis wir zufrieden sind.

Die Rolle mit dem Kunststoff hängt hinten am Freesculpt
Vergrößern Die Rolle mit dem Kunststoff hängt hinten am Freesculpt

Dann gilt es, das Kunststoffmaterial zu laden. Dazu hängen wir die Rolle an der Rückseite des Freesculpt ein und führen den Plastikfaden in eine Öffnung, durch die er ins Innere des Gehäuses geleitet wird. Während viele 3D-Drucker das Druckmaterial von oben zur Druckdüse führen, setzt der Freesculpt auf den Weg direkt ins Gehäuse. Die Materialführung befindet sich im Leitungsstrang, der zur Druckdüse geht. Das klingt im ersten Moment etwas seltsam, hat sich aber im Test als sehr stabil und wartungsfrei herausgestellt. Probleme mit der Materialversorgung gab es im Test nicht. Zum Einführen des Kunststofffadens in die Düse aktivieren wir im Menü den Punkt „Einstelllungen“ und „Draht laden/entladen“. Die Routine startet, sobald wir den mittleren Knopf am Bedienmenü drücken. Der Drucker heizt die Düse auf, das Material kann eingeführt werden.

Video: Freesculpt EX1 - günstiger 3D-Drucker
Das Display des Pearl Freesculpt
Vergrößern Das Display des Pearl Freesculpt

Display und erster Druck

Die Displaysprache war bei unserem Freesculpt-Modell ab Werk auf Französisch eingestellt. Sie lässt sich in den Einstellungen am Menü auf Deutsch ändern. Alles, was den Drucker selbst steuert, wird über das Display ausgeführt. So definiert der Anwender hier die Temperaturen von Düse und Plattform. Pearl legt dem Freesculpt eine SD-Karte bei, auf der sich einige Beispielobjekte befinden. Das ist praktisch zum Ausprobieren. Zum Druck von der Karte, wählen wir am Bedienpanel „SD-Menü“ aus. Jetzt werden alle gespeicherten Vorlagen gelistet. Ist das gewünschte Objekt ausgewählt, beginnt der Freesculpt mit dem Druck und heizt dafür zuerst Plattform und Düse auf.

Ist der Druckvorgang erst einmal angestoßen, zieht der Freesculpt das Programm stur durch. Eine Möglichkeit, den Druck zu unterbrechen, gibt es nicht. Auch ein Fehler hält den Drucker nicht auf. Ein Beispiel: Druckt der Freesculpt gerade von der SD-Karte und Sie verbinden ihn per USB mit dem Rechner, sind die Signale vom Rechner dominant. Der Drucker verliert die Orientierung, da er keine Daten von SD mehr erhält, stoppt aber nicht, sondern druckt quasi auf der Stelle. Sie müssen den Druckprozess manuell über das Bedienpanel abbrechen.

Ungestört druckt der Freesculpt allerdings sehr selbständig und zuverlässig. Daher kann er auch unbeaufsichtigt etwa über Nacht arbeiten.

Software Myriwell

Die mitgelieferte Software Myriwell hat Pearl neben Beispielvorlagen und den Druckertreibern auf die SD-Karte gepackt. Ihre Aufgabe besteht im Wesentlichen darin, STL-Vorlagen in G-Code umzurechnen. Letzteres ist das Format, das das STL-Objekt in Maschinencodes umwandelt, die unter anderem der 3D-Drucker versteht. Mit der Software lässt sich das Objekt drehen, bewegen und in der Größe ändern. Mit dem Klick auf „J“ kommen wir zu den Einstellungen für den Drucker. Hier werden Faden-, Wandstärken sowie Füllräume definiert. Außerdem entscheiden wir hier, ob wir mit einer Hilfsplattform (Raft) drucken wollen. Das bietet sich beim Freesculpt an, denn aufgrund der Lochmaske müssen wir ohne Raft die Stellfläche der Objekte nach dem Druck nachbearbeiten. Ist alles erledigt, generieren wir den G-Code. Das dauert eine gute Weile, da ja jede Ebene und auch eventuelle Stützgewebe berechnet werden.

Bei unserem Testgerät des Freesculpt konnten wir nicht direkt aus der Software drucken. So haben wir die druckfertige Vorlage zuerst auf den Rechner gespeichert, um sie dann auf die SD-Karte zu kopieren. Insgesamt reagiert die Software relativ ungenau, wenn wir das Objekt bewegen. Auch die Darstellung des Programms hätte detailgetreuer sein können. Die Bedienung ist wenig intuitiv, so ist nicht zu verstehen, dass das Generieren des G-Codes mit der Taste „J“ gekennzeichnet ist. Allerdings gewöhnt man sich mit der Zeit an diese Eigenheiten. Ärgerlich fanden wir, dass wir nicht direkt aus der Software heraus den Druck starten konnten.

Druckqualität: Defizite in der Druckgenauigkeit zeigt der Freesculpt hier am Henkel.
Vergrößern Druckqualität: Defizite in der Druckgenauigkeit zeigt der Freesculpt hier am Henkel.

Druckqualität und Geschwindigkeit des Freesculpt

Mit der Druckqualität nimmt es der Freesculpt nicht so genau. Unsere Testobjekte weisen relativ viele Unsauberkeiten auf. Man erkennt sie an kleinen Löchern oder fehlenden Details. So stören uns die Plastikreste in Innräumen von fertigen Objekten. Außerdem kommen wir fast nie ohne ein Nachbearbeiten aus. Ein glatter Boden ist beim Freesculpt eine Seltenheit. Das ist auch der Lochplatte geschuldet, auf der die Objekte gedruckt werden. Hier füllen sich die Löcher mit heißem Kunststoff, der später entfernt werden muss. Hier bietet sich an, mit Raft zu drucken. Allerdings lässt sich die Hilfsplattform oft nicht rückstandsfrei entfernen. Gut, dass dem Freesculpt Werkzeug zum Nachbearbeiten beiliegt.

Gleichzeitig lässt sich der Freesculpt auch recht viel Zeit zum Drucken: So benötigt der 3D-Drucker selbst für ein kleines Testobjekt wie das Sahnetöpfchen mit 55 Minuten rund 10 Minuten länger als andere 3D-Drucker, die wir im Testlabor hatten – etwa der Makerbot Replicator 2 .

Pearl Freesculpt
Vergrößern Pearl Freesculpt

Fazit: Ein erster Versuch, den 3D-Druck massentauglich zu machen

Pearl gelingt mit dem Freesculpt ein günstiges Fertiggerät für den 3D-Druck. Massentauglich ist das Modell jedoch nicht. Denn dafür ist das Modell noch nicht anwenderfreundlich genug. Es fehlt grundsätzlich eine Alarm-Funktion, um Fehldrucke zu verhindern oder überhaupt Druckaufträge automatisch zu unterbrechen. Auch bei der Druckersoftware ist noch viel Luft nach oben. Sie reagiert zu träge und führt den Anwender nicht einfach genug zu einem befriedigenden Druckergebnis.

Ähnlich wie bei den bisher getesteten 3D-Druckern setzt der Freesculpt auf die Experimentierfreude des Anwenders. Doch auch wenn dieser einige Probeversuche auf sich nimmt, wird er im Endeffekt ums Nachbearbeiten fertiger Objekte nicht herum kommen. Hier haben hochpreisige 3D-Drucker wie der Makerbot Replicator 2 eindeutig die Nase vorne. Lobenswert sind die zuverlässige Materialführung des Freesculpt und seine Verbrauchswerte. So geht das Gerät ausgeschaltet tatsächlich auf 0 Watt. Außerdem sind die Preise für ein Kilogramm ABS-Kunststoff mit rund 30 Euro vergleichsweise günstig. Zehn Euro mehr werden für eine Rolle mit selbstleuchtenden Materialvarianten fällig. Allerdings konzentriert sich Pearl derzeit ausschließlich auf ABS, andere Kunststoffe sind nicht im Angebot.

Den Freesculpt gibt es in verschiedenen Ausführungen: Als Basisgerät (EX1-Basic) kommt er auf rund 800 Euro. Als Variante EX1-Plus liegt dem Drucker noch das 3D-Barbeitungsprogramm Trimodo 3D bei – Preis: rund 900 Euro. Das Paket EX1-ScanCopy umfasst zum Drucker und Trimodo noch eine Kamera zur Aufnahme von Objekten sowie die Software Triscatch, um die Aufnahmen zu einem 3D-Modell zusammenzusetzen. Das Paket gibt’s für rund 1100 Euro.

Technische Daten

Pearl Freesculpt EX1-Basic

Objektvolumen (LxBxH in cm)

22,5 x 14,5 x 15,0

Filament

auf ABS optimiert

Düsendurchmesser (in mm)
Filamentdurchmesser (in mm)

0,4
1,75

Dateiformat

  stl

Gewicht (in kg)

13,0

Plattform beheizbar

ja

Betriebssysteme

Windows XP, Vista, 7

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