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Nvidia Geforce GTX 750 Ti im Test

18.02.2014 | 15:00 Uhr |

Die Erwartungen an Maxwell sind groß, doch anstatt neuer High-End-Grafikkarten schließt Nvidia die Einsteigerklasse mit der Geforce GTX 750 Ti. Wie gut die erste Architektur-Generation im Test abschneidet und was Sie für knapp 140 Euro an Grafikleistung erwartet, verraten wir Ihnen im Test.

Die Anforderungen an Grafikkarten steigen stetig, egal ob als Unterstützung der CPU oder mit komplett separaten Aufgaben. Deshalb hat es sich Nvidia zur Aufgabe gemacht, mit jeder neuen Karten-Generation mehr Leistung und neue Features zu bieten. Die Chip-Architektur "Kepler" war einer dieser Meilensteine in der GPU-Geschichte und lieferte Top-Leistung bei gesunkener Leistungsaufnahme. Damit waren natürlich auch die Anforderungen für die nächste Chip-Generation klar: Die Effizienz musste sich verbessern.

Nvidia Geforce GTX 750 Ti: „Maxwell“ der ersten Generation

Mit der ersten Generation der Maxwell-Architektur führt Nvidia zahlreiche Verbesserungen ein, um noch mehr Performance zu erhalten und dabei noch weniger Strom zu verbrauchen. Der Grafikchip mit der Bezeichnung „GM107“ ist für den Einsatz in leistungsbegrenzten Umgebungen wie Notebooks oder kompakte Rechner, sogenannte „Small Form Factor PCs (SFF)“. Letztere Geräteklasse ist mit der Vorstellung der „ Steam Machines “ von Spieleentwickler Valve natürlich gefragter denn je und soll sich fürs Gaming und Home-Entertainment eignen. Da eine extra Stromversorgung durch das Netzteil nicht nötig ist, ist auch der Einbau in einen OEM-Komplettrechner möglich.

Block-Diagramm des GM107.
Vergrößern Block-Diagramm des GM107.
© Nvidia

Der GM107 in der Nvidia Geforce GTX 750 Ti ist nach Herstellerangaben so effizient , dass die Grafikkarte das Leistungsniveau in des mittlerweile vier Jahre alten Flaggschiffs Nvidia Geforce GTX 480 erreicht, jedoch mit einem entscheidenden Unterschied: Die TDP liegt lediglich bei ökofreundlichen 60 Watt, die Karte konsumiert somit nur ein Viertel des indirekten Vorgängers.

Aufmerksame Leser haben sicherlich bemerkt, dass wir immer von der „ersten Generation“ von Maxwell schreiben: Nvidia legt den Fokus beim GM107 auf Energieeffizienz, während die nachfolgende zweite Generation traditionell im High-End-Bereich angesiedelt sein soll. Wann diese Modelle das Licht der Öffentlichkeit erblicken ist jedoch noch unbekannt.

Verbesserte Leistung pro Watt

Mit dem Tegra K1 stellte Nvidia einen SoC (System-on-a-Chip) vor, der in Sachen Grafik auf der Kepler-Architektur der Desktop-Pendants basiert und eine beeindruckende Grafik-Performance auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets zeigt. Bei der Entwicklung konzentrierte sich der Hersteller auf das Thema „Energieeffizenz“ und setzte den Trend prompt in Maxwell fort.

Maxwell verspricht eine bessere Leistung pro Watt.
Vergrößern Maxwell verspricht eine bessere Leistung pro Watt.
© Nvidia

Nvidia hat das Design der sogenannten „Streaming Multiprozessoren (SM)“ von Grund auf überarbeitet und somit die beiden Faktoren Leistung pro Watt und Leistung pro Fläche verbessert. Die Maxwell-Streaming-Multiprozessoren (kurz SMM) arbeiten sogar effizienter als die SMX-Einheiten der Kepler-Generation, so Nvidia: Verglichen mit dem GK107 der Nvidia Geforce GT 640 , auf dem noch zwei SMX Platz fanden, passen auf den neuen GM107 gleich fünf SMMs bei einem relativ geringen Wachstum der Chipfläche um 25 Prozent.

Gleichzeitig steigt auch der Level-2-Cache auf 2048 KB, während es nur 256 KB in Kepler waren. Aufgrund der Nähe zum Grafikchip sind deshalb auch weniger Anfragen zum DRAM notwendig, woraus sich eine geringere Leistungsaufnahme und eine verbesserte Performance ergeben. Schlussendlich soll Maxwell ein zweifach besseres Verhältnis von Leistung pro Watt im Gegensatz zu Kepler bieten, obwohl Nvidia beide Chips im 28-Nanometer-Verfahren fertigen lässt.

So tunen Sie Ihre Nvidia-Geforce-Grafikkarte

Technische Daten im Überblick

Nvidia sieht als direkten Konkurrenten zur Geforce GTX 750 Ti die AMD Radeon R7 260X . Doch AMD selbst sieht das anders und verweist auf die erst kürzlich erschienene AMD Radeon R7 265 ( zum Artikel unserer Schwester GameStar ), bei der es sich um einen Vollausbau des bereits etwas betagten Pitcairn-Grafikchips handelt und auch noch höher taktet. Auch beim Preis sind sich die beiden Karten wirklich ähnlicher als die R7 260X. In folgender Tabelle haben wir die technischen Daten der beiden Grafikchips auch mit dem Vorgänger GK107 verglichen.

Grafikprozessoren: Technische Daten im Vergleich

 

Nvidia GM107

Nvidia GK107

AMD Pitcairn / Curacao

Fertigung

28 Nanometer

Anschluss

PCI Express 3.0

Chipfläche

148 mm²

118 mm²

212 mm²

Transistoren

1,87 Milliarden

1,3 Milliarden

2,8 Milliarden

Chiptakt

1020 MHz

1058 MHz

925 MHz

Shader-Einheiten

640

384

1024

Textur-Einheiten (TMUs)

40

32

64

Raster-Operations-Proessoren (ROPs)

16

16

32

GDDR5-Speicher

2048 MB

1024 MB

2048 MB

Speichertakt (effektiv)

5400 MHz

5000 MHz

5600 MHz

Speicheranbindung

128 Bit

128 Bit

256 Bit

Speicherbandbreite

86 GBit/s

29 Gbit/s

214 GBit/s

TDP

60 Watt

64 Watt

150 Watt

Preis

137 Euro (UVP)

63 Euro (Straßenpreis, billiger.de)

130 Euro (UVP)

Die technischen Daten des GM107.
Vergrößern Die technischen Daten des GM107.

Da wir aktuell über kein Sample der R7 265 verfügen, bedienen wir uns der HIS Radeon HD 7850 IceQ X2 Turbo , die über den gleichen Grafikchip (nämlich Pitcairn) verfügt und schrauben den Chip-Takt auf 925 und den Speichertakt auf 1400 MHz, was den Taktraten der neueren Karte entspricht. Allerdings ist der Vergleich mit Vorsicht zu genießen, denn die R7 265 verfügt über mehr Shader-Prozessoren.

TECHNISCHE DATEN

Nvidia Geforce GTX 750 Ti

DirectX-Version

11.1

Grafikkarten-Bios

82.07.32.00.02

Grafikkarten-Treiber

Forceware 334.69 (9.18.13.3469)

Kartenlänge

14,8 Zentimeter

Kartenbreite

2 Steckplätze

Stromanschluss

nicht vorhanden

Bei den Schnittstellen stehen zweimal DVI und einmal Mini-HDMI zur Verfügung, was uns den parallelen Betrieb von maximal drei Monitoren ermöglicht. Übrigens betont Nvidia auch die Möglichkeit, den Maxwell-Chip besonders hoch übertakten zu können. Auf dem Launch-Event von Nvidia arbeitete ein Custom-Design von EVGA mit zwei Lüftern mit einem Takt von knapp 1300 MHz, ohne dabei Abzustürzen oder sich sonderlich stark zu überhitzen.

AUSSTATTUNG

Nvidia Geforce GTX 750 Ti

Video-Anschlüsse

 

Mini-HDMI

1

DVI

2

Anzahl der gleichzeitig anschließbaren Bildschirme

3

Computing-Leistung im Check

In Sachen Beschleunigung via der offenen Schnittstelle OpenCL hat sich einiges getan, denn mit dem Ergebnis von 1023 Tausend-Samples pro Sekunde liegt die Maxwell-Karte nur um die 200 Punkte hinter der Oberklasse GTX 780! Schlechter bestellt ist es dafür um die Performance unter Direct-Compute , der Shader-Benchmark spuckt sogar ein geringeres Ergebnis als mit einer GTX 650 Ti Boost aus. Im Vergleich mit der R7 265 unterliegt die GTX 750 Ti mit einem kleinen Abstand: Im Computemark kommt die AMD-Karte auf 1098, im Luxmark auf 1250 Punkte.

Spiele-Leistung in Full-HD

Ergebnisse des DirectX-11-Benchmarks.
Vergrößern Ergebnisse des DirectX-11-Benchmarks.

Nvidia verspricht tadelloses Gaming in 1080p, weshalb wir nun umso mehr gespannt sind. In Battlefield 3 sind die Bildraten recht flüssig, richtige Shooter-Fans freuen sich über mindestens 40 Bilder pro Sekunde. In Tomb Raider ist das Ergebnis etwas ruckliger, im Strategie-Hit Anno 2070 messen wir flüssige 45 Bilder pro Sekunde. Alle Spiele testen wir in den jeweils höchsten Voreinstellungen. Das wiederum bedeutet, dass Sie für eine höhere Bildrate nur wenig Details oder Filter verringern müssen. Ein flüssigeres Spielerlebnis bietet hier aber dann doch die Radeon R7 265, die mit Bildraten von 41 in Battlefield 3, 34 in Tomb Raider und 58 in Anno 2070 abschließt. Auch im 3DMark überholt die AMD-Grafikkarte den grünen Konkurrenten.

Geforce Experience: Automatisch immer die beste Treibereinstellung wählen

SPIELE-LEISTUNG

Nvidia Geforce GTX 750 Ti

DirectX 11 (3DMark: 1920 x 1080 Pixel, Preset): Ice Storm / Cloud Gate / Fire Strike

132 653 / 20 948 / 3943 Punkte

Battlefield 3: Ultra-Voreinstellungen, 4xAA, 8xAF (1.920 x 1.080)

37 Bilder/s

Tomb Raider: höchste Voreinstellungen, 4xAA, 8xAF (1.920 x 1.080)

29 Bilder/s

Anno 2070: sehr hohe Voreinstellungen, 4xAA, 8xAF (1.920 x 1.080)

45 Bilder/s

Umwelt-Eigenschaften: richtungsweisend sparsam

Die kleinere Überraschung erst einmal vorab betrifft die Betriebslautstärke . Mit maximal 0,5 Sone ist die Grafikkarte selbst bei maximaler Auslastung nur dezent hörbar – eine Seltenheit bei Referenzdesigns der Hersteller! Weniger gelungen finden wir das Kühldesign der Karte: Obwohl das Slotblech nur einen Steckplatz belegen würde, ist der einzelne verbaute Lüfter so ausladend, dass die Karte schlussendlich doch zwei PCI-Express-Slots in Beschlag nimmt.

Die geringe Leistungsaufnahme erlaubt es, auch kleine Systeme zu bauen oder den OEM-Rechner aus dem Elektronikmarkt aufzurüsten.
Vergrößern Die geringe Leistungsaufnahme erlaubt es, auch kleine Systeme zu bauen oder den OEM-Rechner aus dem Elektronikmarkt aufzurüsten.
© Nvidia

Die größte Überraschung hält allerdings die Messung der Leistungsaufnahme bereit: Unsere gesamte Testplattform zieht lediglich 216 Watt, wenn der Grafikchip voll ausgelastet ist! Zum Vergleich kratzt die Radeon R7 265 fast schon an der 300-Watt-Marke bei gleicher Belastung. Deshalb ist beim Referenzdesign auch kein separater Stromanschluss vom Netzteil notwendig, die Energie über die PCI-Schnittstelle reicht vollkommen aus. Bei Custom-Modellen von Asus oder Gigabyte dürfte aber aufgrund des mit Sicherheit überarbeiteten Kühldesigns mindestens ein 6-Pin-Anschluss nötig sein.

UMWELT UND GESUNDHEIT

Nvidia Geforce GTX 750 Ti

Stromverbrauch des Test-PCs: Leerlauf

132 Watt

Stromverbrauch des Test-PCs: Last

216 Watt

Betriebsgeräusch: Leerlauf

0,2 Sone

Betriebsgeräusch: Last

0,5 Sone

Temperatur: Leerlauf

31 Grad Celsius

Temperatur: Last

69 Grad Celsius

Test-Fazit zur Nvidia Geforce GTX 750 Ti

Test-Fazit: Sparsame und günstige Grafikkarte mit ausreichender Spiele-Leistung in 1080p.
Vergrößern Test-Fazit: Sparsame und günstige Grafikkarte mit ausreichender Spiele-Leistung in 1080p.
© Nvidia

Mit der Maxwell-Architektur weist Nvidia definitiv den richtigen Weg: Mehr Leistung bei immer geringerem Stromverbrauch, Energieeffizienz ist auch in der IT die Zukunft. Die Leistung in Spielen geht in Ordnung, bei der Computing-Performance hat sich auch viel getan gegenüber Kepler. Überraschend gering ist auch das Betriebsgeräusch. Gefallen hat uns auch die Möglichkeit, die Grafikkarte über ein hohes Maß hinaus zu übertakten – denn das bedeutet schlussendlich mehr Leistung für das gleiche Geld, die korrekte Kühlung vorausgesetzt.  Zusätzlich profitieren Sie von verschiedenen Techniken, die Nvidia-exklusiv sind, wie G-Sync, Geforce Experience oder PhsyX. Für einen empfohlenen Verkaufspreis von knapp 140 Euro ist die Grafikkarte eine definitive Empfehlung für den kleinen Geldbeutel oder den bescheidenen Aufrüster. Doch dass für das Geld noch mehr Performance drin ist, beweist eine (fast gleichwertige) R7 265, allerdings verwehrt hier der weitaus höhere Stromverbrauch ein breiteres Einsatzspektrum wie in OEM-Computern.

ALLGEMEINE DATEN

Nvidia Geforce GTX 750 Ti

Testkategorie

Grafikkarten

Grafikkarten-Hersteller

Nvidia

Internetadresse von Nvidia

www.nvidia.de

Preis (unverbindliche Preisempfehlung)

137 Euro

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