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Nvidia Geforce GTX 1060 im Test

19.07.2016 | 15:00 Uhr |

Die Nvidia Geforce GTX 1060 ist die Antwort auf die AMD Radeon RX 480 und soll für etwas mehr Geld auch noch mehr Leistung bieten: Laut Hersteller sogar mehr als die RX 480 und in etwa genau so viel wie eine GTX 980. Wir haben die Grafikkarten alle miteinander verglichen.

Die Nvidia Geforce GTX 1060 tritt gegen die AMD Radeon RX 480 in den Ring: Erstere Grafikkarte wird es ab 279 Euro geben, letztere ab knapp 260 Euro - beides unverbindliche Preisempfehlungen. Und beide Grafikprozessoren bieten trotz des günstigen Preises relativ viel Leistung. Hierbei handelt es sich außerdem um die wichtigste Preisspanne im GPU-Markt, da er ungemein attraktiv für die Käufer ist und sich somit als extrem umsatzstark für die Chip-Hersteller herausstellt. Ob nun AMD oder Nvidia kräftig mit ihren neusten Preis-Leistungsmodellen abkassieren darf, wird unser Test zeigen.
Infos zu den Custom-Modellen der Grafikkartenhersteller mit dem Nvidia Geforce GTX 1060 finden Sie hier .

Zum Test der AMD Radeon RX 480

GTX 1060 vs. RX 480 vs. GTX 980 - Das Duell

Nvidia Geforce GTX 1060 für ab 319 Euro ab sofort erhältlich

Die Nvidia Geforce GTX 1060 ist ab sofort direkt über Nvidia oder über Partner erhältlich. Bei Nvidia kann die Geforce GTX 1060 für 319 Euro bestellt werden und wird innerhalb von aktuell 1 bis 3 Werktagen versendet. Bei "Partnern" ist die Geforce GTX 1060 unter anderem hier bei Amazon verfügbar. Die Preise dort reichen - je nach Hersteller und Ausstattung - von 310 Euro bis 349 Euro.

Nvidia Geforce GTX 1060: Schlankheitskur beim Grafikprozessor

Der Aufbau des GP106-GPU der Nvidia Geforce GTX 1060.
Vergrößern Der Aufbau des GP106-GPU der Nvidia Geforce GTX 1060.
© Nvidia

Wie auch die großen Brüder GTX 1070 und 1080 liegt der GPU der GTX 1060 die Pascal-Grafikchip-Architektur zugrunde. Die Fertigung erfolgt also nach wie vor im 16-Nanometer-FinFET-Verfahren und der Prozessor mit der Modellbezeichnung GP106 verfügt ebenfalls über die neue „Simultaneous Multi-Projection“-Einheit. Mehr zur GPU-Technik erfahren Sie in unserem "Test der Nvidia Geforce GTX 1080".

Die technischen Daten der Nvidia Geforce GTX 1060.
Vergrößern Die technischen Daten der Nvidia Geforce GTX 1060.

Unter der Haube setzt Nvidia aber den Rotstift an und reduziert die Cuda-Shader-Einheiten auf 1280, das Speicher-Interface auf 192 Bit und lässt nur noch zehn Pascal-Streaming-Multiprozessoren aktiv. Dank der neuen Farbkompression (Delta Color Compression) ist allerdings auch der effektive Speichertakt auf 8000 MHz gestiegen. In folgender Tabelle haben wir die technischen Daten mit der Konkurrenz und den Vorgängern verglichen.

Grafikkarten-Mittelklasse: Technische Daten im Vergleich

Nvidia Geforce GTX 1060

AMD Radeon RX 480

Nvidia Geforce GTX 980

Nvidia Geforce GTX 960

Grafikchip

GP106

Ellesmere XT

GM104

GM206

Fertigung

16 Nanometer FinFET

14 Nanometer FinFET

28 Nanometer

Chipfläche

200 mm²

232 mm²

398 mm²

228 mm²

GPU-Standard-Takt / Boost-Takt

1506 / 1709 MHz

bis zu 1266 MHz

1126 / 1216 MHz

1127 / 1178 MHz

Shader-Einheiten

1280

2304

2048

1024

TMUs

80

144

128

64

ROPs

48

32

64

32

Grafikspeicher

6144 MB GDDR5

8192 MB GDDR5

4096 MB GDDR5

2048 MB GDDR5

Speichertakt (effektiv)

8000 MHz

8000 MHz

7000 MHz

7000 MHz

Speicheranbindung

192 Bit

256 Bit

256 Bit

128 Bit

Speicherbandbreite

192 GB/s

256 GB/s

224 GB/s

112 GB/s

TDP

120 Watt

120 Watt

165 Watt

120 Watt

Preis

279 Euro (unverbindliche Preisempfehlung)

255,40 (unverbindliche Preisempfehlung)

350 Euro (Straßenpreis)

160 Euro (Straßenpreis)

Die TDP von 120 Watt weist die GTX 1060 bereits als genügsamen Grafikbeschleuniger aus, demzufolge ist auch nur ein einzelner 6-Pin-Stromanschluss nötig, die restliche Energie kommt aus der PCI-Express-Schnittstelle. Beim Speicher setzt Nvidia weiterhin auf den GDDR5-Standard, stockt den Speicher dafür aber auch auf sechs Gigabyte auf.

An Videoanschlüssen stehen dreimal Displayport 1.3 (1.4 ready), einmal HDMI 2.0b und einmal Dual-Link DVI zur Verfügung. Damit beherrscht die Grafikkarte auch HDR (High Dynamic Range) und die Wiedergabe von 4K-Inhalten in 60 Hertz.
Vergrößern An Videoanschlüssen stehen dreimal Displayport 1.3 (1.4 ready), einmal HDMI 2.0b und einmal Dual-Link DVI zur Verfügung. Damit beherrscht die Grafikkarte auch HDR (High Dynamic Range) und die Wiedergabe von 4K-Inhalten in 60 Hertz.
© Nvidia

Bei den Schnittstellen und der Video-Engine gibt es hingegen keine Unterschiede zum Flaggschiff GTX 1080: Am Slotblech befinden sich drei Displayports der Version 1.3 (1.4 ready) und einmal HDMI 2.0b sowie Dual-Link-DVI. Ebenfalls die Schlankheitskur überstanden hat die Video-Engine, die beispielsweise HEVC (High Efficiency Video Coding) respektive die Kodierung von H.265-Material beherrscht. Die Wiedergabe von 4K-Inhalten in flüssigen 60 Hertz ist also nach wie vor gegeben.

Founders Edition und keine SLI-Unterstützung

Wir haben die sogenannte Founders Edition (im Prinzip das Referenz-Design) im Test, die Sie nun auch direkt von Nvidia beziehen können – allerdings schlägt diese Variante mit einem Preis von rund 320 Euro zu Buche. Dafür besteht das Kühl-Design aus einem Aluminium-Plastik-Gehäuse, einem einzelnen Radiallüfter, zwei Kupfer-Heatpipes und einem Aluminium-Kühlkörper, der über 50 Prozent mehr Fläche bietet als noch bei der Geforce GTX 960.

Die Founders Edition von Nvidia arbeitet mit einem einzelnen Radiallüfter, zwei Kupfer-Heatpipes und einem Aluminium-Kühlkörper.
Vergrößern Die Founders Edition von Nvidia arbeitet mit einem einzelnen Radiallüfter, zwei Kupfer-Heatpipes und einem Aluminium-Kühlkörper.
© Nvidia

Laut Nvidia soll sich die GTX 1060 sehr übertaktungsfreudig geben und sich bereits in der Founders Edition auf über 2 GHz übertakten lassen. Andere Modelle mit angepassten Kühlvarianten von Herstellern wie Asus, Gigabyte, MSI, EVGA oder Zotac soll es bereits ab 279 Euro geben, die Verfügbarkeit gibt Nvidia mit dem 19. Juli 2016 an.

Die Nvidia Geforce GTX 1060 benötigt lediglich einen 6-Pin-Stromanschluss. Eine SLI-Unterstützung ist nicht gegeben.
Vergrößern Die Nvidia Geforce GTX 1060 benötigt lediglich einen 6-Pin-Stromanschluss. Eine SLI-Unterstützung ist nicht gegeben.
© Nvidia

Doch ein Detail darf nicht unerwähnt bleiben: Eine Geforce GTX 1060 lässt sich nicht in einem SLI-Verbund betreiben, da die entsprechenden Schnittstellen fehlen und Nvidia den Multi-GPU-Betrieb nicht unterstützt. Der Hersteller möchte sich nach eigenen Angaben in Sachen SLI auf seine hochpreisigen Grafikmodelle konzentrieren. Unsere Meinung dazu: Wenn jemand von der Leistung von zwei GTX 1060 profitieren und das entsprechende Budget investieren möchte, der sollte das Geld lieber für ein einzelnes Oberklasse-Modell ausgeben. Denn damit umgehen Sie die Probleme wie mangelnde SLI-Profile, Mikroruckler und hohen Stromverbrauch.

Mit Nvidia Ansel hat der Hersteller ein mächtiges Screenshot-Tool im Angebot.
Vergrößern Mit Nvidia Ansel hat der Hersteller ein mächtiges Screenshot-Tool im Angebot.
© Nvidia

Nvidia Ansel und VR-Techniken

Ebenfalls recht neu ist das Ingame-Screenshot-Programm Nvidia Ansel, das bereits in Mirror’s Edge: Catalyst und Witcher 3 integriert ist. Mit Ansel lassen sich nicht einfach nur Momentaufnahmen von Spielen machen, sondern Sie erhalten eine frei bewegbare 3D-Kamera, um das Geschehen möglichst gut inszenieren zu können. Hinzu kommen die Möglichkeiten, Aufnahmen in 360 Grad anzufertigen, um sie dann mit Virtual-Reality-Brillen zu betrachten. Doch auch Filter und Bildbearbeitungs-Optionen gibt Ihnen Ansel an die Hand. Ein ideales Tool, um die besten Momente oder seinen hochgelevelten Charakter ins rechte Licht zu rücken.

VRWorks ist eine Sammlung von Techniken für Virtual-Reality-Anwendungen.
Vergrößern VRWorks ist eine Sammlung von Techniken für Virtual-Reality-Anwendungen.
© Nvidia

Auch Virtual Reality ist nach wie vor ein großes Thema, weshalb auch die Mittelklasse-Version der GTX-1000-Famile die VRWorks-Techniken unterstützt. Dazu zählen VRWorks Audio, bei dem es sich um Ray-traced-Audio handelt: Schallwellen brechen sich also realistisch an Objekten im Raum, auch Nvidias Physik-Simulation PhysX hat hier seine Finger im Spiel. Doch auch VRTouch, Sight und Behavior gehören dazu, um VR-Erlebnisse realistischer zu gestalten.

Nvidia Geforce GTX 1060 im Leistungsvergleich mit der AMD Radeon RX 480 und der GTX 980

Nvidia selbst hat während der Vorstellung der GTX 1060 die Behauptung aufgestellt, dass die Geforce GTX 1060 genauso schnell ist wie eine GTX 980 (zum PC-WELT-Test). Doch auch einen deutlichen Seitenhieb auf den Konkurrenten konnte sich Nvidia nicht verkneifen: „Bei nahezu allen Top-Spieletiteln ist die GTX 1060 in der Standard-Version im Durchschnitt 15 Prozent schneller und über 75 Prozent energieeffizienter als das direkt vergleichbare Produkt des Mitbewerbs.“ Zwar ist sie nicht namentlich erwähnt, aber wir sind uns ziemlich sicher, dass hiermit die AMD Radeon RX 480 gemeint ist.

Die Grafikkarten-Testplattform der PC-WELT - powered by Mifcom.
Vergrößern Die Grafikkarten-Testplattform der PC-WELT - powered by Mifcom.

Diese Behauptungen prüfen wir nun vier Spielen in drei verschiedenen Auflösungen (1080p, 1440p und 2160p) sowie einem synthetischen Benchmark (3DMark Fire Strike). Wir haben bei den beiden ersten Auflösungen die Kantenglättung gemäß den Angaben in den Tabellen aktiviert, bei Ultra-HD (3840 x 2160 Pixel) war sie bei den Messungen aber deaktiviert. Des Weiteren haben wir uns auch die Temperaturen, Lautstärke und den Stromverbrauch genauer angesehen.  Wenn Sie wissen möchten, welche Hardware wir bei unseren Grafikkarten-Tests verwenden, dann lesen Sie unseren Artikel „Wie PC-WELT Grafikkarten testet“.

Durchschnittliche Bildraten und Benchmark-Ergebnisse im Vergleich

Grafikkarte

GTA 5 (FXAA)

Witcher 3 (FXAA)

3DMark

1080p

1440p

2160p

1080p

1440p

2160p

Fire Strike

Geforce GTX 1060

77

61

31

53

39

22

11 567 Punkte

Radeon RX 480

66

53

28

53

35

23

10 768 Punkte

GTX 980

78

65

39

57

40

24

12 203 Punkte

Durchschnittliche Bildraten im Vergleich

Grafikkarte

The Division (SMAA hoch)

Rise of the Tomb Raider (SMAA hoch)

1080p

1440p

2160p

1080p

1440p

2160p

Geforce GTX 1060

55

40

23

38

23

29

Radeon RX 480

56

40

23

35

30

26

GTX 980

71

48

28

41

34

28

Nvidias erste Behauptung zur Leistungsfähigkeit der GTX 1060 und GTX 980 stimmt also – beide Grafikkarten liegen über alle drei Auflösungen hinweg auf etwa gleichem Niveau. Dass die GTX 1060 aber im Schnitt gleich 15 Prozent flotter sein soll als die Radeon RX 480 können wir nicht behaupten – auch wenn die RX 480 tatsächlich immer einen Ticken langsamer ist. Für flüssiges Zocken in Ultra-HD taugen aber alle drei Karten nicht.

UMWELT UND GESUNDHEIT

Nvidia Geforce GTX 1060

AMD Radeon RX 480

Nvidia Geforce GTX 980

Stromverbrauch des Test-PCs: Leerlauf

121 Watt

121 Watt

130 Watt

Stromverbrauch des Test-PCs: Last

230 bis 264 Watt

250 bis 360 Watt

250 bis 400 Watt

Betriebsgeräusch: Leerlauf

0,5 Sone

0,5 Sone

0,2 Sone

Betriebsgeräusch: Last

1,4 Sone

1,5 Sone

1,7 Sone

Temperatur: Leerlauf

37 Grad Celsius

38 Grad Celsius

25 Grad Celsius

Temperatur: Last

84 Grad Celsius

89 Grad Celsius

82 Grad Celsius

Beim Stromverbrauch sind die Unterschiede immens. Die GTX 1060 kann sich am deutlichsten von jeglicher Konkurrenz in diesem kleinen Vergleich absetzen, denn unser Testsystem verbraucht zwischen 230 und 264 Watt. Das Testsystem pendelt mit der RX 480 trotz der schmaleren Prozesstechnik von 14-Nanometer-FinFET zwischen 250 und 360 Watt, während die GTX 980 in Kombination mit unserem Test-System einen hohen Verbrauch von satten 250 bis 400 Watt das Schlusslicht ist – hier sorgt vor allem die alte 28-Nanometer-Fertigung für einen höheren Stromverbrauch.

Die RX 480 erhitzt sich mit 89 Grad Celsius am meisten, danach folgt die GTX 1060 mit 84 Grad Celsius, die GTX 980 kann sich mit 82 Grad Celsius aber nicht großartig absetzen.

Auch bei der Lautstärke gibt es keine allzu großen Unterschiede zwischen den drei Kontrahenten – denn bei voller Auslastung sind sie alle deutlich hörbar. Die GTX 1060 und die RX 480 zwar „nur“ mit 1,4 und 1,5 Sone, die GTX 980 rauscht lauter mit 1,7 Sone. Da aber viele Käufer zu den meist leiseren Partnermodellen greifen, sind diese Werte nicht allzu gravierend.

Nvidia behält Recht: Eine Nvidia Geforce GTX 1060 in der Founders Edition ist quasi genauso leistungsfähig wie eine GTX 980.
Vergrößern Nvidia behält Recht: Eine Nvidia Geforce GTX 1060 in der Founders Edition ist quasi genauso leistungsfähig wie eine GTX 980.
© Nvidia

Test-Fazit zur Nvidia Geforce GTX 1060

Um eine faire Beurteilung zu fällen, wie viel Cent Sie pro Frame erhalten, mussten wir natürlich den Preis der Founders Edition in Höhe von 320 Euro nehmen. Damit wären wir bei 0,13 FPS pro Euro, genau wie bei der GTX 980 mit dem günstigsten Straßenpreis von rund 350 Euro. Die RX 480 kommt auf 0,15 FPS pro Euro (Frames per second) – womit Sie mit der AMD-Karte also etwas mehr Leistung fürs Geld erhalten. Nehmen wir jedoch die unverbindliche Preisempfehlung von 279 Euro für die Partnermodelle, dann kommen wir ebenfalls auf 0,15 FPS pro Euro.

Mit klareren Worten: In Sachen Preis-Leistung geben sich die aktuellen AMD- und Nvidia-Mittelklasse-Modelle nicht viel, wohl aber in Sachen Stromverbrauch, der bei der GTX 1060 deutlich niedriger ausfällt. Einen gewissen Preisvorteil können wir der RX 480 aber nicht absprechen. Etwas mehr Leistung bietet aber dennoch die GTX 1060. Und auch hier wieder unser Tipp: Warten Sie auf die Partnermodelle mit den besseren Kühl-Designs.

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