27.10.2008, 10:00

Thomas Rau

Notebook-Test

Toshiba Qosmio G50-10I

Mit seinem 18,4-Zoll-Display ist das Qosmio G50-10I eigentlich ideal für HD-Wiedergabe. Doch Toshiba verzichtet auf ein Blu-Ray-Laufwerk: Stattdessen soll ein Zusatz-Prozessor DVDs High-Definiton-Bilder entlocken.
Toshiba stellt im Qosmio G50-10I dem Intel Core 2 Duo T9400 einen Quad Core HD Processor zur Seite: Dieser basiert auf der Technik der Cell-CPU, die in der Playstation 3 arbeitet. Der Zusatzprozessor soll unter anderem beim Umwandeln von Videos die Notebook-CPU entlasten. Toshiba wirbt besonders mit zwei Funktionen des Quad Core HD: Er ermöglicht das Steuern bestimmter Anwendung mittels Gesten. Und er soll mittels „Upscaling“ dafür sorgen, dass auch DVD-Filme bei der Wiedergabe auf dem Qosmio G50 HD-Qualität erreichen. Denn Toshiba als Verfechter des unterlegenen High-Definition-Formats HD-DVD weigert sich bisher, seine Notebooks mit einem Blu-Ray-Laufwerk auszustatten.
Im Test blieb von diesen Versprechungen allerdings kaum etwas übrig: Das Upscaling, das nur beim Abspielen über den installieren Toshiba DVD Player möglich ist, wertet DVD-Filme zwar mit einer deutlich besseren Farbwiedergabe auf. Doch von HD-Qualität sind sie meilenweit entfernt: Mehr Details oder eine schärferes Bild waren nicht feststellbar. Im Gegenteil: Bei Bildern mit vielen bewegten Details – zum Beispiel Menschenmengen – wirkten Strukturen verwaschen und unscharf, die zusätzlichen interpolierten Pixel erzeugten ein unruhiges Flimmern.
Auch die Gestensteuerung ist kaum zu gebrauchen: Nur bei sehr guten Lichtverhältnissen erkannte die Web-Cam die drei Handgesten (erhobener Daumen, Faust, geöffnete Hand) mit denen sich zum Beispiel im Windows Media Center die Medienwiedergabe starten oder pausieren lässt. In den meisten Fällen identifizierte das Notebook aber nur die einfachste Steuergeste – die geöffnete Hand -, oft ließ sich die Gestensteuerung gar nicht zur Zusammenarbeit überreden.
Tempo: Zum System-Tempo trägt der HD Processor nichts bei – beim Bearbeiten von Videos beispielsweise ist das Qosmio G50-10I auf jeden Fall nicht außergewöhnlich schnell. Dennoch reicht es insgesamt für sehr gute 130 Punkte im Sysmark 2007: Die beiden Festplatten von Seagate machen vor allen Dingen bei Office-Anwendungen kräftig Dampf. Im 3D Mark 06 schaffte der Geforce 9600M GT nur rund 4100 Punkte – andere Notebooks mit Nvidias neuem Mittelklasse-Chip bringen es auf 1500 Punkte mehr.

Ausstattung: Auch ohne Blu-Ray-Laufwerk ist das Qosmio G50-10I top ausgestattet. Zwei Festplatten bieten 500 GB Speicherplatz, mit Gigabit-LAN, 11n-WLAN und Bluetooth ist das Notebook auch bei der Vernetzung auf dem neuesten Stand. Fernsehen kann man auch mit dem Qosmio: Ein hybrider TV-Tuner für analogen Kabel- und digitalen DVB-T-Empfang ist an Bord, eine Stabantenne liegt ebenso wie eine Fernbedienung bei. Neben drei USB-Ports besitzt es außerdem eine USB-/e-SATA-Kombi-Buchse.

Ergonomie: Das 18,4-Zoll-Display zeigt die Full-HD-Auflösung von 1920 x 1080 – Filme in 1080i/p lassen sich also im originalgetreuen Seitenverhältnis von 16:9 ohne schwarze Balken anzeigen. Die Bildqualität ging in Ordnung, konnte aber nicht vollends überzeugen: Die maximale Helligkeit war nur mittelmäßig, unten lag die Leuchtdichte deutlich höher als im oberen Displaybereich. Farben stellte das Qosmio G50-10I dafür sehr satt und teilweise übertrieben kräftig dar – ideal für TV und Film, aber nicht für farbverbindliche Bildverarbeitung. Durch den weiten stabilen Blickwinkel können auch mehrere Personen problemlos einen Film am Toshiba-Laptop genießen. Dabei stört auch der Lüfter nicht: Er blieb auch unter Last mit maximal 0,8 Sone angenehm leise.

Mobilität: Toshiba steckt einen großen Akku ins Multimedia-Notebook – damit wiegt es zwar knapp fünf Kilogramm. Aber im Akkutest reicht es damit für eine Laufzeit von über 3,5 Stunden.

Handhabung: Die Tastatur besitzt einen vierspaltigen Ziffernblock. Beim Tippen gibt sie etwas nach. Störender beim Schreiben ist allerdings das geringe Druck-Feedback der Tasten und der flache Hub.

Verarbeitung: Toshiba verziert das Qosmio G50-10I mit einem glanzlackierten Deckel, der ein graues Streifenmuster aufweist. Der Rahmen um das Display. Die Handballenablage und die Tastenkappen leuchten in schwarzem Glanzlack. Die Schnittstellen auf der Gehäuserückseite sind in einer silbernen Kunststoffleiste eingefasst – so versprüht das Qosmio einen Hauch von Luxus-Hifi-Anlage. Die Verarbeitung war okay: Nur die Displayabdeckung knarzte schon bei leichtem Druck und stand am unteren Rand etwas vom Panel ab.
Fazit: Das Toshiba Qosmio G50-10I ist rechenstark und sehr gut ausgestattet. Doch ein Multimedia-Notebook ohne Blu-Ray-Laufwerk ist nicht mehr zeitgemäß – vor allem für diesen Preis. Die Upscaling-Funktion ist nur eine Krücke, die Gestensteuerung im Praxiseinsatz noch ausbaufähig.

Alternativen: Mit hochauflösendem 17-Zoll-Display ist das Fujitsu-Siemens Amilo Xi 2550 ausgestattet. Doch es besitzt ein Blu-Ray-Laufwerk. Etwas kleiner ist das 16-Zoll-Display des Acer Aspire 6920G, doch es besitzt das filmtaugliche Seitenverhältnis 16:9.
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