Neues Lederlenkrad von Fanatec

Porsche 911 Turbo

Freitag, 30.05.2008 | 11:30 von Gamestar
Die originalgetreue Reproduktion des 911 Lederlenkrades soll laut Hersteller Fanatec echtes Porsche-Feeling vermitteln. Mit einem Preis von 300 Euro ist es nicht gerade billig. Ob es den Preis wert ist, hat die Gamestar getestet.

von Hendrik Weins
Schon beim Auspacken des Porsche 911 Turbo-Lenkrads bemerken Rennspieler die Liebe von Hersteller Fanatec zum Detail. Die Pappdeckel verkünden nacheinander "Hol tief Luft", "Entspann Dich" und "GO GO GO!".

Müssten Sie bei einem echten Porsche selbst eine Fußablage extra bezahlen, liegt im Karton des 911-Lenkrads alles, was engagierte Rennspieler brauchen: Pedalerie, Sechs-Gang-H-Schaltung, sequentielle Schaltung, "Lap-Wings" für das stabile Balancieren des Lenkrads auf den Oberschenkeln und ein 1 GByte großer USB-Speicher-Stick mit dort abgelegten Treibern.

In der Box

Vor dem ersten Sieg steht wie bei einem Rennwagen die richtige Abstimmung. Beim Porsche 911 Turbo ist die jedoch unnötig kompliziert. So müssen Sie drei Pedale auf einmal bedienen und zusätzlich die Taste am USB-Empfänger drücken, um das Lenkrad in den PC-Modus zu bringen (das 911 unterstützt auch die Playstation 3). Sind die Hürden genommen, lässt sich das per Schraubklemme befestigte Lenkrad aber jederzeit mit wenig Aufwand auf- und wieder abbauen - die batteriebetriebene Pedal-Einheit schieben Sie einfach beiseite. Ohnehin verzichtet der Hersteller weitgehend auf störende Kabel. Das Lenkrad nimmt per USB-Stick drahtlosen Kontakt zum PC auf, und auch die Pedalerie kommt ohne Strippen aus - beides vollkommen verzögerungsfrei. Über einen Tuning-Knopf am Lenkrad konfigurieren Sie maximalen Lenkeinschlag und Force-Feedback-Stärke sowie Vibrationen, die Sie dann in bis zu fünf Profilen speichern können.

Auf der Strecke

Im Praxiseinsatz macht das Porsche-Lenkrad vom Start weg einen hervorragenden Eindruck. Das Volant im Zuffenhausener Design hat einen ungewöhnlich großen Durchmesser von 30 Zentimetern, zehn Tasten und liegt dank griffigem Lederbezug sehr gut in den Händen. In GTR 2 spüren wir jede Unebenheit und zirkeln Rennwagen selbst ohne Fahrhilfen absolut präzise über die Strecken. Schneiden wir scharfe Kurven und geraten wir dabei auf losen Untergrund wie Schotter oder streifen die Curbs, bringen die drei Rüttel-Motoren dies stets kräftig und realitätsgetreu rüber. Der stärkste übernimmt die Force-Feedback-Effekte, zwei kleinere simulieren das Vibrieren des Motors. Trotzdem fühlen wir die Fliehkräfte in Kurven oder bei schnellen Lastwechseln kaum. Unsere bisherige Lenkrad-Referenz Logitech G25 (Test in 12/2006, 90 Punkte) simuliert aufkommende Fliehkräfte hingegen hervorragend, sodass geübte Fahrer leichter erkennen können, wann das Fahrzeug auszubrechen droht. Allerdings verlangt das G25 dem Fahrer weit mehr Kraft ab als das 911, das Sie problemlos mit einer Hand bedienen. Sämtliche Bewegungen und sogar die Force-Feedback-Geräusche brummen nur leicht, beim G25 sind die Motoren meist deutlich hörbar.

Trotz der Plastik-Optik überzeugt uns die rutschfeste Pedaleinheit des 911 Turbo in jeder Situation. Gas, Bremse und Kupplung haben realistische Widerstände, das Kupplungspedal sogar einen Schleifpunkt - genial! Auch die Schaltwippen am Lenkrad arbeiten perfekt. Mangels solider Befestigung wackeln aber sowohl die sequentielle als auch die konventionelle 6-Gang-Schaltung bei hektischen Schaltmanövern stark. Bei beiden rasten die Gänge optimal ein, was die Handschaltung allerdings mit einem lauten Krachen begleitet.

Start-Ziel-Sieg

Wer knapp 300 Euro übrig hat und mit Hingabe über virtuelle Strecken heizt, macht mit dem Lenkrad Porsche 911 Turbo von Fanatec alles richtig. Die hervorragende Präzision, das riesige Ausstattungspaket und der leise Betrieb begeistern Rennfahrer - neue Hardware-Referenz bei Lenkrädern! Die grundsätzlich beeindruckenden Force-Feedback-Effekte schwächeln lediglich bei der Fliehkraft-Simulation. Die Verarbeitung ist dem hohen Preis von 300 Euro aber nicht angemessen: nachlässig geschnittene Kanten, wacklige Tasten, viel Plastik. Das macht das rund 80 Euro günstigere G25 besser (220 Euro).

Freitag, 30.05.2008 | 11:30 von Gamestar
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