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15.01.2009, 09:30

Thomas Rau

Netbook in Rot

Lenovo Ideapad S10e

Lenovo bringt mit dem Ideapad S10e sein erstes Netbook heraus. Der Mini-Laptop mit 10,1 Zoll großem Display ist nicht nur überraschend günstig, sondern bietet auch pfiffige Zusatzfunktionen.
Das Ideapad S10e gibt es in drei Farbvarianten: Schwarz, Weiß oder Rot. Wir hatten das Modell mit rotem Glanz-Deckel, roter Gehäuseunterseite und weißer Handballenablage und Tastatur im Test. Damit Sie schneller mit dem Netbook arbeiten können, besitzt das Ideapad S10e eine so genannte Quick-Start-Funktion: Der Mini-Laptop bootet dabei nach rund 12 Sekunden ein Mini-Linux: Damit können Sie per Browser im Internet surfen, chatten oder Videotelefonate per Skype führen sowie MP3-Dateien anhören oder Fotos betrachten.
Der Zeitgewinn gegenüber einem Windows-Start ist aber nicht besonders hoch: Die Linux-Anwendungen starten deutlich langsamer als die entsprechenden Windows-Programme. Außerdem lässt sich die Maus unter Linux nur sehr ungenau steuern - der Cursor hüpft immer wieder über den Bildschirm: Hier sollte Lenovo mit einem neuen Touchpad-Treiber nachbessern.
Auch nicht unproblematisch ist die Displayauflösung von 1024 x 576 Bildpunkten. Das entspricht zwar einem kinotauglichen Seitenverhältnis von 16:9. Allerdings meckert Windows nach jedem Start die zu geringe Auflösung an, wenn man diese Meldung nicht abschaltet. Unser Testmodell zeigte außerdem nur eine Farbtiefe von 16 Bit, was sich auch in den Windows-Eigenschaften nicht verändern ließ: Das gelang erst im Grafiktreiber von Intel.
Tempo: Beim Rechentempo unterscheidet sich das Ideapad S10e nicht von anderen Netbooks. Kein Wunder – es besitzt mit dem Intel Atom N270 81,6 GHz), 1 GB RAM und einer 160-GB-Festplatte die gleichen Komponenten wie die meisten Mini-Laptops. Im PC Mark 05 schaffte es 1556 Punkte.
Ausstattung: Das Ideapad S10e wartet nur mit zwei USB-Ports auf – andere 10,2-Zoll-Netbooks haben drei USB-Buchsen. Dafür besitzt es auf der rechten Seite einen Steckplatz für Expresscards im kleinen Format: Dort hinein kann man beispielsweise eine UMTS-Karte packen statt einen unhandlicheren UMTS-USB-Stick zu nutzen. Fürs kabellose Netzwerk bringt das Lenovo-Netbook Bluetooth und WLAN mit – letzteres allerdings nur in der älteren 11g-Variante mit maximal 54 MBit/s. Vorsicht beim Aufrüsten des Arbeitsspeichers: 512 MB RAM sind auf der Platine aufgelötet und lassen sich nicht austauschen. In unserem Testmodell saßen außerdem 512 MB in einem zugänglichen Steckplatz: Wenn Sie diesen Riegel gegen einen 1-GB-Riegel austauschen, kommen Sie auf maximal 1,5 GB Arbeitsspeicher. Setzen Sie dagegen einen 2-GB-Riegel ein, verschenken Sie 512 MB: Der Chipsatz unterstützt nämlich nicht mehr als 2 GB.
Mobilität: Im Ideapad S10e sitzt ein 6-Zellen-Akku. Er ragt hinten etwas aus dem Gehäuse und stellt das Netbook leicht schräg: Es steht allerdings auch stabil, wenn der Akku nicht eingebaut ist. Bei den Akkutests schnitt das Ideapad S10e ordentlich ab: Es lief knapp 4,5 Stunden bei der Wiedergabe eines Divx-Videos mit maximaler Bildschirmhelligkeit. Beim Surfen per WLAN reichte es für 5:13 Minuten. Die meisten Netbooks mit 6-Zellen-Akku halten allerdings etwas länger durch, wie unser Vergleichstest beweist.
Ergonomie: Lenovo baut ein spiegelndes Display ins Ideapad ein. Keine sinnvolle Entscheidung, denn vor allem bei dunklem Bildschirmhintergrund sieht man vor allem sich selbst auf dem Display. Außerdem überzeugte das Glare-Panel weder bei der Helligkeit mit durchschnittlich 122 cd/m2 noch bei der Farbwiedergabe. Für den Einsatz unter freiem Himmel ist das Ideapad S10e deshalb keine gute Wahl.
Handhabung: Die meisten Tasten des Ideapad S10e liegen in einem angenehm breiten 17,5-Millimeter-Raster. Selbst die wenigen schmaleren Tasten - etwa die Umlaute – fallen mit einem 15-Millimeter-Raster groß genug für schnelles Tippen aus. Dass uns das Schreiben auf der Ideapad-Tastatur trotzdem nicht vollkommen überzeugte, lag daran, dass sie auf der rechten Seite deutlich federte.
Ebenfalls nervig: Das kleine Touchpad liegt nicht mittig unter der Leertaste – beim Zehnfinger-Tippen verschiebt man daher öfters unabsichtlich den Mauszeiger: Das Touchpad lässt sich aber per Funktionstasten abschalten. Die Direkt-Tasten zum Schnellstart von Programmen und Einschalten von WLAN und Bluetooth liegen zu tief im Gehäuse – man muss sie stark drücken um eine Aktion auszulösen.
Fazit: Lenovo legt mit dem Ideapad S10e ein überzeugendes Netbook-Debüt hin. Mit rund 350 Euro ist es sogar etwas günstiger als vergleichbar ausgestattete Mini-Laptops. Zu einem rundum perfekten Netbook fehlen ihm aber ein entspiegeltes und helleres Display, 11n-WLAN sowie eine etwas längere Akkulaufzeit.
Alternativen: Das Samsung NC10 kann mit einem matten, hellen Display und sehr langer Akkulaufzeit punkten, besitzt aber kein Bluetooth. Empfehlenswerte Netbooks mit 10,2-Zoll-Display sind außerdem der Asus Eee PC 1000H und das MSI Wind U100 1616-XP.
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