30.06.2009, 19:30

Yvonne Göpfert

Multimedia-Handy im Test

Nokia N97

Arbeitstier und Freizeithelfer: Das Nokia N97 ist mit 5-Megapixel-Kamera, Speicher satt und Tastatur zum Ausfahren bestens ausgestattet. Schwächen? Das verrät der Test.

Testbericht zum Handy Nokia N97

Schon der erste Blick verrät: Nokia hat den Startbildschirm des Handys N97 neu gestaltet. Dank der frischen Ordnung gelangt der Anwender sofort zu allen Funktionen und Kontakten, die er häufig auf- bzw. anruft. Vier Felder kann der Nutzer nach seinem Gusto so belegen, so dass Funktionen wie Kamera, Musik-Player oder E-Mail gleich griffbereit zur Verfügung stehen. In ein Feld kann er seine wichtigsten Kontakte direkt mit Foto stecken. Drei Felder (Datum, Uhrzeit, Profile) sind vorgegeben und nicht veränderbar. Der Nutzer kann die Icons mit der Hand beliebig verschieben und für mehr Diskretion notfalls mit einem Handstreich auch mal wegwischen.
Insgesamt ist das Konzept gut durchdacht und dank Touchscreen schön zu bedienen. Zu weiteren Funktionen gelangt der Nutzer über den silbernen Knopf links unter dem Display. Hier ähnelt die Menüstruktur bedauerlicherweise der auf älteren Symbian-Smartphones: Sie ist wenig übersichtlich und die Zuordnung von Menüpunkten zu einzelnen Kategorien erscheint oft sehr willkürlich und für Nokia-Neulinge schwer nachzuvollziehen. Zudem muss der Nutzer die Programme mit Doppelklick aufrufen, was sehr umständlich ist.
Viele Punkte hat das Nokia N97 dagegen für seine Geschwindigkeit eingeheimst. Kaum ist ein Menüpunkt angetippt, öffnet er sich auch schon. Auch das Scrollen funktioniert recht flüssig auf dem mit 640 x 360 Pixel recht fein auflösenden Touchscreen.
Nokia N97 als Schreibmaschine
Gelungen ist die ausfahrbare, dreizeilige Komplett-Tastatur, die in einem 35-Grad-Winkel zum Display steht. Besonderer Komfort: Das "Ü" befindet sich direkt auf den Tasten, für "Ä" und "Ö" und "@" muss der Nutzer die Umschalttaste bemühen. Die Buchstaben reagieren gut und so werden vor allem Vielschreiber sie lieben. Und großzügig darüber hinwegsehen, dass sie das Smartphone ziemlich dick aufplustert. Und verzeihen, dass das Display fast mit Gewalt weggeschoben werden muss, wenn man nicht den richtigen Dreh findet. Etwas mehr schubladensanftes Gleiten wäre wünschenswert.
Wer lieber auf dem Touchscreen schreibt, kann auf Handschriftenerkennung umstellen. Zum Schreiben ist ein fünf Zentimeter kurzer Ministift im Lieferumfang enthalten. Die Handschriftenerkennung funktioniert mit etwas Übung ganz ordentlich, der Nutzer kann aber auch trainieren, so dass er bald weiß, wie er schreiben muss, damit das Gerät seine Handschrift erkennt.
Große Hoffnung ruht auf der Multimedia-Ausstattung
Zwar bietet das N97 nur eine 5-Megapixelkamera, während Sony Ericsson, LG und Samsung ihre Top-Geräte schon mit einer 8-Megapixel-Kamera ausstatten. Die Kamera im Nokia N97 löst dafür sehr schnell aus. Auch beim Abspeichern der Fotos beeilt sie sich, so dass Party-Schnappschüssen kaum etwas im Wege steht. Videos dreht die Kamera mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde bei einer Auflösung von 640 x 480 Pixeln im Kinoleinwand-Format 16:9. Außerdem spielt das N97 auch You-Tube-Videos im Browser ab. Weitere Flashseiten, die beispielsweise Videos auf tagesschau.de zeigen würden, unterstützt das Nokia N97 jedoch nicht.
Davon abgesehen ist Surfen im Netz per RSS-Feed oder Bookmarks recht komfortabel. Auf dem Display ist viel Platz für die Seitendarstellung mit allen Inhalten. Mit einem Fingerstreich kommt der Nutzer auch schnell bis ans untere Ende der Seite. Fehlt nur noch, dass der Nutzer mit einer einfachen Geste hineinzoomt, um Inhalte besser lesen zu können.
Viel Mühe gibt sich Nokia mit Web-2.0-Anwendungen: Der Zugang zu Facebook ist vorinstalliert, gleiches gilt für Ovi, Nokias eigenem Internetportal. Dort kann der der Nutzer Fotos mit Freunden teilen, eigene Dateien hochladen oder Programme und Spiele kaufen.
Per GPS kann sich der Nutzer von A nach B lotsen lassen. Als Kartenmaterial steht eine dreimonatige Testlizenz für Nokia Maps 3.0 zur Verfügung. Gelungen: Der Nutzer kann seine Reise auf ovi.com am Desktop planen und per USB-Kabel auf das Smartphone schieben.
Großer Datencontainer
Äußerst großzügig zeigt sich Nokia beim Speicher: 32 Gigabyte stehen bereits intern zur Verfügung, per SDHC-Karte ist ein Aufstocken um weitere 16 GB drin. Damit liegt das Nokia N97 beim Speicher auf Augehöhe mit dem iPhone 3G S.
Fazit: Das Nokia N97 ist ein Mini-Computer, der mit einer fast perfekten Ausstattung aufwarten kann. Vor allem 5-Megapixelkamera und Tastatur machen Laune. Wenig gelungen ist dagegen die immer noch komplexe Menüführung des Symbian-Betriebssystems. Immerhin erleichtert der individuelle Startbildschirm den Programmzugriff. Gut integriert sind Social-Networking Dienste.
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